Was bedeutet die neue CSDDD für OEMs (Originalgerätehersteller)?

Die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) der EU war 2025 oft in den Nachrichten. Wie ernst sollten US-Unternehmen diese Regulierung nehmen?

Was bedeutet die neue CSDDD für OEMs (Originalgerätehersteller)?

Artikel-Highlights:

  • Die CSDDD legt rechtlich verbindliche Sorgfaltspflichten fest, die tief in Ihr Lieferantennetzwerk und die nachgelagerte Distribution reichen. Mit ESG-Compliance (Environment, Social, Governance – Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) bereits im Fokus, setzt die CSDDD neue Maßstäbe, indem sie die aktive Identifikation und Minderung von Menschenrechts- und Umweltschäden entlang der gesamten „Tätigkeitskette“ verlangt.
  • Die Compliance-Pflichten der CSDDD werden schrittweise eingeführt. Zunächst sind große EU-Unternehmen und außereuropäische Unternehmen mit erheblichem EU-Umsatz betroffen. Auch OEMs (Original Equipment Manufacturer) mit Sitz außerhalb der EU unterliegen letztlich den Anforderungen, wenn ihr EU-Umsatz bestimmte Schwellenwerte übersteigt (typischerweise rund 450 Mio. €).
  • Unternehmen können bereits jetzt verschiedene Maßnahmen zur Vorbereitung auf die CSDDD ergreifen, etwa die Abbildung ihrer Wertschöpfungskette und Identifikation risikoreicher Lieferanten, die Anpassung von Lieferantenverträgen mit Sorgfaltspflichtklauseln, die Integration von Systemen für Lieferantennachverfolgbarkeit und fortlaufende Überwachung sowie Schulung interner Teams und Zuordnung von Governance-Rollen. 

Die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) verändert grundlegend, wie OEMs über Lieferketten, Risiken und ESG-Compliance denken. Viele Unternehmen stellen sich nun die Frage: „Was fordert die CSDDD praktisch von OEMs und wie steht sie im Zusammenhang mit bestehenden Vorgaben wie CSRD und EUDR?“ Dieser Artikel erläutert, warum OEMs jetzt aktiv werden sollten, was die Richtlinie abdeckt, wie sie im Vergleich zu anderen Vorschriften steht und welche praktischen Schritte OEMs zur Compliance ergreifen können.

Warum OEMs der CSDDD jetzt Beachtung schenken sollten

Falls Sie als OEM klären möchten, was die CSDDD für Ihr Unternehmen bedeutet, lässt sich Ihre regulatorische Lage so zusammenfassen:

  • Die CSDDD definiert verpflichtende Sorgfaltspflichten, die umfassend in Ihr Lieferantennetzwerk und die nachgelagerte Distribution eingreifen. Mit ESG-Compliance bereits als Top-Thema erhöht die CSDDD das Niveau, indem sie die aktive Identifikation und Minderung von Menschenrechts- und Umweltschäden über die gesamte „Tätigkeitskette“ einfordert.

Bevor wir tiefer einsteigen, hier kurze Definitionen in einfachen Worten:

  • CSDDD: Das Sorgfaltspflichtgesetz der EU verpflichtet Unternehmen, negative Umwelt- und Menschenrechtsauswirkungen in ihren eigenen Betriebsabläufen und entlang der gesamten Lieferkette zu managen.
  • ESG-Compliance: Bezeichnet die Einhaltung interner und externer Anforderungen und Vorgaben zu Umwelt, Sozialem und Governance.
  • CSRD: Die Corporate Sustainability Reporting Directive (EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung), die Unternehmen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verpflichtet.
  • EUDR: Die EU Deforestation Regulation (EU-Entwaldungsverordnung), die sich gezielt auf Rohstoffe mit Deforestierungsauswirkungen richtet.

Dieser Artikel beleuchtet den Anwendungsbereich der CSDDD, ihre Auswirkungen auf OEMs, die Vernetzung mit bestehenden Vorschriften, zentrale Anforderungen sowie die Herausforderungen und Chancen für betroffene Unternehmen. 

