Wie China Mineralien als Waffe einsetzt – und was Sie dagegen tun können

In den vergangenen zwei Jahren hat China begonnen, seine Vormachtstellung in der Branche für kritische Mineralien als strategische Waffe zu nutzen. Wie genau geschieht das, und welche Maßnahmen zur Risikominderung stehen Unternehmen zur Verfügung?

Wie China Mineralien als Waffe einsetzt – und was Sie dagegen tun können

Artikel-Highlights:

  • Es ist bereits bekannt, dass China die Produktion kritischer Mineralien dominiert. Die chinesische Regierung hat in den letzten zwei Jahren schrittweise ihre Regulierungsinstrumente verstärkt. Heute ist China dadurch in einer starken Position, seine Vormachtstellung im Abbau und in der Verarbeitung kritischer Mineralien gezielt als wirtschaftliches Druckmittel einzusetzen.

  • Die Kontrolle Chinas über kritische Mineralien ist nahezu uneingeschränkt: Das Land kann den „Hahn zudrehen“, jederzeit und ohne große Vorwarnung oder Übergangszeit für die Kunden. Zusätzlich erschwert die undurchsichtige Exportlizenzierung – mit vagen Genehmigungskriterien und unklaren Zeitplänen – die Situation für internationale Abnehmer.

  • Unternehmen, die das Risiko von Engpässen kritischer Mineralien in ihrer Lieferkette reduzieren möchten, müssen zunächst erkennen, welche Baugruppen mineralische Rohstoffe mit China-Beschränkungen enthalten. Dazu empfiehlt sich das Einholen von Full Material Declaration (FMD, vollständige Materialdeklaration) Dokumenten. Die SCRM-Plattform Z2Data verfügt über Millionen gebrauchsfertiger FMDs; zusätzlich können diese Dokumente auch gezielt über von Z2Data initiierte Umfragen gesammelt werden.

Ford: Frühes Warnsignal in der Lieferkette? 

Anfang dieses Jahres geriet Ford weltweit in die Schlagzeilen, als im Mai bekannt wurde, dass die Produktion des Explorer SUV im Werk Chicago für eine Woche ausgesetzt werden muss – Grund war ein Engpass an Seltenerdmagneten im Werk. In der Folge reagierte die US-Regierung rasch und handelte Anfang Juni ein Abkommen mit China aus, das vorübergehend Erleichterungen für Autobauer wie Ford vorsah, darunter die Vergabe von Exportlizenzen für die benötigten Mineralien. Im Gegenzug reduzierten die USA Zölle auf chinesische Importe und lockerten die Einreisebestimmungen für chinesische Studierende.  

Zwar war dies ein dringend benötigter, kurzfristiger Erfolg für Ford wie auch für die gesamte Automobil- und Fertigungsindustrie – doch die im Detail nur sechsmonatige Gültigkeit der Lizenzen wirft die Frage nach drohenden, weiteren Engpässen im weiteren Jahresverlauf auf. Zudem betonte Fords CEO selbst, dass die zugehörige Lieferkette aktuell äußerst „just-in-time“ arbeitet – aufgrund der innerhalb der Lizenzen vorgeschriebenen Exportquoten. Ein sinnvoller Aufbau von Lagerbeständen ist für Ford aktuell nicht möglich. 

Obwohl bekannt ist, dass China die Produktion kritischer Mineralien dominiert, hat die chinesische Regierung in den letzten zwei Jahren schrittweise die Instrumente zur Kontrolle ausgebaut. Heute ist sie optimal aufgestellt, diese Monopolstellung gezielt auszuspielen.

Was sind kritische Mineralien und Seltenerd-Elemente?  

Seit China Anfang 2024 erstmals Exportbeschränkungen für Gallium und Germanium angekündigt hat, arbeiten viele Spezialisten für Lieferketten daran, ihren eigenen „Footprint“ hinsichtlich kritischer Mineralien und Seltenerd-Elemente (REE, Rare Earth Elements) zu bestimmen. Zuerst gilt es zu identifizieren, welche Mineralien insgesamt als „kritisch“ eingestuft werden und so besonders im Fokus chinesischer Restriktionen stehen. Dafür werden überwiegend zwei Listen genutzt: Die Critical Minerals List des USGS (U.S. Geological Survey) sowie die Liste der Seltenerd-Elemente. Beide ermöglichen eine gezielte Bewertung, wie verwundbar einzelne Mineralien – und damit auch die eigene Lieferkette – im Falle geopolitischer Konflikte wären.   

