Wichtige Artikel-Highlights:
- Aus übergeordneter Sicht sind zwei Hauptschritte erforderlich, um Mineralien in einen für die Industrie nutzbaren Zustand zu bringen: der Abbau und die Raffination. Zuerst werden Mineralien im Erz- oder oxidierten Zustand aus dem Boden gefördert. Nach der Förderung werden die Erze zu verschiedenen Anlagen geschickt, um dort einen Raffinationsprozess zu durchlaufen.
- Einige Mineralien kommen in so geringen Mengen in der Natur vor, dass sie nur durch die Verarbeitung von Rückständen (Restmaterialien) nach der Extraktion anderer Mineralien gewonnen werden können. In diesen Fällen von „Beiprodukt-Mineralien“ stehen die Materialien nicht im Fokus und werden bei der Entscheidung, wo Bergbauaktivitäten stattfinden sollen, unter Umständen gar nicht berücksichtigt.
- Die Produktionsprozesse von Kobalt, Graphit und Germanium verdeutlichen die Anfälligkeit vieler globaler Lieferketten für gezielte Engpässe durch chinesische Exportbeschränkungen für Mineralien. Ob durch eigene Minen, Beteiligungen an Bergbauaktivitäten in anderen Ländern oder eine unverhältnismäßig große Raffinationskapazität – China bleibt eine Supermacht innerhalb der Lieferkette kritischer Mineralien.
Ab 2023 intensivierte China ein Programm zur Exportkontrolle von Mineralien mit Fokus auf zentrale Materialien, die typischerweise in der Elektronik-, Automobil- und Militärfertigung verwendet werden. Die von China kontrollierten Mineralien sind in zahlreichen Alltagsprodukten enthalten – von Magneten in Elektrositzmotoren über Smartphones bis zu Nachtsichtgeräten für den militärischen Einsatz.
Diese Exportkontrollen, die je nach Mineral variieren, nehmen meist die Form einer Lizenzverpflichtung für exportierende Unternehmen an. Das bedeutet: Firmen, die kontrollierte Mineralien in einem bestimmten Zustand aus China ausführen möchten, benötigen dafür eine direkte Genehmigung der chinesischen Regierung. Die konkreten Lizenz- und Überwachungsanforderungen unterscheiden sich je nach Material, grundsätzlich jedoch hat China ein umfassendes System etabliert, das den Abfluss relevanter Mineralien streng begrenzt – und diese Liste jederzeit erweitern oder anpassen kann. Für Unternehmen außerhalb Chinas, deren Produktion auf diese Materialien angewiesen ist, gibt es aktuell nur wenige alternative Bezugsquellen. Ursache ist, dass China sowohl im Abbau als auch in der Verarbeitung und Raffination dieser Stoffe weltweit führend ist.
Seit Einführung dieses Handelsregimes durch China gab es – von marginalen bis hin zu gravierenden – sehr unterschiedliche Auswirkungen durch die Maßnahmen der Kommunistischen Partei. So führten die ersten Exportkontrollen im Juli 2023 für Gallium und Germanium bislang nicht zu dokumentierten Produktionsstillständen oder gravierenden Engpässen bei Herstellern. Haupteffekt dieser Exportrestriktionen sind die weltweit außerhalb Chinas stark gestiegenen Preise für Gallium und Germanium seit 2023.
Tabelle 1: Mineralien unter chinesischer Exportkontrolle
Für Seltene Erden (rare earth elements, REE) stellt sich die Situation hingegen deutlich gravierender dar. Große Konzerne wie der Automobilhersteller Ford berichteten über schwerwiegende Unterbrechungen ihrer Lieferketten – bis hin zur Notwendigkeit einer Intervention der US-Regierung unter Präsident Trump, um Zugriff auf benötigte Rohstoffe für Fahrzeuge zu erhalten. Gerade bei REE ist die Abhängigkeit von chinesischen Exporten besonders hoch, da China den Großteil der Verarbeitung weltweit kontrolliert und es nur sehr wenige Alternativen außerhalb des Landes gibt.
Die jüngsten Exportrestriktionen demonstrieren klar das Potenzial der chinesischen Handelspolitik, Lieferketten substanziell zu stören. Um jedoch zu verstehen, warum diese Auswirkungen so gravierend sind – und Alternativen so limitiert –, ist es hilfreich, die grundlegenden Abläufe der weltweiten Lieferkette für kritische Mineralien zu betrachten: Wie funktioniert sie genau?
