Artikel-Highlights:
- Für die Zusammenstellung einer Liste der „zerstörerischsten“ Risiken in diesem Sektor haben wir die von der klassischen Risikomatrix bevorzugte Formel verwendet: Wahrscheinlichkeit plus Schweregrad. Mit anderen Worten: Die Bedrohungen in dieser Liste haben entweder eine hohe Wahrscheinlichkeit, Elektronikhersteller zu beeinträchtigen, oder sie würden im Eintrittsfall gravierende Auswirkungen haben – oder beides.
- Die Knappheit an Speicherchips und die extrem hohen Preise infolge des geringen Angebots sind derzeit vermutlich das größte Risiko für Unternehmen entlang der Elektronik-Lieferkette.
- Auch wenn kritische Mineralien derzeit keine so drastischen und einflussreichen Engpässe wie der Speichermarkt erleben, wirken sich begrenzte Mengen bestimmter Mineralien weiterhin signifikant aus. Besonders betrifft das seltene Erden (REEs, Rare Earth Elements), eine Mineraliengruppe mit 17 Elementen inklusive Scandium, Yttrium und Dysprosium – Rohstoffe, die für Rezepturen in Branchen wie Luftfahrt, Verteidigung und Halbleiterfertigung unverzichtbar sind.
Das vergangene Jahr war für globale Lieferketten von Turbulenzen geprägt. Die Trump-Administration setzte ein umfangreiches Zollregime um, von dem kaum ein Land verschont blieb. China übte zunehmend Druck auf kritische Mineralien und seltene Erden aus, während die USA Industriepolitiken wiederbelebten, die seit Generationen nicht mehr zum Einsatz kamen. Im zweiten Quartal 2026 und darüber hinaus zeichnet sich ab, dass sich das Bild der Lieferkettenturbulenzen weiterentwickelt. Während Zölle und andere Handelsbeschränkungen weiterhin Importeure und Hersteller belasten, treten bereits neue Bedrohungen am Horizont auf.
Dies gilt besonders für die Elektronikfertigung, in der die globale Lieferkette von geopolitischen Spannungen, Handelsbarrieren und Angebotsvolatilität betroffen ist. Für die Zusammenstellung einer Liste der „zerstörerischsten“ Risiken in diesem Sektor haben wir die klassische Risikomatrix genutzt: Wahrscheinlichkeit plus Schweregrad. Mit anderen Worten: Nur Risiken mit hoher Wahrscheinlichkeit eines Eintretens, gravierender Auswirkung oder beidem wurden berücksichtigt.
Diese Risiken sollten aktuell Hersteller aus der Automobilindustrie, Halbleiterproduzenten, Smartphone-Unternehmen und alle weiteren Firmen mit Bezug zur Elektronik-Lieferkette besonders im Blick behalten.
Der Speicherchip-Engpass
Inzwischen ist jedem, der mit elektronischen Bauteilen oder der Hightech-Lieferkette zu tun hat, der Engpass bei Speicherchips bestens bekannt. Die Geschichte ist mittlerweile vertraut: In den letzten Jahren haben KI-Unternehmen einen explosionsartigen Bedarf an DRAM, NAND und High Bandwidth Memory (HBM) – einer spezialisierten dynamischen Speichertechnologie für extrem hohe Datenübertragungsraten zur Verarbeitung riesiger Datensätze – verursacht. Dadurch mussten Speicherhersteller wie Micron, Samsung und SK Hynix zunehmend Produktionskapazitäten auf HBM umstellen.
Zur Jahresmitte 2025 gerieten daraufhin die Nachfrage- und Angebotsverhältnisse bei klassischen Speichermodulen aus dem Gleichgewicht. Die Nachfrage nach DRAM und NAND blieb auf sehr hohem Niveau, doch das Angebot wurde durch die HBM-Priorisierung der führenden Speicherhersteller immer knapper, was zu einem stetigen Preisanstieg führte. Im vierten Quartal 2025 schätzten einige Analysen einen Preisaufschlag um bis zu 30 % für Speicherprodukte.
Leider war dies erst der Anfang. Die stärksten Preissprünge werden für 2026 erwartet: Marktforschungsinstitute wie Counterpoint prognostizieren bereits massive Anstiege um bis zu 90 % im ersten Quartal 2026 gegenüber dem letzten Quartal 2025. DRAM, NAND und HBM erreichen – und übertreffen – immer neue Allzeithochs bei den Preisen.
