21 ESG-Statistiken, auf die Unternehmen 2024 achten sollten

ESG hat in Unternehmen stark an Bedeutung gewonnen. Doch wie sehr beeinflusst diese breite Diskussion tatsächlich Investitionen, Geschäftsentscheidungen und gesetzliche Regulierungen?

21 ESG-Statistiken, auf die Unternehmen 2024 achten sollten

Das Interesse an ESG und seinen tragenden Säulen reicht mindestens bis in die späten 2010er-Jahre zurück, doch die Einführung und Umsetzung des Nachhaltigkeitsrahmens hat sich in den letzten Jahren rasant beschleunigt.

Unternehmen in den USA, Europa und weltweit erkennen zunehmend, wie entscheidend Umwelt-, Sozial- und Governance-Themen (ESG) für Investoren, Kunden und andere wichtige Stakeholder sind. Daher verstärken Firmen ihre Bemühungen, diese Herausforderungen anzugehen – sei es durch interne ESG-Initiativen, strategische Maßnahmen zur Reduzierung von CO2-Emissionen oder durch Sorgfaltspflichten zur Entwicklung einer sauberen, ethischen Lieferkette. 

Es ist wichtig zu bedenken, dass verschiedene Personen ESG aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Aus diesem Grund wird das Schema üblicherweise auf drei verschiedene Arten interpretiert:

  • Erstens als interne Strategie und Initiative eines Unternehmens, um dem Klimawandel und anderen Umweltkrisen zu begegnen; faire Bezahlung, existenzsichernde Löhne und menschenwürdige Arbeitsbedingungen für Beschäftigte entlang der Lieferkette zu gewährleisten; sowie gute Unternehmensführung zu praktizieren. 
  • Zweitens als ein Satz von Bewertungskriterien, den Investoren auf börsennotierte Unternehmen anwenden, um ethische und nachhaltige Investitionsmöglichkeiten zu identifizieren (auch bekannt als nachhaltiges oder sozial verantwortliches Investieren). 
  • Drittens als Grundlage für gesetzliche Regelungen, die Unternehmen zu mehr Transparenz und verantwortungsvollem Handeln verpflichten sollen. 

Mit der raschen Ausbreitung des ESG-Konzepts unter Unternehmen, Beratungsfirmen und Finanzinstituten ist es jedoch immer schwieriger geworden, relevante Informationen von Überflutung durch Daten zu unterscheiden. Wie die Capital Group in ihrer ESG Global Study 2022 berichtet, stehen Entscheidungsträger „einer Informationsflut gegenüber, während sie versuchen, sich im Datenstrom zu behaupten“. Vor diesem Hintergrund haben wir eine Auswahl der aussagekräftigsten und bedeutsamsten ESG-Statistiken zusammengestellt. Diese Daten verdeutlichen eindrucksvoll, wie weit das Framework bereits ist, wohin es sich entwickelt und welche Bedeutung seine zunehmende Dominanz für Ihr Unternehmen haben könnte. 

ESG in Unternehmen 

1. 88 % der börsennotierten Unternehmen setzen ESG-Initiativen um 

Laut einer Umfrage des Risikomanagement-Softwareanbieters Navex aus dem Jahr 2020 haben fast neun von zehn börsennotierten Unternehmen interne ESG-Initiativen eingeführt. Bei privat geführten Unternehmen ist der Anteil deutlich geringer: Hier haben lediglich 67 % der Betriebe entsprechende Programme umgesetzt. 

(Quelle: NAVEX Global Umfrage 2020)

2. 94 % der Führungskräfte stehen unter Druck, ESG-Initiativen zu priorisieren 

Die Dringlichkeit, ESG-Programme und -Richtlinien zu entwickeln und umzusetzen, ist im Top-Management allgegenwärtig. Laut einer 2023 von der Fachzeitschrift CFO durchgeführten Studie verspüren alle bis auf 6 % der Führungskräfte Druck, ESG-Initiativen in ihren Unternehmen zu priorisieren. Die Studie verweist zudem auf den Anstieg des Corporate Equality Index (CEI), eines ESG-nahen Berichts der Human Rights Campaign, der Unternehmen nach ihrem Umgang mit und ihrer Integration der LGBTQ-Community bewertet. 

(Quelle: CFO)

3. …Doch halten fast neun von zehn Führungskräften ESG-Initiativen für geschäftskritisch

Auch wenn Führungskräfte wachsenden Druck empfinden, Umwelt-, Sozial- und Governance-Säulen in ihre Unternehmen zu integrieren, herrscht unter ihnen weitgehende Einigkeit über die Bedeutung des Frameworks. Laut einer aktuellen Umfrage von Ernst & Young stuften 87 % der Führungskräfte Nachhaltigkeit und ESG als „äußerst wichtig“ oder „sehr wichtig“ für ihr Unternehmen ein. 

