Alles, was Sie über China Plus One wissen müssen

China Plus One ist seit mindestens einem Jahrzehnt eine zentrale Beschaffungsstrategie. Ist sie heute noch so notwendig und entscheidend wie früher?

Alles, was Sie über China Plus One wissen müssen

Artikel-Highlights:

  • Die China Plus One Strategy (C+1) ist ein Lieferkettenansatz, der Unternehmen dazu ermutigt, ihre Lieferketten über China hinaus zu diversifizieren, um Risiken zu minimieren.
  • Diese Strategie entstand 2013 aufgrund von Bedenken hinsichtlich der weltweiten Abhängigkeit von China. Seitdem hat sie durch Handelskonflikte, COVID-19-Störungen und steigende Lohnkosten weiter an Bedeutung gewonnen.
  • Neue Märkte wie Vietnam und Indien treten als Alternativen zu China in den Vordergrund.
  • Die Wahl eines „Plus One“-Standorts umfasst die Bewertung von Kosten, geopolitischer Stabilität, Infrastruktur und dem Ruf der Lieferanten.

China Plus One ist eine Diversifizierungsstrategie, die zwischen 2014 und 2015 internationale Aufmerksamkeit erlangte. Steigende Lohnkosten in China führten dazu, dass multinationale Unternehmen nach alternativen Produktions- und Beschaffungsmöglichkeiten in anderen asiatischen Ländern suchten. Während einige Unternehmen diesen Ansatz schnell aufgriffen, blieben andere skeptisch gegenüber seinem Nutzen jenseits theoretischer Überlegungen.

Ein Jahrzehnt nach ihrem Entstehen erlebt die China Plus One-Strategie eine neue Dynamik – angetrieben durch eine Mischung aus geopolitischen Spannungen, steigenden Lohnkosten und einer Handelspolitik der Trump-Regierung, die die Unsicherheit zwischen den USA und China weiter verschärft hat. 

Mehr denn je sind Unternehmen, Führungskräfte und Medien bestrebt, Diversifikations- und Risikomanagementstrategien jenseits von China umzusetzen. Aber wie realistisch ist China Plus One wirklich?

China Plus One Alternative Suppliers

Was ist die China Plus One Strategy?

Die China Plus One Strategy, auch als Plus One oder C+1 bekannt, ist eine Lieferkettenstrategie, die dazu dient, die Abhängigkeit von China durch Diversifikation der Bezugsquellen auf andere Länder zu minimieren. Ziel ist es, Risiken zu reduzieren, die durch eine zu starke Fokussierung auf ein einziges Land entstehen. Im Grunde genommen folgt sie dem Prinzip, nicht „alle Eier in einen Korb zu legen“. 

Wie begann diese Strategie? Es ist bekannt, dass viele westliche Länder – einschließlich der USA – bei der Auslagerung ihrer Produktion auf China setzten. Gründe hierfür waren:

  • Niedrige Lohn- und Produktionskosten. 
  • Chinas starker Inlandsmarkt, gut ausgebaute Lieferkette und Infrastruktur.
  • Freihandels- und Steuerabkommen.
  • Hohes Wachstumspotenzial. 

Unabhängig von den damaligen Beweggründen dafür wurde schon 2008 klar, dass diese globale Abhängigkeit von China ein Risiko darstellt. Offiziell eingeführt wurde die China Plus One Strategy jedoch erst 2013.

Mit der neuen Strategie konnten Unternehmen weiterhin in China investieren, zugleich aber durch Verlagerung bestimmter Aktivitäten auf weitere Länder (das „Plus One“) Risiken streuen. Zusätzliche Produktions- und Beschaffungsstandorte außerhalb Chinas ermöglichten es, Geschäftsrisiken zu reduzieren, Zugang zu neuen Märkten zu gewinnen und neue technologische Innovationen zu erkunden – bei gleichzeitiger Kostenkontrolle.

Ist die China Plus One Strategy 2025 noch relevant?

Heute werden Unternehmen vor allem durch geopolitische und wirtschaftliche Faktoren dazu veranlasst, China Plus One in ihre Lieferkettenstrategie einzubinden. So hat die Trump-Regierung in ihrem ersten Amtsjahr mehrfach hohe Zölle auf China eingeführt, was zu einem regelrechten Handelskrieg mit kurzfristig weit über 100 % Importzoll führte. Angesichts verschärfter Spannungen im Laufe des Jahres 2025 zweifeln Unternehmen zunehmend an der Langfristigkeit ihrer Beschaffung aus China. 

