Warum ESG ein zentraler Fokus im Obsoleszenzmanagement sein sollte

Obwohl die meisten Fachleute, die elektronische Bauteile beschaffen, die Bedeutung des Obsoleszenzmanagements erkennen, sehen weit weniger, welche Rolle die ESG-Performance beim Produktlebensende (EOL) spielt. Erfahren Sie, wie die Integration von Nachhaltigkeit in die Bauteilauswahl Ihrem Unternehmen hilft, Abkündigungen souverän zu meistern.

Warum ESG ein zentraler Fokus im Obsoleszenzmanagement sein sollte

Für Unternehmen aus Branchen, die auf die weitreichende, globale Lieferkette elektronischer Bauteile angewiesen sind, gewinnt das Obsoleszenzmanagement zunehmend an Bedeutung. Sowohl aktive Komponenten wie integrierte Schaltungen und Transistoren als auch passive Bauelemente – von Widerständen und Kondensatoren bis zu Kabeln und Schaltern – sind von immer kürzeren Lebenszyklen und einem vorzeitigen Produktlebensende (EOL) betroffen. Eine Vielzahl von Faktoren trägt zu diesem Anstieg der Obsoleszenz bei: zunehmender Wettbewerb im Elektronikmarkt sowie eine Kundschaft, die konsequent neue Produkte, innovative Funktionen und rasante Fortschritte bei der Performance fordert. 

Angesichts der zunehmenden EOL-Raten bei elektronischen Bauteilen setzen Ingenieurinnen und Ingenieure sowie Beschaffungsexperten verstärkt auf effektive Obsoleszenzmanagement-Strategien. Zu den gängigen Maßnahmen zählen inzwischen Lebenszyklusprognosen, die Identifizierung passender Form-Fit-Function (FFF)-Alternativbauteile bei der Komponentenauswahl und das Etablieren umfassender Notfallpläne für EOL-Ereignisse. Was jedoch vielen dieser Fachleute nicht bewusst ist: Das ESG-Framework nimmt einen immer größeren Einfluss auf Obsoleszenztrends in der Branche. 

Jahrelang galten Nachhaltigkeit und Lebenszyklusmanagement als getrennte Kategorien, die mit eigenen Strategien adressiert werden sollten. Doch zentrale Entwicklungen in staatlichen Vorgaben, klimabezogenen Offenlegungsstandards und in der Beschaffungspraxis führen diese bislang unabhängigen Prioritäten nun näher zusammen. Und im Verlauf der 2020er-Jahre wird ESG zu einer entscheidenden Größe in der Obsoleszenzlandschaft avancieren. 

Was hat ESG mit Obsoleszenz zu tun? 

Historisch betrachtet wurde die Obsoleszenz elektronischer Bauteile von Faktoren bestimmt, die mit den Säulen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (Environmental, Social, Governance, kurz ESG) nichts zu tun hatten. Über Jahrzehnte wirkten Aspekte wie Marktnachfrage, technologische Trends sowie Probleme in Lieferkette und Produktion am stärksten auf EOL-Ereignisse ein und zwangen Hersteller, Produktauslauf- bzw. Abkündigungsbenachrichtigungen (PDNs) zu verschicken und die Fertigung entsprechender Teile einzustellen. (Eine umfassende Analyse aktueller Obsoleszenzmuster finden Sie im aktuellen Z2Data-Report Obsolescence Trends in 2024.) 

Im laufenden Jahrzehnt verändern sich die Treiber von Obsoleszenz jedoch grundlegend. Neue Regulierungen wie die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) oder Kaliforniens Climate Corporate Data Accountability Act (auch bekannt als SB 253) bringen zahlreiche neue Pflichten für Unternehmen mit sich. Sobald diese Umweltvorgaben in Kraft treten, müssen Unternehmen Themen wie CO2-Fußabdruck, Emissionen nach Scopes 1, 2 und 3, Bezug und Arbeitspraktiken ihrer Lieferanten sowie Auswirkungen der gesamten Wertschöpfungskette auf Lebensräume, Biodiversität und weitere zentrale Umweltaspekte priorisieren. 

Langfristig werden diese Regulierungen und deren neue Prioritäten Branchen wie Konsumelektronik, Automotive, Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung nachhaltig beeinflussen – vom Bezugs- und Auswahlprozess der Komponenten bis hin zur Produktentwicklung. Bauteile mit überdurchschnittlich großem CO2-Fußabdruck, umweltzerstörerischer Rohstoffgewinnung oder Fertigung, und unter Einsatz ausbeuterischer Arbeitspraktiken werden schnell an Akzeptanz verlieren. In vielen Fällen führt der daraus resultierende Nachfragerückgang schließlich zur Obsoleszenz.

