Artikel-Highlights:
- Die Trump-Regierung ist mit einem aggressiven, konfrontativen Kurs in die internationalen Handelsbeziehungen gestartet, kündigte Zölle auf Kanada und Mexiko, auf Stahl- und Aluminiumimporte, auf sämtliche Waren aus China an und deutete auf weitere Handelsrestriktionen gegen Länder weltweit hin.
- Ein strukturierter Dual Sourcing-Ansatz entlang Ihrer gesamten Lieferkette ist eine der bewährtesten Schutzmaßnahmen gegen Volatilität im Handelsumfeld.
- KI kann Unternehmen helfen, Risiken zu beurteilen, Lieferanten zu kartieren, neue Anbieter zu identifizieren und Lagerbestände zu managen. Die meisten Unternehmen nutzen dieses Potenzial jedoch noch nicht optimal in diesen spezifischen Anwendungsbereichen.
Störungen sind ein untrennbarer Bestandteil globaler Lieferketten. Einige davon – wie die Hurrikan-Saison – sind vorhersehbar, andere – wie Zölle – unterliegen einem stetigen Wandel durch politische und geopolitische Entwicklungen. Viele dieser Faktoren sind Risiken, mit denen Unternehmen seit Jahrzehnten in unterschiedlichen Ausprägungen konfrontiert sind. Dennoch bringt jedes Jahr seine eigene Mischung an Herausforderungen für die Lieferkette.
Das vergangene Jahr war von drei übergreifenden Herausforderungen geprägt:
- Die Verschärfung wesentlicher Lieferketten-Engpässe, unter anderem im Roten Meer und am Panamakanal.
- Maßnahmen gegen Zwangsarbeit in den USA und weltweit.
- Die ersten Umsetzungsphasen bahnbrechender ESG-Vorgaben in der Europäischen Union.
Doch bereits in den ersten beiden Monaten des Jahres 2025 hat sich die Risikolandschaft für globale Lieferketten erheblich gewandelt. Dies ist vor allem eine Folge der neuen US-Regierung und eines sich verändernden Weltordnungssystems. Während diese Dynamiken unzweifelhaft Einfluss auf internationale Handelsbeziehungen nehmen, könnten sie auch weitere Variablen wie Sourcing, Beschaffung und Umwelt-Compliance innerhalb der Lieferkette betreffen.
1. Zölle und geopolitische Konflikte
Zwei Monate nach Beginn des Jahres 2025 haben sich Zölle und Handelsrestriktionen als wohl größte Herausforderung für Lieferketten in diesem Jahr herauskristallisiert. Die Trump-Regierung ist mit einem aggressiven, konfrontativen Kurs in die internationalen Handelsbeziehungen gestartet und kündigte Zölle auf Kanada und Mexiko, auf Stahl- und Aluminiumimporte, auf sämtliche Waren aus China an sowie weitere Handelsrestriktionen gegen Länder weltweit.
Zwei Monate nach Beginn des Jahres 2025 haben sich Zölle und Handelsrestriktionen als wohl größte Herausforderung für Lieferketten in diesem Jahr herauskristallisiert.
Angesichts der Tatsache, dass viele Unternehmen auf ein komplexes, globales Fertigungsökosystem mit direkten und Sub-Tier-Lieferanten auf der ganzen Welt angewiesen sind, stellt diese neue Ära des Protektionismus einen bedeutenden Risikofaktor dar. Für viele US-Unternehmen könnten dadurch deutlich höhere Fertigungskosten entstehen – eine Entwicklung, die sich auf Verbraucher und Wirtschaft insgesamt auswirken kann.
Tipps für den Umgang mit Zoll- und Handelsherausforderungen
- Unternehmen sollten alle Entwicklungen im internationalen Handel genau beobachten. Es ist wichtig, klar zwischen Zöllen zu unterscheiden, die bereits in Kraft sind, solchen mit festem Umsetzungsdatum und solchen, die lediglich als Drohkulisse oder Verhandlungsmasse angekündigt werden.
- Lieferkettenverantwortliche sollten sich mit dem amerikanischen Harmonized Tariff Schedule (HTS) und den zugehörigen HTS-Codes für die jeweiligen Unternehmensprodukte vertraut machen.
2. Fehlende Agilität und Resilienz in der Lieferkette
Dieses Thema ist eng mit dem vorherigen Punkt verknüpft, aber zugleich dringlich genug für einen eigenen Abschnitt: Angesichts des dynamischsten globalen Handelsumfelds einer ganzen Generation müssen Unternehmen Agilität und Resilienz in ihren Lieferketten entwickeln. Die Häufigkeit und Schwere globaler Störungen nimmt weiter zu. Daher sind Unternehmen gefordert, flexibel und schnell auf abrupte Veränderungen – etwa durch den Wechsel von Lieferanten, Regionen oder Prozessen – zu reagieren, um negative Auswirkungen gezielt abzumildern.
