Wussten Sie, dass ein durchschnittliches Elektrofahrzeug (EV) im Jahr 2021 rund 770 Chips benötigt, während ein typischer Pkw mit Verbrennungsmotor etwa 560 Chips bzw. integrierte Schaltkreise verwendet?
Höhere Nachfrage, mehr Wettbewerb
Mit dem Beginn des 5G-Zeitalters und der Umstellung globaler Automobilhersteller auf elektrische/elektronische Fahrzeugarchitekturen durch staatliche Subventionen zur Reduzierung von CO₂-Emissionen steigt die Nachfrage nach fortschrittlichen Chips in Alltagsfahrzeugen erheblich.
Doch nicht nur die Automobilbranche verzeichnet einen erhöhten Bedarf an diesen anspruchsvollen Bauelementen. Fast alle Industrie- und Konsumentenbranchen benötigen aufgrund der Verbreitung des Internet of Things (IoT) und moderner Technologien Halbleiter.
Durch diesen Wettbewerb um Halbleiter stehen Automobilhersteller gegenüber anderen Branchen – etwa Unterhaltungselektronik – im Nachteil, da diese aufgrund ihres größeren Beitrags zum Gewinn der Chip-Produzenten in der Lieferkette priorisiert werden.
Branchenspezifische Quellen prognostizieren, dass der aktuelle Mangel an Automobil-ICs und -Chips mindestens bis 2023 oder sogar 2024 anhalten wird.
Wie Automobilhersteller 2021 mit dem Engpass umgehen
Einige Unternehmen wie Tesla bewältigen den Engpass recht erfolgreich. Im dritten Quartal 2021 veröffentlichte das führende EV-Unternehmen positive Verkaufszahlen dank zusätzlicher Partner in der Lieferkette sowie starker Software- und Hardwarekompetenz.
Andere Autobauer wie Toyota beginnen, eigene Chips zu entwickeln, um dem anhaltenden Mangel entgegenzuwirken. Der japanische Hersteller arbeitet dabei mit Denso zusammen, um Halbleiter für verschiedene Anwendungen wie autonomes Fahren oder Ride-Sharing-Lösungen zu entwickeln.
Auch Volkswagen und Hyundai starten mit der Entwicklung eigener Chips für ihre Fahrzeuge. Doch trotz der Fortschritte von VW sorgt aktuellen Berichten von Bloomberg zufolge der Mangel dafür, dass der deutsche Hersteller am Skoda-Standort 250.000 Fahrzeuge weniger als geplant produzieren wird – mehr als doppelt so viele wie im Vormonat geschätzt (100.000 weniger Fahrzeuge). Der Rückgang ist auf ausgefallene Schichten und damit unfertige Fahrzeuge zurückzuführen.
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Weitere etablierte Automobilhersteller stehen – neben Werksschließungen durch Covid – vor der Herausforderung, ihre Chiplieferungen zu stabilisieren und geraten zunehmend unter Druck, nicht von aufstrebenden Unternehmen wie Tesla abgehängt zu werden.
Chiphersteller versuchen Ausstoß zu steigern, Lieferanten kämpfen mit der Nachfrage
Renesas Electronics plant, die Produktion von Automotive-MCUs innerhalb von zwei Jahren um bis zu 50 % zu erhöhen. Infineon investiert wiederum fast 2,1 Milliarden US-Dollar in Kapazitätserweiterungen, während TSMC beabsichtigt, die Produktion von Automotive-MCUs im kommenden Jahr um 61 % zu erhöhen.
Während Chiphersteller und internationale IDMs versuchen, ihren Output an Automobilchips und MCUs zu steigern, kämpfen viele Zulieferer weiterhin mit der Nachfrage. Bosch China – ein Tier-1-Lieferant für Automobilhalbleiter – erklärte auf einer Pressekonferenz am 13. Oktober 2021, dass aktuell nur rund die Hälfte des Halbleiterbedarfs der Autobauer gedeckt werden kann.
Bosch bezieht Halbleiter unter anderem von STMicroelectronics und Infineon, integriert die Chips und liefert sie dann an die Autohersteller. Schwere Covid-Ausbrüche in Südostasien bleiben ein wesentlicher Faktor für die anhaltenden Lieferengpässe. Dr. Chen Yudong, Präsident von Bosch China, äußerte sich zur Liefersituation: „Es ist derzeit unmöglich, alle Marktanforderungen zu erfüllen. Ein Mangel von 10 bis 20 % wird zur Normalität.“
Automotive IDMs kündigen Chip-Preiserhöhungen an
Ab 2022 werden Automotive-IDMs die Preise für Chips um 10–20 % anheben. Folgende IDMs haben bereits Preiserhöhungen angekündigt:
- Infineon
- Renesas
- NXP
- TI
- STMicroelectronics
Zusätzlich gefährden Stromrationierungen in China die Magnesiumversorgung der Automobilindustrie, da China 85 % der weltweiten Magnesiumproduktion stellt. Werke in Shaanxi haben die Produktion aufgrund von Strombeschränkungen reduziert, während die Magnesiumvorräte in Europa zur Neige gehen. Während der Chip-Engpass derzeit die Schlagzeilen beherrscht, könnten als nächstes mechanische Komponenten von einer Verknappung betroffen sein.