Die Brasilien-RoHS-Meldepflichten, die Sie noch nicht kennen

Brasilien RoHS ist jetzt in Kraft. Erfahren Sie die wichtigsten Unterschiede zur EU-Version.

Die Brasilien-RoHS-Meldepflichten, die Sie noch nicht kennen

Artikel-Highlights:

  • Auf den ersten Blick wirkt Brazil RoHS wie eine Kopie der EU-Verordnung. Es beschränkt dieselben zehn Stoffe auf Ebene des homogenen Materials, und die Konzentrationsgrenzen entsprechen ebenfalls der EU.
  • Brazil RoHS unterscheidet sich jedoch in mehreren entscheidenden Punkten von EU RoHS, insbesondere bei den Meldepflichten. Die brasilianische Resolution schafft ein Nationales Register für Elektro- und Elektronikgeräte (EEE), die stofflichen Beschränkungen unterliegen. Jedes Produkt, jede Modellreihe oder Produktfamilie muss einzeln in diesem System registriert werden.
  • Die gute Nachricht ist: Unternehmen mit ausgereiften EU RoHS-Technikakten starten nicht bei Null. Die von EU RoHS geforderten Nachweise zu Stoffen sind auch für Brazil RoHS maßgeblich. Was jedoch nicht automatisch übertragbar ist, betrifft alles, was den Marktzugang spezifisch regelt.

Die meisten Compliance-Teams, die weltweite RoHS-Programme verfolgen, konzentrieren sich auf einen festen Kreis an Ländern und Regionen: die EU, China, eventuell das neue Chemikalien-Compliance-System Vietnams. Stoffbeschränkungen in Brasilien geraten jedoch oft aus dem Blickfeld – teils, weil die Regelung jahrelang durch Regierungs­gremien lief, bevor sie tatsächlich umgesetzt wurde.

Am 10. Juli 2026 war das bürokratische Hindernis überwunden: Der Nationale Umwelt­rat Brasiliens (CONAMA) veröffentlichte die Resolution Nr. 516/2026 im Bundesanzeiger. Die Verordnung trat noch am selben Tag in Kraft. Unternehmen, deren Produkte auf dem brasilianischen Markt sind, müssen sich nun mit diesen neuen Vorgaben vertraut machen – und die Pflichten gehen über ein bloßes Stoffverbot hinaus.

Was Brazil RoHS tatsächlich reglementiert

Auf den ersten Blick wirkt Brazil RoHS wie eine Kopie der EU-Verordnung. Es beschränkt dieselben zehn Stoffe auf Materialebene:

  • Blei
  • Quecksilber
  • Cadmium
  • Hexavalentes Chrom
  • PBB
  • PBDE
  • Die vier Phthalate (DEHP, BBP, DBP und DIBP)

Auch die Konzentrationsgrenzen sind identisch mit der EU: 0,1 % Masse für die meisten Stoffe, 0,01 % für Cadmium. Falls Ihr Entwicklungsteam bereits nach EU-Richtwerten arbeitet, sind die Chemie-Beschränkungen selbst keine Hürde.

Die größere Herausforderung ist der gestaffelte Zeitplan: Die Fristen gelten je nach Stoff und laufen nicht einheitlich ab. PBB und PBDE wurden unmittelbar mit Inkrafttreten der Regelung beschränkt. Für Quecksilber gilt eine Übergangsfrist von 180 Tagen. Für Cadmium, hexavalentes Chrom und Blei bleiben ab Veröffentlichung der Resolution Nr. 516/2026 drei Jahre. Die Begrenzungen für die vier Phthalate greifen erst nach weiteren vier Jahren.

Durch diese gestaffelten Vorgaben können Produkte gleichzeitig bei manchen Stoffen Grenzwerte einhalten müssen, während für andere noch eine Übergangsfrist läuft. Die Materie ist entsprechend komplex und birgt das Risiko, den Überblick darüber zu verlieren, ab wann für welches Produkt bestimmte Stoffe reduziert werden müssen.

Die Meldepflichten – ein kaum beachteter Aspekt

Neben den gestaffelten Beschränkungen unterscheidet sich Brazil RoHS auch bei den Meldepflichten deutlich vom EU-Pendant. Gerade an dieser Stelle scheitern viele allgemeine Aussagen wie „wir sind bereits RoHS-konform“.

Die brasilianische Resolution etabliert ein Nationales Register für EEE mit Beschränkungen für gefährliche Stoffe. Jedes relevante Produkt, jede Modellreihe und Produktfamilie muss einzeln in diesem System erfasst werden. Aus diesem Eintrag wird eine verknüpfte Selbstdeklaration der Konformität erzeugt – nicht einfach ein Papier, das Sie selbst erstellen und ablegen, sondern ein behördlich angebundenes Dokument. Hersteller und Importeure haften rechtlich für die Richtigkeit der eingereichten Informationen und Unterlagen.

Bei der EU-Richtlinie zur Beschränkung gefährlicher Stoffe gibt es hingegen keinerlei zentrales RoHS-Register. Hersteller erstellen ihre technischen Unterlagen, erklären die Konformität selbst und bringen die CE-Kennzeichnung an. In Brasilien hingegen liegt die Verantwortung für die Dokumentation beim Staat. Zwar muss das Register noch durch das Umwelt- und Klimaministerium umgesetzt werden; ist es jedoch freigeschaltet, haben Unternehmen ein Jahr Zeit, ihre EEE-Daten einzutragen und die Selbstdeklaration zu erstellen.

Hinzu kommt eine Sprachvorgabe, die viele multinationale Lieferanten vor Herausforderungen stellt: Sämtliche Angaben müssen auf Portugiesisch erfolgen. Produktidentifikation, Rückverfolgbarkeitsinformationen, Chargen- und Seriennummern sowie die Kontaktadresse des Herstellers oder Importeurs in Brasilien sind in Landessprache einzureichen.