Die Knappheit an Speicherchips und die sich daraus ergebenden extremen Preise stellen damit wohl das zentralste Risiko für Unternehmen in der Elektronik-Lieferkette dar. Hersteller begegnen diesen beispiellosen Kosten auf vielfältige Weise, unter anderem durch:
- Reduktion des Gesamtspeichers in Consumer-Elektronikprodukten
- Preiserhöhungen
- Fokussierung auf High-End-Produkte, bei denen Preissteigerungen weniger auffallen
- Drosselung der Produktion
Der Iran-Konflikt und die Straße von Hormuz
Unmittelbar nach dem gemeinsamen Angriff der USA und Israels auf den Iran in den frühen Morgenstunden des 28. Februar verschärfte der bedrängte Staat seine Kontrolle über die Straße von Hormuz. Dabei handelt es sich um eine der wichtigsten Seefahrtsrouten zwischen dem Persischen Golf, dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer. Am Montag, den 2. März, gab die Revolutionsgarde bekannt, die Durchfahrt sei gesperrt, und jedes Schiff, das die Meerenge zu durchqueren versuche, werde angegriffen. Die Weltwirtschaft reagierte umgehend: Bereits am Mittwoch, den 4. März, war der Verkehr durch die Straße von Hormuz um etwa 90 % eingebrochen, Satellitenbilder zeigten aufgestaute Tanker an beiden Enden der Route.
Die Straße von Hormuz bildet eine zentrale Route für die globale Energieversorgung: Im Jahr 2025 passierten täglich etwa 13 Millionen Barrel Rohöl die Meerenge – fast ein Drittel des weltweiten Seeverkehrs mit Rohöl. Eine längerfristige Sperrung könnte entsprechend Schockwellen durch den gesamten Energiesektor schicken und die Ölpreise nach oben treiben. Auch wenn andere Sektoren nicht direkt betroffen sind, sind beispielsweise Halbleiterhersteller und andere energieintensive Branchen stark auf Rohölimporten aus dem Nahen Osten angewiesen.
Zudem ist offensichtlich, dass eine anhaltende Blockade auch die Automobilindustrie belasten würde, da diese Rohöl für synthetischen Kautschuk und Kunststoffbauteile benötigt. Längerfristige Preiserhöhungen könnten die Rohstoffkosten für Automobilhersteller um bis zu 25 % steigen lassen. Darüber hinaus haben sich chinesische Autohersteller in Ländern wie Iran, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten Marktanteile gesichert; eine Sperrung der Meerenge könnte sie zwingen, Lieferungen über das Kap der Guten Hoffnung umzuleiten, was Kosten und Lieferzeiten deutlich erhöht.
Zu beachten ist, dass wir uns weiterhin im sehr frühen Stadium dieser Blockade befinden. Sollte sie fortbestehen, ist davon auszugehen, dass mittel- bis langfristig zahlreiche weitere Hersteller, Rohstoffproduzenten und andere Unternehmen betroffen sein werden.
Verletzlichkeiten bei kritischen Mineralien
Auch wenn kritische Mineralien keine so drastischen und einflussreichen Engpässe wie der Speichermarkt erleben, wirken sich knappe Mengen dennoch bereits spürbar aus. Zwar trafen sich US-Präsident Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping im Oktober 2025 und erzielten scheinbar einen diplomatischen Durchbruch, doch US-Unternehmen haben weiterhin Schwierigkeiten, kritische Rohstoffe aus China zu beziehen.
Dies betrifft speziell seltene Erden (REEs), eine Gruppe von 17 kritischen Mineralien wie Scandium, Yttrium und Dysprosium – Rohstoffe, die essenziell für die Produktentwicklung in Branchen wie Luftfahrt, Verteidigung und Halbleiterproduktion sind. Diese Rohstoffe sind mittlerweile so knapp, dass einige Tier-1- und Sub-Tier-Lieferanten gezwungen sind, kleinere Kunden zugunsten wichtiger Großkunden aus der Luftfahrt- und Halbleiterfertigung abzulehnen.
Die sich verknappende Versorgung mit diesen entscheidenden Rohstoffen resultiert aus den chinesischen Exportbeschränkungen, die im April 2025 eingeführt wurden. Obwohl China nach dem diplomatischen Durchbruch im Oktober erklärte, die Beschränkungen auszusetzen, ist die Exportstatistik eindeutig: Die exportierten Mengen seltener Erden aus China in die USA sind seither massiv eingebrochen. In den acht Monaten vor Einführung der Exportkontrollen lag der Export von Yttrium-Produkten in die USA bei über 330 Tonnen. In den acht Monaten danach sank dieser Wert auf erschreckend niedrige 17 Tonnen – ein Rückgang um rund 95 %.
Noch hat dieser stockende Fluss an REEs die genannten Sektoren nicht vollumfänglich erfasst, doch geraten Zulieferer zunehmend unter Druck, ihre begrenzten Vorräte auf strategischer Basis einzusetzen.
Noch hat dieser stockende Fluss an REEs die genannten Sektoren nicht vollumfänglich erfasst, doch geraten Zulieferer zunehmend unter Druck, ihre begrenzten Vorräte auf strategischer Basis einzusetzen.