(Quelle: Ernst & Young)

4. Unternehmen geben jährlich fast 700.000 US-Dollar für klimabezogene Offenlegungen aus

ESG-Vorschriften in den USA stecken noch in den Kinderschuhen, doch Unternehmen investieren bereits erhebliche Beträge in die Erfassung und Analyse klimabezogener Aktivitäten. In einer Studie 2022 befragte die Nachhaltigkeitsberatung ERM US-Unternehmen zu ihren Ausgaben für Prozesse wie CO2-Bilanzierung, Klimaszenarienanalysen und Steuerungsmaßnahmen fürs Risikomanagement. Ergebnis: US-Unternehmen geben „im Durchschnitt jährlich 677.000 US-Dollar für Aktivitäten zur Klimaberichterstattung“ aus.

(Quelle: ERM SustainAbility Institute)

5. 76 % der Verbraucher würden Unternehmen meiden, die ESG-Prinzipien missachten 

Laut einer 2021 von PwC durchgeführten Umfrage würden mehr als drei Viertel der Verbraucher „die Beziehung zu Unternehmen abbrechen, die die Umwelt, Mitarbeitende oder ihr gesellschaftliches Umfeld schlecht behandeln“. Da immer mehr Länder und Institutionen ESG-Berichtsanforderungen einführen – und Verbraucher das Handeln von Unternehmen damit stärker prüfen können – werden solche Einstellungen künftig noch mehr Gewicht haben. 

(Quelle: PwC)

6. Absatz von Produkten mit ESG-Bezug wächst rasant

Auch wenn Nachhaltigkeitsbemühungen und ESG-Initiativen oft idealistisch betrachtet werden, zahlt sich die Fähigkeit, glaubhafte Nachweise zu liefern, auch wirtschaftlich aus. Ein Bericht von Thomson Reuters aus 2023 zeigt, warum: Durch die Analyse von NielsenIQ-Daten wurde deutlich, dass der Umsatz von Produkten mit ESG-Claims zwischen 2018 und 2022 deutlich schneller wuchs als bei Produkten ohne solche Claims. Die Kluft ist beachtlich: Die erste Gruppe erzielte eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) von 6,4 %, gegenüber 4,7 % bei der Vergleichsgruppe. 

(Quelle: Thomson Reuters Institute)

7. Globale Ausgaben für ESG-Dienstleistungen steigen bis 2027 auf 65 Mrd. US-Dollar 

Im Jahr 2023 gaben Unternehmen weltweit knapp 38 Mrd. US-Dollar für Nachhaltigkeitsdienstleistungen aus. Nach Prognosen der Research-Firma IDC soll dieser Wert bis 2027 auf 65 Mrd. US-Dollar wachsen – ein jährliches Wachstum (CAGR) von 15 %. „Der Druck zum Handeln war nie größer“, betont IDC-Analyst Dan Versace, „und Unternehmen, die tatenlos bleiben, riskieren Imageschäden, finanzielle Verluste und sogar Schäden an Infrastrukturen durch Extremwetterereignisse und Ressourcenknappheit infolge des Klimawandels.“
Die Definition von ESG Business Services bei IDC umfasst Beratung, Ingenieurleistungen und IT-Unterstützung, die Unternehmen in den Bereichen Umwelt, Soziales oder Governance hin zu nachhaltigen Lösungen führen. 

(Quelle: IDC)

8. Die Folgen des Klimawandels kosten die Welt 16 Millionen US-Dollar – pro Stunde 

Dass Extremwetterereignisse infolge des Klimawandels teuer sind, ist allgemein anerkannt. Wie teuer im Detail, ließ sich bisher selten beziffern – auch, weil eine klare Trennung zwischen katastrophalen Ereignissen mit direktem Klimabezug und seit Jahrhunderten auftretenden Naturkatastrophen schwierig ist.
Eine 2023 in Nature Communications veröffentlichte Studie versucht, diese Unterscheidung vorzunehmen und quantifiziert die weltweiten Folgekosten des Klimawandels auf jährlich etwa 143 Mrd. US-Dollar – das entspricht rund 16 Mio. US-Dollar pro Stunde. 

(Quelle: Nature Communications)

9. Sustainalytics hat ESG-Risiko-Ratings an 13.000 Unternehmen vergeben 

Mit der wachsenden Bedeutung des ESG-Frameworks für börsennotierte Unternehmen und deren Investoren ist eine neue Branche für Bewertung und Monitoring entstanden. Heute gibt es zahlreiche Rating-Agenturen wie RepRisk, EcoVadis oder MSCI, die Leistungen von Unternehmen hinsichtlich Umwelt, Soziales und Governance bewerten. Sustainalytics, einer der größten und bekanntesten Anbieter, bietet ESG-Ratings für über 13.000 Unternehmen an. 