Wichtig ist auch: Während Agilität und Resilienz oft als Reaktion auf äußere Störungen gesehen werden, sind sie in erster Linie interne Herausforderungen. Die Resilienz der Lieferkette hängt davon ab, die richtigen Informationen zur richtigen Zeit zu besitzen. Das bedeutet, interne Prozesse so zu strukturieren, dass Teams systematisch Informationen erfassen, deren Relevanz verstehen und gezielt handeln können. Trotz aller verfügbaren Daten und Technologien kämpfen viele Unternehmen weiterhin mit diesen Themen – unter anderem aus folgenden Gründen:
- Fehlende interne Zusammenarbeit zwischen Teams
- Mangelnde Transparenz seitens der Lieferanten
- Keine zentrale, verlässliche Datenquelle für Erfassung und Management
- Keine etablierten Prozesse zur Risikobewertung und Berichterstattung
Unternehmen, die dieses Problem nicht anpacken, werden schnell ins Hintertreffen geraten. Präsident Trump hat bereits zwei neue 10%-Zölle auf alle chinesischen Waren verhängt – und weitere Maßnahmen sind wahrscheinlich erst der Anfang einer längeren Serie. Bis Anfang 2026 könnten sämtliche chinesischen Importe mit pauschalen 30%-Zöllen belegt werden – zusätzlich zu bestehenden Sätzen. Unternehmen, die nicht zeitnah ihre Sourcing-Strategien anpassen, drohen katastrophale Importkosten.
Tipps für den Umgang mit dieser Herausforderung
- Das Abbilden der Lieferkette hilft Unternehmen, das Risikoniveau hinsichtlich bestehender, bevorstehender und wahrscheinlicher Zölle sichtbar zu machen. Jetzt ist der ideale Zeitpunkt, die eigenen Sourcing-Netzwerke zu analysieren – bis hin zu Sub-Tier-Herstellern, die einen Großteil der Elektronik- und Automobilwertschöpfung (und anderer Branchen) ausmachen.
- Ob als Dual Sourcing, Alternatives Sourcing oder Lieferketten-Diversifikation bezeichnet: Unternehmen profitieren in hohem Maße, wenn sie sich mehrere Optionen für Bauteile und Baugruppen sichern. Ein strukturierter Dual Sourcing-Ansatz entlang Ihrer gesamten Lieferkette ist eine der bewährtesten Schutzmaßnahmen gegen Volatilität im Handelsumfeld.
3. KI-Integration
KI ist eine leistungsstarke neue Ressource im Lieferkettenrisikomanagement (SCRM), wie Z2Data-CEO Mohammad Ahmad kürzlich ausführlich beschrieben hat. Im Lauf des Jahres 2025 ist es für Führungskräfte unerlässlich, strategisch darüber nachzudenken, wie sich die vielfältigen KI-Funktionen für die Steuerung der eigenen Lieferkette sinnvoll nutzen lassen. KI kann Unternehmen unter anderem bei der Risikobewertung, Lieferantenkartierung, Identifikation neuer Anbieter und beim Bestandsmanagement unterstützen – doch das Potenzial wird heute in kaum einem dieser Bereiche konsequent ausgeschöpft.
Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass KI als Technologie und Unternehmenswerkzeug noch in den Kinderschuhen steckt. Die Potenziale sind – wie oben dargelegt – enorm, doch Unternehmen sollten bei der Einführung mit entsprechender Sorgfalt und Bedacht vorgehen. Neue Technologien wirken oft verlockend, doch wer ohne fundiertes Verständnis vorschnell handelt und die langfristige Strategie außer Acht lässt, riskiert teure Fehlentscheidungen. Noch ist keineswegs klar, welche Lösungen sich im KI-Bereich durchsetzen – und welche Start-ups in den kommenden Jahren scheitern werden. Daher ist es entscheidend, nicht nur die Technologie, sondern auch deren Anbieter sorgfältig zu prüfen.
Auch bei der Implementierung treten Herausforderungen auf: Selbst die besten KI-Tools lassen sich nur mit ausreichenden Ressourcen einbinden, benötigen Investitionen, stringentes Human Resource Management (HRM) und eine stimmige Strategie. SCRM-Fachleute dürfen KI nicht ignorieren, sollten aber keine sofortigen Erfolge erwarten. Dennoch könnte das Jahr 2025 das Jahr sein, in dem entschlossene, zukunftsorientierte Unternehmen einen entscheidenden Schritt zur nachhaltigen, essenziellen Integration Künstlicher Intelligenz in ihre Abläufe machen.
Dennoch könnte das Jahr 2025 das Jahr sein, in dem entschlossene, zukunftsorientierte Unternehmen einen entscheidenden Schritt zur nachhaltigen, essenziellen Integration Künstlicher Intelligenz in ihre Abläufe machen.
Tipps für den Umgang mit dieser Herausforderung
- SCRM-Verantwortliche müssen klare Zielsetzungen und KPIs definieren, um den Erfolg nach sechs, zwölf und achtzehn Monaten messbar zu machen. Ohne konkrete Benchmarks besteht die Gefahr, dass KI zu einem teuren, schwer steuerbaren Tool wird, das nicht klar an Prioritäten und Vorgaben gekoppelt ist.
