Highlights des Artikels:
- Ein Treffen zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping am 30. Oktober eröffnete ein neues Kapitel in der Nexperia-Saga, da die USA ankündigten, die Umsetzung der Affiliates Rule des BIS um ein volles Jahr zu verschieben.
- Unmittelbar nach den Handelsgesprächen begann die chinesische Regierung, Ausnahmeanträge von Nexperia-Kunden zu akzeptieren, damit diese wieder vom Chiphersteller beziehen können. Das chinesische Handelsministerium (MOFCOM) prüft derzeit potenzielle Ausnahmen für zahlreiche große Automobilhersteller, die durch die am 4. Oktober verkündeten Exportbeschränkungen mit Lieferunterbrechungen konfrontiert sind.
- Die Lage bleibt jedoch angespannt: Ein Reuters vorliegender, auf den 29. Oktober datierter Brief offenbarte, dass der Nexperia-Hauptsitz in den Niederlanden die Belieferung seiner chinesischen Standorte mit Wafern eingestellt hatte. In dem von Interim-CEO Stefan Tilger unterzeichneten Schreiben heißt es, die Entscheidung sei eine „direkte Folge des jüngsten Versäumnisses des lokalen Managements, die vereinbarten vertraglichen Zahlungsbedingungen einzuhalten“.
Im Oktober bemühten sich große Automobilhersteller in den USA, Europa und Asien fieberhaft, auf die beispiellose Situation rund um Nexperia zu reagieren, den niederländischen Halbleiterhersteller, der zwischen China und den Niederlanden in einen Eigentümerkonflikt geraten ist. Nach mehreren Handelsmaßnahmen — beginnend mit der US-Ankündigung Ende September, die neue „Affiliates Rule“ der Bureau of Industry and Security (BIS) Entity List umzusetzen — erließ China am 4. Oktober Exportbeschränkungen gegen die in China operierenden Nexperia-Standorte. Da Nexperia ein Schlüssellieferant für einige der weltweit größten Automobilhersteller ist, löste diese Maßnahme Panik entlang globaler Lieferketten aus.
Doch Veränderungen in der Welt des Welthandels geschehen 2025 rasant – und ein Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping am 30. Oktober läutete ein neues Kapitel in diesem internationalen Unternehmensdrama ein. Im Anschluss an die Handelsgespräche der beiden Präsidenten wurde bekanntgegeben, dass die USA die Umsetzung der Affiliates Rule des BIS um ein volles Jahr aufschieben. Da diese Affiliates Rule – welche Exportbeschränkungen für Unternehmen vorsieht, die zu mindestens 50 % Unternehmen auf der BIS Entity List gehören – der Auslöser für die aktuelle, facettenreiche Krise war, dürfte deren Aussetzung die Lage auf den Lieferkettenmärkten und die Herausforderungen für Hightech-Hersteller deutlich verändern.
Wie aber wirkt sich diese Entwicklung konkret auf Automobilhersteller aus – und bedeutet sie das Ende der drohenden Lieferkettenkrise?
Wie aber wirkt sich diese Entwicklung konkret auf Automobilhersteller aus – und bedeutet sie das Ende der drohenden Lieferkettenkrise?
Die Nexperia-Krise
Der aktuelle Konflikt um Nexperia begann, als das US-Bureau of Industry and Security die Umsetzung der Affiliates Rule ankündigte. Gemäß der neuen BIS-Vorgabe unterliegt jedes Unternehmen, das zu mindestens 50 % einer Firma oder sonstigen Einheit auf der BIS Entity List oder der Military End-User List gehört, denselben Exportbeschränkungen wie das Mutterunternehmen. Da Nexperia 2019 von der chinesischen Wingtech Technology übernommen wurde und Wingtech Technology 2024 auf die BIS Entity List gesetzt wurde, war vorgesehen, dass die neue Affiliates Rule dieselben Exportrestriktionen auch auf den niederländischen Chiphersteller ausweitet.
Die BIS-Ankündigung erzeugte einen ungewöhnlichen und aufschlussreichen Eigentumskonflikt, der eine Kette von Ereignissen im Oktober in Gang setzte. Im Spannungsfeld zwischen den USA, China und den Niederlanden spielt die Nexperia-Krise dabei sämtliche geopolitisch brisanten Themen rund um Handelskonflikt, Chipproduktion, Zugang zu Spitzentechnologie und Nationalisierung eines strategisch bedeutenden Unternehmens durch.