Was ist die CSDDD? Einordnung im OEM-Kontext

Die CSDDD ist die wegweisende Sorgfaltspflichtrichtlinie der EU. Sie verpflichtet Unternehmen, Risiken für Menschenrechte und Umwelt systematisch zu identifizieren, zu verhindern, zu mildern und zu beheben. Die Einführung der CSDDD markiert den Wechsel von freiwilligen ESG-Standards hin zu verpflichtender Sorgfaltspflicht.

Zeitplan und Anwendbarkeit

Die Compliance-Anforderungen der CSDDD werden stufenweise eingeführt. Zunächst treffen sie große EU-Unternehmen und außereuropäische Unternehmen mit erheblichem EU-Umsatz. OEMs außerhalb der EU werden ebenfalls erfasst, sobald ihr Umsatz in der EU bestimmte Schwellenwerte (in der Regel rund 450 Mio. €) überschreitet.

Verknüpfung und Unterschiede zu CSRD und EUDR

Die CSDDD ist nicht mit der CSRD austauschbar. Während CSRD eine Berichterstattungsrichtlinie ist, handelt es sich bei der CSDDD um eine operative Sorgfaltspflichtrichtlinie. CSRD betrifft vorrangig „was Sie berichten“, die CSDDD hingegen „was tatsächlich getan werden muss“. Zudem besteht eine Schnittstelle zur EUDR, insbesondere wenn OEMs Komponenten aus Rohstoffen wie Kautschuk, Holz, Soja oder Palmöl beziehen. Die EUDR legt den Fokus auf entwaldungsfreie Lieferketten, die CSDDD adressiert ein breiteres Spektrum an Menschenrechts- und Umweltrisiken.

Warum OEMs von der CSDDD betroffen sind

OEMs stützen sich auf umfangreiche, globale und mehrstufig aufgebaute Lieferketten – genau diese Netzwerke stellt die CSDDD unter regulatorische Aufsicht. Typische OEM-Wertschöpfungsketten beinhalten vorgelagerte Rohstofflieferanten, Bauteilhersteller, Montagebetriebe, Auftragsfertiger und nachgelagerte Distributoren.

Tätigkeitskette: Warum sie entscheidend ist

Die CSDDD ist nicht nur auf direkte Lieferanten der 1. Ebene (Tier 1) beschränkt, sondern gilt für „etablierte Geschäftsbeziehungen“ entlang der gesamten Tätigkeitskette. Für OEMs umfasst dies Beziehungen rund um Rohstoffgewinnung, Bauteilherstellung, Logistik, Distribution und in bestimmten Fällen die Entsorgung von Produkten.

ESG-Compliance steht für OEMs im Zentrum

OEMs steuern häufig Tausende von Lieferanten, darunter viele kleinere oder aus Regionen mit schwacher Regulierung. Deshalb ist ESG-Compliance – insbesondere Umwelt- und Arbeitspraktiken – zentral für das Risikomanagement. Die Suchdaten zeigen: Schon der Begriff OEM steht für ein hochkomplexes Compliance-Ökosystem.

Risiken bei Nichteinhaltung

Nichterfüllung kann zu rechtlichen Sanktionen, Betriebsunterbrechungen, Schadenersatzforderungen, Reputationsschäden, Produktverzögerungen und Lieferkettenstörungen führen.

Zentrale Pflichten für OEMs unter der CSDDD

OEMs müssen einen systematischen Sorgfaltspflichtansatz verfolgen. Zu den wichtigsten Anforderungen zählen:

Sorgfaltspflichtmaßnahmen

OEMs müssen Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden identifizieren, verhindern, mindern und beheben. Darunter können Zwangsarbeit, unsichere Arbeitsbedingungen, chemische Gefährdungen, Beeinträchtigung der Biodiversität und Treibhausgasemissionen fallen.

Umfang der Geschäftstätigkeit

Die CSDDD erfasst die eigenen Betriebe des OEM, Tochtergesellschaften, Lieferanten verschiedener Stufen, Logistikpartner, nachgelagerte Distributoren und – in bestimmten Branchen – auch die Entsorgungs- oder Recyclingphase.

Governance- und Policy-Anforderungen

Für die Einhaltung der CSDDD müssen OEMs Aufsichtsgremien auf Vorstandsebene einrichten, Sorgfaltspflicht-Policies implementieren, Beschwerdemechanismen etablieren und ESG-Kriterien in die Beschaffungsprozesse integrieren.