Zwar wurden einige Handelsverhandlungen geführt und bestimmte Zölle bis November 2025 verschoben, die Risiken beim Sourcing aus China bestehen jedoch weiterhin. Das diplomatische Klima zwischen den USA und China bleibt angespannt bis frostig, und die jüngste Vergangenheit zeigt, wie schnell wirtschaftliche und handelspolitische Spannungen eskalieren können. 

Vorteile und Nachteile von China Plus One 

Es ist wichtig zu wissen, dass die China Plus One Strategy nicht nur Chancen in Bezug auf Marktzugang bietet, sondern auch Herausforderungen mit sich bringt. Jede Strategie hat Schwächen – es liegt an Ihnen, ob sie sich für Ihr Unternehmen lohnt. Im Folgenden finden Sie einige der wichtigsten Vor- und Nachteile. 

Vorteile von China Plus One

Risikominderung

Risikominderung dürfte der Hauptgrund sein, sich mit China Plus One auseinanderzusetzen. Lieferkettenunterbrechungen können durch viele Faktoren verursacht werden – Naturkatastrophen, politische Spannungen oder globale Pandemien. Wenn Sie überwiegend aus nur einem Land beziehen, reicht ein einziger Vorfall, um Ihre Produktion zu gefährden. China Plus One fördert den Aufbau von Lieferanten in mehreren Ländern und erhöht so die Resilienz der Lieferkette – und sorgt für Anpassungsfähigkeit gegenüber dem Unerwarteten.

Verbessertes Compliance-Management

Gesetzgebung wie der Uyghur Forced Labor Prevention Act (UFLPA), der 2022 vom Kongress zur Bekämpfung von Zwangsarbeit in Teilen Chinas verabschiedet wurde, erhöht den Druck zur Diversifizierung zusätzlich. Unternehmen, die diese Anforderungen – wissentlich oder unwissentlich – verletzen, riskieren die Beschlagnahmung ihrer Produkte an der Grenze. Auch Verbindungen zu Zwangsarbeit können dem Ruf bei Kunden, Investoren und weiteren Stakeholdern massiv schaden. Das Risiko von ESG-Problemen im Zusammenhang mit Zwangsarbeit in China stellt für US-Importeure eine ernsthafte Gefahr dar. Das Risikomanagement in diesem Bereich ist eine sehr vernünftige Maßnahme. 

Marktzugang 

Mit der Wahl Ihrer „Plus One“-Länder erschließen Sie neue Märkte, die Sie gezielt als Wettbewerbsvorteil nutzen können. Wer Konsumverhalten, Trends und Nachfrage in bestimmten Weltregionen besser verstehen will, kann durch die Diversifikation von Produktion oder Lieferkette wichtige Einblicke gewinnen. 

Lohnkosten

Steigende Lohnkosten in China sind ein weiterer zentraler Treiber der China Plus One-Strategie. Während China früher für günstige und effiziente Produktion stand, bieten inzwischen auch andere Länder diesen Vorteil. Mit China Plus One lassen sich alternative, wettbewerbsfähige Arbeitsmärkte – etwa Malaysia, Vietnam, Thailand oder Indonesien – erschließen, die neben günstigen Devisenkursen und Steuervorteilen zusätzliche Anreize für internationale Investoren bieten können. 

Technologisches Know-how 

Bestimmte Regionen oder Länder sind bekannt für ihre Expertise in bestimmten Industrien und Technologien. Mit einer Produktionsverlagerung in solche Märkte kann Ihr Unternehmen Zugang zu neuen Technologien erlangen, die anderswo nicht verfügbar sind – und so Wettbewerbsvorteile bieten. Ebenso erschließen Sie hochqualifizierte Arbeitskräfte mit spezialisiertem technologischem Know-how, das Ihren Unternehmenserfolg langfristig stärken kann.

Nachteile von China Plus One

Anfangsinvestitionen

Hier gilt das Sprichwort: „Man muss Geld ausgeben, um Geld zu verdienen.“ Eine kluge China Plus One-Strategie kann mittelfristig Einsparungen bringen – zunächst aber müssen Sie Zeit und Ressourcen in die Suche nach neuen Lieferanten, deren Compliance sowie das Verständnis neuer Risiken und Chancen an neuen Standorten investieren. 

