Wichtige Punkte des Artikels:
- Chinas Dominanz über die zwei entscheidenden Schritte in der Produktion von kritischen Mineralien und Seltenerdmetallen (Rare Earth Elements, REEs) – Abbau und Raffination bzw. Verarbeitung – ist dieses Jahr besonders ins Gewicht gefallen. Zentrale US-Sektoren wie Automobil, Verteidigung und Technologie spüren den wachsenden Druck durch Chinas Kontrolle der mineralischen Lieferketten.
- Chinas Vorrangstellung bei der Herstellung von REEs ist hinlänglich bekannt. Während Chinas 70%-Anteil am globalen Abbau von Seltenerdmetallen zwar beeindruckend, aber nicht überwältigend ist, ist die Kontrolle der Raffinations- und Verarbeitungsprozesse der entscheidende Faktor, durch den China ein unverzichtbares Bindeglied in der Lieferkette darstellt.
- 2013 startete die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) die Belt and Road Initiative, ein ehrgeiziges Projekt mit Zusammenarbeit von über 100 Staaten, Unternehmen und internationalen Organisationen. Ein zentrales Motiv der Initiative ist Chinas Investition in internationale Bergbauaktivitäten auf fünf Kontinenten, darunter Afrika, wo China insbesondere im Kongolesischen Kobaltbergbau weitreichende Anteile hält.
- Die Supply-Chain-Risk-Management (SCRM)-Plattform Z2Data ermöglicht Unternehmen die Transparenz über mehrere Ebenen ihrer Lieferkette hinweg – eine Sichtweise, die essenziell ist, um im aktuellen Handelsumfeld schnell zu reagieren und risikobehaftete Rohstoffabhängigkeiten zu identifizieren.
Seitdem China Ende 2023 Exportrestriktionen für kritische Mineralien wie Gallium, Germanium und Graphit verhängt hat, ist der Einfluss der Nation auf die kritischen Mineralien-Branche zu einer entscheidenden Variable für globale Lieferketten geworden. Als die US-Regierung im April scharfe Zölle gegen China ankündigte, konterte China mit Exportrestriktionen auf Seltenerdmetalle (REEs) – eine Gruppe von 17 Elementen, über deren Abbau und Verarbeitung das Land unverhältnismäßig viel Kontrolle besitzt. Seither ist Chinas Dominanz in den beiden entscheidenden Produktionsschritten – Abbau und Raffination – noch stärker in den Vordergrund gerückt.
Schlüsselbranchen in den USA wie Automobil, Verteidigung und Technologie spüren aktuell die Last von Chinas Übermacht bei kritischen Mineralien. Sollte es seinem Vorteil dienen, könnte China abrupt und einseitig Exportkontrollen, Verbote oder andere Maßnahmen einführen, welche die Versorgung mit kritischen Mineralien und REEs drosseln. US-Unternehmen und andere nicht-chinesische Firmen würden dies am meisten zu spüren bekommen: Werke müssten vorübergehend stillgelegt werden, die Herstellung würde unterbrochen, und Umsätze wären in Gefahr.
Nachfolgend zeigen wir fünf Kennzahlen auf, die Chinas Griff über die globale Produktion kritischer Mineralien präzise illustrieren. Außerdem beleuchten wir zwei Zahlen, die die ersten, aber bedeutsamen Schritte anderer Länder aufzeigen, ihre Unabhängigkeit von China zu stärken.
1. 70 % und 90 %: Chinas Anteil am globalen Abbau und an der Raffination von Seltenerdmetallen
Chinas Vorrangstellung bei der Herstellung von REEs ist deutlich belegt. Der 70%-Anteil am globalen Abbau von Seltenerdmetallen ist beeindruckend, aber nicht unüberwindbar – entscheidend ist jedoch Chinas Kontrolle der Raffinationsprozesse, durch die sich das Land als unverzichtbares Element der Lieferkette etabliert.
China treibt seit Jahrzehnten unermüdlich die technologische Entwicklung bei der REE-Raffination voran. Von 1950 bis 2018 meldete das Land 25.000 Patente im Bereich Seltenerdmetalle an, fast das Dreifache der 10.000 Patente aus den USA. Das Ergebnis ist eine stetige Aufwärtsentwicklung, die es China heute ermöglicht, seine Vormacht bei der Raffination in geopolitischen Konflikten, Handelskriegen und asymmetrischer Wirtschaftspolitik einzusetzen.
