Könnte die BIS Entity List erneut zu einem bedeutenden Beschaffungsrisiko werden?

Die BIS Entity List sorgte Ende 2025 mit der Affiliates Rule für Schlagzeilen. Obwohl diese Regel ausgesetzt wurde, bleibt die Sanktionsliste eine entscheidende Variable für die Beschaffung.

Könnte die BIS Entity List erneut zu einem bedeutenden Beschaffungsrisiko werden?

Artikel-Highlights:

  • Die Entity List des Bureau of Industry and Security ist eine Sammlung ausländischer Unternehmen, Personen und Organisationen, bei denen das Bureau Grund zur Annahme hat, dass deren Tätigkeiten eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten darstellen.
  • Seit die Affiliates Rule („Tochtergesellschaften-Regel“) im November 2025 ausgesetzt wurde, war die Entity List des BIS für die meisten US-Unternehmen kein wesentlicher Faktor bei der Handelscompliance oder Beschaffungsstrategie. Doch auch wenn sie zuletzt nicht im Zentrum der Schlagzeilen stand, sollte die BIS Entity List keinesfalls als vernachlässigbare Größe betrachtet werden. 
  • Die Affiliates Rule der BIS Entity List wurde nur für ein Jahr ausgesetzt, und die Aussicht auf eine erneute Einführung rückt ab dem dritten Quartal 2026 wieder näher. Unternehmenstochtergesellschaften, die von der BIS Entity List betroffen wären, müssen dann sorgfältig analysieren, wie sich ihre Lieferketten verändern könnten, falls die Regel tatsächlich in Kraft tritt. 

Am Freitag, den 13. Februar, hat das US-Verteidigungsministerium zahlreiche große chinesische Unternehmen auf die Chinese Military Companies List gesetzt, ehemals bekannt als DoD Section 1260H-Liste. Zu den vom US-Regierung sanktionierten Konzernen gehörten prominente Namen, darunter Alibaba, BYD und Baidu. Die aktualisierte Liste, die erhebliche Folgen sowohl für die betroffenen chinesischen Unternehmen als auch für alle US-Geschäftspartner gehabt hätte, wurde jedoch abrupt aus dem Federal Register zurückgezogen. „Wir möchten diese Mitteilung aus der öffentlichen Einsichtnahme entfernen und aus dem Federal Register zurückziehen“, heißt es in einem Antrag des Pentagon an die offizielle Regierungsveröffentlichung.

Dies war eine verwirrende Wendung – eine Entwicklung, die bei vielen Unternehmen in China und den USA, die von den Sanktionen schwer getroffen worden wären, erhebliche Unsicherheit auslöste. Zwar dürften die nur kurzzeitig geltenden Beschränkungen keinen bleibenden Einfluss auf die Chinese Military Companies List oder chinesische Unternehmen insgesamt gehabt haben, doch zeigte dieser Vorgang, wie plötzlich und unvorhersehbar Handelssanktionen in einem volatilen geopolitischen Umfeld wiederaufleben können. Angesichts der engen Verflechtung zwischen OEMs (Original Equipment Manufacturer) und anderen Unternehmen in den USA und China bleibt das Risiko erneuter Sanktionen weiterhin ein zentrales Thema – insbesondere im Hinblick auf die BIS Entity List. 

Was ist die BIS Entity List?

Die Entity List des Bureau of Industry and Security ist eine Zusammenstellung ausländischer Unternehmen, Personen und Organisationen, bei denen das Bureau Grund zur Annahme hat, dass deren Aktivitäten die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten bedrohen. Laut BIS kann „vernünftigerweise angenommen werden, dass Unternehmen auf der Liste beteiligt sind oder ein erhebliches Risiko besteht, dass sie an Aktivitäten mitwirken oder diese fördern, die den Interessen der US-amerikanischen nationalen Sicherheit oder Außenpolitik zuwiderlaufen“.

Die Sanktionsliste wurde erstmals 1997 veröffentlicht, um die Öffentlichkeit über die Gefahr zu informieren, dass Güter in Staaten gelangen, wo sie für Programme zum Bau von Massenvernichtungswaffen (WMD – Weapons of Mass Destruction) verwendet werden könnten. Seit ihrer Einführung 1997 hat die BIS Entity List ihren Geltungsbereich erheblich erweitert und konzentriert sich heute auf sämtliche Akteure, die sich „den Interessen der US-amerikanischen nationalen Sicherheit und/oder Außenpolitik widersetzen“.

