Das Chip-Gesetz der Europäischen Union (EU)

Das EU-Parlament und die 27 Mitgliedstaaten haben letzten Monat eine Einigung über das EU-Chip-Gesetz erzielt. Ziel der neuen Regelungen ist es, den globalen Marktanteil der EU an Halbleitern bis 2030 von 10 % auf 20 % zu verdoppeln.

Das Chip-Gesetz der Europäischen Union (EU)

Das EU-Parlament und die 27 Mitgliedstaaten haben im vergangenen Monat eine Einigung über den EU Chip Act erzielt. Ziel der neuen Regelungen ist es, den globalen Marktanteil der EU an Halbleitern von 10 % auf 20 % bis 2030 zu verdoppeln.

„Diese Vereinbarung ist von größter Bedeutung für den grünen und digitalen Wandel und stärkt gleichzeitig die Resilienz der EU in turbulenten Zeiten. Die neuen Regeln bedeuten eine echte Revolution für Europa im Schlüsselsektor der Halbleiter. Eine zügige Umsetzung der heutigen Einigung wird unsere Abhängigkeit in Markführerschaft, unsere Verletzlichkeit in Souveränität und unsere Ausgaben in Investitionen verwandeln. Mit dem Chips Act positioniert sich Europa an vorderster Front neuer Technologien, die für den grünen und digitalen Wandel essenziell sind.“ – Ebba Busch, die schwedische Energieministerin. 

Was beinhaltet der EU Chip Act?

Die „Chips for Europe Initiative“ bzw. der EU Chip Act wird 43 Milliarden Euro aus öffentlichen und privaten Investitionen mobilisieren, um die elektronische Lieferkette der EU abzusichern, künftige Halbleiter-Engpässe zu verhindern und Investitionen in die Branche zu fördern. Die EU hat bereits fast 100 Milliarden Euro an öffentlichen und privaten Zusagen zur industriellen Umsetzung angezogen.

Die drei Säulen des Chip Acts umfassen:

  • Unterstützung und Ausbau großmaßstäblicher Halbleitertechnologie-Kapazitäten und Innovationen in der EU. 
  • Sicherstellung der Sicherheit der Technologielieferkette und der Resilienz durch die Gewinnung von Investitionen und Gewährleistung der Eigenständigkeit der EU.
  • Vorbereitung der EU auf potenzielle künftige Lieferkettenkrisen durch Überwachung und schnelles Reagieren im Falle einer erneuten Lieferkettenkrise.

Die Gesetzgebung wird außerdem Investitionen in Fertigungsanlagen anreizen und einen Rahmen für integrierte Produktionsstätten bieten, um innovative Technologien zu fördern und Kompetenzzentren für die Ausbildung zu etablieren.

Hintergrund und Bedarf des EU Chip Acts

Im Jahr 2020 erreichte die weltweite Halbleiterproduktion fast eine Billion Einheiten, wobei der Marktanteil der EU 10 % betrug. 

Die zunehmende digitale Transformation hat die Halbleiterbranche in vielen industriellen Wertschöpfungsketten immer bedeutender gemacht. Daraus ergeben sich neue Chancen für die Branche in aufkommenden Märkten wie hochautomatisierten Fahrzeugen, Cloud-Computing, Internet of Things, Konnektivität, Weltraumerkundung, Verteidigung und Supercomputern. Die Europäische Kommission erwartet daher, dass sich die Nachfrage nach Mikrochips bis 2030 verdoppeln wird.

Die Erfüllung dieser steigenden Nachfrage ist jedoch eine erhebliche Herausforderung, besonders angesichts der aktuellen Halbleiter-Lieferkrise. Die jüngsten Halbleiterengpässe haben zu Produktionsstopps in verschiedenen Industrien geführt und die starke Abhängigkeit der globalen Halbleiterlieferkette von wenigen Kernherstellern wie TSMC deutlich gemacht. 

Europäische Entscheidungsträger strebten an, mehr Halbleiter innerhalb Europas zu entwickeln, um die Risiken potenzieller Engpässe oder Bedrohungen der nationalen Sicherheit im komplexen geopolitischen Umfeld abzumildern. 

In ihrer Rede zur Lage der Union 2021 stellte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Europas Chip-Strategie vor, die darauf abzielt, durch gemeinsame Anstrengungen ein europäisches Spitzen-Ökosystem für Halbleiter zu schaffen. Dieses Ökosystem wird alle Aspekte der Produktion umfassen und die erstklassigen Forschungs-, Design- und Testkapazitäten der EU nutzen.

Wie geht es weiter?

Die im vergangenen Monat erzielte vorläufige Einigung zwischen dem Rat und dem Europäischen Parlament muss noch finalisiert, gebilligt und formell von beiden Institutionen angenommen werden. Nach der Annahme des Chip Acts wird der Rat eine Änderung des Single Basic Act (SBA) für institutionalisierte Partnerschaften unter Horizon Europe verabschieden, um die Gründung des Chips Joint Undertaking zu ermöglichen, das auf dem bestehenden Key Digital Technologies Joint Undertaking aufbaut und dieses umbenennt. Nach Konsultation des Parlaments nimmt der Rat den Änderungsantrag zum SBA an.