Genau genommen handelt es sich bei gefälschten Komponenten um illegale Imitationen von echten Bauteilen oder Produkten, die eine erhebliche Bedrohung für Elektronik-Lieferketten darstellen.
Laut Daten von ERAI, der globalen Organisation für Fälschungsermittlung und -vermeidung, nehmen gefälschte Komponenten in der Elektronikbranche immer weiter zu.
Da Fälschungen häufig unentdeckt bleiben, ist eine genaue Bezifferung schwierig. Branchenberichte legen jedoch nahe, dass Verbraucher- und Industrieunternehmen durch den aktuellen Anstieg an gefälschten Komponenten jährlich bis zu 250 Milliarden US-Dollar verlieren.
Die Gefahr gefälschter Komponenten
Die Mehrheit der gefälschten Teile stammt aus China. Die eigentliche Gefahr gefälschter Komponenten besteht darin, dass sie nicht nach den Standards eines legitimen Bauteils hergestellt wurden. Diese gefälschten, minderwertigen Teile erfüllen häufig nicht die Anforderungen im Einsatz der Unternehmen, was zu Produktfehlern und Profitverlusten führt.
Darüber hinaus werden gefälschte Komponenten kaum getestet oder reguliert, was zusätzliche Risiken für die Lieferkette eines Unternehmens bedeutet. Neben potenziellen Produktausfällen können hierdurch auch Compliance-Verstöße entstehen.
Fälschungen: Sie treten in vielen Formen auf
Die SMT Corporation, Vorreiter bei Richtlinien gegen Fälschungen, definiert gefälschte Komponenten folgendermaßen:
- Ersatzprodukte oder nicht genehmigte Kopien eines Produkts
- Ein Produkt, das durch Teilenummer, Datumscode und Herstellerkennzeichnung (Logo, Markenzeichen) definiert wird, bei dem aber Materialien oder Leistung des Produkts ohne Ankündigung durch Dritte – und nicht durch den Originalhersteller – verändert wurden
- Ein minderwertiges Bauteil, das durch den Lieferanten als qualifiziert ausgegeben wird
- Produkte, die umbeschriftet (z. B. „black-topped“), neu markiert oder auf andere Weise betrügerisch verändert und/oder falsch dargestellt wurden, meist durch Dritte
Nicht autorisierte Kopien und Imitationen von Komponenten stellen ein erhebliches Risiko für die Elektronik-Lieferkette dar, da es sich oft um leistungsschwache Komponenten handelt, die äußerlich wie hochwertige erscheinen. Fälscher erzielen diesen Effekt, indem sie Teilenummern ändern oder austauschen, Bauteile mit geringerem Spezifikationsniveau in Verpackungen von hochwertigen Bauteilen platzieren oder leistungsschwache und leistungsstarke Bauteile vermischen.
Minderwertige Komponenten, die als qualifizierte Teile ausgegeben werden, bilden ebenfalls einen Teil des Fälschungsmarktes. Diese Teile werden als voll funktionsfähig vermarktet, obwohl sie tatsächlich unterdurchschnittlich sind.
Einkäufe bei unseriösen Lieferanten lassen sich für einige Unternehmen nur schwer vermeiden. Solche illegitimen Lieferanten verkaufen gefälschte Teile unter dem Anschein eines seriösen Geschäfts. Manche Unternehmen kaufen sogar bewusst Fälschungen, um Kosten zu sparen – was angesichts der Gesundheits- und Sicherheitsrisiken durch Fälschungen jedoch niemals empfehlenswert ist.
Welche Bauteile sind am häufigsten von Fälschungen betroffen?
Am häufigsten werden Halbleiter, integrierte Schaltungen (ICs) und programmierbare Logikbausteine ins Visier von Fälschern genommen. Im Zuge des aktuellen Halbleiter-Lieferengpasses steigt zudem die Wahrscheinlichkeit, dass immer mehr gefälschte Halbleiter in Umlauf gebracht werden, um die Marktnachfrage zu bedienen.
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Je kleiner und leichter zu kopieren ein Bauteil ist, desto größer ist das Risiko einer Fälschung.