Wie funktionieren Lieferketten für Mineralien?
Aus übergeordneter Sicht sind zwei Hauptschritte notwendig, um Mineralien in einen für die Industrie nutzbaren Zustand zu bringen: Bergbau und Raffination. Zunächst werden Mineralien im Erz- oder oxidierten Zustand abgebaut. Danach gehen die Erze an verschiedene Anlagen zur Raffination. Diese Raffination erfolgt in mehreren Stufen, abhängig vom gewünschten Reinheitsgrad des Endprodukts. Nach Erreichen der erforderlichen Reinheit wird das Mineral dem jeweiligen industriellen Verwendungszweck entsprechend in die erforderliche Form überführt – etwa als Draht, Pulver oder Ähnliches. Anschließend geht das gereinigte, endverarbeitete Mineral zum Hersteller.
Einige Mineralien kommen in einer derart geringen Konzentration in der Natur vor, dass sie nur durch die Verarbeitung von Rückständen (Restmaterialien) nach der Extraktion anderer Rohstoffe gewonnen werden können. In diesen Fällen von „Beiprodukt-Mineralien“ sind diese Stoffe lediglich Nebenprodukte und häufig kein relevantes Kriterium zur Auswahl des Standorts einer Mine. Die Kapazität zur Gewinnung solcher Beiprodukte misst sich meist an der veredelten Produktion, nicht am abgebauten Erzvolumen, da deren Gehalt von Mine zu Mine stark schwankt. Indium, Gallium, Germanium und Wismut gelten als typische Beiprodukt-Mineralien. Auch 2025 sind chinesische Unternehmen bei der Produktion vieler raffinierter Beiprodukte führend; alternative Raffinationsoptionen außerhalb Chinas bleiben begrenzt.
Auch 2025 sind chinesische Unternehmen die Hauptproduzenten vieler raffinierter Beiprodukt-Mineralien; alternative Raffinationsoptionen außerhalb Chinas bleiben begrenzt.
Während dies einen allgemeinen Überblick über die Gewinnung und Verarbeitung industriell genutzter Mineralien bietet, erfordert ein detaillierterer Einblick die Betrachtung eines konkreten Beispiels. Im Folgenden beleuchten wir drei Fallstudien zu kritischen Rohstoffen – Kobalt, Graphit, Germanium – und skizzieren deren jeweilige Lieferketten, die alle chinesischer Exportkontrolle unterliegen.
Die Kobalt-Lieferkette
Kobalt ist ein häufig für die Batterieproduktion, Hochleistungslegierungen in Motoren, Bohrköpfen und Bergbauausrüstungen verwendetes Mineral. Weitere Anwendungen finden sich in der Erdölraffination und bei der Kunststoffherstellung. Kobalt entsteht meist als Beiprodukt beim Abbau von Kupfer und Nickel.
Die Demokratische Republik Kongo (DRK) fördert laut US Geological Survey (USGS) Daten rund 75 % der weltweit gewonnenen Kobaltmenge. Entscheidend ist jedoch, dass zahlreiche Unternehmen, die in der DRK Kobalt (sowie Nickel und Kupfer) tatsächlich abbauen, aus China stammen. So wird beispielsweise eine der größten Kobaltmine der Welt, die Tenke Fungurume Mine, im Rahmen einer Partnerschaft zwischen China Molybdenum und Gecamines betrieben.
Neben der DRK wird Kobalt in wesentlich geringeren Mengen auch in Indonesien, Russland und Kanada gewonnen. Was die Raffination betrifft, so wurden 2022 laut Cobalt Institute etwa 76 % des weltweit raffinierten Kobalts in China produziert. Raffination findet zudem in Finnland, Kanada und Japan statt, die über entsprechende Anlagen und Infrastruktur für große Produktionsmengen verfügen. Obwohl es wenige Alternativen zu chinesischen Quellen gibt, gilt Umicore, ein belgisches Unternehmen, als führender nicht-chinesischer Anbieter von raffiniertem Kobalt für Batterien und andere Produkte.
Die Graphit-Lieferkette
Graphit findet breite Anwendung in Batterien, Industrie-Schmierstoffen, Additiven, Bremsen für Autos und weiteren Hightech-Materialien. Das Kohlenstoffallotrop wird meist bergmännisch als Graphit-Erz gefördert und anschließend auf die gewünschte Reinheit aufbereitet.
