Single Sourcing vs. Sole Sourcing vs. Multisourcing: Was ist der Unterschied?

Im sich wandelnden Umfeld der Lieferketten überdenken Unternehmen ihre Beschaffungsstrategien. In unserem aktuellen Artikel erläutern wir die wichtigsten Unterschiede zwischen Single Sourcing, Sole Sourcing und Multisourcing, damit Sie den passenden Ansatz für Ihre Anforderungen wählen können.

Single Sourcing vs. Sole Sourcing vs. Multisourcing: Was ist der Unterschied?

Lange Zeit betrachteten Hersteller, Importeure und andere Unternehmen die Beschaffung und den Einkauf als einen einfachen, eindimensionalen Prozess. Eine Beziehung zu einem einzigen Lieferanten aufzubauen, galt nahezu immer als vorzugswürdig, da dies Kontinuität förderte, die Lieferkette vereinfachte und zahlreiche Vorteile einer langfristigen Partnerschaft bot. Zudem war der Druck auf Lieferketten nicht so hoch, dass die Zusammenarbeit mit mehreren Lieferanten notwendig gewesen wäre.

Die Pandemiezeit hat diese langjährige Überzeugung jedoch grundlegend infrage gestellt. Herstellungsengpässe, Transportkrisen und massive Turbulenzen, die die Lieferketten 2020 und 2021 erschütterten, machten die Schwachstellen der weitverbreiteten Single-Sourcing-Strategie schmerzhaft deutlich. 

Unternehmen aus Schlüsselsektoren wie Energie, Gesundheitswesen sowie Luft- und Raumfahrt und Verteidigung erlitten in den ersten beiden Jahren der 2020er-Jahre schwerwiegende Lieferkettenunterbrechungen, wobei der jährliche Durchschnittsschaden bei größeren Unternehmen auf über 180 Millionen US-Dollar stieg. Seither haben Unternehmen ihre Beschaffungsstrategien maßgeblich angepasst. Laut einer im Oktober 2022 veröffentlichten Deloitte-Umfrage haben 63 % der börsennotierten Unternehmen den Umfang von Dual- und Multisourcing erhöht (bei Privatunternehmen lag der Wert sogar noch höher). Die Logik hinter diesem Umdenken ist leicht nachvollziehbar. Unternehmen erkennen zunehmend den wirtschaftlichen Wert von Resilienz in der Lieferkette – eine Lieferkettenrisikomanagement-(SCRM)-Maßnahme, die häufig mit dem Ausstieg aus dem risikobehafteten Sole Sourcing beginnt. 

Laut einer im Oktober 2022 veröffentlichten Deloitte-Umfrage haben 63 % der börsennotierten Unternehmen den Umfang von Dual- und Multisourcing erhöht (bei Privatunternehmen lag der Wert sogar noch höher).

Doch was genau versteht man unter Sole Sourcing und wie unterscheidet es sich von alternativen Methoden wie Single Sourcing oder Multisourcing?

Sole Sourcing 

Obwohl die Begriffe „Sole Sourcing“ und „Single Sourcing“ oftmals synonym verwendet werden, handelt es sich um klar voneinander abzugrenzende Konstellationen in der Lieferkette. Ein Unternehmen betreibt Sole Sourcing, wenn es ein Teil, ein Produkt oder einen Rohstoff ausschließlich von einem einzelnen Lieferanten bezieht, das von keinem anderen Anbieter verfügbar ist. Der Käufer hat keine alternativen Lieferanten zur Auswahl und muss deshalb mit dem allein verfügbaren Hersteller – quasi dem einzigen Anbieter am Markt – zusammenarbeiten. Nach manchen Definitionen handelt es sich dabei um ein Monopol und einen monopolistisch geprägten Markt. 

