Seit Beginn der Handelskriege 2025 ist das Herkunftsland (COO, Country of Origin) eines Imports zu einem entscheidenden Faktor bei der Bestimmung der Gesamtkosten und in manchen Fällen auch der langfristigen Beschaffungsfähigkeit geworden. US-Präsident Trump hat den Großteil seiner Zölle länderspezifisch – und nicht sektorspezifisch – gestaltet. Das bedeutet, dass die Zolltarife für bestimmte Waren in erster Linie vom Herstellungsland abhängen.
Für Güter, die in mehreren Ländern produziert werden – was am häufigsten in technologisch anspruchsvollen Branchen wie Elektronik, Halbleiter, Automobil sowie Luft- und Raumfahrt vorkommt – bestimmen die meisten Regierungen das Herkunftsland nach dem letzten Ort der „wesentlichen Be- oder Verarbeitung“ („substantial transformation“). Dies ist ein juristisches Prinzip, das laut der U.S. International Trade Administration eine „grundlegende Änderung der Form, des Aussehens, der Beschaffenheit oder der Eigenschaften“ bezeichnet, die „dem Produkt einen wertmäßigen oder prozentual bedeutenden Mehrwert verleiht“. Bei einem Produkt mit Produktionsschritten in China, Vietnam und Mexiko – in dieser Reihenfolge – wäre also Mexiko das offiziell anzugebende Herkunftsland.
Substantial transformation ist ein rechtliches Prinzip, das eine „grundlegende Änderung der Form, des Aussehens, der Beschaffenheit oder der Eigenschaften“ beschreibt, die „dem Produkt einen wertmäßigen oder prozentual bedeutenden Mehrwert verleiht“, so die U.S. International Trade Administration.
Jüngst gab es jedoch erhebliche Veränderungen dabei, wie die beiden größten Volkswirtschaften der Welt das Herkunftsland auslegen und Zolltarife festlegen – speziell bei einem zentralen Importprodukt: Halbleitern.
China ändert Zollklassifizierung auf Country of Diffusion
- Bereits Anfang April hat die chinesische Zollbehörde (GACC) ihre Regeln für die Bestimmung des Herkunftslandes von importierten Halbleitern geändert. An die Stelle des letzten Ortes der wesentlichen Be- oder Verarbeitung – üblicherweise ein Assembly-, Test- und Packaging-(ATP-)Standort – tritt jetzt der sogenannte „country of diffusion“ zur Bestimmung der Zolltarife.
- In der Halbleiterindustrie bezeichnet „country of diffusion“ das Land, in dem der für den Halbleiter verwendete Wafer gefertigt wurde. Das bedeutet, China erhebt nun Zölle auf importierte Chips basierend auf dem Fertigungsstandort des Wafers – und nicht mehr auf Basis der Verpackung oder IC-Montage.
- Am 11. April veröffentlichte die China Semiconductor Industry Association eine Mitteilung, wonach das offizielle Herkunftsland (COO) für Halbleiterprodukte, die nach China eingeführt werden, das Land ist, in dem der Wafer ursprünglich gefertigt wurde.
- Allgemein wird dies als taktische Maßnahme gewertet, die insbesondere US-Halbleiterunternehmen wie Intel, Texas Instruments und GlobalFoundries treffen soll, da diese amerikanische Fertigungsstandorte betreiben. Durch die neuen Vorschriften unterliegen von diesen Herstellern nach China importierte Chips nun dem chinesischen Strafzoll von 125 % auf US-Importe.
USA nutzen möglicherweise ebenfalls Country of Diffusion
In den letzten Wochen haben zahlreiche Z2Data-Kunden berichtet, dass der US-Zoll (Customs and Border Protection, CBP) und andere Behörden teils ebenfalls das sogenannte Country of Diffusion (COD) zur Festlegung der Zollsätze für importierte Halbleiter heranziehen. Uns sind bislang keine offiziellen Änderungen auf Bundesebene bekannt, jedoch deuten zahlreiche Einzelfallberichte darauf hin, dass die CBP ihre Durchsetzungsstrategie im Bereich Halbleiterimporte anpasst.
In den vergangenen Wochen haben zahlreiche Z2Data-Kunden berichtet, dass der Zoll (CBP) und weitere Behörden teils das Country of Diffusion (COD) heranziehen, um die Zolltarife bei importierten Halbleitern festzulegen.
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