Was ist Sanctions Forecasting und wie können Unternehmen damit zukünftige Sanktionen erkennen?

Derzeit sind etwa 15.000 Unternehmen von US-Sanktionen betroffen. Für OEMs, die befürchten, dass einer ihrer Lieferanten auf einer Sanktionsliste landen könnte, kann Sanctions Forecasting eine entscheidende Funktion im Lieferkettenrisikomanagement übernehmen.

Was ist Sanctions Forecasting und wie können Unternehmen damit zukünftige Sanktionen erkennen?

Artikel-Highlights:

  • Aktuell stehen etwa 15.000 Organisationen unter US-Sanktionen. 
  • Viele Sanktionslisten sind dynamisch und werden jährlich, quartalsweise oder sogar monatlich oft kurzfristig aktualisiert.
  • Sanctions Forecasting ist eine SCRM-Methodik (Lieferkettenrisikomanagement), mit der Unternehmen potenzielle Personen, Organisationen oder Vermögenswerte identifizieren, die vor einer offiziellen Verhängung von Regierungssanktionen gefährdet sein könnten.
  • Durch die Nutzung von Sanctions Forecasting im Risikomanagement können Unternehmen Lieferanten frühzeitig auf Risiko bewerten und entsprechende Vertragsklauseln integrieren.
  • Das Sanctions Watchlist-Tool von Z2Data unterstützt Hersteller dabei, gefährdete Unternehmen zu identifizieren und abzubilden, wie potenzielle Sanktionen deren Lieferanten direkt beeinflussen könnten.

Auch wenn dieses Thema nicht so viel Medienaufmerksamkeit erhält wie andere internationale Entwicklungen, steigt die Anzahl der verhängten Sanktionen seit den frühen 2010er Jahren kontinuierlich – insbesondere in den USA. 

Amerikas entschlossene Nutzung von Sanktionen

Seit spätestens der Obama-Administration erhöht die US-Regierung laufend die Anzahl an Ländern, Unternehmen und Einzelpersonen, die amerikanischen Sanktionen unterliegen. Wie ein aktueller Washington Post Artikel beschreibt, „verhängen die Vereinigten Staaten dreimal so viele Sanktionen wie jedes andere Land oder internationale Gremium und belegen ein Drittel aller Nationen mit finanziellen Strafen gegen Personen, Eigentum oder Organisationen“.

Konkret sind derzeit rund 15.000 Unternehmen, Personen und weitere Rechtsträger auf einer der zahlreichen US-Sanktionslisten vermerkt. Diese Listen werden von verschiedenen US-Bundesbehörden betreut, darunter das US-Außenministerium, das Department of Homeland Security (DHS), das Handelsministerium sowie das Bureau of Industry and Security. 

Konkret sind derzeit rund 15.000 Unternehmen, Personen und weitere Rechtsträger auf einer der zahlreichen US-Sanktionslisten vermerkt.

Die 11 wichtigsten Sanktionslisten für Unternehmen

Es existieren zahlreiche dieser Listen bei mindestens einem halben Dutzend verschiedener Ministerien und Behörden, doch für US-Hersteller, Importeure und andere Unternehmen sind diese 11 Listen von besonders großer Bedeutung: 

  • BIS Unverified List
  • BIS Entity List
  • BIS Denied Persons List (DPL)
  • BIS Military End User List (MEU)
  • National Defense Authorization Act (NDAA) Section 889
  • National Defense Authorization Act (NDAA) Section 1260H
  • National Defense Authorization Act (NDAA) Section 5949
  • US Sanctions List (OFAC)
  • UFLPA Entity List
  • Nonproliferation Sanctions (ISN) List
  • ITAR Debarred (DTC) List

Die Herausforderung der Nachverfolgung bestehender Sanktionen

Bereits der Zugang zu diesen Listen ist eine Herausforderung. Für große Unternehmen mit spezialisierten Teams und viel Branchenerfahrung kann die Identifikation der relevanten Listen leichtfallen. Für andere ist es jedoch oft schon schwierig zu wissen, dass solche Listen überhaupt existieren – und wo sie zu finden sind. 

Lesen Sie auch: Die wichtigsten Sanktionslisten, die jedes US-Unternehmen kennen sollte – Z2Data

Selbst mit Zugang bereitet das Durcharbeiten der Listen Kopfzerbrechen. Verantwortliche benötigen oft viele Stunden, um juristische Fachtexte zu analysieren und daraus die erforderlichen Maßnahmen abzuleiten. 

Hinzu kommt, dass viele dieser Listen dynamisch sind. Neue Namen werden jährlich, quartalsweise oder sogar monatlich hinzugefügt – oft ohne Vorankündigung. 