- Gleichzeitig sollten Unternehmen bereit sein, flexibel zu reagieren, falls die Technologie in den anfänglich gewählten Use Cases nicht den gewünschten Erfolg bringt. Z2Data-CEO Mohammad Ahmad schrieb dazu in einem aktuellen Beitrag: „Experimentieren ist ein zentraler Reifeprozess – Firmen müssen einen dynamischen, offenen Ansatz wahren, um das Potenzial ihres KI-Tools voll auszuschöpfen.“
4. Klima- und Naturkatastrophen
Nach Angaben der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) ereigneten sich zwischen 1980 und 2024 insgesamt 403 Wetter- und Klimakatastrophen, die in den USA Schäden von jeweils über 1 Milliarde US-Dollar verursachten. Das entspricht über 25 Jahre durchschnittlich rund 16 solcher Ereignisse jährlich. Die Häufigkeit dieser Katastrophen ist zuletzt jedoch deutlich gestiegen – in den vergangenen fünf Jahren waren es im Schnitt 23 solcher Großereignisse pro Jahr (CPI-bereinigt). Im vergangenen Jahr, so NOAA, „gab es 27 bestätigte Wetter-/Klima-Katastrophenereignisse mit Schäden von jeweils über einer Milliarde US-Dollar in den Vereinigten Staaten.“
Obwohl Hurrikane, Zyklone und Überschwemmungen in den letzten Monaten weniger die Schlagzeilen dominierten, ist keineswegs auszuschließen, dass auch 2025 Naturkatastrophen auftreten, die Infrastrukturen lahmlegen, Fabrikschließungen auslösen und Menschenleben bedrohen. Die Auswirkungen des Hurrikans Helene auf eine zentrale Quarzmine in Spruce Pine, North Carolina hatten gravierende Folgen für die globale Halbleiterproduktion und offenbarten die Anfälligkeit von Lieferketten an kritischen Engpässen.
Unternehmen müssen akzeptieren, dass Risiko und Ausmaß derartiger Störungen heute höher sind denn je. Auch wenn Organisationen nicht zwingend ihre Lieferketten im Voraus an weniger gefährdete Regionen anpassen, sollten sie auf schnelle Reaktion vorbereitet sein, wenn Naturgewalten die Lieferkette treffen.
Tipps für den Umgang mit dieser Herausforderung
- Etablieren Sie ein systematisches, etabliertes Warnsystem für Naturkatastrophen und Wettereignisse, das Auswirkungen auf Ihre Lieferanten frühzeitig erkennt. Je früher Unternehmen über drohende Störungen informiert sind, desto schneller können effektive Maßnahmen eingeleitet werden.
- Beschaffungs- und Sourcing-Teams sollten mit den typischen Klima- und Wetterrisiken in jenen Ländern vertraut sein, in denen zentrale Lieferanten sitzen. Selbst ein grundlegendes Verständnis dieser Risiken versetzt Teams in die Lage, bei einer Flut, einem Taifun oder Waldbrand schneller und zielgerichteter auf Störungen in der Lieferkette zu reagieren.
Volatile Risikolandschaft erfordert maximale Agilität
Während das Jahr 2025 weiter Gestalt annimmt, zeigt sich immer deutlicher, dass geopolitische Entwicklungen ein prägendes Merkmal dieser Zeit sein werden. Die USA machen ihre Stärke und Einflussnahme auf globaler Bühne geltend, internationale Handelsbeziehungen werden umstrukturiert, diplomatische Beziehungen und Einflusssphären verschieben sich. Wie sich diese tektonischen Veränderungen auf globale Lieferketten – jenseits expliziter Auswirkungen auf den Handel – auswirken, ist schwer vorherzusagen. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass im Jahresverlauf weitere, verwandte Risiken entstehen.
Vor diesem Hintergrund sollten Unternehmen, die 2025 auf Sicherheit und Kontinuität setzen wollen, die Möglichkeiten digitaler Lieferkettenrisikomanagement-Tools (SCRM) ausloten. Die Z2Data-Plattform bietet beispielsweise leistungsfähige Methoden zur Analyse von Schwachstellen in der Lieferkette, darunter Part-to-Site-Mapping, detaillierte Lieferantenprofile und Sanktionsprognosen. Unternehmen, die ihre Lieferkette diversifizieren und sich agiler gegen drohende Zölle aufstellen möchten, profitieren zudem vom individuell anpassbaren Cross-References-Tool von Z2Data, mit dem sich die Abhängigkeit von bestimmten Herkunftsländern gezielt reduzieren lässt.
Das komplette Tool-Set von Z2Data eröffnet Unternehmen leistungsstarke Risiko-Erkennungsfähigkeiten – Fähigkeiten, die in diesem volatilen Jahr von entscheidender Bedeutung sein könnten. Mehr zur Z2Data-Plattform und wie Sie mit deren Tools Risiken aus dem internationalen Handel gezielt minimieren, erfahren Sie in einer kostenlosen Demo mit einem unserer Produktexperten.