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- Die EU MDR, offiziell als Verordnung (EU) 2017/745 bezeichnet, hat die bisherige Medical Devices Directive (MDD) in Europa abgelöst. Das Hauptziel ist es, die Patientensicherheit zu verbessern, die Transparenz zu erhöhen und die Aufsicht über in der Europäischen Union vertriebene Medizinprodukte zu modernisieren.
- Im Gegensatz zu den bisherigen regulatorischen Rahmenwerken, die sich vor allem auf Zulassungen vor dem Inverkehrbringen konzentrierten, verpflichtet die MDR Unternehmen zu umfassenden Pflichten vor, während und nach der Markteinführung eines Produkts. Darüber hinaus fordert die Verordnung deutlich mehr Transparenz als ihr Vorgänger.
- Der Umfang der unter MDR geforderten Dokumentation ist deutlich größer als das, was viele Hersteller bislang unter MDD bereitstellen mussten. Selbst Unternehmen mit ausgereiften Qualitätsmanagementsystemen stellen fest, dass sie relevante Datenlücken bei der Überprüfung der MDR-Konformität haben.
Als die Europäische Union vor einigen Jahren die aktualisierte Medical Device Regulation (MDR) eingeführt hat, rechneten viele Unternehmen mit einer schwierigen Umstellung. Tatsächlich erwies sich die tatsächliche Herausforderung als deutlich größer als erwartet. Einige bezeichnen die MDR sogar als eine der anspruchsvollsten regulatorischen Reformen für die Medizintechnikbranche seit Jahrzehnten. Heute verändert die MDR-Konformität grundlegend, wie Hersteller medizinische Geräte weltweit designen, produzieren und testen – sowie ihre Lieferketten und Zielmärkte steuern.
Die Verordnung erhöht die Prüftiefe nahezu aller Phasen des Lebenszyklus von Medizinprodukten. Unternehmen, die früher auf die unkomplizierten Zulassungswege der alten Medical Devices Directive (MDD) setzten, stehen nun deutlich umfangreicheren Anforderungen an klinische Nachweise, an die technische Dokumentation und an die Überwachung nach dem Inverkehrbringen gegenüber.
Doch bevor die regulatorischen Herausforderungen der EU-MDR detailliert betrachtet werden, lohnt sich ein Blick zurück auf die Entwicklung bis heute.
Der Übergang von MDD zu MDR
Um die heutigen Herausforderungen der MDR-Konformität zu verstehen, hilft ein Blick auf das bisherige regulatorische System. Vor der MDR unterlagen Medizinprodukte in Europa hauptsächlich der Medical Devices Directive (MDD 93/42/EWG) von 1993. Die MDD bildete die Grundlage für die Anforderungen an das CE-Zeichen und schaffte Rahmenbedingungen für die freie Bewegung von Medizinprodukten innerhalb der EU-Mitgliedstaaten.
Jahrelang galt das MDD-System als flexibler und weniger belastend als Regulierungsmodelle in Märkten wie den USA. Viele Hersteller schätzten die vergleichsweise schlanken Zulassungsverfahren und die Möglichkeit, gleichwertige Daten für mehrere Zertifizierungen zu verwenden.
Allerdings führten verschiedene prominente Sicherheitsfälle zu Bedenken hinsichtlich der Schwächen im bestehenden Rahmenwerk und ebneten letztlich den Weg für die neue Verordnung, die die MDD ablöste. Eines der am häufigsten zitierten Beispiele war das französische Unternehmen Poly Implant Prothèse (PIP). PIP hatte Industrialsilikon anstelle der zugelassenen medizinischen Silikonmaterialien für Brustimplantate verwendet. Dieser Skandal betraf Hunderttausende Patientinnen – in Frankreich und ganz Europa – und deckte deutliche Lücken bei der Aufsicht gemäß MDD im europäischen Medizinprodukte-Ökosystem auf.
Als Reaktion auf diese Bedenken verabschiedete die Europäische Union im April 2017 die Verordnung (EU) 2017/745 – besser bekannt als EU MDR. Ursprünglich sollte die Verordnung im Mai 2020 in Kraft treten. Die COVID-19-Pandemie brachte jedoch Störungen in der gesamten Gesundheitsbranche mit sich, sodass die EU die Anwendungsfrist um ein Jahr verschob.