2. 80 %: Chinas Anteil an der globalen Siliziumproduktion 2024
2012 zeichnete China für etwa 30 % der weltweiten Siliziumproduktion verantwortlich. In nur 13 Jahren sprang dieser Wert auf 80 % – das Land stellt also mittlerweile vier Fünftel des globalen Rohstoffbedarfs. Dieses Wachstum basiert auf mehreren miteinander verknüpften Faktoren, die die Branche im letzten Jahrzehnt entscheidend vorangebracht haben.
Das rasante Wachstum der chinesischen Siliziumproduktion ist auf miteinander verbundene Faktoren zurückzuführen, die die Branche in den letzten Jahren beschleunigt haben.
China verfügt über die größten Reserven an Silizium-Metalloiden weltweit – wie Quarzit und verwandte Siliziumdioxid-Rohstoffe – und besitzt dadurch einen natürlichen Vorteil beim Abbau. Hinzu kommt umfassende finanzielle Unterstützung durch die Zentralregierung, die Produzenten großzügig subventioniert, um Kapazitäten auszubauen. Diese staatlichen Anreize werden durch zusätzliche lokale Vorteile ergänzt, beispielsweise durch vergünstigte Grundstücke und Energiepreise, um Investitionen zu fördern.
3. 60 % und 90 %: Chinas Kontrolle über Germanium und Gallium
Germanium und Gallium sind zwei Rohstoffe, die exemplarisch zeigen, welches Maß an Kontrolle China im Bereich der Seltenerdmetalle aufgebaut hat. Germanium wird für Solarzellen, Glasfaseroptik und andere Hightech-Anwendungen genutzt, während Gallium wesentlicher Bestandteil für Halbleiter, integrierte Schaltungen und LEDs ist. Die USA sind bei beiden REEs vollständig auf Importe angewiesen, wobei China zu den größten Lieferanten zählt.
Im vergangenen Jahr warnte der US Geological Survey, dass chinesische Restriktionen bei Gallium und Germanium massive negative Auswirkungen auf die US-Industrie haben könnten. Laut einer statistischen Modellrechnung könnte ein totales Exportverbot für diese REEs dazu führen, dass bis zu 3,4 Milliarden US-Dollar an US-Wirtschaftsleistung entfallen. Betroffen wären etwa die Halbleiterproduktion, Leiterplattenfertigung und Herstellung von elektronischem Equipment.
4. 1 Billion US-Dollar: So viel hat China seit 2013 in die Belt and Road Initiative investiert
2013 startete die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) die Belt and Road Initiative, ein außergewöhnlich ehrgeiziges Projekt, das mehr als 100 Nationen, Unternehmen und internationale Organisationen in das Vorhaben einbindet, ein weltweites Netz aus physischer und digitaler Infrastruktur zu schaffen. Das Ziel war, Handelswege zwischen China und Ländern in Asien, Afrika, dem Nahen Osten und Europa zu öffnen und die außenwirtschaftlichen sowie diplomatischen Beziehungen zu stärken.
Ein zentrales Ergebnis der ersten zwölf Jahre der Belt and Road Initiative ist Chinas Investment in internationale Bergbauunternehmen. Staatlich unterstützte chinesische Unternehmen besitzen heute Anteile an Bergbauprojekten auf fünf Kontinenten, darunter eine dominante Stellung in den Kobaltminen der Demokratischen Republik Kongo (DRK) in Afrika. Insgesamt investierte China bis zu 1 Billion US-Dollar in Projekte unter Belt and Road – ein Faktor von vielen, mit dem China seine Kontrolle über kritische Mineralien weiter ausbauen konnte.
5. 7 Milliarden US-Dollar: Investitionssumme chinesischer Baufirmen in DRC-Minenprojekte
Im Januar 2024 kündigten zahlreiche chinesische Bauunternehmen an, bis zu 7 Milliarden US-Dollar in neue Projekte in der Demokratischen Republik Kongo (DRK) zu investieren, wo China bereits eine überdurchschnittliche Präsenz besitzt. Die Projekte sind Teil einer geplanten Erweiterung der Sicomines-Kupfer- und Kobaltminen – ein Joint Venture zwischen China und der DRK. Ursprünglich vereinbarten beide Nationen, dass China 3 Milliarden US-Dollar in den Bau von Straßen und Krankenhäusern im Gegenzug für 68 % der Anteile an der staatlichen Bergbaugesellschaft, die später zu Sicomines wurde, investiert.
Chinas Engagement in der DRK und Investitionen wie diese zeigen, wie das Land seinen Einfluss in rohstoffreichen Schwellenländern konsequent ausbaut. Im Jahr 2025 ist diese gezielte Beziehungspflege ein wesentlicher Grund, warum China so viel Kontrolle über Rohstoffe wie Kobalt, Kupfer und zahlreiche weitere Mineralien aufgebaut hat.