Kurz gesagt: Die Nachfrage nach elektronischen Bauteilen, die nicht nachhaltig oder im ESG-Framework schlecht bewertet sind, wird dramatisch sinken. Zugleich bedeuten schärfere Umweltvorgaben, dass einige Teile in den kommenden Jahren nicht mehr konform sein werden, was einen weiteren Weg ins Produktlebensende eröffnet. Hersteller, die ein agiles und vorausschauendes Obsoleszenzmanagement betreiben wollen, müssen lernen, ihre Bauteile unter das „ESG-Mikroskop“ zu legen – um sicherzustellen, dass sie keine Komponenten und Baugruppen verbauen, die unter nicht-nachhaltigen Bedingungen gefertigt wurden und so vorzeitig vom Markt verschwinden. 

Wie Unternehmen ESG in ihr Obsoleszenzmanagement integrieren können 

Zum Glück stehen Unternehmen, die elektronische Bauteile beschaffen, verschiedene Strategien zur Verfügung, um ihre Anfälligkeit gegenüber ESG-bedingter Obsoleszenz zu bewerten. Diese Maßnahmen setzen Grundpfeiler eines effektiven Lieferkettenrisikomanagements (SCRM, Supply Chain Risk Management) voraus: Dazu zählen umfassende Daten zu Bauteilen und Lieferanten, ein fundiertes Verständnis der sich wandelnden regulatorischen Landschaft sowie tiefe Transparenz in der Lieferkette.

• CO2-Fußabdruck von Bauteilen ermitteln

Die Möglichkeit, den CO2-Fußabdruck einzelner Bauteile abzuschätzen, ist essenziell für die Berechnung der Scope-3-Emissionen. Weniger als 40 % aller Unternehmen erfassen Scope-3-Emissionen derzeit aktiv – doch dieser Anteil wird künftig mit neuen Vorgaben sowie gestiegenen Erwartungen der Öffentlichkeit an Umweltberichte deutlich steigen. Unternehmen mit den nötigen Ressourcen, solche Emissionen auf Bauteilebene zu erfassen, können ESG-Kriterien in ihre Beschaffung einfließen lassen und ineffiziente Komponenten gezielt aus ihren Produkten entfernen. 

• Auswirkungen entlang der Lieferkette identifizieren

Die EU-Richtlinie CSDDD, die über die nächsten fünf Jahre schrittweise in Kraft tritt, verpflichtet betroffene Unternehmen, „negative Auswirkungen auf Menschenrechte und Umwelt entlang der Lieferkette zu identifizieren und zu beheben“. Wer die Tools und Ressourcen zur Lokalisierung dieser Risiken nutzt, profitiert nicht nur im Hinblick auf EU-Compliance. Unternehmen, die kritische Lieferanten, Werke und Standorte mit ESG-Risiken aufdecken, können ihre Wertschöpfungskette gezielt umgestalten, sich von problematischen Herstellern trennen und so ihr Obsoleszenzrisiko senken. 

• Sub-Tier-Lieferanten analysieren 

ESG-konformes Handeln endet nicht bei der Reduzierung des CO2-Fußabdrucks oder einem Klimaschutzplan. Die sozialen Kriterien des Frameworks sind mindestens genauso wichtig: Neue EU-Richtlinien erfordern teils umfassende Sorgfaltspflichten in der Lieferkette und gefährden die Zukunft von Lieferanten, die in unfaire Arbeitspraktiken, unsichere Arbeitsbedingungen oder andere Formen der Ausbeutung verwickelt sind. Unternehmen mit der Fähigkeit, ihre Sub-Tier-Lieferanten systematisch zu überprüfen, können risikobehaftete Akteure erkennen, bevor regulatorische Entwicklungen diese Anbieter treffen und ihre Bauteile frühzeitig in die Obsoleszenz treiben. 