Qualitätssicherung 

Mit einer international ausgeweiteten Lieferkette steigen die Anforderungen an die Qualitätssicherung. Die Sicherstellung gleichbleibender Produktqualität erfordert sorgfältige Überwachung, Prüfungen und Compliance-Maßnahmen. Vernachlässigen Sie diese, riskieren Sie unzufriedene Kunden und Reputationsschäden. Zusätzliche Ressourcen sind notwendig, um einheitliche Standards entlang der gesamten Lieferkette zu gewährleisten.

Wirtschaftliche und politische Risiken

Unternehmen müssen die wirtschaftlichen und politischen Risiken der „Plus One“-Länder beurteilen. Hierzu zählen etwa:

  • Währungsschwankungen
  • Arbeitskämpfe/Arbeitsstreiks
  • Regulatorische Rahmenbedingungen und sich ändernde Gesetzgebung
  • Bestehende geopolitische Spannungen mit den USA 

Um politische Dynamiken und ökonomische Unsicherheiten zu antizipieren, sind zusätzliche Ressourcen und ein professionelles Risikomanagement erforderlich, um potenzielle Störungen zu verhindern. 

Wie wählen Sie Ihr „Plus One“-Land aus?

Nachdem Sie sich für China Plus One entschieden haben, gilt es, potenzielle Alternativstandorte zu bewerten. Neben Ihren aktuellen Risikoprofilen, Anforderungen und Zielen sollten Sie folgende Faktoren detailliert prüfen:

Kosten 

Die Balance aus Kosteneffizienz und operativer Leistungsfähigkeit ist für eine wettbewerbsfähige und nachhaltige Diversifikation entscheidend. Deshalb sollten die Kosten immer im Fokus Ihrer Standortauswahl stehen. 

Weiterhin geht es darum, die Auswirkungen lokaler Vorschriften, Geschäftsstandards und staatlicher Regelungen zu verstehen. Prüfen Sie auch, ob ausländischen Unternehmen Anreize wie Steuervergünstigungen oder Freihandelsabkommen gewährt werden.

Geopolitisches und wirtschaftliches Risiko

Firmen, die alternative Bezugsquellen außerhalb Chinas erschließen wollen, sollten die geopolitische und wirtschaftliche Stabilität der Zielmärkte gründlich überprüfen. Dazu gehört die Analyse politischer Rahmenbedingungen, Regierungskontinuität und ökonomischer Indikatoren – wie BIP-Wachstum, Direktinvestitionen und Handelsabkommen. Im Jahr 2025 ist eine genaue Analyse der Zolltarife zwischen den USA und den China Plus One-Ländern unabdingbar. 

Alle diese Faktoren müssen exakt bewertet werden, um Auswirkungen auf Import-/Exportkosten und die Beziehungen zwischen neuen Bezugs- und Zielmärkten fundiert beurteilen zu können. 

Infrastruktur und Logistik

Chinas Attraktivität für Unternehmen basiert auch auf starker Infrastruktur und einer fortschrittlichen Lieferkette. Laut China Briefing ist China das einzige Land mit sämtlichen Industriekategorien gemäß der Klassifikation der Vereinten Nationen, was flexible Beschaffung ermöglicht. Zudem verfügt China über eines der umfangreichsten Hochgeschwindigkeitsbahn- und Autobahnnetze weltweit, die effiziente Transporte gewährleisten. 

Diese Vorteile sind schwer zu übertreffen – daher müssen Unternehmen die Logistik im „Plus One“-Land sorgfältig untersuchen. Prüfen Sie Transportnetze, Seehäfen, Straßen und Versorgungsinfrastruktur. Analysieren Sie außerdem die Nähe zu Schlüssel- bzw. Zielmärkten sowie die Anbindung an wichtige Handelsrouten – beide Faktoren beeinflussen die Effizienz und Kosten Ihrer Lieferkette wesentlich.

Ruf und Bonität der Lieferanten

Bei der Zusammenarbeit mit neuen Lieferanten kommt es entscheidend darauf an, deren Bonität, Branchenruf sowie Leistungs- und Zuverlässigkeitshistorie zu bewerten. Für eine resiliente Lieferkette sollte auch die Fähigkeit, Störungen zu bewältigen und den Betrieb bei Krisen aufrechtzuerhalten, einbezogen werden. Ebenso wichtig: Besteht Potenzial für eine langfristige Partnerschaft? Berücksichtigen Sie technologische Investitionen, Kooperationsfähigkeit und Wachstum. Indem Sie all dies mit den Anforderungen Ihres Unternehmens zusammendenken, treffen Sie fundierte Entscheidungen für neue Lieferanten im Ausland.