Zeitleiste des Nexperia-Eigentumskonflikts
- 29. September: Das BIS kündigt die Umsetzung der „Affiliates Rule“ an. Nach Angaben der Behörde gilt unter der neuen Regel: „Jede Einheit, die zu mindestens 50 Prozent einer oder mehreren Organisationen auf der Entity List oder Military End-User (MEU) List gehört, unterliegt automatisch denselben Einschränkungen. Zudem ist ein signifikanter Minderheitsanteil eines Entity List/MEU-Unternehmens ein Warnsignal, das erweiterte Sorgfaltspflichten (Due Diligence) für Exporteure auslöst.“ Als Tochterunternehmen der chinesischen Wingtech Technology unterliegt Nexperia damit den Beschränkungen der Entity List und MEU.
- 30. September: Die niederländische Regierung beruft sich auf das Verfügbarkeitsgesetz für Güter, um die Kontrolle über Nexperia zu übernehmen, dessen Hauptsitz weiterhin in den Niederlanden liegt. In einer offiziellen Erklärung begründet sie den Schritt mit „jüngsten und akuten Hinweisen auf schwerwiegende Mängel in der Governance und Handlungen innerhalb von Nexperia“, die eine „Gefahr für die Kontinuität und Sicherung von entscheidendem technologischem Know-how und Fähigkeiten auf niederländischem und europäischem Boden“ darstellen. Angesichts der Implikationen für geistiges Eigentum und Technologietransfers zwischen den USA und Nexperia scheint das Vorgehen der Niederlande ein Versuch zu sein, Nexperia dem Einflussbereich des BIS und der neuen Affiliates Rule zu entziehen.
- 4. Oktober: Das chinesische Handelsministerium verhängt Exportkontrollen für Nexperia. Die chinesischen Unternehmensteile und deren Subunternehmer dürfen ab sofort keine in China gefertigten Komponenten oder Sub-Assemblies mehr ins Ausland liefern. Zwei Wochen später fordert das chinesische Management von Nexperia in einem Brief an die Belegschaft, „jegliche äußere Einmischung zu ignorieren“.
- 30. Oktober: US-Präsident Trump und Chinas Präsident Xi Jinping schließen eine Handelsvereinbarung in Südkorea. Im Rahmen der neuen Regelungen erklären sich die USA bereit, die Umsetzung der BIS Affiliates Rule für ein Jahr auszusetzen. Mit der Suspendierung der Affiliates Rule unterliegt Nexperia nicht mehr den Entity List-Beschränkungen. Zusätzlich verpflichtet sich China angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um die Wiederaufnahme des Handels von Nexperia-Standorten in China sicherzustellen und die Produktion kritischer Legacy-Chips für den Weltmarkt zu ermöglichen.
- 1. November: Die chinesische Regierung beginnt, Ausnahmeanträge von Nexperia-Kunden zu akzeptieren, damit diese wieder vom Chiphersteller beliefern werden können. Nach Angaben der South China Morning Post konzentriert sich das MOFCOM auf die Prüfung möglicher Ausnahmen, insbesondere bei großen Automobilherstellern, die von den am 4. Oktober verkündeten Exportbeschränkungen betroffen sind.
Status der globalen Automobil-Lieferkette
Wie wir in unserem Erklärartikel zur Nexperia-Krise dargestellt haben, spielt der niederländische Chiphersteller eine herausragende Rolle in der globalen Automobil-Lieferkette. Bei bestimmten Automobil-Halbleitern wie Transistoren und Dioden kontrolliert das Unternehmen rund 40 % des Weltmarktanteils. Nach der chinesischen Ankündigung der Exportkontrollen am 4. Oktober äußerten Automobilhersteller und Branchenverbände große Sorgen um die Kontinuität ihrer Lieferketten.
Ende Oktober deutete sich bereits ein neuer Chip-Lieferengpass an: Hersteller wie Volkswagen, Honda und Nissan warnten vor möglichen Produktionsstopps und Werksschließungen binnen weniger Wochen. Die Hauptgeschäftsführerin des europäischen Automobilherstellerverbands (ACEA), Sigrid de Vries, warnte, die Nexperia-Krise habe die Automobilindustrie in eine „alarmierende Situation“ versetzt. „Wir brauchen dringend schnelle und pragmatische Lösungen aller beteiligten Länder.“
Ende Oktober deutete sich bereits ein neuer Chip-Lieferengpass an: Hersteller wie Volkswagen, Honda und Nissan warnten vor möglichen Produktionsstopps und Werksschließungen binnen weniger Wochen.