Vorteile

  • Zugang zu einem einzigartigen, nicht reproduzierbaren Produkt sowie zu proprietärer Technologie und damit verbundenen Funktionen. Oft entsteht Sole Sourcing, weil ein Lieferant etwas so Wertvolles und Komplexes produziert, dass kein anderer Anbieter einen vergleichbaren Markteintritt oder ein alternatives Produkt anbieten kann. 

  • Weniger Aufwand für das Personal. Bei Sole Sourcing müssen sich Fachkräfte für strategische Beschaffung und Einkauf nicht um die Recherche, Identifikation und Betreuung mehrerer Lieferanten kümmern. Ebenso entfällt der Zeitaufwand, sich mit einer breiten Lieferantenlandschaft vertraut zu machen. 

Nachteile

  • Abhängigkeit von einer einzigen Bezugsquelle. Kann ein Produkt oder Teil ausschließlich von einem Lieferanten bezogen werden, ist das Unternehmen hochgradig anfällig gegenüber Störungen beim Hersteller. Von Fabrikschließungen über Arbeitskämpfe bis hin zu Compliance-Problemen können Ereignisse die Kontinuität der eigenen Lieferkette unmittelbar und erheblich beeinträchtigen. 

  • Geringer Verhandlungsspielraum. Lieferanten, die als einzige bestimmte Produkte oder Materialien anbieten, werden oft als monopolistische Anbieter bezeichnet, da sie exklusiven Zugriff auf einen bestimmten Markt haben. Diese Marktmacht – und das Fehlen von Wettbewerbern – verschafft ihnen umfassende Kontrolle. Sie können Preise festlegen, Zugangshürden aufbauen und die Rahmenbedingungen für die Geschäftsbeziehung diktieren. 

Warum Sole Sourcing heute relevant ist 

Eines der aussagekräftigsten Beispiele für Sole Sourcing findet sich in der Halbleiterfertigung. Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) kontrolliert etwa 55 % des Weltmarkts für Auftragschipfertigung und produziert beeindruckende 90 % der weltweit führenden Halbleiter (Chips für komplexeste Anwendungen wie KI und Quantencomputing). Einige der größten und profitabelsten Technologieunternehmen weltweit betreiben Sole Sourcing mit TSMC, denn kaum ein anderes Werk kann ein vergleichbares Produkt fertigen. 

Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) kontrolliert etwa 55 % des Weltmarkts für Auftragschipfertigung und produziert beeindruckende 90 % der weltweit führenden Halbleiter (Chips für komplexeste Anwendungen wie KI und Quantencomputing).

Diese Marktkonstellation veranlasst einige Organisationen zu einer sehr kritischen Einschätzung. Das American Economic Liberties Project bezeichnet TSMC als „Produktionsmonopol“, das die Fertigung der fortschrittlichsten Logikchips dominiere. Solange kein alternatives Werk in diesem hochspezialisierten Markt für Spitzenchips wettbewerbsfähige Produkte herstellen kann, werden Unternehmen weiterhin Sole Sourcing mit TSMC betreiben. 

Single Sourcing 

Single Sourcing ähnelt Sole Sourcing insofern, als ein Unternehmen Waren ausschließlich von einem Lieferanten bezieht. Der entscheidende Unterschied: Firmen, die Single Sourcing betreiben, wählen aktiv einen bestimmten Hersteller aus einem Kreis potenzieller Anbieter aus. Diese Unternehmen agieren also nicht auf einem monopolistischen Markt – sie können jederzeit auf Alternativlieferanten ausweichen, um bessere Preise, günstigere Konditionen oder ein überlegenes Produkt zu erhalten. 

Single Sourcing galt historisch als die bequemste und vorteilhafteste Beschaffungsmethode. Wie Deloitte formuliert, wurde die Single-Sourcing-Strategie „traditionell als bevorzugter Ansatz im Sourcing angesehen“.

Vorteile

  • Klarheit und Einfachheit. Die Zusammenarbeit mit nur einem Lieferanten reduziert den administrativen Aufwand für die Beschaffungsteams, die andernfalls eine Vielzahl von Lieferantenbeziehungen pflegen müssten. 