Lizenzanforderungen der BIS Entity List

Die Hauptauflage bzw. Beschränkung, die mit der Aufnahme in die BIS Entity List einhergeht, lautet: Jedes US-Unternehmen, das bestimmte Produkte an eine auf der Entity List geführte Person oder Organisation exportieren oder übertragen möchte, muss hierfür eine spezielle Genehmigung bei der Behörde beantragen. Die Liste der betroffenen Güter findet sich in speziellen Commerce Control Lists, in denen Waren mithilfe von Export Control Classification Numbers (ECCN) klassifiziert sind. 

Zu den von der BIS Entity List umfassten Commerce Control Lists zählen unter anderem:

  • ECCN 3B001
  • ECCN 3B002
  • ECCN 3B611
  • ECCN 3B903
  • ECCN 3B991 (mit bestimmten Ausnahmen)
  • ECCN 3B992
  • ECCN 3B993
  • ECCN 3B994

Die bevorstehende BIS-50-Prozent-Regel 

Ende September 2025 kündigte die Trump-Regierung eine neue Regelung zur BIS Entity List (und zur Military End User, kurz MEU, List) an. Diese als „Affiliates Rule“ bekannte Regelung besagt, dass ein Unternehmen oder eine Organisation, die zu mindestens 50 % im Besitz eines oder mehrerer Akteure auf der BIS Entity List oder MEU List ist, automatisch unter deren Sanktionsauflagen fällt.  

Angesichts der komplexen Eigentümerstrukturen vieler internationaler Konzerne wurde diese Ankündigung als bedeutender Paradigmenwechsel im Unternehmens- und Industriesektor bewertet. Besonders betroffen wären chinesische Unternehmen, die häufig mit verschachtelten Tochtergesellschaftsmodellen oder erheblichen Beteiligungen an Unternehmen im Ausland operieren. 

Die möglichen Konsequenzen der Affiliates Rule der BIS wurden am deutlichsten am Beispiel der Auseinandersetzung zwischen Wingtech und Nexperia sichtbar. Nexperia, ein niederländischer Hersteller von elektronischen Bauteilen, wurde 2019 vom chinesischen Unternehmen Wingtech übernommen. Nachdem Wingtech im Dezember 2024 auf die BIS Entity List gesetzt wurde, hätte aufgrund der neuen Affiliates Rule der BIS auch Nexperia daruntergefallen. Für sowohl das Mutterunternehmen Wingtech als auch für Nexperia selbst hätte dies erhebliche Herausforderungen im Hinblick auf Exportrestriktionen bedeutet. 

Die Affiliates Rule wurde allerdings nie umgesetzt. Nach Handelsgesprächen zwischen US-Präsident Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping im Oktober 2025 stimmte die US-Regierung einer einjährigen Verschiebung der Regel zu. Dies brachte eine erhebliche Entlastung für zahlreiche Akteure der globalen Lieferkette – nicht nur für sanktionierte chinesische Unternehmen, sondern auch für deren Tochtergesellschaften, die sonst auf die Entity List gerückt wären, sowie für Unternehmen, die aus diesen Strukturen Bauelemente und Vorprodukte bezogen. (Gerade Unternehmen, die von Nexperia bezogen, waren noch Monate nach Ankündigung der Affiliates Rule starken Turbulenzen ausgesetzt.)

Diese als „Affiliates Rule“ bekannte Regelung besagt, dass ein Unternehmen oder eine Organisation, die zu mindestens 50 % im Besitz eines oder mehrerer Akteure auf der BIS Entity List oder MEU List ist, automatisch unter deren Sanktionsauflagen fällt.  

Die Handelsgespräche zwischen Trump und Xi verhinderten vorerst diese potenziellen Kettenreaktionen. Vorerst.

Warum die BIS Entity List wichtiger ist, als Sie denken

Seit die Affiliates Rule im November 2025 ausgesetzt wurde, ist die Entity List des BIS für die meisten US-Unternehmen kein bestimmender Faktor bei Handelscompliance und Einkaufsentscheidungen. Stattdessen konzentrieren sich viele Unternehmen heute vor allem auf Zölle und die Auswirkungen des Konflikts im Iran, der sich etwa über Energie, Helium und andere kritische Materialien auf die Weltwirtschaft auswirkt. Doch auch wenn die BIS Entity List derzeit keine großen Schlagzeilen macht, bleibt sie eine relevante Variable. 