Die MDR gilt offiziell seit dem 26. Mai 2021. Seitdem sehen sich Hersteller beim Übergang vom alten MDD-Regelwerk zur MDR mit einem der größten Sprünge an regulatorischen Anforderungen in der jüngeren Geschichte konfrontiert.
Was ist die EU MDR?
Die EU MDR, offiziell als Verordnung (EU) 2017/745 bezeichnet, hat den bisherigen Rahmen der Medical Devices Directive in Europa ersetzt. Ziel ist die Verbesserung der Patientensicherheit, erhöhte Transparenz und die Modernisierung der Aufsicht über in der EU vertriebene Medizinprodukte.
Die Verordnung wurde eingeführt, weil die EU-Behörden höhere Standards für die Medizintechnikbranche wollten, insbesondere in Bezug auf:
- Strengere Anforderungen an klinische Validierung
- Verbesserte Rückverfolgbarkeit
- Größere Rechenschaftspflicht über den gesamten Produktlebenszyklus
Diese Ziele klingen zwar eindeutig, doch der damit verbundene regulatorische Rahmen hat den Umfang der Aufgaben für Hersteller vor – und teilweise auch nach – der Markteinführung ihrer Produkte massiv erweitert.
Für viele Unternehmen erfordert MDR-Konformität heute erhebliche Investitionen in regulatorische Expertise, Datenerhebung und Lieferantenmanagement und zwingt Hersteller, das Thema Compliance zur Priorität zu machen wie nie zuvor.
Warum MDR-Konformität so anspruchsvoll ist
Für die Herausforderungen im Zusammenhang mit der MDR-Konformität gibt es keinen einzelnen Grund. Vielmehr resultiert die Komplexität aus der Summe zahlreicher Detailanforderungen, die beinahe jede Abteilung eines Medizintechnikunternehmens betreffen.
Im Gegensatz zu früheren Regulierungen, die sich vor allem auf die Zulassung vor Markteinführung fokussierten, sieht die MDR umfangreiche Pflichten vor, die vor, während und nach dem Inverkehrbringen eines Produkts greifen.
Darüber hinaus fordert die Verordnung deutlich mehr Transparenz als zuvor. Unternehmen müssen eine deutlich umfassendere Transparenz über Lieferantennetzwerke, Materialzusammensetzungen und Fertigungsänderungen sicherstellen und zudem laufend Leistungsdaten aus dem Feld nachhalten.
Gleichzeitig fordern Behörden und Benannte Stellen deutlich größere Mengen an Nachweisen und Unterlagen im Zertifizierungsprozess.
Diese Konstellation löst mehrere große operative Herausforderungen aus:
- Längere Entwicklungszeiten für Produkte
- Höhere Compliance-Kosten
- Komplexeres Lieferantenmanagement
- Erweiterte Dokumentationspflichten
- Höheres Risiko für Zertifizierungsverzögerungen
Viele Unternehmen, die zuvor MDR-konform arbeiteten, stellen aktuell fest, dass ihre bisherigen Dokumentationssysteme und Prozesse für die Anforderungen der MDR bei weitem nicht ausreichen. Daher sind viele Organisationen gezwungen, ihre Compliance-Programme – teils von Grund auf – neu aufzubauen.
Viele Unternehmen, die zuvor unter der MDD konform waren, stellen fest, dass ihre bestehenden Dokumentationssysteme und -prozesse für die Anforderungen der MDR nicht mehr annähernd ausreichen.
Höhere Anforderungen an klinische Evidenz
Eine der wichtigsten Änderungen im Rahmen der MDR-Konformität betrifft die Nachweispflichten für klinische Daten. Unter der MDD konnten sich Hersteller teils auf Äquivalenznachweise verlassen, indem sie zeigten, dass ihr Produkt mit einem bereits zugelassenen Gerät vergleichbar ist.
Unter der MDR werden solche Äquivalenz-Ausnahmen dagegen weniger akzeptiert. Regulierungsbehörden verlangen einen direkteren Nachweis durch eigene klinische Daten.