Laut USGS-Daten dominiert China sowohl den Abbau (80 %) als auch die Weiterverarbeitung (90 %) für batterietauglichen Graphit. Wichtige weitere Förderländer für Graphit sind Madagaskar, Mosambik, Brasilien und Indien – allerdings führt ein erheblicher Anteil des dort gewonnenen Materials letztlich zur Verarbeitung nach China.
Im Gegensatz zu vielen anderen Mineralien entstehen für Graphit aktuell tatsächlich neue Lieferketten abseits Chinas. In den USA wurden in letzter Zeit mehrere neue Minen und Verarbeitungsanlagen eröffnet. Zudem gibt es zahlreiche Graphit-Raffinationsanlagen in Europa und Südostasien – ihre Gesamtkapazität bleibt jedoch deutlich hinter dem chinesischen Niveau zurück.
Bemerkenswert ist: Graphit wird auch zur Fertigung von Graphen eingesetzt – einem Hightech-Material mit vielfältigen Anwendungen insbesondere im Technologieumfeld. Die Graphenproduktion, im Wesentlichen die Verarbeitung von Graphit mit extrem hohem Reinheitsgrad, findet vielfach außerhalb Chinas, etwa in Japan und Südkorea, statt.
Die Germanium-Lieferkette
Germanium kommt in Glasfasern, Infrarotoptik, Halbleitern und Solarzellen zum Einsatz. Zwar werden meist nur geringe Mengen Germanium je Produkt benötigt, die besonderen Materialeigenschaften machen es jedoch äußerst schwer ersetzbar.
Als Beiproduktmineral wird Germanium etwa über die Verarbeitung von Zink- und Kohleabbaurückständen gewonnen. China stellt derzeit etwa 60 % der Weltproduktion vor allem über die Nutzung von Flugasche aus Kohlekraftwerken und teils über Zinkrückstandverarbeitung her. Außerhalb Chinas wird Germanium meist aus Zinkrückständen extrahiert.
Nach China gehören Japan, Deutschland und Südkorea zu den größten Germanium-Produzenten weltweit. Da die Gewinnung auf bislang ungenutzten Rückständen basiert, ist es vergleichsweise einfach, außerhalb Chinas neue Kapazitäten aus bisher nicht genutztem Material zu schaffen. So begann etwa Gecamines in der DRK jüngst damit, Rückstände zur Germaniumgewinnung nach Europa zu liefern.
Der schmale Weg zur Unabhängigkeit von Chinas Mineralien
Diese drei Fallstudien verdeutlichen die Anfälligkeit vieler globaler Lieferketten für gezielte Engpässe infolge der chinesischen Exportrestriktionen. Ob durch eigene Minen, Beteiligungen an ausländischen Förderstätten oder unverhältnismäßig hohe Raffinationskapazitäten – China bleibt eine Supermacht in der Lieferkette kritischer Mineralien.
Diese drei Fallstudien machen die Verwundbarkeit globaler Lieferketten durch gezielte, von China verhängte Exportbeschränkungen deutlich.
Um die potenziellen Auswirkungen chinesischer Exportrestriktionen abzumildern, empfiehlt sich größte Aufmerksamkeit sowie Contingency-Planung. Während sich abseits Chinas neue Lieferketten etablieren, dominieren das Land und seine Infrastruktur viele für die Hightech-Industrie zentrale Materialien weiter. Hersteller, die mit Lieferunterbrechungen durch Exportrestriktionen konfrontiert sind, müssen unter Umständen Alternativbauteile in Erwägung ziehen. Im Extremfall kann sogar eine Produktneuentwicklung notwendig werden, um die Abhängigkeit von chinesischen Mineralien zu eliminieren.
Fazit
- Für die meisten von China kontrollierten Mineralien bestehen nur begrenzte Bezugsalternativen außerhalb des Landes – meist verursacht durch Chinas Dominanz im Abbau und der Raffination.
- Durch die Exportrestriktionen entstehen neue, weniger geopolitisch riskante Lieferketten, da Unternehmen nach alternativen, sicheren Quellen für kritische Rohstoffe suchen.
- Viele der für Hightech-Produkte notwendigen kritischen Mineralien sind von chinesischen Exportrestriktionen betroffen, und die Zahl der alternativen Bezugsquellen ist oft sehr begrenzt.
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