Zusammenfassung des US-amerikanischen CHIPS and Science Act von 2022

Letzte Woche hat das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten den CHIPS and Science Act im Wert von 280 Milliarden US-Dollar verabschiedet. Die politischen Entscheidungsträger brachten das Gesetzgebungsverfahren voran und verwiesen auf den Wettbewerb mit China sowie Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit.

Zusammenfassung des US-amerikanischen CHIPS and Science Act von 2022

Letzte Woche verabschiedete das Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten den CHIPS and Science Act im Wert von 280 Milliarden US-Dollar. Entscheidungsträger trieben die Gesetzgebung unter Berufung auf den Wettbewerb mit China und Bedenken hinsichtlich der nationalen Sicherheit voran. 

Mehr als 76 Milliarden US-Dollar wurden für die Wiederbelebung der Chipproduktion in den USA bereitgestellt, 81 Milliarden US-Dollar fließen in Forschungs- und Bildungsprojekte der National Science Foundation, und mehrere Milliarden finanzieren Programme des Department of Energy (DOE).

Präsident Biden erklärte in einer Pressemitteilung, dass dieses Gesetz die Kosten für alltägliche Güter senken, landesweit gut bezahlte Arbeitsplätze in der Fertigung schaffen sowie gleichzeitig die nationale Sicherheit und die Führungsrolle der USA in zukünftigen Industrien stärken wird.

Die Pandemie und die Chip-Lieferengpässe der vergangenen Jahre haben die essenzielle Rolle von Halbleitern für die Weltwirtschaft und für nachhaltige Energieziele verdeutlicht. Die Zusammenbrüche der Lieferkette offenbarten globale Abhängigkeiten und führten dazu, dass zahlreiche Länder ihre lokalen Fertigungskapazitäten für Chips weiterentwickeln – ein entscheidender Faktor für wirtschaftliche und militärische Sicherheit.

Auch die USA waren hiervon betroffen: Unternehmen verloren durch Halbleiter-Engpässe Milliardenbeträge. Laut der Semiconductor Industry Association (SIA) ist die US-amerikanische Halbleiterfertigungskapazität von 37 % im Jahr 1990 auf heute 12 % gesunken – vor allem, weil Regierungen anderer Länder massiv in Chip-Förderungen investiert haben, die US-Regierung jedoch nicht.

Dieser Rückgang ist maßgeblich auf Anreize zurückzuführen, die Produktionskosten für Halbleiter im Ausland senken. Mit dieser Gesetzgebung soll die Führungsrolle der USA in diesem Sektor wieder gestärkt werden. 

Das Gesetz umfasst:

  • 52 Milliarden US-Dollar Zuschüsse über fünf Jahre, um die inländische Halbleiterfertigung auszubauen – davon sind 2 Milliarden explizit für die Produktion von Legacy-Chips bestimmt, die für die Automobilindustrie, das Militär und weitere sicherheitskritische Branchen unerlässlich sind.
  • Eine 25-%-Investitionssteuergutschrift (Investment Tax Credit, ITC) für neue oder erweiterte Werke, die Halbleiter oder Chipfertigungsanlagen herstellen.
  • 200 Millionen US-Dollar Förderung über fünf Jahre für die National Science Foundation mit dem Ziel, das Wachstum der Halbleiterarbeitskräfte zu fördern. Das Handelsministerium (Commerce Department) rechnet damit, dass die Vereinigten Staaten bis 2025 rund 90.000 zusätzliche Fachkräfte in der Halbleiterindustrie benötigen werden.
  • 500 Millionen US-Dollar für den „CHIPS for America International Technology Security and Innovation Fund“, um zusammen mit internationalen Regierungspartnern globale Informations- und Kommunikationstechnologiesicherheit sowie Halbleiter-Lieferkettenaktivitäten zu unterstützen, einschließlich Entwicklung und Etablierung sicherer Telekommunikationstechnologien, Halbleiter und weiterer Zukunftstechnologien.
  • 11 Milliarden US-Dollar über fünf Jahre für die Umsetzung der Programme des National Semiconductor Technology Center („NSTC“), des National Advanced Packaging Manufacturing Program und weiterer F&E- und Arbeitskräfteentwicklungsprogramme.
  • 1,5 Milliarden US-Dollar Förderung für den „Public Wireless Supply Chain Innovation Fund“ – mit Fokus auf den Aufbau offener, softwarebasierter Funktechnologien.
  • 9,68 Milliarden US-Dollar über fünf Jahre für das National Institute of Standards and Technology (NIST), unter anderem für dessen Programme zur Treibhausgasmessung, KI, Cybersicherheit, Kommunikation und digitale Identitätsforschung. 

Durch das Gesetz werden außerdem u. a. folgende Initiativen gefördert: 

  • Erhöhte Fördermittel für den Ausbau des Hollings Manufacturing Extension Partnership Programms – eine Initiative unter dem Dach des National Institute of Standards and Technology zur Stärkung der Fertigungskapazitäten in allen 50 Bundesstaaten und Puerto Rico.
  • Schaffung eines regionalen Programms für saubere Energie-Innovationen zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung verschiedener US-Regionen.
  • Erstmalige umfassende Förderautorisierung für das Office of Science des US-Energieministeriums (DOE), das grundlegende wissenschaftliche Forschung für die US-Innovationskraft seit Jahrzehnten betreibt.
  • Etablierung einer neuen Direktion der National Science Foundation (NSF) mit Fokus auf Forschung und Kommerzialisierung zukünftiger Schlüsseltechnologien.
  • Ausbau des Established Program to Stimulate Competitive Research (EPSCoR), das fortschrittliche naturwissenschaftliche und technologische Forschung an Hochschulen im ganzen Land vorantreibt.
  • Etablierung einer Beauftragten für Diversität (Chief Diversity Officer) bei der NSF, um Vielfalt und Inklusion in allen NSF-Programmen und Abläufen sicherzustellen.
  • Gezielte NSF-Förderung für Forschung und Entwicklung von Lieferketten für kritische Mineralien.
  • Programme und Zuschüsse zur Steigerung der Transparenz und Zugänglichkeit der bundesweiten MINT-Bildung (STEM) an Historically Black Colleges and Universities, Tribal Colleges and Universities, Hispanic-Serving Institutions und anderen Hochschulen für Minderheiten sowie zum Abbau von Barrieren für Frauen und Minderheiten bei Rekrutierung und Förderung im MINT-Bereich.