EPAs neue PFAS-Meldepflicht: Einblicke eines Compliance-Experten

Erhalten Sie Einblicke von Experte Mike Kirschner zur Navigation durch PFAS-Vorschriften in der Elektronikindustrie und zur Sicherstellung der Compliance.

EPAs neue PFAS-Meldepflicht: Einblicke eines Compliance-Experten

Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, besser bekannt als PFAS oder „Ewigkeitschemikalien“, sind aktuell ein zentrales Thema in den Bereichen Regulierung, Compliance und Lieferkettenmanagement. Diese Gruppe synthetischer Chemikalien wird häufig bei der Herstellung von Elektronik wie Smartphones, Laptops, Fernsehern und anderen Alltagsgeräten eingesetzt. 

Neue regulatorische Vorgaben könnten jedoch dramatische und langfristige Auswirkungen auf die Elektronikindustrie haben – PFAS sind also mehr als nur ein kurzfristiges Diskussionsthema. Diese Regularien verschwinden nicht – und das Entscheidende? Viele kleine und mittelständische Unternehmen sind sich der bevorstehenden Veränderungen häufig nicht bewusst, sofern sie nicht bereits mit einem Team aus Compliance-Expertinnen und -Experten arbeiten. 

Deshalb haben wir mit dem Experten für Umwelt-Compliance, Nachhaltigkeit, Sicherheit und Performance, Mike Kirschner, gesprochen. Im Vorfeld unseres kostenlosen Webinars zu PFAS-Beschränkungen in der Elektronik hat Mike mit uns über neue und bestehende PFAS-Regularien, deren Auswirkungen auf Ihr Unternehmen und bewährte Methoden für kleine Unternehmen gesprochen, um bei diesem Thema auf dem Laufenden zu bleiben.

Die US-Umweltschutzbehörde (EPA) hat angekündigt, dass Elektronikunternehmen bzw. alle Unternehmen, die PFAS in ihren Produkten oder Herstellungsprozessen einsetzen, künftig selbst berichten sollen. Können Sie uns dazu mehr erzählen? 

Die EPA verlangt, dass Unternehmen Informationen zu PFAS, die im Herstellungsprozess verwendet werden, selbst melden – ebenso wie Formulierer, die diese Stoffe in ihre Produkte einbringen, und Importeure von Waren. Zudem möchte die EPA mehr über PFAS in Artikeln und Fertigwaren erfahren, was insbesondere für Elektronikhersteller relevant ist. Diese Regelung gilt für jedes Unternehmen, das seit 2011 Waren in die USA importiert oder in den USA gefertigt hat – aktuell gibt es hierfür keine Ausnahmen. 

Die Regulierung wurde am 11. Oktober 2023 im Federal Register veröffentlicht. Die Daten müssen im Wesentlichen innerhalb von 18 Monaten nach Veröffentlichung im Federal Register eingereicht werden, also ungefähr bis April 2025. Kleine Unternehmen, die Artikel importieren, erhalten zusätzlich sechs Monate und können bis Oktober 2025 melden. Die EPA sieht das erste Jahr für die Datenerfassung vor, gefolgt von einer sechsmonatigen Meldefrist, sodass mit der Annahme von Daten ab Oktober 2024 gerechnet werden kann.

Müssen Unternehmen rückwirkend auch für abgekündigte Produkte selbst melden oder nur für aktuell aktive Produkte hinsichtlich PFAS-Nutzung?

Für alles – es gilt beides. Das Schlüsselwort ist hier „versuchen“. Die EPA weiß, dass das für Unternehmen aus verschiedenen Gründen schwierig oder teilweise unmöglich sein kann. Manche Unternehmen existieren eventuell nicht mehr, wurden übernommen oder es sind keine Wissensträger mehr verfügbar. Die Aufgabe ist herausfordernd, aber es soll zumindest Leitfäden geben, die Hersteller beim Verständnis ihrer Pflichten unterstützen. 

Was werden Ihrer Einschätzung nach die größten Herausforderungen bei dieser neuen EPA-Anforderung zur Selbstmeldung sein?