Hersteller müssen zunehmend folgende Unterlagen liefern:
- Klinische Prüfungen
- Daten aus der Überwachung nach dem Inverkehrbringen
- Erweiterte klinische Bewertungen
- Umfassende Risiko-Nutzen-Analysen
Für Altprodukte, die unter älteren Vorgaben zugelassen wurden, ist die Beschaffung dieser Informationen häufig extrem aufwendig und teuer. Manche Unternehmen müssen sogar komplett neue Studien durchführen, um den Marktzugang für Europa zu behalten.
Technische Dokumentationsanforderungen wurden erweitert
Eine weitere große Herausforderung ist die Fülle der technischen Dokumentationspflichten im Rahmen der MDR.
Die technischen Unterlagen, die betroffene Unternehmen bei den EU-Behörden einreichen müssen, verlangen umfangreiche Details zu Themen wie:
- Produktdesign
- Materialien und Stoffe
- Fertigungsprozesse
- Risikomanagement
- Biokompatibilität
- Cybersicherheit
- Klinische Daten
- Etikettierung
Der Umfang der unter MDR geforderten Dokumentation ist deutlich größer als das, was viele Hersteller bislang unter MDD bereitstellen mussten. Selbst Unternehmen mit ausgereiften Qualitätsmanagementsystemen stellen fest, dass sie relevante Datenlücken bei der Überprüfung der MDR-Konformität haben.
Engpass bei Benannten Stellen
Ein weiterer wichtiger Grund für die Komplexität der MDR ist der Mangel an Benannten Stellen, die MDR-Prüfungen durchführen dürfen. Im früheren MDD-System standen ausreichend Organisationen für relevante Zertifizierungsprozesse zur Verfügung. Im Rahmen der MDR werden jedoch auch die Benannten Stellen selbst strenger überprüft, sodass nur noch wenige davon Zertifikate vergeben und die Einhaltung sicherstellen dürfen.
Dadurch ist die Zahl der anerkannten Stellen beim Übergang von MDD zu MDR drastisch gesunken. Zugleich ist der Aufwand für die jeweilige Produktprüfung erheblich gestiegen.
Das Ergebnis sind branchenweite Engpässe: Lange Verzögerungen bei Zertifizierungen, teurere Prüfungen und im Einzelfall sogar verschobene Markteinführungen. Vor allem kleinere Unternehmen mit begrenzten Ressourcen für regulatorische Aufgaben stehen dadurch vor erheblichen finanziellen und operativen Risiken.
Das Ergebnis sind branchenweite Engpässe: lange Verzögerungen bei Zertifizierungen, kostenintensivere Prüfungen und im Einzelfall sogar verschobene Markteinführungen.
Überwachung nach dem Inverkehrbringen ist jetzt kontinuierlich
Eine weitere zentrale Herausforderung der MDR ist der Fokus auf eine laufende Überwachung – auch nach Markteintritt der Produkte.
Unter der MDR sind Hersteller verpflichtet, kontinuierlich reale Leistungsdaten ihrer Produkte über den gesamten Lebenszyklus zu sammeln und zu analysieren.
Zu den Anforderungen gehören:
- Beschwerdeüberwachung
- Untersuchung von Vorkommnissen
- Regelmäßige Sicherheitsberichte
- Post-Market-Clinical-Follow-up
- Laufende Aktualisierung der Risikoanalysen
Dieses Modell fortlaufender Überwachung erhöht die Compliance-Anforderungen langfristig deutlich und bedeutet für Unternehmen eine zusätzliche, kostenintensive regulatorische Belastung.
MDR bewältigen mit Compliance-Software von Z2Data
Die EU MDR gilt nicht ohne Grund als eines der anspruchsvollsten Regulierungswerke weltweit. Der Wechsel vom alten MDD-System zur neuen EU-Medizinprodukteverordnung brachte strengere Anforderungen an klinische Daten, technische Dokumentation, Überwachung nach dem Inverkehrbringen und die Kontrolle der Lieferkette. Seit dem offiziellen Inkrafttreten 2021 sind Hersteller zunehmend gefordert, ihre Konformität über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg fortlaufend sicherzustellen.
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