10. 501 Unternehmen haben das Climate Pledge für Netto-Null-CO2-Emissionen unterzeichnet

Das 2019 von Amazon und Global Optimism gegründete Climate Pledge ist eine gemeinsame Verpflichtung von Unternehmen, bis 2040 Netto-Null-CO2-Emissionen zu erreichen – also ein Jahrzehnt vor dem von der Pariser Klimakonferenz 2015 gesetzten Ziel 2050. Zu den Unterzeichnern gehören Unternehmen wie Mastercard, Sony, Hewlett Packard und McKinsey & Company. 

(Quelle: The Climate Pledge)

11. Die 17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung waren eines der ersten ESG-Frameworks 

Im September 2015 verabschiedete die UN die „Agenda 2030“ mit 17 klar formulierten, ambitionierten Nachhaltigkeitszielen (SDG), die von allen 191 Mitgliedsstaaten ratifiziert wurden. Sie reichen von „keine Armut“ und „kein Hunger“ bis „weniger Ungleichheiten“, „Klimaschutz“ und „Geschlechtergerechtigkeit“. Auch wenn viele Ziele bis 2030 als kaum erreichbar gelten, hat sich das SDG-Programm als einflussreiches Schema für die Bewertung und Umsetzung von ESG in Unternehmen etabliert. 

(Quelle: United Nations Global Compact)

ESG beim Investieren 

12. 47 % der Investoren konzentrieren sich vorrangig auf das „E“ in ESG

Obwohl ESG dazu gedacht ist, Umwelt-, Menschenrechts- und Governance-Themen als Bestandteil von Nachhaltigkeit zusammenzuführen, widmen viele Investoren ihren größten Fokus Umweltthemen. Laut ESG-Studie der Capital Group aus 2022 entfielen fast die Hälfte aller Nachhaltigkeitsprioritäten auf die Umweltkomponente. Zum Vergleich: Dem Sozialbereich widmeten Investoren im Schnitt 25 %, dem Bereich Governance 27 %. 

(Quelle: Capital Group)

13. Fast die Hälfte der US-Amerikaner interessiert sich für nachhaltige Investments – aber nur ein Viertel weiß, wo sie investieren können 

Laut einer Gallup-Umfrage aus dem Jahr 2022 interessieren sich 48 % der US-Investoren für nachhaltige Anlagemöglichkeiten. Doch das Interesse wird nicht von entsprechendem Wissen begleitet: Nur 25 % haben laut Gallup „viel“ oder „einigermaßen viel“ über nachhaltiges Investieren oder passende Finanzprodukte gehört. Nur 10 % der Befragten gaben an, aktuell in nachhaltige Fonds investiert zu sein. 

(Quelle: Gallup)

14. Zuflüsse in nachhaltige Fonds stiegen von 2018 bis 2021 um 1.400 % 

Nachhaltige Fonds werden unter Verwendung von ESG-Prinzipien aufgelegt und gemanagt und beziehen Nachhaltigkeitskriterien aktiv in die Anlageentscheidung ein. Mit steigender Bekanntheit von ESG und nachhaltigen Investments stieg auch die Beliebtheit dieser Fonds: 2018 betrugen die Netto-Zuflüsse insgesamt 5 Mrd. US-Dollar, 2021 bereits 70 Mrd. US-Dollar – ein Wachstum von 1.400 %. 

(Quelle: McKinsey & Company)

15. Europa beherbergt 2,5 Billionen US-Dollar der weltweit 3 Billionen nachhaltigen Fonds

Europa ist unangefochtener Vorreiter im noch jungen Bereich nachhaltiger Kapitalanlagen. Das Gesamtvermögen nachhaltiger Fonds auf dem Kontinent liegt mittlerweile bei über 2,5 Billionen US-Dollar – ein Anstieg von fast 40 % gegenüber 2021. Dies entspricht 83 % der weltweiten Gesamtanlagen. 

16. In Q1 2024 zogen Amerikaner jedoch 8,7 Mrd. US-Dollar aus nachhaltigen Fonds ab 

Trotz beeindruckendem globalem Wachstum von ESG-Investments verzeichneten nachhaltige Fonds in den USA im ersten Quartal 2024 Netto-Mittelabflüsse – und damit setzte sich der Trend aus 2023 (erstmals mit Jahresabflüssen bei nachhaltigen US-Fonds) weiter fort. Was dieser Umschwung konkret für die ESG-Dynamik bedeutet, bleibt abzuwarten, sorgt jedoch für eine gewisse Unsicherheit. 