  • Preis­stabilität, Versorgungssicherheit und weitere Vorteile. Exklusivitätsvereinbarungen mit festen Lieferanten können attraktive Konditionen bringen: wettbewerbsfähige Preise, garantierte Belieferung oder bevorzugte Behandlung bei Service und Distribution. 

  • Transparenz und persönliche Betreuung. Eine langfristige Zusammenarbeit mit einem Lieferanten festigt die Geschäftsbeziehung, fördert Vertrauen, erleichtert Kommunikation, erhöht die Transparenz und verbessert den persönlichen Service. Diese meist immateriellen Vorteile summieren sich zu einem besseren, reibungsloseren Ablauf für Hersteller.

Nachteile

  • Lieferkettenrisiken. Wie beim Sole Sourcing übernimmt ein Unternehmen im Single Sourcing alle Risiken seines Lieferanten. Störungen beim Anbieter – von Produktionsproblemen über Wetterextreme bis zu finanziellen oder Cybersecurity-Themen – ziehen sich unmittelbar durch bis in die eigene Wertschöpfungs- und Lieferkette. 

  • Innovationsstau. Die sichere Versorgung mit einem bestimmten Produkt vermittelt zwar Stabilität, kann jedoch zur Selbstzufriedenheit und Stagnation führen. Unternehmen, die jahrelang bei einem einzigen Lieferanten bleiben, verpassen möglicherweise überzeugende Alternativen, neue Technologien und Fortschritt im jeweiligen Produktsegment. 

Warum Single Sourcing heute relevant ist 

Single Sourcing bleibt nach wie vor eine sehr gängige Beschaffungsstrategie. Das liegt nicht zuletzt an der schieren Größe und Komplexität moderner Lieferketten. Hersteller von elektronischen Bauteilen arbeiten mit Hunderten direkten Lieferanten und Tausenden auf allen Sub-Tiers (Beispiel Automobilindustrie: rund 18.000 Lieferanten entlang der Wertschöpfungskette). Bei einer derart unübersichtlichen Beschaffung bringt eine Fokussierung auf einen einzigen Lieferanten pro Bauteil oder Baugruppe deutliche organisatorische Entlastung. 

Hersteller, die elektronische Bauteile beschaffen, haben Hunderte direkte Lieferanten und Tausende in allen Sub-Tiers (Automobilhersteller etwa ca. 18.000 Lieferanten in ihrer gesamten Wertschöpfungskette).

Zusammengefasst: Die Klarheit, Direktheit und Einfachheit, die Single Sourcing seit langem so attraktiv machen, gewinnen angesichts immer komplexerer, verschachtelter Lieferketten im Jahr 2024 weiter an Bedeutung. 

Multisourcing 

Multisourcing beschreibt den Aufbau von Beziehungen zu mehreren Lieferanten für gleiche oder sehr ähnliche Produkte. Diese Strategie hat in den vergangenen fünf Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen – ausgelöst durch eine Kette von Störungen, die durch die Corona-Pandemie, geopolitische Unsicherheit und eskalierende Handelskonflikte die Lieferketten ins Wanken brachten und den Single-Sourcing-Status quo infrage stellten. 

Mit dem Aufstieg des Multisourcings sind auch andere, synonym verwendete Begriffe gebräuchlich geworden, etwa Dual Sourcing, Competitive Sourcing und Lieferkettendiversifizierung. 

Vorteile

  • Risikomanagement. Fragt man Hersteller und ihre Sourcing-Experten nach dem Grund für den Umstieg von Single auf Multisourcing, verweisen die meisten auf ein Ziel: Risikominimierung. Multisourcing reduziert Abhängigkeiten, beseitigt kritische Ausfallpunkte und verringert kostspielige Anfälligkeiten. Forschende der Universität Tennessee schreiben in einer Studie von 2017: „Multisourcing kann das Risiko eines Unternehmens gegenüber unterschiedlichsten Bedrohungen, wie Engpässen, Streiks, Naturkatastrophen, technologischer Unsicherheit, verringern und den Wettbewerb unter Lieferanten fördern.“

  • Stärkere Verhandlungsposition. Multisourcing belebt den Wettbewerb unter potenziellen Lieferanten. Wer mit mehreren Anbietern für ein Produkt arbeitet, verschafft sich Hebelwirkung: Lieferanten, die um Aufträge konkurrieren, werden bessere Preise, attraktivere Vertragsbedingungen und schnellere Lieferzeiten anbieten. 