  • Kritische Mineralien: Die in den USA am häufigsten genutzte Referenz ist die USGS Critical Mineral List (Liste des US Geological Survey). Die zuletzt 2022 aktualisierte Aufstellung enthält 50 mineralische Rohstoffe, die für die US-Wirtschaft und nationale Sicherheit als entscheidend gelten. Die auf dieser Liste aufgeführten Mineralien sind – so die USGS – essenziell für zahlreiche Fertigungszwecke und „in der Lieferkette besonders störanfällig“. Sie umfasst gängige Rohstoffe wie Gold und Silber, aber auch weniger bekannte wie Holmium oder Lutetium.  

  • Seltenerd-Elemente: Seltenerd-Elemente (REE) sind eine Gruppe von siebzehn metallischen Elementen, die in unterschiedlichsten Branchen Anwendung finden – von Elektronik über Verteidigungstechnik bis zu Lasertechnologie. Sie werden meist in kleinen Mengen eingesetzt, sind jedoch häufig unverzichtbar, da ihre einzigartigen Eigenschaften schwer zu substituieren sind. Ein häufiges Missverständnis: REE sind nicht wirklich selten, sondern kommen in der Erdkruste häufig vor. Die Gewinnung und Isolierung in Reinform ist jedoch äußerst aufwändig.  

Zwischen der USGS-Liste und den Seltenerd-Elementen besteht eine gewisse Überschneidung. Gemeinsamer Nenner vieler dieser Mineralien ist Chinas dominierende Stellung beim Abbau und der Weiterverarbeitung – genau diese Kontrolle setzt China zunehmend im geopolitischen Wettbewerb mit den USA und europäischen Staaten als Druckmittel ein.  

Wie der Zugang zu kritischen Mineralien als Druckmittel genutzt wird 

Chinas zentrale Methode zur Instrumentalisierung seiner Kontrolle über kritische Mineralien und REE ist die gezielte Einschränkung des Zugangs – sei es durch informelle Hürden, Lizenzauflagen, explizite Exportverbote oder eine Mischform daraus. In den vergangenen Jahren hat China die Exportlizenzen für ausgewählte Mineralien zunehmend verschärft. Das betrifft nicht nur die Verfügbarkeit kritischer Mineralien für Unternehmen, sondern limitiert – wie das prominente Ford-Beispiel zeigt – auch Aufbau und Vorhaltung von Lagerbeständen. Darüber hinaus bieten die Lizenzanforderungen der chinesischen Regierung vielfältige Möglichkeiten zur Einflussnahme: China kann die Bearbeitung und Genehmigung je nach geopolitischer Situation gezielt beschleunigen oder verzögern.    

Chinas zentrale Methode zur Instrumentalisierung seiner Kontrolle über kritische Mineralien und REE ist die gezielte Einschränkung des Zugangs – sei es durch informelle Hürden, Lizenzauflagen, explizite Exportverbote oder eine Mischform daraus.

Chinas Kontrolle über kritische Mineralien ist nahezu uneingeschränkt: Das Land kann den „Hahn zudrehen“, ohne Vorwarnung oder Vorlauf – was Kunden praktisch keinen zeitlichen Puffer zur Anpassung verschafft. Erschwerend hinzu kommt das intransparente Genehmigungsverfahren mit schwer kalkulierbaren Zeitrahmen und unklaren Kriterien. 

Trotz dieser Herausforderungen ist dieses Szenario keineswegs beispiellos. Es gibt ein Land, dessen Unternehmen seit mehr als einem Jahrzehnt auf dieses Problem reagieren – und das damit als praxisbewährte Vorlage für Strategien dient, wie sich Unternehmen unabhängiger von China beim Abbau und der Verarbeitung kritischer Mineralien machen können.  

Erfahrungen aus der ersten Instrumentalisierung kritischer Mineralien durch China

Obwohl Chinas Exportbeschränkungen für kritische Mineralien als jüngere geopolitische Entwicklung erscheinen, fand der erste große Fall schon 2010 statt: Nach der Kollision chinesischer und japanischer Fischereischiffe nahe der umstrittenen Diaoyu/Senkaku-Inseln nahm Japan einen chinesischen Matrosen fest – woraufhin China seinerseits die Exporte von Seltenerd-Mineralien nach Japan stoppte. Die Restriktionen erfolgten weitgehend informell, zielten aber auf zentrale japanische Industrien. Nach Freilassung des Seemanns wurde das Embargo zwar aufgehoben – doch gerade die japanische Fertigungsindustrie erlebte innerhalb der Zeitspanne grundsätzliche Umbrüche. 

Obwohl Chinas Exportbeschränkungen für kritische Mineralien als jüngere geopolitische Entwicklung erscheinen, fand der erste große Fall chinesischer Exportrestriktionen schon 2010 statt.