Hinzu kommt, dass viele dieser Listen dynamisch sind. Neue Namen werden jährlich, quartalsweise oder sogar monatlich hinzugefügt – oft ohne Vorankündigung. 

Doch damit ist es nicht getan. 

Haben Unternehmen Listen gefunden, durchgelesen und ihre Verpflichtungen verstanden, ergibt sich eine neue Herausforderung: Wie sind diese Einträge mit dem eigenen Geschäft verbunden? Viele Unternehmen haben nach COVID begonnen, ihre Tier-1- und Tier-2-Lieferanten zu erfassen, aber nur sehr wenige kennen wirklich die hunderte oder gar tausende Sub-Tier-Lieferanten, die die gesamte Lieferkette ausmachen. 

Kurzum: Das Nachverfolgen und proaktive Management von Sanktionen ist eine komplexe und ressourcenintensive Aufgabe für Hersteller, die ihre Lieferketten regulatorisch sauber halten wollen.

Warum die Kenntnis aktueller Sanktionen nicht immer ausreicht 

Selbst proaktives Überwachen von Sanktionslisten reicht manchmal nicht aus. 

US-Sanktionen werden laufend ausgeweitet. Allein 2023 hat die Biden-Administration 2.500 Organisationen, Einzelpersonen und weitere Rechtsträger auf die Specially Designated Nationals (SDN) List gesetzt – eine konsolidierte Liste, die vom Office of Foreign Asset Control (OFAC) geführt wird. Die ständige Weiterentwicklung dieser außenpolitischen Instrumente stellt für Hersteller und US-Unternehmen mit internationalen Lieferanten eine erhebliche Herausforderung dar. 

Allein 2023 hat die Biden-Administration 2.500 Organisationen, Einzelpersonen und weitere Rechtsträger auf die Specially Designated Nationals (SDN) List gesetzt – eine konsolidierte Liste, die vom Office of Foreign Asset Control (OFAC) geführt wird.

Wenn morgen plötzlich eine Bundesbehörde ankündigt, dass ein zentraler Hersteller auf einer Sanktionsliste steht, müssen betroffene Unternehmen ihre Abläufe blitzschnell anpassen. Unabhängig davon, wie proaktiv alle Listen beobachtet wurden, ist das Handeln nach der Aufnahme immer reaktiv – häufig mit beträchtlichen und unmittelbaren Auswirkungen. 

Rechtlich gezwungen, die Geschäftsbeziehung mit dem neu sanktionierten Lieferanten einzustellen, können Unternehmen Produktionsziele verpassen, erhebliche Ressourcen in die Suche nach Alternativen stecken und durch neue, teurere Hersteller Mehrkosten riskieren. 

In Zeiten umfassender und sich ständig ändernder US-Sanktionen reicht reaktives Vorgehen nach Listenanpassungen im proaktiven Lieferkettenrisikomanagement (SCRM) nicht mehr aus. 

In Zeiten umfassender und sich ständig ändernder US-Sanktionen reicht reaktives Vorgehen nach Listenanpassungen im proaktiven Lieferkettenrisikomanagement (SCRM) nicht mehr aus. 

Wer wirklich einen Schritt voraus sein will, muss wissen, welche Entitäten künftig gelistet werden, noch bevor sie erscheinen. 

Die Lösung: Sanctions Forecasting. Basierend auf Sanktionsdaten, Research und Datenanalyse kann diese strategische SCRM-Methodik internationale Akteure mit erhöhter Sanktionsgefahr identifizieren. 

Doch wie funktioniert das konkret?

Was ist Sanctions Forecasting?

Sanctions Forecasting ist eine SCRM-Methodik, die es Unternehmen ermöglicht, potenzielle Personen, Organisationen oder Vermögenswerte mit erhöhtem Risiko staatlicher Sanktionen zu identifizieren, noch bevor diese offiziell verhängt werden.

Mit Sanctions Forecasting erkennen Unternehmen Risiken und mildern diese, bevor daraus echte Probleme werden – für einen klaren Vorsprung bei der Einhaltung regulatorischer Anforderungen. 

Wie funktioniert Sanctions Forecasting?

Sanctions Forecasting nutzt verschiedene Ressourcen, um möglichst präzise vorherzusagen, welche Personen, Organisationen oder Vermögenswerte zu Sanktionslisten hinzugefügt werden könnten. Diese Methodik greift dabei auf zahlreiche Quellen und Datenpunkte zurück, unter anderem:

  • Aktuelle SDNs und andere Zielentitäten auf US-Sanktionslisten.
  • Behördliche Ermittlungen und Berichte des Kongresses.
  • Analysen US-amerikanischer und internationaler Sanktionen nach betroffenen Ländern.
  • Detaillierte Lieferkettendaten, einschließlich direkter Lieferanten, Sub-Tier-Hersteller und weiterer Lieferkettenbeziehungen.
  • Berichte von Wissenschaft und NGOs mit nachgewiesenem Einfluss auf Bundespolitik.
  • Statistische Erfassungen zur Sanktionshäufigkeit in einzelnen Branchen.