Zu den größten Herausforderungen zählt, zu wissen, welche Fragen man an seine Lieferantenbasis stellen muss und an wen man sich zu welchen Produkten wenden sollte. Bei Blechteilen beispielsweise, müsste man auch prüfen, ob eine Beschichtung PFAS enthält – nicht nur das Metall selbst. Für Elektronik ist die Identifizierung, welche PFAS in elektronischen Produkten vorhanden sein könnten, ebenso schwierig. Sie müssen wissen, wie Sie Ihre Lieferanten ansprechen und ihnen Beispiele geben können, falls nötig. Eigentlich sollte das nicht erforderlich sein, aber angesichts der variierenden Definitionen kann es hilfreich sein. Und zuletzt: Das Verständnis des gesamten Umfangs und der gezielte Ressourceneinsatz ist eine weitere Hürde.

Gibt es weitere Compliance-Herausforderungen, die Unternehmen womöglich nicht auf dem Radar haben, aber berücksichtigen sollten?

Wir beobachten ein sehr schnelles Anwachsen regulatorischer Anforderungen für Chemikalien und davon wird sich das Tempo nicht verlangsamen. Es gibt inzwischen sehr spezifische Anforderungen an das Produktdesign, vor allem aus der EU, und diese werden weiter ausgeweitet. Für Unternehmen bedeutet das: mehr Kontrolle, mehr Informationen und mehr Transparenz in der Lieferkette. Wer verkauft was? Was wird geliefert? Ist Substanz X, Y oder Z enthalten? Sind Batterien entnehmbar? Ist das Produkt modular aufgebaut? Das sind die entscheidenden Fragen. 

Der Rahmen verschiebt sich von „okay, wir beschränken sechs Stoffe“ hin zu Anforderungen für den kompletten Produktlebenszyklus. Das umfasst die Produktdefinition, Ihre Lieferantenbasis, den Herstellungsprozess, die Unterstützung während der Nutzungsphase und die Nachverfolgung der Materialien nach Ende der Nutzung. 

Wie bleibt man als kleineres Unternehmen ohne eigene Compliance-Expertise oder Ressourcen dennoch über Regularien und Anforderungen informiert? 

Genau das ist eine zusätzliche Herausforderung. Im Klartext: Sie müssen in Dienstleister investieren, die diese Informationen kontinuierlich für Ihre Märkte und Produkte bereitstellen – so wie es Z2Data anbietet. Zusätzlich ist eigenes, zuständiges Personal wichtig. Dieses Themenfeld ist so komplex und wird immer komplexer. 

Immer mehr Aspekte von Elektronikdesign und -herstellung stehen im Fokus regulatorischer Vorgaben, was die Produktentwicklung zunehmend einschränkt. Ja, Dienstleister und eigene Fachkräfte kosten Geld, aber für Hersteller jeder Größe ist es ohne Unterstützung kaum möglich, alle Entwicklungen eigenständig zu verfolgen – es sei denn, es handelt sich um eine sehr kleine Stückliste (BOM). Es sind sehr viele Informationen zu erfassen, und je besser Sie die Anforderungen und Ihre Lieferkette kennen, desto erfolgreicher werden Sie sein.

Gibt es weitere Tools oder Ressourcen, die Sie empfehlen, um mehr über diese Regularien zu erfahren? 

Die EPA wird voraussichtlich Leitfäden herausgeben und ein vereinfachtes Formular für die Meldung durch Artikelimporteure zur Verfügung stellen. Es lohnt sich, die Entwicklung entsprechender Tools der EPA im Blick zu behalten. 

Noch Fragen zu PFAS-Regularien? Nehmen Sie am kostenlosen Webinar teil!

Mike ist wieder dabei und gibt beim kostenlosen Webinar am 9. November tiefere Einblicke zu allen PFAS-Themen. Wir beleuchten die Details des neuesten Vorschlags zum PFAS-Verbot (über 10.000 Stoffe) in der EU, zeigen auf, wo PFAS in der Herstellung vorkommen und welche Bereiche der Lieferkette von neuen weitreichenden Vorschriften betroffen sein könnten.