ESG- und Nachhaltigkeitsherausforderungen nehmen für Hersteller weiter zu. Da sowohl Regulierungsbehörden als auch Stakeholder neue Ebenen der Rechenschaftspflicht fordern, stehen Unternehmen vor der schwierigen Aufgabe, tiefere und detailliertere Einblicke in ihre Lieferketten zu gewinnen.
In unserem jüngsten Webinar, Best Practices for Managing Sustainability Risks in Manufacturing, beleuchteten Verdantix ESG & Sustainability Industry Analyst Jessie Wilson und Z2Data Director of Sales Ruth Gray die größten Risiken, mit denen Unternehmen konfrontiert sind – und welche Schritte sie ergreifen müssen, um konform zu bleiben.
Hier sind fünf wichtige Erkenntnisse:
1. Klimawandelbedingte Risiken könnten weltweit bis zu 5 Billionen US-Dollar an Schäden verursachen
Ein Global Assessment Report on Disaster Risk Reduction 2023 des UN-Büros für Katastrophenvorsorge (UNDRR) zeigte: „Die Auswirkungen des Klimawandels führen dazu, dass bestehende Gefahren noch intensiver und häufiger auftreten.“
Laut Bericht „hat sich die Zahl der registrierten Katastrophen in den letzten 50 Jahren verfünffacht“. Diese Entwicklung dürfte sich weiter beschleunigen und stellt Unternehmen vor Herausforderungen wie:
- Stromerzeugung
- Herausforderungen bei der Deckung des Energiebedarfs
- Städtische Überflutungen, insbesondere in Süd- und Südostasien
- Rückgang der Arbeitsproduktivität
Extreme Hitze allein dürfte laut Wilson im Webinar „klimawandelbedingte Kosten von rund 5 Billionen US-Dollar weltweit verursachen“. Zusätzlich warnt die Europäische Umweltagentur davor, dass die EU einem wachsenden Risiko finanzieller Schocks durch den Klimawandel ausgesetzt ist – mit potenziellen wirtschaftlichen Schäden von mehr als 1 Billion Euro jährlich.
Gerade Unternehmen mit großem, internationalem Lieferkettennetzwerk sind von diesen klimabedingten Veränderungen in besonderem Maße betroffen. Von steigenden Energiekosten bis hin zu Druck auf globale Häfen und maritime Lieferketten – Unternehmen müssen sich diesen komplexen Risiken stellen.
2. Die Hälfte der Verbraucher meidet Marken mit irreführenden Nachhaltigkeitsaussagen
Als umweltfreundlich zu gelten reicht nicht mehr aus, um Verbraucher zu überzeugen. Heutige Stakeholder erwarten, dass Unternehmen die Transformation ihrer Lieferketten aktiv vorantreiben und Verantwortung für soziale und ökologische Auswirkungen übernehmen. Wer diese Erwartungen verfehlt, riskiert schweren Reputationsschaden, einen Vertrauensverlust der Marke und eine negative Wahrnehmung durch Bestands- und potenzielle Neukunden. Laut einer KPMG-Studie würden über 50 % der britischen Konsumenten Marken meiden, die irreführende Nachhaltigkeitsaussagen machen.
Viele Unternehmen integrieren deshalb ESG und nachhaltigkeitsbezogene Themen in ihre Risikomanagementstrategien, um operationelle, finanzielle und rechtliche Risiken zu reduzieren. Doch wie Wilson sagt: „Es gibt viele Herausforderungen… Hersteller verfügen über einige der komplexesten Lieferketten – und oft über die geringste Transparenz, insbesondere jenseits der Tier-1-Lieferanten.“
Manche Unternehmen haben bis zu 30.000 Lieferanten in ihrer Lieferkette – die Beschaffung aller notwendigen Daten für ESG- und Nachhaltigkeitsberichte gestaltet sich entsprechend aufwendig. Doch nicht nur die Anzahl der Lieferanten ist hierfür problematisch – vielen Unternehmen fehlen auch intern die Ressourcen, um Daten effektiv zu erfassen.
„Viele Hersteller verfügen nicht über die notwendige Infrastruktur, um relevante ESG-Daten ausreichend zu erheben. In einer aktuellen Verdantix-Umfrage gaben nur 9 % der 400 befragten Unternehmen an, dass ihre Supply-Chain-Emissionsdaten derzeit den Anforderungen einer Finanzprüfung entsprechen.“
Für viele Unternehmen besteht die erste Herausforderung darin, Ressourcen für die Erhebung, Bereinigung und Organisation dieser Informationen bereitzustellen, um präzise ESG- und Nachhaltigkeitsberichte liefern zu können. Doch während Unternehmen ihre Daten beschaffen, suchen Kunden fortlaufend nach Wettbewerbern, die schneller und effizienter auf diese Anforderungen reagieren können.
3. Über 60 % der Lieferanten empfinden die Datenanfragen der Hersteller bereits als zu hoch
Lieferantenbefragungen sind weiterhin das gängigste Mittel zur Erhebung von ESG- und Compliance-Informationen. Diese Methode ist jedoch mit zahlreichen Einschränkungen verbunden, insbesondere im Hinblick auf Skalierbarkeit und Nachhaltigkeit.