Unmittelbar nach der Krise begannen japanische Unternehmen damit, große Mengen kritischer Mineralien einzulagern – eine bis heute beibehaltene Strategie, insbesondere in der Automobilindustrie, die inzwischen über große Sicherheitsbestände verfügt. Die Regierung unterstützte lokale Schlüsselindustrien mit finanziellen Hilfen für diese Lager-Initiativen und forderte branchenübergreifendes Zusammenarbeiten zur Entwicklung alternativer Technologien unabhängig von chinesischen Rohstoffen. Insgesamt investierte Japan zudem in die Aufbereitung und das Recycling von REE und erschloss alternative Mineralienquellen in Ostasien. Über 13 Jahre hinweg gelang es so, die Importabhängigkeit von China bei kritischen Mineralien von 90 % (2010) auf 60 % (2023) zu senken.  

Viele dieser Erkenntnisse sind weiterhin relevant, um auf Chinas wachsende Einflussnahme zu reagieren: 

  • Recycling kritischer Mineralien: Recycling bestehender Ressourcenvorkommen und die möglichst sparsame Konstruktion von Baugruppen mit solchen Materialien sind unerlässlich. 

  • Lagerhaltung: Der Aufbau von Sicherheitsbeständen ist nach wie vor ein wirksames Mittel. Wer Chancenfenster zur Beschaffung kritischer Mineralien nutzt, kann sich vor bösen Überraschungen schützen – sollte der Zugang in Zukunft erneut blockiert werden.

  • Aufbau alternativer Lieferketten: Idealerweise sollten Lieferketten ohne China-Abhängigkeit geschaffen werden – hierfür ist allerdings ein langer Atem nötig. 15 Jahre nach der Diaoyu/Senkaku-Krise ist Japan nach wie vor stark von chinesischen Mineralien abhängig. Mit immer mehr betroffenen Nationen steigen jedoch die Chancen, künftig deutlich schneller neue Lieferketten für kritische Mineralien zu etablieren als früher. Kurzfristig bleibt jedoch das Eliminieren solcher Produkte, wann immer möglich, die effektivste Strategie zur Risikominimierung.  

Risikominimierung: Aufwendig, aber unabdingbar 

Unternehmen, die das Risiko von Engpässen kritischer Mineralien in ihrer Lieferkette minimieren wollen, müssen zunächst verstehen, welche Bauteile von China-Beschränkungen betroffen sind. Das Einholen von Full Material Declaration (FMD) Dokumenten ist dafür unerlässlich. Die SCRM-Plattform Z2Data bietet Millionen sofort verfügbarer FMDs, außerdem können diese gezielt im Rahmen von Z2Data-basierten Umfragekampagnen gesammelt werden. Diese Unterlagen sind für das Verständnis der eigenen Abhängigkeit von kritischen Mineralien entscheidend, jedoch selten einfach online verfügbar. 

Im nächsten Schritt sollten Unternehmen die Lieferketten der betreffenden Mineralien entlang eigenem Bauteile-Portfolio analysieren. Z2Data unterstützt hier mit branchenführendem Supply Chain Mapping, das Transparenz bis in Sub-Tiers schafft und die Fertigungsnetzwerke auf Bauteil- und Lieferantenebene sichtbar macht. Die meisten kritischen Mineralien sind mit chinesischen Unternehmen oder Entitäten in China verbunden, in Einzelfällen gibt es aber auch Lieferketten, in denen keine chinesischen Unternehmen vertreten sind – Bauteile aus diesen Netzwerken stellen geopolitisch betrachtet ein geringeres Risiko dar.    

Nach Ermittlung, in welchen eigenen Komponenten kritische Mineralien beziehungsweise REE enthalten sind, können Unternehmen Alternativbauteile suchen oder Re-Designs in Betracht ziehen, um die China-Abhängigkeit systematisch zu reduzieren. Obwohl es Fortschritte bei der Erschließung und Raffinierung kritischer Mineralien außerhalb Chinas gibt, bleibt das Tempo für viele Rohstoffe langsam, und Produkte ohne chinesische Beteiligung sind meist deutlich teurer. 

Da für viele kritische Mineralien und REE nur begrenzt Alternativen zur Verfügung stehen, bleibt für viele Unternehmen in der Praxis oft nur der Ausstieg aus betroffenen Bauteilen als bestmöglicher Schutz vor künftigen Störungen. Je nach Situation lohnt sich auch die Prüfung von Lagerhaltung und Recycling – insbesondere, wenn der Ersatz eines Bauteils aufgrund seiner Mineralienabhängigkeit besonders kosten- oder ressourcenintensiv wäre. 

Im Kern sollten Unternehmen die Stabilität ihrer Lieferkette sicherstellen – genau hier kann Z2Data mit seinen SCRM-Funktionen ein entscheidender Partner sein. Mehr darüber, wie Z2Data durch FMD-Analysen und Multi-Tier Supply Chain Mapping hilft, Abhängigkeiten von kritischen Mineralien zu erkennen, erfahren Sie in einer kostenlosen Demo mit unseren Produktexperten.