(Quelle: Morningstar 2024 Outflows; Morningstar 2023 Outflows)

ESG in gesetzlichen Regelungen 

17. Die EU-CSRD betrifft langfristig 50.000 Unternehmen

Die Europäische Kommission schätzt, dass die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU, deren erste Phase am 1. Januar dieses Jahres gestartet ist, bis zu 50.000 Unternehmen betreffen wird. Eine unabhängige Analyse geht davon aus, dass davon 10.000 Firmen – also 20 % – aus dem Ausland stammen, darunter 3.000 US-Unternehmen. 

(Quellen: Persefoni; Wall Street Journal)

18. Weltweit gibt es bereits fast 2.500 ESG-Offenlegungsvorschriften 

Ein Bericht von Carrots & Sticks (2023), einer Initiative des UN-Umweltprogramms und KPMG International zur Erfassung und Bewertung von ESG-Regularien, identifizierte weltweit fast 2.500 ESG-Politiken. Die meisten konzentrieren sich auf Berichterstattungs- und Offenlegungspflichten, viele enthalten weitere Nachhaltigkeitsanforderungen. Rund die Hälfte aller Politiken wird von nationalen Regierungen und internationalen Organisationen verantwortet, weitere 45 % von Verbänden, Börsen und Finanzaufsichtsbehörden. 

(Quelle: Carrots & Sticks)

19. Doch seit 2015 sind nur 36 % dieser Politiken verpflichtend

Der gleiche Bericht von Carrots & Sticks zeigt zudem einen überraschenden Trend ab 2015: Seitdem sind nur ein Drittel aller neuen ESG- und Nachhaltigkeitspolicen verpflichtend, 63 % dagegen weiterhin freiwillig. Damit kehrte sich das Verhältnis im Vergleich zu den Ergebnissen des Berichts von 2020 deutlich um – damals gab es noch mehr verbindliche als freiwillige Vorgaben. 

Die zentrale Erkenntnis: Auch wenn Diskussionen und Rhetorik rund um ESG exponentiell zunehmen, verläuft die Einführung verbindlicher Regularien und Meldepflichten – abgesehen von der CSRD – deutlich zögerlicher und nuancierter. 

(Quelle: Carrots & Sticks)

20. Große EU-Unternehmen zahlen jährlich 350.000 US-Dollar für CSRD-Compliance 

Die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) schätzt, dass große europäische Unternehmen, die an einer EU-regulierten Börse gelistet sind und als erste der CSRD unterliegen, jährliche Compliance-Kosten von etwa 350.000 US-Dollar erwarten müssen. Der Bericht prognostiziert zudem einen deutlichen Anstieg der Prüfkosten („assurance costs“) aufgrund der deutlich größeren Prüftiefe, wenn die CSRD von einer eingeschränkten auf eine umfassende Prüfung übergeht – was in den kommenden Jahren geschehen soll. 

(Quelle: EFRAG)

21. Weniger als ein Drittel der Unternehmen ist bereit für CSRD und weitere ESG-Regulierung

Zwar hat die CSRD der EU im Januar 2024 mit ihrer mehrjährigen Einführung begonnen; die meisten Unternehmen fühlen sich jedoch noch nicht dafür gerüstet, die neuen Daten- und Prüfungspflichten zu erfüllen. 

Eine aktuelle KPMG-Umfrage unter 1.000 Führungskräften und Vorständen ergab, dass sich nur 29 % der Unternehmen auf CSRD und andere anstehende Berichtspflichten vorbereitet sehen – ein Anstieg um lediglich 4 % gegenüber 2023. 

(Quelle: KPMG)

Die Kosten der Nachhaltigkeit – und die Nicht-Nachhaltigkeit des Status quo – im Zeitalter von ESG

Ein zentrales Ergebnis der verfügbaren ESG-Daten lautet: Unternehmensausgaben für Nachhaltigkeitsmaßnahmen und klimabezogene Offenlegung sind der regulatorischen Entwicklung weit voraus. Unternehmen stehen unter dem Druck von Kunden, Investoren, internationalen Organisationen und zahlreichen anderen Anspruchsgruppen, mehr Transparenz herzustellen und konkrete Ziele bei Dekarbonisierung, Menschenrechten und weiteren ESG-Prinzipien voranzutreiben. Dies führt zu umfangreichen Investitionen in diesen Bereichen. Wie einige der obigen Statistiken zeigen, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis der Markt selbst Unternehmen und Produkte bevorzugt, die nach dem ESG-Framework arbeiten und entsprechende Nachweise liefern können – während Firmen, die Nachhaltigkeit und ethisches Verhalten ignorieren, dies am Ende an ihrem Geschäftserfolg spüren werden.