Durch die Nutzung umfassender Quellen und Informationen können Unternehmen im Lieferkettenrisikomanagement fundierte, handlungsrelevante Prognosen zu Lieferanten und internationalen Geschäftspartnern erstellen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit künftig auf US-Sanktionslisten erscheinen. 

Welche Vorteile bringt Sanctions Forecasting für Unternehmen?

So offensichtlich die Vorteile sein mögen, stellt sich die Frage nach dem konkreten Mehrwert für Unternehmen. Große Datenmengen allein helfen nicht – entscheidend ist der strategische Einsatz. 

Sanctions Forecasting bringt Unternehmen auf vielfältige Weise Vorteile:

• Ein wichtiger Faktor zur Bewertung des Lieferantenrisikos

Verantwortungsbewusste Hersteller und Unternehmen, die langfristige Beziehungen mit Herstellern und Lieferanten prüfen, führen eine umfassende Due Diligence durch: Bewertung finanzieller Kennzahlen, geografischer Risiken und geopolitischer Stabilität, ESG-Performance sowie Cybersecurity. 

Sanctions Forecasting liefert einen weiteren entscheidenden Risikofaktor. Selbst wenn Lieferanten aktuell nicht betroffen sind, stellen Unternehmen mit hoher Wahrscheinlichkeit künftiger Sanktionen ein beträchtliches Risiko dar – mit Sanctions Forecasting lässt sich dieser Faktor gezielt in die Entscheidungsfindung integrieren. 

• Identifikation von Herstellern, die alternative Lieferanten benötigen

Nicht immer bedeutet ein hohes Sanktionsrisiko das Ende der Zusammenarbeit. Aber dank Sanctions Forecasting können Unternehmen frühzeitig Notfallmaßnahmen planen, falls ein Lieferant auf einer US-Sanktionsliste landet. Damit identifizieren Unternehmen gezielt Bereiche ihrer Lieferkette, in denen alternative Bezugsquellen aufgebaut werden sollten. 

• Hinweise, wann Vertragsklauseln erforderlich werden

Manche Lieferverträge machen die Beendigung der Geschäftsbeziehung teuer – selbst wenn sie aus nachvollziehbaren Gründen erfolgt. Unternehmen, die die Sanktionsrisikoprofile ihrer Hersteller und Lieferanten mit Sanctions Forecasting kennen, wissen, wo besondere Vertragsklauseln erforderlich sind. So lassen sich mit dem Instrument gezielt Vertragsoptionen zur Beendigung aus wichtigem Grund mit risikobehafteten Lieferanten vereinbaren, um im Ernstfall ohne große finanzielle Verluste reagieren zu können. 

Setzen Sie auf Z2Data’s Sanctions Forecasting Lösung für Ihr Unternehmen 

Der Vorsprung vor ständig wechselnden Sanktionen ist entscheidend für gutes Lieferkettenrisikomanagement. Z2Data’s Sanctions Watchlist versetzt Sie in die Lage, weltweit gefährdete Hersteller und Unternehmen frühzeitig zu identifizieren. Dafür werden 28 verschiedene Listen aus 16 Ländern – darunter USA, Kanada, Frankreich, Japan, China, Großbritannien und weitere – überwacht.

Was Sanctions Watchlist von herkömmlichen Lösungen unterscheidet: Die Integration mit Ihren spezifischen BOM-Daten ermöglicht eine maßgeschneiderte Sicht darauf, wie potenzielle Sanktionen direkte Auswirkungen auf Ihre Lieferanten und Ihr Geschäft haben könnten. Diese individuelle Risikovisualisierung spart Zeit bei der Analyse und verschafft Handlungsspielraum, um Ihre Lieferkette gezielt abzusichern.

Durch die Integration dieser Vorhersagen mit Ihren spezifischen BOM-Daten bietet das Tool einen individuellen Überblick, wie potenzielle Sanktionen Ihre Lieferanten und Ihr Unternehmen direkt betreffen könnten.

Auf Basis vertrauenswürdiger Quellen wie Kongressberichten, NGO-Analysen und journalistischer Recherchen verfolgt die Sanctions Watchlist von Z2Data zehntausende gefährdete Hersteller und Lieferanten. Unternehmen erhalten so die Möglichkeit, sicherere Lieferanten zu wählen, das Lieferkettenrisikomanagement nachhaltig zu stärken und in einer von Finanzsanktionen geprägten Wirtschaftslage agil und risikofest zu bleiben.

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