Auch die Aufbewahrungsfristen unterscheiden sich deutlich von der EU-Praxis. In der EU sind RoHS-Unterlagen meist zehn Jahre nach Inverkehrbringen des Produkts aufzubewahren. In Brasilien müssen die Unterlagen hingegen fünf Jahre nach Abkündigung (Produktlebensende) aufbewahrt werden. Anders gesagt: Der maßgebliche Zeitpunkt ist unterschiedlich definiert und verlangt entweder längere Aufbewahrung als bisher oder spezifische Aufbewahrungsregeln für die brasilianischen RoHS-Dokumente.

Auch Distributoren und Händler stehen in der Pflicht

Eine weitere überraschende Anforderung betrifft Distributoren und Händler: Brazil RoHS bezieht diese Akteure explizit in die Compliance-Pflicht ein, nicht nur Hersteller und Importeure. Nach der neuen Vorschrift müssen sie vor dem Vertrieb oder Verkauf nachweisen, dass eine Selbstdeklaration vorliegt. Vermarktet ein Distributor oder Händler Produkte unter eigener Marke, verändert er diese so, dass die Konformität beeinträchtigt wird, oder liegt keine Selbstdeklaration vor, kann er wie ein Hersteller haftbar gemacht werden – mit sämtlichen rechtlichen Folgen.

Wann eine bestehende EU-RoHS-Akte hilft – und wann nicht

Die gute Nachricht: Unternehmen mit ausgereiften EU RoHS-Akten starten nicht bei Null. Die von EU RoHS geforderten Nachweise, einschließlich Lieferantenerklärungen, vollständiger Materialdeklarationen (FMDs), Prüfzertifikaten und Stücklisten, entsprechen weitgehend den brasilianischen Anforderungen, da die chemischen Grundlagen nahezu identisch sind. Auch die Struktur nach IEC 63000 und die Prüfmethoden gemäß IEC 62321 werden von den brasilianischen Behörden anerkannt.

Was jedoch nicht automatisch übernommen werden kann, betrifft alle Aspekte rund um den Marktzugang: den Eintrag ins brasilianische Register, die Selbstdeklaration auf Portugiesisch, lokale Ausnahmestände und geforderte Rückverfolgbarkeitskennzeichnungen auf dem Produkt. Brazil RoHS wird innerhalb von 180 Tagen nach Veröffentlichung eine eigene vorläufige Ausnahmeliste publizieren. Auch wenn das Umwelt- und Klimaministerium sich an EU-Ausnahmen orientiert, gilt eine EU-Ausnahmenummer in Brasilien nicht automatisch. Verlängerungsanträge sollen dem Vernehmen nach eine Vorlaufzeit von 18 Monaten haben – ähnlich dem europäischen Verfahren. Daher ist ein separates Ausnahmemonitoring im Compliance-Kalender nötig.

In der Praxis heißt das: Die erarbeiteten EU-Nachweise bilden eine solide Grundlage, auf der jedoch weitere, speziell auf die brasilianische Regelung zugeschnittene Compliance-Schritte aufgebaut werden müssen.

So erstellen Sie einen Brazil RoHS Compliance-Plan

Bevor das nationale Register live geht und damit die Compliance-Uhr läuft, sollten Unternehmen einige wichtige Maßnahmen umsetzen:

  • Unternehmen mit Aktivitäten in Brasilien sollten sämtliche Produktfamilien, die im Land verkauft werden oder werden sollen, erfassen. Zusätzlich empfiehlt sich eine Kennzeichnung jener, die PBB, PBDE oder Quecksilber enthalten – da hier die schnellsten Fristen greifen.
  • Organisationen sollten bestehende EU-Technikakten auf Lücken prüfen: etwa Erklärungen, die nur die ursprünglichen sechs RoHS-Stoffe abdecken, ungeprüfte Ausnahmen oder zu breit gefasste Produktgruppen, die für eine Einzelregistrierung in Brasilien nicht ausreichend sind.
  • Zuletzt sollten zuständige Unternehmen die Verantwortung für den portugiesischen Dokumentationsprozess und die spätere Eintragung ins Register klar zuweisen – statt anzunehmen, dass dies automatisch vom bestehenden Compliance-Team übernommen wird.

Die Meldepflichten nach Brazil RoHS sind administrativ deutlich anspruchsvoller, als allein die Stoffbeschränkungen zunächst vermuten lassen. Wer mit Maßnahmen bis zur finalen Klärung der Behörden wartet, riskiert erheblichen Zeitdruck bei Fristende des Registers.

Wie Compliance-Tools Sie bei Brazil RoHS unterstützen können

Stoffbeschränkungen und Meldefristen entlang einer globalen Lieferkette zu verfolgen – insbesondere, wenn ein neues Regime wie Brazil RoHS zusätzliche Anforderungen über bereits bestehende Chemikalienbeschränkungen legt – ist genau die Art von Aufgabe, die kleine interne Compliance-Teams leicht überfordern kann.

Die Compliance-Software Z2Data unterstützt diese Fachkräfte, indem Unternehmen Substanzdaten zu elektronischen Bauteilen regulatorienübergreifend überwachen können. Mit Z2Data müssen Compliance-Prozesse nicht jedes Mal neu aufgesetzt werden, wenn ein weiteres Land seine eigene RoHS-Variante einführt. In Kombination mit der branchenführenden Bauteilsuche von Z2Data erhalten Teams Transparenz darüber, welche Bauteile, Lieferanten und Produktfamilien vor einem nahenden regulatorischen Stichtag besondere Aufmerksamkeit erfordern.

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