6. 13: Rohstoffprojekte, die die EU im Juni zur Förderung der Unabhängigkeit von China ankündigte
Im Juni gab die Europäische Union 13 neue Projekte rund um Abbau und Verarbeitung von Rohstoffen bekannt, darunter sowohl kritische Mineralien als auch REEs. Der EU-Industriekommissar Stephane Sejourne erklärte, die EU „müsse ihre Abhängigkeiten von allen Ländern reduzieren, insbesondere von einigen Ländern wie China“.
Chinas Exportrestriktionen für REEs im April waren – genau wie bei den USA – ein entscheidender Auslöser, dass die EU nun verstärkt alternative Bezugsquellen für Rohstoffe erschließen möchte. Die neuen Projekte umfassen Aktivitäten in der Ukraine, Grönland, Kasachstan und Sambia und sollen den Zugang zu Kobalt, Graphit, Wolfram und weiteren Rohstoffen erweitern.
Wie bereits für die USA waren Chinas Exportrestriktionen für REEs im April für die EU ein Katalysator, um alternative Wege für die Rohstoffbeschaffung aktiv zu verfolgen.
7. 1 Milliarde+ US-Dollar: Volumen des im Juli vereinbarten Deals zwischen den USA und MP Materials
Wie bei der EU führten Chinas Exportbegrenzungen 2025 auch in den USA zu einem Umdenken, unabhängige Lieferketten für kritische Mineralien außerhalb Chinas aufzubauen. Einer der ersten großen Schritte war ein Mehr-Milliarden-Dollar-Abkommen mit MP Materials, dem in Las Vegas ansässigen Betreiber der Mountain Pass-Mine – der einzigen REE-Abbau- und Verarbeitungsstätte in den Vereinigten Staaten.
Während die finanziellen Details nicht öffentlich sind, wird das US-Verteidigungsministerium (DoD) durch die Vereinbarung zum größten Anteilseigner von MP Materials. Sollten die USA die heimische REE-Produktion wiederbeleben wollen, ist die Mountain Pass-Mine der logische Ausgangspunkt. Sie war ab den 1960ern jahrzehntelang weltweit führend bei Seltenerdmetallen, bis China um die Jahrtausendwende die Führung übernahm. Ryan Castilloux, Geschäftsführer von Adamas Intelligence, sagte gegenüber Reuters zur Zeit des Deals, die öffentlich-private Partnerschaft sei ein „Game Changer für die Industrie außerhalb Chinas und ein dringend benötigter Impuls für die Magnetproduktion“.
Z2Data: Multi-Tier-Transparenz deckt Rohstoffabhängigkeiten auf
Chinas jüngste strategische Maßnahmen zum Limitieren des Zugangs zu REEs setzen führende US-OEMs wie Ford gehörig unter Druck – so kündigte Ford im Juni an, Produktionsstätten vorübergehend schließen zu müssen. In einer Zeit, in der Zugang zu kritischen Mineralien, REEs und anderen Ressourcen von geopolitischen Spannungen und Handelskonflikten geprägt ist, benötigen Unternehmen Transparenz und Handlungsoptionen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Lieferkettenrisikomanagement (Supply Chain Risk Management, SCRM) mit Z2Data ermöglicht Unternehmen, ihre Lieferkette über alle Ebenen hinweg bis zum Rohstofflieferanten sichtbar zu machen. Diese Form der Transparenz ist essenziell, um auf das Markgeschehen schnell zu reagieren und riskante Abhängigkeiten gezielt zu erkennen und zu reduzieren. Mithilfe der Lieferkettendaten von Z2Data lassen sich verschiedene Risikomanagement-Strategien umsetzen:
- Vorratshaltung der wichtigsten Mineralien und REEs.
- Recycling von Rohstoffen.
- Produktdesign und Teileanpassung, um Abhängigkeiten von kritischen Mineralien und REEs mit China-Bezug zu minimieren.
- Aufbau alternativer Lieferketten mit stabileren Lieferanten.
Ganz gleich, auf welche Strategie Ihr Unternehmen setzt – Z2Data liefert die Datenbasis und Risikobewertungen, um faktenbasierte Entscheidungen zu treffen. Mehr zu Z2Data und dabei, wie Multi-Tier-Mapping und Materialanalysen helfen, Risiken im Bereich kritischer Mineralien und REEs zu reduzieren, erhalten Sie, wenn Sie eine kostenlose Testphase mit einem unserer Produktexperten vereinbaren.