Spotlight:
- Seltene Erden und warum sie wichtig sind
- Warum waren Seltene Erden und China im Frühjahr 2019 so ein großes Thema?
- Warum die Diskussion 2020 nachließ (Hinweis: Coronavirus)
- Abhängigkeit von China bei Seltenerdmaterialien reduzieren
Ende September 2020 rief der ehemalige Präsident Donald Trump im Bergbau den nationalen Notstand aus.
Die vom ehemaligen Präsidenten Trump unterzeichnete Executive Order zielte darauf ab, „die inländische Produktion von für militärische Technologien kritischen Seltenerdmaterialien zu fördern und zugleich die amerikanische Abhängigkeit von China zu reduzieren“.
Die dringende Anordnung diente für viele als Erinnerung: Chinas Überschuss an Seltenerdmaterialien war besonders im Frühjahr 2019 intensiv diskutiert worden, doch die Debatte verebbte schnell. Die Relevanz von Seltenen Erden und China verlor an Bedeutung.
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Auch wenn Seltene Erden aktuell durch andere Nachrichten zur elektronischen Lieferkette in den Hintergrund geraten, bleibt die Nachfrage nach diesen wertvollen Rohstoffen ungebrochen hoch. Hinzu kommt: Chinas Monopol auf Seltenerdmaterialien besteht weiterhin. Auch wenn der Begriff „Seltene Erden“ irreführend ist – die Mineralien sind technisch gesehen nicht selten – gelten sie unter Geologen dennoch als wertvoll. Das Hauptproblem ist nicht die Häufigkeit, sondern die Zugänglichkeit.
Warum Seltene Erden wichtig sind
Seltene Erden bezeichnen 17 Elemente, die sowohl in Unterhaltungselektronik als auch Verteidigungsprodukten eingesetzt werden. Entdeckt und genutzt wurden die kritischen Elemente ursprünglich in den Vereinigten Staaten. Die Produktion verlagerte sich jedoch rasch nach China – aufgrund niedrigerer Arbeitskosten und weniger Umweltauflagen.
Schnell stellte China 97 % der weltweiten Seltenerdproduktion, inzwischen sind es nur noch rund 70 %.
Der Zeitstrahl dieses Produktionswechsels von den USA nach China liest sich so rasch wie folgender Rückblick:
1997 wurde der größte US-Produzent für Seltene Erden verkauft und 2003 in China wiedereröffnet. 2015 wurde der letzte bedeutende Seltene-Erden-Produzent in den USA geschlossen.
2010 rammte ein chinesisches Fischerboot im Ostchinesischen Meer zwei japanische Schiffe, woraufhin Japan den Kapitän vor Gericht bringen wollte. China drohte jedoch mit einem Handelsstopp bei Seltenen Erden, was Japans Automobilindustrie massiv getroffen hätte – da Japan diese Mineralien u. a. für Katalysatoren und andere wichtige Komponenten benötigt.
Zusammen mit dem Wegfall des eigenen Herstellers verfolgten die USA, wie Chinas Monopol über Seltene Erden über den Konsumgüterbereich hinaus zu einem politischen Druckmittel wurde. China konnte dieses Monopol als Verhandlungsmasse – und zwar eine sehr mächtige – einsetzen.
2019: Seltene-Erden-Manie auf dem Höhepunkt
Chinas schrittweise Übernahme von Raffinierung und Produktion Seltener Erden, verbunden mit dem Handelskonflikt zwischen den USA und China, entfachte eine breite Debatte über die Bedeutung dieser Rohstoffe. China machte kein Geheimnis daraus, den USA den Zugang zu Seltenen Erden einschränken zu wollen. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas sandte eine klare Botschaft an die USA: „Wir raten der US-Seite, die Fähigkeit Chinas, seine Entwicklungsrechte und Interessen zu wahren, nicht zu unterschätzen. Sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt.“
Diese Botschaft folgte direkt auf den viel beachteten Besuch von KPCh-Generalsekretär Xi Jinping in einer großen Seltenerd-Mine. Da China zwischen 2014 und 2017 fast 80 % der US-Importe Seltener Erden stellte, löste die mögliche Exportbeschränkung einen wahren Hype bei Unternehmen, Politikern – und ganz besonders bei Lieferkettenverantwortlichen – aus.
Es handelt sich nicht um ein Problem, das sich mit der Zeit von selbst löst. Die globale Industrie für Seltene Erden erzielte 2018 einen Umsatz von 8,1 Milliarden US-Dollar; bis 2025 werden 14,4 Milliarden erwartet. Je mehr Zeit vergeht, desto stärker wird Chinas Vormachtstellung erscheinen.
2020: Ein neues Problem namens COVID
Trotz der wachsenden Besorgnis um Seltene Erden im Jahr 2019 brachte das Coronavirus 2020 völlig neue Risiken für die Lieferketten. Handelskonflikte und politische Querelen waren für Spezialisten normal, aber die Pandemie war eine völlig neue Herausforderung. Mit COVID-19 auf dem Beifahrersitz rückten Seltene Erden in den Hintergrund – und das mit gutem Grund.
Mit der jüngsten Erklärung des früheren Präsidenten Trump ist jedoch davon auszugehen, dass die Sorge um Seltene Erden wieder ins Zentrum rückt. COVID ist inzwischen fast Alltag geworden – Lieferketten-News benötigen also wieder neue Schlagzeilen (ja, der Widerspruch ist mir bewusst).
Seltene Erden außerhalb Chinas beschaffen
Mit dem erneuten Aufkommen der Debatte um Seltenerdmaterialien werden Lieferkettenverantwortliche weltweit erneut versuchen, alternative Bezugsquellen außerhalb Chinas zu identifizieren. Es gibt verschiedene Ansätze, um die Abhängigkeit von China zu verringern. Der Rückgang von Chinas Anteil an der weltweiten Seltenerdproduktion von 97 % auf 70 % belegt, dass Staaten und Unternehmen alternative Quellen erschließen können.
Im Moment ist Motivation entscheidend. Unternehmen und Länder beginnen meist erst aus China auszuweichen, wenn die Bedrohung konkret wird. Beispiel Japan: Nach der Embargodrohung 2010 investierte das Land verstärkt in Forschung und Entwicklung im eigenen Land und verlagerte seine Lieferketten – eine der Hauptursachen für das geschwächte Monopol Chinas bei Seltenerdmaterialien.
Während Länder wie Japan einen eher punktuellen, reaktiven Ansatz verfolgen können, fehlt Unternehmen oft die Zeit und die Ressourcen, nicht proaktiv zu agieren. Unternehmenslenker müssen China als das China von 2025 betrachten – ein Monopolist in einer Branche, die dann vielleicht 15 Milliarden US-Dollar wert ist.
Ziel ist es, alternative Quellen für Seltene Erden in anderen Ländern zu identifizieren und politische Entscheidungsträger dazu zu bewegen, stärker in die inländische Forschung und Entwicklung zu investieren. China produziert aktuell das Sechsfache an Seltenerdmaterialien im Vergleich zum nächstgrößten Produzenten, den USA. Um Risiken in der Lieferkette zu verringern, muss diese Kluft kleiner werden.