Risiken der Vernachlässigung von ESG beim Design 

Es versteht sich von selbst, dass nicht jedes Unternehmen eine konsequente Verbindung von ESG-Konformität und Obsoleszenzmanagement verfolgt. Manche Hersteller sehen in Nachhaltigkeit vor allem einen überbewerteten Risikofaktor und beschränken ihre ESG-Verantwortung ausschließlich auf verbindliche Regulierungen. Unabhängig davon bestehen aber reale Risiken, wenn das ESG-Framework bei Komponentenauswahl und Designprozess ignoriert wird. Die größte und akuteste Bedrohung ist dabei die Obsoleszenz selbst. Hinzu kommen weitere Risiken, die Produktionskontinuität gefährden, Umsätze belasten und langfristiges Wachstum ausbremsen können. 

Unternehmen, die Lieferanten nicht gezielt auf Menschenrechtsverstöße prüfen, sind besonders anfällig für Störungen in der Lieferkette. Hersteller, die Mitarbeitende schlecht behandeln, für unsichere Arbeitsbedingungen sorgen oder Zwangsarbeit einsetzen, sind einem erhöhten Risiko von Betriebsstillständen, Verlust der Compliance oder Sanktionen ausgesetzt – alles Entwicklungen mit erheblichen Auswirkungen auf deren Kunden. Darüber hinaus kann die Missachtung des sozialen Faktors beträchtlichen Reputationsschaden verursachen, wenn unethisches Geschäftsgebaren öffentlich wird. (Ein Beispiel: Die Beschlagnahmung Tausender Fahrzeuge von Volkswagen durch den U.S. Customs and Border Protection Anfang des Jahres aufgrund von Zwangsarbeitsvorwürfen – ein anhaltender Imageschaden für den deutschen Hersteller.)

Wer Auswirkungen von Lieferkettenbeziehungen auf sein ESG-Profil nicht berücksichtigt, riskiert außerdem direkte finanzielle Verluste. Eine Studie von PwC aus dem Jahr 2021 fand heraus, dass 76 % der Verbrauchenden bereit wären, keine Geschäfte mehr mit „Unternehmen zu machen, die Umwelt, Mitarbeitende oder die Community schlecht behandeln“. Auch wenn nicht jedes Unternehmen sofort einen Zusammenhang zwischen Komponentenauswahl und ethischen Geschäftsprozessen sieht, vermittelt die Art der Beschaffungsentscheidungen viel über Haltung zu Umwelt, Mitarbeitenden und Gesellschaft. Korruption oder Ausbeutung bei direkten wie indirekten Lieferanten kann das Image eines Herstellers nachhaltig beschädigen – mit direkten Folgen für Umsatz und Positionierung im Markt. 

Wie sich ESG-Risiken im Obsoleszenzmanagement gezielt mindern lassen 

Auch wenn sich die Verzahnung von ESG-Performance und Obsoleszenzmanagement heute nicht immer auf den ersten Blick zeigt: Im Laufe der nächsten Jahre werden sich beide Bereiche so eng überschneiden wie nie. Elektronische Bauteile mit hohem CO2-Ausstoß und kritischen Methoden in Rohstoffgewinnung oder Produktion geraten zunehmend ins Visier eines umweltbewussteren Markts. Bauteile, die als nicht nachhaltig oder ethisch problematisch eingestuft werden, verlieren an Attraktivität und steuern zwangsläufig auf die Obsoleszenz zu. Verschärfte globale Regularien für Sorgfaltspflichten und Lieferkettentransparenz führen dazu, dass Bauteile von Herstellern mit schwacher Umwelt- oder Menschenrechtsbilanz besonders vom Reputationsrisiko betroffen sind – und so noch schneller zum Produktlebensende gelangen. 

Unternehmen, die solche ESG-Risiken dynamisch und proaktiv erkennen, gewinnen eine zentrale Strategie für ihr Obsoleszenzmanagement. Die führende Lieferkettenrisikomanagement-Plattform Z2Data bietet hierfür die notwendigen Daten und die erforderliche Transparenz für fundierte Bewertungen. 

Die Software umfasst eine umfassende Datenbank mit über 150.000 Lieferanten und Unternehmen weltweit, inklusive detaillierter Profile mit Finanzdaten, Compliance-Status, Risiko-Bewertungen und weiteren Informationen – damit Kunden humane Lieferketten gestalten und nachhaltige Beschaffung praktisch umsetzen können. Darüber hinaus enthält die umfangreiche Bauteildatenbank von Z2Data Schätzwerte für den CO2-Fußabdruck von Millionen Komponenten – ein entscheidender Faktor für Unternehmen, die Umweltwirkungen und damit Obsoleszenzrisiken künftiger Teile effektiv bewerten wollen. 

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