Wissenswertes zur Obsoleszenz

Wenn ein Bauteil obsolet wird, stehen Unternehmen oft vor der Herausforderung, passende Alternativbauteile zu finden. Eine vorausschauende Planung für Obsoleszenz ist jedoch möglich. Tatsächlich kann Ihr Team Obsoleszenz mit diesen zentralen Schritten erfolgreich steuern.

Wissenswertes zur Obsoleszenz

Die Nichtverfügbarkeit zuvor zugänglicher Komponenten oder Dienstleistungen wird als Obsoleszenz bezeichnet. Sie können aus unterschiedlichen Gründen entfernt worden sein, darunter technische, wirtschaftliche, administrative und rechtliche Überlegungen.

Oft bedeutet Obsoleszenz, dass ein Bauteil nicht mehr verfügbar ist, obwohl es weiterhin für ein Produkt benötigt wird. Dieses gravierende Problem betrifft jede Branche, die auf Technologie angewiesen ist. Wenn Obsoleszenz nicht angemessen gemanagt wird, wirkt sie sich nachteilig auf Ihr Unternehmen aus.

What to Know About Obsolescence

Obsoleszenz managen

Ziel des Obsoleszenzmanagements ist es, zu verstehen, warum Obsoleszenz auftritt und vorzubeugen beziehungsweise rechtzeitig Maßnahmen für derartige Fälle zu planen. Materialien, Komponenten, Verfahren, Kompetenzen und Software sind alle von Obsoleszenz betroffen.

Obsoleszenz kann in jeder Phase des Lebenszyklus eines Geräts auftreten—also während Entwicklung, Konstruktion, Fertigung und Wartung. Sie betrifft alle Komponenten, die über lange Zeiträume zuverlässig funktionieren müssen.

Obsoleszenzmanagement muss vorausschauend geplant werden. Es ist weder wirtschaftlich sinnvoll noch notwendig, eine ganze Maschine zu ersetzen, nur weil ein einzelnes Bauteil nicht mehr hergestellt wird.

Das Letzte, was ein Unternehmen braucht, ist eine Produktlebensende-(EOL-)Benachrichtigung für ein kritisches Bauteil, ohne realistische Alternativen oder Crosses als Drop-in-Ersatz.

Was ist eine EOL-Benachrichtigung?

Eine EOL-Benachrichtigung (Produktlebensende, EOL) wird für ein Produkt veröffentlicht, wenn dessen Lebenszyklus zu Ende geht und Benutzer keine Updates mehr erhalten können. Aus Sicht des Lieferanten signalisiert dies das Erreichen des Endes der wirtschaftlichen Nutzungsdauer.

Ab diesem Zeitpunkt vermarktet, verkauft oder unterstützt der Lieferant/Hersteller das Produkt oder zugehörige Teile, Dienstleistungen oder Software-Upgrades nicht mehr. Bei Produktverkäufen kann ein Hersteller auch den Begriff „End-of-Sale“ ("EOS") verwenden.

Alle Nutzer können abgekündigte Produkte weiterhin verwenden, erhalten jedoch keine Sicherheitsupdates oder technischen Support mehr. Der Zeitraum nach dem letzten Fertigungsdatum variiert je nach Produkt und ist an die geschätzte Produktlebensdauer aus Kundensicht gekoppelt.

Product EOL Lifecylce
Ein Zeitstrahl des Produktlebenszyklus – beginnend mit der allgemeinen Verfügbarkeit, gefolgt von einer EOL-Ankündigung, dem letzten Bestelldatum (Last-Time Buy) und dem endgültigen Produktlebensende.

Was ist ein Last-Time Buy?

Der "Last Time Buy" (LTB) ist der „letzte Aufruf“ des Lieferanten für ein Teil oder eine Komponente – die finale Möglichkeit, das Bauteil zu erwerben, bevor der Lieferant die Fertigung endgültig einstellt.

LTB-Bestellungen erfolgen häufig in der zweiten Hälfte eines typischen 10-Jahres-Zeitraums. Es ist schwierig, den zukünftigen Bedarf für die verbleibende Einsatzdauer korrekt zu prognostizieren und die optimale Bestellmenge zu bestimmen. Tatsächlich ist die Nachfrage fast immer volatil und schwer vorhersehbar.