Fälschungen erkennen
Es gibt viele Wege, ein elektronisches Bauteil zu fälschen – und ebenso viele, eine Fälschung zu entlarven. Der erste Schritt besteht darin, einige wichtige Hilfsmittel für den Erkennungsprozess zur Verfügung zu haben. An erster Stelle steht ein Mikroskop mit mindestens 30-facher Vergrößerung. Damit können Sie und Ihr Team auch kleinste oder subtilste Veränderungen an einem Bauteil feststellen. Weiterhin benötigt Ihr Team eine hochauflösende Kamera, um Fotos für externe Prüfungen zu erstellen, falls der Verdacht auf eine Fälschung besteht. Auch ein Lösungsmittel wie Aceton ist essenziell, da es hilft, falsche Beschriftungen und Markierungen zu erkennen – dazu gleich mehr.
Bei der visuellen Prüfung eines vermuteten gefälschten Bauteils sollten Sie auf folgende Anzeichen für Fälschungen achten:
- Rechtschreibfehler und fehlerhafte Beschriftungen
- Sicherstellen, dass die Teile- und Datumskennzeichnungen auf dem Label und am Bauteil selbst identisch sind
- Teilecodes mit den Angaben des OEM/OCM abgleichen
- Achten Sie auf unsaubere oder fehlerhafte Logos
- Sicherstellen, dass keine Teile fehlen
- Darauf achten, dass das Datum nicht ungewöhnlich weit in der Vergangenheit oder Zukunft liegt
- Überprüfen, ob die Schriftart der Kennzeichnung identisch mit einer bereits verifizierten Komponente desselben Herstellers ist
Anschließend kann die genauere Untersuchung des Bauteils und seiner Merkmale beginnen. Wie erwähnt, lässt sich mit Lösungsmitteln wie Aceton die Echtheit einer Komponente überprüfen. Bei gefälschten Komponenten besteht ein erhöhtes Risiko, dass sich Markierungen und Oberflächen durch Lösungsmittel abreiben lassen. Die Kennzeichnungen eines echten Bauteils sind dauerhaft und beständig.
Auch die Kontrolle der Pins liefert Hinweise auf Fälschungen. Sie sollten einen silber-rosafarbenen, matten Schimmer aufweisen und keine Kratzer oder Schleifspuren zeigen. Zudem geben Dicke und Kanten des Bauteils Hinweise auf dessen Echtheit: Unregelmäßige Kanten oder eine übermäßig polierte Oberfläche deuten auf eine Fälschung hin. Dies ist oft ein Zeichen für Schleifen, das mit dem Mikroskop auch als erkennbare Schleifrichtung sichtbar wird – eine gängige Methode von Fälschern, minderwertigen Bauteilen einen hochwertigeren Anschein zu geben.
Ein weiterer Ansatz zur Identifizierung gefälschter Komponenten ist die Prüfung der Einkerbungen: Hersteller produzieren üblicherweise gleichmäßige und gleich tief ausgeprägte Vertiefungen im Spritzgussprozess. Sie dienen der Bauteilplatzierung. Sind die Einprägungen unregelmäßig oder unterschiedlich tief, handelt es sich möglicherweise um eine Fälschung. Ein weiteres Indiz: Farbauftrag im Inneren der Einkerbungen – seriöse Hersteller verzichten darauf.
Der erste Schritt
Die Transparenz in der Lieferkette herzustellen, ist der erste Schritt zur Bekämpfung von Fälschungen. Die Zusammenführung von Daten zu Produktion, Lagerbeständen und Einkaufsvorgängen erhöht die Lieferkettentransparenz eines Unternehmens und hilft, potenzielle Fälschungsgefahren einzudämmen. Anreize für hohe Qualitätsstandards bei Lieferanten sind ein weiterer Ansatz, um die Qualitätskontrolle zu stärken und das Risiko gefälschter Komponenten im Hauptbestand zu senken.
Unternehmen mit Zugang zu fortschrittlichen Technologien nutzen Blockchain-basierte Aufzeichnungen und Kameras mit Computer Vision, um die Echtheit von Komponenten zu prüfen und Fälschungen zu reduzieren. Doch selbst mit neuester Technologie beginnt die Bekämpfung gefälschter Komponenten mit der Transparenz in der Lieferkette.