Schwellenwerte und Übergangsfristen

Größere Unternehmen unterliegen frühzeitig den Compliance-Anforderungen. OEMs sollten Personal- und Umsatzschwellen gemäß EU-Definition prüfen, um den Geltungsbeginn einzuordnen.

Schnittstellen zu ESG-Compliance, CSRD und EUDR

CSDDD, CSRD und EUDR sind miteinander verknüpft – OEMs müssen deren Überschneidungen verstehen.

CSDDD vs. CSRD

Die CSRD regelt Offenlegungspflichten. Die CSDDD reguliert das Handeln. Beide Regularien ergänzen sich: Daten, die im Rahmen der CSDDD erhoben werden, unterstützen das CSRD-Reporting, und CSRD-Berichte müssen Informationen über die Sorgfaltspflichtprozesse gemäß CSDDD enthalten.

EUDR-Relevanz für OEMs

Wenn OEMs Kautschuk, Leder, Holz, Papier, Kakao, Palmöl oder Soja beschaffen, gilt die EUDR. Selbst wenn OEMs diese Rohstoffe nicht direkt kaufen, können sie in produzierten Komponenten enthalten sein. Die CSDDD verstärkt die Anforderung an Rückverfolgbarkeit und Lieferantenbewertung, während die EUDR spezifische Geolokalisierungsdaten vorschreibt.

Praktische Auswirkungen

Hersteller benötigen künftig deutlich mehr Transparenz bei Tier-2- und Tier-3-Lieferanten, stärkere Rückverfolgbarkeit und bessere ESG-Daten zur Minimierung von Single-Sourcing-Risiken. Viele OEMs setzen dabei auf Datenplattformen wie Z2Data, um Lieferanten-ESG-Informationen zu bündeln, regulatorisches Monitoring zu automatisieren und Lücken in vielschichtigen Lieferketten sichtbar zu machen.

Strategischer Vorteil
Unternehmen mit robusten Sorgfaltspflichtsystemen gewinnen an Kapitalzugang, steigern das Kundenvertrauen und verringern Lieferkettenstörungen – Compliance wird so zum Wettbewerbsvorteil.

Handlungsempfehlungen für OEMs: Praktischer Fahrplan

  1. Schritt 1: Wertschöpfungskette abbilden und Hochrisiko-Lieferanten identifizieren
    Betroffene Unternehmen sollten sämtliche Wertschöpfungsstufen dokumentieren und dabei Branchen mit bekannten Menschenrechts- oder Umweltrisiken priorisieren.
  2. Schritt 2: Richtlinien und Lieferantenverträge aktualisieren
    Im nächsten Schritt sollten Sorgfaltspflichtklauseln in Beschaffungsverträge integriert und klare Vorgaben für Korrekturmaßnahmen bei nicht-konformen Lieferanten definiert werden. 
  3. Schritt 3: ESG-Kennzahlen und Monitoringsysteme integrieren
    Da OEMs häufig zehntausende Teile und Lieferanten steuern, werden Systeme benötigt, die Lieferantentransparenz, Rückverfolgbarkeit und fortlaufendes Monitoring ermöglichen. Automatisierte Systeme wie Z2Data helfen dabei, Volumen und Komplexität zu beherrschen, kontinuierlich zu überwachen und den manuellen Aufwand zu reduzieren.
  4. Schritt 4: CSDDD- und CSRD-Arbeiten abstimmen und Doppelarbeit vermeiden
    Datensammlung, Governance-Strukturen und Berichtspflichten sollten effizient zwischen beiden Rahmen harmonisiert werden.
  5. Schritt 5: Interne Teams schulen und Governance-Rollen festlegen
    Beschaffungs-, Technik-, Compliance- und Rechtsteams benötigen jeweils spezifische Schulungen.
  6. Schritt 6: Überwachen, auditieren, berichten und auf Durchsetzung vorbereiten
    OEMs sollten Eskalationspfade, Tracking von Korrekturmaßnahmen und regelmäßige Audits etablieren. Regulierungsbehörden werden die CSDDD deutlich strikter durchsetzen als bisherige, freiwillige Initiativen.