Arbeitskräfte 

Mitarbeiter sind das Rückgrat jedes Unternehmens – daher muss Ihr „Plus One“-Land über einen passenden Arbeitsmarkt verfügen. Analysieren Sie zunächst den Bedarf Ihres Unternehmens, etwa hinsichtlich Qualifikationen. Prüfen Sie dann die Arbeitsmärkte potenzieller Standorte: Verfügt das Land über die für Ihre Produktion benötigten Kompetenzen? Ist die Arbeitskräftebasis groß genug? Achten Sie darüber hinaus auf Bildungsstand, Trainingsprogramme und die Beständigkeit der Beschäftigungssituation im jeweiligen Land. 

China Plus One Dependencies

„China Plus One“-Länder

In den letzten Jahren haben insbesondere Indien und Vietnam als China Plus One Kandidaten die Aufmerksamkeit der Medien auf sich gezogen. Beide Länder berichten von steigenden Investitionen aus den USA – dank Standortvorteilen, wachsender Wirtschaft, qualifizierter Arbeitskräfte und unternehmensfreundlicher Politik.

Indien

Indien steht seit den 2020er Jahren verstärkt im Fokus als aussichtsreiches China Plus One-Zielland. Die Weltbank-Chefin empfahl Indien sogar, die „China plus one“-Chance zu nutzen.

Als eines der wenigen Länder mit einer ähnlich großen Arbeitskräftebasis und vergleichbarer Marktdimension wie China besitzt Indien eine einzigartige Ausgangsposition zur Verlagerung von Fertigungsaktivitäten. Das Land punktet zudem mit einer günstigen strategischen Lage und attraktiven politischen Rahmenbedingungen und Anreizen. 

Auch die exportorientierte Elektronikindustrie Indiens gewinnt an Bedeutung: Die Elektronikausfuhren des Landes haben sich seit 2018 verdreifacht. Mit seinen strategischen Vorteilen, wachsender Wirtschaftskraft und guter Marktzugänglichkeit positioniert sich Indien als überzeugende China Plus One-Alternative.

Vietnam

Ein Beitrag in der Financial Times aus dem Jahr 2023 hob Vietnams zunehmende Attraktivität hervor: Das Land wurde als „zentrales Glied“ in globalen Lieferketten bezeichnet und ist durch die geografische Nähe zu China sowie eine qualifizierte, kostengünstige Arbeitnehmerschaft ideal für Unternehmen, die ihre Lieferketten diversifizieren möchten. 

Laut Bericht erzielte Vietnam im Jahr 2022 $22,4 Mrd. aus ausländischen Direktinvestitionen – ein Plus von 13,5 % gegenüber dem Vorjahr. Zwei Jahre später, 2024, stieg der Wert auf $25,4 Mrd. Gleichzeitig investiert Vietnam in Bildung, Infrastruktur und erweitert die Teilnahme an Freihandelsabkommen. 

Die Zukunft von China Plus One 

Die China Plus One Strategy wird auch künftig maßgeblich mitbestimmen, wo weltweit produziert wird. Viele Unternehmen aus der Automobil- und Elektronikbranche expandieren bereits nach Indien, Vietnam oder andere China Plus One-Länder wie Mexiko. 

Im volatilen Handelsumfeld 2025 brauchen Unternehmen Pläne A, B und C. Auch wenn sich die Rahmenbedingungen seit Einführung der Strategie vor über zehn Jahren vielfach geändert haben, bleibt China Plus One ein wirkungsvoller Hebel zur Stärkung der Lieferkettenresilienz und Risikominimierung in Bezug auf China. 

Unternehmen, die ihre Risikotransparenz für Länder, Lieferanten, Standorte und Bauteile erhöhen möchten, sollten die Lieferkettenrisikomanagement-Plattform Z2Data prüfen. Die Lösung unterstützt dabei, Risiken im Zusammenhang mit chinesischen Lieferanten besser zu verstehen, und liefert entscheidende Daten und Erkenntnisse zur Bewertung von Herstellern in China Plus One-Ländern. Um mehr über Z2Data zu erfahren und wie Sie mit der Lösung Ihre Lieferkettenstrategie modernisieren können, vereinbaren Sie eine kostenlose Testphase mit einem unserer Produktexperten.