Nachteile

  • Höhere Komplexität und Zeitaufwand. Bei allen Vorteilen im Risikomanagement bedeutet Multisourcing für Beschaffungsteams mehr Verträge, Telefonate, Dokumentationspflichten und administrativen Aufwand. 

  • Abkühlung der Lieferantenbeziehung. Wissen Lieferanten, dass ein Kunde weitere Anbieter nutzt, ist ihre Bindung oft geringer. Dies kann dazu führen, dass die Partnerschaft weniger Priorität erhält, die Transparenz sinkt und der Service zurückgeht. 

Warum Multisourcing heute relevant ist 

Multisourcing ist unter den aktuellen, von Unsicherheiten und Störungen geprägten Bedingungen extrem relevant. Ein Beispiel: US-Unternehmen, die Elektronik aus China beziehen, laufen nahezu ständig Gefahr, von Importbeschränkungen, Strafzöllen oder vollständigen Abschottungen betroffen zu werden. Der Zollsatz für chinesische Halbleiter – ein Beispiel aus dem Ausland – wird 2025 auf 50 % steigen. Wer Beziehungen zu mehreren Lieferanten pflegt, bleibt anpassungsfähig und kann schnell auf solche Ereignisse reagieren. 

Der Zollsatz für chinesische Halbleiter – ein Beispiel – wird 2025 auf 50 % steigen.

Hinzu kommt die Zunahme extremer Wetterereignisse auf der ganzen Welt – darunter Hurrikans, Taifune, Dürren und Überschwemmungen –, die die Verwundbarkeit globaler Lieferketten weiter erhöhen. Unternehmen, die in Zeiten der Milliardenschäden durch Klimakatastrophen weiterhin auf Single Sourcing setzen, verzichten faktisch auf wichtige Vorkehrungen gegen Werksausfälle und Produktionsstopps, wie sie durch solche Ereignisse unausweichlich ausgelöst werden.

Lieferantenrisiko in einer Bedrohungslage bewerten 

Sorgfältige, abgewogene Beschaffungspraktiken sind grundsätzlich eine wirksame Lieferkettenrisikomanagement-(SCRM)-Strategie. Unternehmen sollten jedoch auch die Bedeutung von Lieferantenkenntnis nicht unterschätzen. Angesichts der Vielzahl an Risiken, mit denen Hersteller heute konfrontiert sind, ist es wichtiger denn je, sich über die eigenen Geschäftspartner zu informieren. Das umfasst Einblick in potenzielle Lieferkettenpartner, fundierte Risikoanalysen sowie die Prüfung rechtlicher und finanzieller Hintergründe. 

Unternehmen, die Lieferantenrisiken umfassend minimieren möchten, setzen dabei häufig SCRM-Software ein. Z2Data, eine branchenführende Plattform, bietet Kunden detaillierte Profile von über 150.000 weltweiten Lieferanten. Unternehmen können damit u. a. Finanzdaten, Patentanmeldungen, wichtige Managementwechsel und Rechtsstreitigkeiten analysieren. Darüber hinaus stellt Z2Data für Zehntausende Lieferanten detaillierte Risiko-Scores bereit. Indem Faktoren wie ESG-Leistung, Datentransparenz, geopolitischer Kontext und Finanzdaten in einen proprietären Algorithmus einfließen, liefert das Tool eine ganzheitliche, umsetzbare Einschätzung des Geschäftsrisikos. 

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