Erstens sind Lieferantenbefragungen nicht auf das zukünftig erforderliche Niveau skalierbar, das regulatorische ESG-Vorgaben verlangen werden. Da Richtlinien stärkere Einblicke in Lieferantenpraktiken und Ethik erfordern, steigt die Anzahl der Fragebögen für Tier-1-Lieferanten – insbesondere in Bezug auf Sub-Tier-Transparenz – rasant an. Selbst bei höherer Qualität und Ausführlichkeit der Umfragen sehen sich Unternehmen oft dennoch mit unzureichender Resonanz und abnehmender Datenqualität konfrontiert.
Zweitens ist auch das wachsende Phänomen „Umfragemüdigkeit“ zu beachten. Eine Voice of the Supplier-Umfrage 2024
unter Lieferanten zeigte: 61 % empfinden, dass „ihr wichtigster Kunde ihnen zu viele Informationsanfragen stellt“. Zusätzlich gaben 60 % an, dass „der wichtigste Kunde zu viel administrative Arbeit erwartet“.
Lieferanten, die mehreren Kunden umfangreiche Compliance-Daten liefern müssen, können schnell überfordert sein. Die Folge sind unvollständige oder überhastete Antworten – gerade von mittleren Lieferanten, die kleinere Unternehmen weniger priorisieren. Und selbst wenn Antworten vorliegen, sind Qualität und Tiefe der Daten oft unbefriedigend, was eine effektive Zusammenarbeit weiter erschwert.
Wie können Hersteller und Lieferanten dieses Spannungsverhältnis auflösen? Laut Wilson beginnt es mit dem Ausbau eigener Prozesse: „Integrieren Sie ESG-Faktoren in Ihre Beschaffungsprozesse und Geschäftsentscheidungen. Fördern Sie Schulungen und Zusammenarbeit mit allen Akteuren im Ökosystem sowie entlang der gesamten Wertschöpfungskette – nicht nur mit Ihren Lieferanten.“
4. Gute Lieferantenbeziehungen allein reichen für neue regulatorische Berichtspflichten nicht mehr aus
Herausforderungen wie Umfragemüdigkeit, fehlende Abstimmung und Transparenzdefizite erschweren Unternehmen das Management von Scope-3-Emissionen. Ein CDP-Bericht von 2022 zeigte, dass selbst Unternehmen, die über 80 % ihrer Lieferanten einbinden, weniger als 50 % ihrer gesamten Scope-3-Emissionen abdecken.
Zur Lösung wenden sich Unternehmen vermehrt an Software für Lieferkettentransparenz und Nachhaltigkeit. Solche Tools bieten mehr Transparenz, automatisieren ESG-Datenerfassung und stellen Trainingsmodule bereit, um die Lieferantenbindung zu stärken. Laut Deloitte betrachten inzwischen 71 % der Fertigungsunternehmen Nachhaltigkeit in der Lieferkette als strategische Priorität.
Doch es gibt keine Universallösung. Die Bewältigung von ESG-Risiken erfordert eine gezielte Analyse des Liefernetzwerks, die Integration von ESG-Aspekten in die Beschaffung sowie die Digitalisierung von Prozessen für Monitoring und Analysen in Echtzeit. Wer systematisch vorgeht, kann Risiken minimieren, Lieferantenpraktiken an ESG-Zielen ausrichten und die Resilienz seiner Lieferkette stärken.
5. Z2Data hilft Unternehmen, die Einhaltung von über 60 Vorschriften zu überwachen
Nachhaltigkeit und ESG-Compliance stehen und fallen mit verlässlichen Daten. Doch laut Branchenreports haben über 40 % der Unternehmen Schwierigkeiten, zuverlässige Emissionsdaten ihrer Lieferkette zu erfassen. Mit Vorschriften wie der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der EU und strengeren Offenlegungspflichten der SEC steigen die Anforderungen weiter.
Z2Data rationalisiert das ESG-Reporting durch zentralen Zugriff auf essenzielle Lieferantendaten in vier zentralen Bereichen: Material-Compliance, Lieferanten-Compliance, Umweltmetriken und soziale Unternehmensführung. Im Webinar verwies Ruth auf die umfassenden Ressourcen der Plattform: „Die Plattform bietet Compliance-Informationen zu über 60 Vorschriften, Daten zu mehr als 28 globalen Sanktionslisten sowie ESG-Kennzahlen für über 300.000 Lieferanten.“ Diese umfassende Abdeckung ermöglicht es Unternehmen, konforme Partner zu identifizieren und die eigene Nachhaltigkeitsstrategie gezielt zu stärken.
Darüber hinaus stellt die umfassende Z2Data-Datenbank mit über 1 Milliarde Bauteilen und Materialien sicher, dass Organisationen Rückverfolgbarkeit und regulatorische Vorgaben bei Werkstoffen komfortabel erfüllen. Durch die Automatisierung der Datenerhebung und -analyse minimiert Z2Data manuellen Aufwand und befähigt Unternehmen, den wachsenden globalen ESG-Berichtsanforderungen gerecht zu werden.
Fazit
Für Unternehmen, die weiterhin Zugang zu globalen Märkten erhalten möchten, wird die Einhaltung von Umweltvorschriften in den kommenden Jahren immer relevanter. Um sich auf die nächste Regulierungswelle vorzubereiten, sollten Unternehmen über eine strategische Nutzung ihrer Ressourcen – sowohl menschlich als auch technisch – sowie über ihre Lieferantenbeziehungen nachdenken, um Transparenz und Datenaustausch zu fördern.
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