Herausforderungen und Chancen für OEMs

Typische Herausforderungen

OEMs mangelt es oft an Transparenz über Tier-1-Lieferanten hinaus, die ESG-Datenlage ist lückenhaft, alte Beschaffungsprozesse erschweren die Umsetzung und die Verpflichtungen vieler Vorschriften sorgen für administrative Belastung.

Chancen

Dedizierte Sorgfaltspflichtsysteme verschlanken Prozesse, reduzieren Risiken, steigern die Lieferantenperformance und stärken die Nachhaltigkeitskommunikation von OEMs. Das zahlt sich in Form besserer Prognosen, weniger Störungen und erhöhtem Kundenvertrauen aus.

Zukünftige Entwicklungen

Das EU-Parlament hat jüngst eine Verengung der Anwendungsbereiche dieser Nachhaltigkeitsvorgaben vorgeschlagen: Die CSRD soll nur noch für Firmen mit mehr als 1.750 Mitarbeitenden und 450 Mio. € Umsatz gelten, die CSDDD nur ab 5.000 Mitarbeitenden und 1,5 Mrd. € Umsatz. Große Unternehmen, die weiterhin diesen Richtlinien unterliegen, müssen beim Sorgfaltspflichtansatz risikobasiert vorgehen, dürfen kleinere Partner nicht überfordern und benötigen eventuell keinen Klimatransitionsplan mehr. Mit der Umsetzung wandert die Verantwortung zunehmend auf die EU-Mitgliedstaaten. Geplant ist ein EU-Portal zur zentralen Bereitstellung von Berichtsmaterialien. Eine endgültige Verabschiedung wird im EU-Rat bis Ende 2025 erwartet.

Die Bedeutung der CSDDD – und wie Z2Data unterstützt

Für OEMs ist die CSDDD weit mehr als eine weitere ESG-Vorgabe: Sie verpflichtet, die Verantwortung in der Wertschöpfungskette grundsätzlich neu zu betrachten. Damit erweitert sich die Sorgfaltspflicht auf die gesamte Tätigkeitskette, die Governance-Anforderungen steigen und die Verbindung zu ESG-Compliance-Rahmenwerken wie CSRD und EUDR wird gestärkt.

Unternehmen, die frühzeitig mit Mapping von Lieferanten, Modernisierung der Beschaffungsrichtlinien, besserer Transparenz und Abstimmung der Sorgfaltspflichtprozesse beginnen, können neue Compliance-Risiken effektiver managen. Diese Maßnahmen werden langfristig breite, systemische Vorteile und nachhaltigen strategischen Wert für das Unternehmen schaffen. 

Für Unternehmen, die der wachsenden Zahl EU-weiter ESG-Regularien gerecht werden müssen, intern aber nicht über ausreichende Ressourcen für alle nötigen Lieferkettenmaßnahmen verfügen, bietet das Supply-Chain-Risk-Management (SCRM)-Tool Z2Data vielfältige Compliance-Funktionen. Zu den Compliance-Lösungen von Z2Data zählen:

  • Lieferantenbefragung/-kampagnen: Z2Data übernimmt die aktive Ansprache von Lieferanten, um alle erforderlichen Compliance- und regulatorischen Informationen für eine umfassende Analyse einzuholen.
  • Compliance Workflow Platform: Die Software von Z2Data dient als Workflow-Plattform, mit der Teams den Stand der Lieferantenansprache, Fortschritte, automatische Eskalationen, E-Mails und weitere Kommunikation nachverfolgen können – für maximale Transparenz innerhalb der Kampagnen. 
  • Individueller Support für Lieferanten: Z2Data arbeitet eng mit Lieferanten zusammen und bietet Anleitung und Unterstützung, damit sie Daten und Dokumentationen effizient bereitstellen können. Ziel ist größtmögliche Informationsabdeckung, damit Z2Data-Teams eine möglichst präzise Compliance-Bewertung vornehmen können. 
  • Compliance-Risikoanalyse: Nach der Statuszuweisung für alle betroffenen Teile prüfen die Compliance-Experten von Z2Data zusammen mit den Kunden die Risikoeinstufung von Komponenten ohne eindeutigen Status. Dafür werden erfahrene Fachleute eingesetzt, um Unternehmen gezielt zu beraten, welche „No Status“-Teile das größte Risiko darstellen und welche weniger kritisch sind. 

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