Auswirkungen der US-China-Handelsgespräche auf den Nexperia-Konflikt
Angesichts der dynamischen und schwer vorhersehbaren Entwicklung der Nexperia-Situation im letzten Monat überrascht es kaum, dass die Krise eine weitere unerwartete Wendung nimmt. Die Handelsgespräche zwischen den USA und China Ende Oktober führten zu zwei zentralen Zugeständnissen — eines von jeder Seite. Während sich die USA verpflichteten, die BIS Affiliates Rule für ein Jahr auszusetzen, versprach China, die Nexperia-Standorte wieder mit Exportgenehmigungen auszustatten. Schon wenige Tage später wurde bekannt, dass das MOFCOM entsprechende Ausnahmeanträge internationaler Kunden annehmen und die Wiederaufnahme der Nexperia-Exporte prüfen werde.
Diese Entwicklungen könnten bedeuten, dass Automobilhersteller einem schwerwiegenden Chipengpass soeben noch entgangen sind und in den nächsten Tagen und Wochen wieder von Nexperia beziehen können. Dennoch bestehen weiterhin zwei wesentliche Risiken, deren sich Automobilhersteller und andere Akteure bewusst sein sollten.
Dennoch bestehen weiterhin zwei wesentliche Risiken, deren sich Automobilhersteller und andere Akteure bewusst sein sollten.
Erstens waren laut Medienberichten vom Oktober Automobilhersteller wie Volkswagen, Honda und Nissan gezwungen, Anfang November bei bestimmten Halbleitern ihre Lagerbestände aufzubrauchen. Je nach Geschwindigkeit der Ausnahmengenehmigungen durch MOFCOM könnten einzelne Hersteller weiterhin ihre Produktion zurückfahren und ihre Prognosen für das verbleibende Jahr 2025 anpassen müssen.
Zweitens — und vielleicht noch relevanter — offenbarte ein, auf den 29. Oktober datierter und von Reuters veröffentlichter Brief, dass Nexperias Hauptsitz in den Niederlanden die Belieferung seiner Werke in China mit Wafern eingestellt hat. In dem von Interim-CEO Stefan Tilger unterzeichneten Schreiben heißt es, dass es sich um eine „direkte Folge des jüngsten Versäumnisses des lokalen Managements handelt, die vereinbarten vertraglichen Zahlungsbedingungen einzuhalten“. Da rund 70 % der Nexperia-Chips in China assembliert werden, könnte eine Unterbrechung des Wafer-Nachschubs einen weiteren Engpass zur Folge haben. Diese Entwicklung zeigt einmal mehr, wie vielschichtig die Eigentumskrise ist und deutet darauf hin, dass selbst eine dringend notwendige Entspannung im Handelskonflikt zwischen den USA und China nicht ausreicht, um die Stabilität der Lieferkette wiederherzustellen und Nexperias entscheidende Rolle in der weltweiten Automobilproduktion abzusichern.
Alternativen zu Nexperia-Bauteilen mit Z2Data finden
Der Nexperia-Konflikt ist besonders faszinierend, weil er zahlreiche hochaktuelle Themen miteinander verknüpft: Halbleitertechnologie, Handelsbeschränkungen, Lieferengpässe und die immer aktivere Rolle von Regierungen im Unternehmenssektor. Für Automobilhersteller und andere OEMs, die bei Nexperia beziehen, geht es jedoch um mehr als nur Beobachtung – sie möchten nicht zum Kollateralschaden eines internationalen Chipstreits werden.
Unternehmen, die schnell und entschlossen Alternativen zu Nexperia-Chips identifizieren wollen, profitieren von den Daten und Erkenntnissen der Supply-Chain-Risk-Management (SCRM)-Plattform Z2Data. Z2Data bietet leistungsfähige Funktionen, um Unternehmen beim Navigieren durch diese angespannte Lieferkettensituation optimal zu unterstützen:
- Identifikation aller Nexperia-Bauteile, die Ihr Unternehmen aktuell beschafft.
- Suche aller verfügbaren Alternativbauteile (Crosses) zu Nexperia-Produkten.
- Bewertung der verfügbaren Bestände bei globalen Distributoren elektronischer Bauteile.
- Mithilfe von Part-to-Site-Mapping gezielt feststellen, welche Ihrer Bauteile derzeit in China gefertigt werden.
Selbst wenn die Nexperia-Krise sich in den nächsten Wochen oder Monaten entschärft, werden Handelsrisiken in der Elektronik-Lieferkette so bald nicht verschwinden. Handelskonflikte, Exportbeschränkungen und die zunehmende Nationalisierung haben zur Folge, dass die Beschaffung elektronischer Bauteile weniger stabil ist denn je – Flexibilität, Optionenvielfalt und Resilienz schaffen hier entscheidende Vorteile.
Um mehr über Z2Data und Möglichkeiten zum souveränen Umgang mit der Nexperia-Krise zu erfahren, vereinbaren Sie eine Demo mit einem unserer Produktexperten. Alternativ können Sie Ihren Z2Data-Ansprechpartner kontaktieren oder eine E-Mail an [email protected] senden.