Zoll-Volatilität
Erstaunlicherweise ist dies aktuell nicht das größte Risiko für Unternehmen in der Elektronik-Lieferkette. In Wahrheit könnten Zölle, je nach weiterer Entwicklung in den nächsten Monaten, rasch wieder zur größten Bedrohung für die globale Fertigung werden. Im März 2026 hat der US Supreme Court das umfassende Zollregime von Präsident Trump gemäß dem International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) aufgehoben – darunter auch die länderspezifischen „Reziprozitätszölle“, die 2025 im Fokus standen.
Was bedeutet das für US-Importeure? Trump reagierte prompt auf die Gerichtsentscheidung, indem er Abschnitt 122 des Trade Act nutzte, um einen globalen Zollsatz von 10 % einzuführen. Kurz darauf kündigte er eine Anhebung auf 15 % an. Diese Erhöhung trat zwar nicht sofort in Kraft, aber Finanzminister Scott Bessent teilte mit, das Weiße Haus hoffe, den neuen Satz bereits in der ersten März-Woche umzusetzen.
Für Hersteller von Original Equipment (OEMs) und andere US-Unternehmen mit globaler Elektronik-Lieferkette ist die größte Gefahr bei Trumps Zöllen die Unsicherheit. Auch wenn der Supreme Court die Reziprozitätszölle zunächst kippte, zeigte sich die Administration zuversichtlich, in den kommenden Monaten neue Wege zur Wiedereinführung zu finden. Kurz nach der Entscheidung erklärte Bessent selbst, er erwarte, dass die Zölle „in spätestens fünf Monaten wieder auf dem alten Stand“ seien.
Das alles führt für Unternehmen zu einem strategischen Dilemma: Sie müssen essenzielle Beschaffungsentscheidungen treffen, während Transparenz für die mittlere und sogar kurzfristige Zukunft fehlt.
Für Hersteller von Original Equipment (OEMs) und andere US-Unternehmen mit globaler Elektronik-Lieferkette ist die größte Gefahr bei Trumps Zöllen die Unsicherheit.
Steuern Sie Hochrisiko-Szenarien mit Daten und Expertise
Angesichts des eskalierenden Speicherchipmangels, drohender Engpässe in der Versorgung mit wichtigen Rohstoffen und eines unvorhersehbaren Handelsumfelds fällt es Unternehmen mit Fokus auf die Elektronik-Lieferkette zunehmend schwer, ihr Gleichgewicht zu halten. Statt aber auf eine Rückkehr zur Stabilität zu hoffen, müssen OEMs und andere Organisationen einen proaktiven Ansatz für das Management volatiler Lieferketten verfolgen.
Die Lieferkettenrisikomanagement-Plattform Z2Data hilft Unternehmen, Risiken in der Lieferkette aller Art zu identifizieren, zu bewerten und zu minimieren. Der Risk Hub von Z2Data bietet detaillierte Risikobewertungen für Lieferanten, Standorte und Bauteile – abgestimmt auf unterschiedlichste Risiko-Frameworks. Die SCRM-Software ermöglicht individuelle und Standard-Risikobewertungen und verschafft unmittelbaren Zugang zu Risiko-Scores für über 700.000 Lieferanten und 150.000 Standorte weltweit. Mit Z2Data und dem Risk Hub können Organisationen:
- Potenzielle und bestehende Lieferanten prüfen: Z2Data dient als zentrales Tool zur Einschätzung potenzieller neuer Lieferanten ebenso wie zur Neubewertung langjähriger Partner. Die Risikoprüfung umfasst individuelle Scorecards für Sanktionen, geopolitisches Risiko, ESG (Environmental Social Governance), Finanzen und Datentransparenz; Anwender können alle Variablen je Risikokategorie einsehen.
- Risiken risikobehafteter Sub-Tier-Hersteller erkennen: Sub-Tier-Lieferanten weisen traditionell eine geringe Transparenz auf – ein gravierendes Hindernis für Unternehmen, die Sichtbarkeit und Verständnis für Lieferkettenrisiken maximieren möchten. Der Risk Hub von Z2Data macht Risiken von Tier-2- und Tier-3-Lieferanten sichtbar und gewährt entscheidende Einblicke in die oftmals verborgenen Gefahren dieser Sub-Tier-Akteure.
- Zentrale Sammlung aller Risiko-Intelligenz: In einer immer stärker fragmentierten Datenlandschaft konsolidiert Z2Data Informationen und Analysen auf einer intuitiven Plattform. Mit dem Risk Hub von Z2Data können Technik, Beschaffung und strategischer Einkauf auf dasselbe Informationstool zugreifen und so effektivere Analysen, Strategien und Maßnahmen planen.
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