5 zentrale Schritte beim Obsoleszenzmanagement

1. Das eigene System bewerten

Effizientes Obsoleszenzmanagement beginnt mit einer objektiven Analyse Ihres eigenen Unternehmens – ebenso wie Ihrer OEMs und Lieferanten. Um gezielt für die Zukunft zu planen, müssen Sie zunächst den aktuellen Zustand Ihres Systems per gründlichem Systemaudit erfassen: Wie alt sind Ihre Anlagen und wie lange sind deren Komponenten bereits am Markt?

Vergleichen Sie Ihre Erkenntnisse mit den Lebensdauerdaten des OEM, um den Lebenszyklus Ihrer Maschinen und Bauteile abzugleichen. Das gibt Ihnen eine solidere Einschätzung, wie lange diese Komponenten noch zuverlässig eingesetzt werden können. Listen Sie außerdem Bauteile auf, die bereits abgekündigt sind oder voraussichtlich aufgrund von OEM-Entscheidungen davon betroffen sein werden. Einen Großteil dieser Aufgaben übernimmt heute eine Bauteildatenbank.

2. Upgrades und Last-Time Buys einplanen

Strategisches Obsoleszenzmanagement erfordert die Zuweisung gezielter Ressourcen. Legen Sie ein Budget explizit für regelmäßige Modernisierungen und Last-Time Buys an. Ziehen Sie die Anstellung eines Obsoleszenzmanagers in Betracht, der Lifecycle, Reparaturplanung und Ersatzteilbeschaffung koordiniert, und reservieren Sie Mittel für eine Bauteildatenbank, die speziell Obsoleszenz, Crosses und mehr abbildet.

Wichtig ist auch, im Ernstfall bereits zuverlässige Lieferanten für abgekündigte Bauteile zu kennen. Ein guter Kontakt entscheidet hier über wenige Stunden oder Wochen Produktionsstillstand.

3. Risiko analysieren

Fokussieren Sie in Ihrer Obsoleszenzstrategie zuallererst auf kritische Anwendungen, ohne die das Gesamtsystem nicht funktioniert. Wie hoch wären die Ausfallkosten, falls eine solche Anwendung ausfällt?

Erstellen Sie ein Risikobewertungsformular, um zu bestimmen, ob Sie sich einen Ausfall leisten können oder ob präventive Maßnahmen wirtschaftlicher wären.

Prüfen Sie den Status der Komponenten: Sind sie noch beim OEM oder über den Markt erhältlich? Gibt es passende Alternativbauteile? Sind die Komponenten bereits obsolet, holen Sie zeitnah Angebote über spezialisierte Bezugsquellen ein. Da ein Ausfall das Gesamtsystem beeinträchtigen würde, kann ein rechtzeitiger Austausch ungeplante Stillstände vermeiden.

Obsolescence Trends

4. Lagerbestände zielgerichtet aufbauen

Elektronische und mechanische Komponenten sollten anhand ihres Obsoleszenzrisikos kategorisiert werden. Ist ein Bauteil bereits abgekündigt, erwägen Sie den Aufbau von Vorräten, solange diese noch ausreichend am Markt verfügbar sind.

OEMs veröffentlichen häufig eine LTB-Mitteilung und unterbreiten sogar individuelle Angebote für EOL-Bauteile. Das ist der richtige Zeitpunkt, einen Vorrat anzulegen, falls dies künftig nicht mehr möglich ist.

5. Laufend aktualisieren und nachhalten

Effektives Obsoleszenzmanagement verlangt kontinuierliche Aufmerksamkeit. Die Überwachung automatisierter Systeme erfordert Sorgfalt. Größere Unternehmen beschäftigen daher oft einen Obsoleszenzmanager sowie – je nach Volumen – spezialisierte LTB-Einkäufer für EOL-Produkte.

Kleinere Betriebe profitieren schon durch aktuell gepflegte und strukturierte Tabellen. Planen Sie regelmäßige Aktualisierungen speziell für Datenblätter mit auffällig beanspruchten Komponenten ein.

Bleiben Sie zudem informiert, indem Sie Newsletter verschiedener OEMs und weiterer Infokanäle abonnieren, die Sie rechtzeitig über LTB-Meldungen und EOL-Ankündigungen informieren.