Es gibt zwei zentrale Gründe, warum die Entity List für US-Unternehmen im Rahmen der Handelscompliance weiterhin eine entscheidende Rolle spielt. Erstens ist das geopolitische Umfeld weltweit weiterhin angespannt und in Bewegung, mit anhaltenden Konflikten zwischen Ländern wie den USA und China. Diese Spannungen könnten rasch eskalieren und zu neuen Handelskonflikten, Exportrestriktionen und dem Einsatz der BIS Entity List durch die Trump-Regierung als Sanktionsinstrument gegen chinesische Geschäftspartner führen. Aufgrund des US-amerikanischen Technologievorsprungs könnten Unternehmen, denen der Zugang zu US-Waren, geistigem Eigentum und Technologietransfers verweigert wird, durch die Aufnahme in die Entity List ausgelöst ernsthafte Folgen für die gesamte Lieferkette ihrer Geschäftspartner nach sich ziehen. 

Zweitens – und womöglich noch entscheidender – wurde die Affiliates Rule nur für ein Jahr ausgesetzt. Die Wahrscheinlichkeit einer Reaktivierung steigt ab dem dritten Quartal 2026. Für Tochtergesellschaften von Unternehmen auf der BIS Entity List bedeutet das, Szenarien für Lieferkettenveränderungen und zukünftigen Technologiezugang ernsthaft zu prüfen, falls die Regel in Kraft treten sollte. Zudem könnte es sein, dass die Trump-Regierung dieses Druckmittel im Zuge geopolitischer oder Handelsgespräche ausreizen wird, möglicherweise bis kurz vor Fristende – oder sogar zulässt, dass die Regel in Kraft tritt, um gewünschte Zugeständnisse von China oder einem anderen Rivalen zu erzwingen. Diese Form der Eskalation wäre für Unternehmen wie Nexperia, die stark von amerikanischer Technologie und Fertigungsanlagen für die Halbleiterherstellung abhängen, ausgesprochen kritisch. 

Schließlich sollten Unternehmen den Umstand nicht außer Acht lassen, dass zahlreiche Mitglieder des US-Kongresses vehement fordern, dass die US-Regierung schärfer gegen chinesische Tochterunternehmen vorgeht. Für diese politischen Akteure ist die Affiliates Rule kein Drohpotenzial oder Instrument der Erpressung, sondern ein echtes Handelswerkzeug zur Sanktionierung chinesischer Unternehmen, die mithilfe undurchsichtiger Eigentumsstrukturen und wettbewerbsverzerrender Praktiken – sowie durch die Umgehung internationaler ESG-Standards – globale Kontrollregeln umgehen und sich damit Wettbewerbsvorteile verschaffen. 

Es ist durchaus möglich, dass die Trump-Regierung dieses Druckmittel im Zuge geopolitischer oder Handelsgespräche ausnutzt – und entweder erst in letzter Minute oder sogar durch Inkrafttreten der Regel entscheidende Konzessionen von China oder anderen Rivalen erzwingt.

Sanktionen sicher navigieren mit Z2Data 

Auch wenn sie aktuell nicht im Mittelpunkt der medialen Aufmerksamkeit stehen, bleiben Sanktionen ein entscheidender Faktor für Fachleute aus den Bereichen Sourcing, Beschaffung und Lieferkettenresilienz. Präsident Biden hat in seiner Amtszeit Sanktionen gegen 844 chinesische Organisationen verhängt, von denen viele auf die BIS Entity List gesetzt wurden. Angesichts dieses Präzedenzfalls ist es sehr wahrscheinlich, dass auch künftige US-Regierungen Sanktionen erneut vermehrt als geopolitisches Druckmittel einsetzen werden. 

Wenn es so weit ist, verschaffen sich Unternehmen mit Zugriff auf die Daten und Analysen einer Lösung für das Lieferkettenrisikomanagement (SCRM) einen entscheidenden strategischen Vorteil. Die SCRM-Plattform Z2Data liefert Unternehmen umfassende Informationen zu verschiedensten internationalen Handelssanktionen – darunter die BIS Entity List, UFLPA, die MEU List und die Specially Designated Nationals (SDN) List sowie viele weitere. Mit Z2Data erhalten Unternehmen fundierte, aktuelle und zukünftige Handlungsempfehlungen, wo Sanktionen mit größter Wahrscheinlichkeit Wirkung entfalten.

Aktuelle Sanktionsrisiken im Blick

Mit Lieferketteninformationen kann Z2Data sowohl direkte als auch sub-tier Unternehmen sichtbar machen, die von bestehenden Sanktionen betroffen sind. Die Lösung deckt über 180 internationale Vorschriften ab – etwa Handelssanktionen, ESG- und Umweltregulatorik weltweit. Diese Informationen minimieren Compliance-Risiken und sparen Unternehmen Zeit, indem sie ein verlässliches Tool zur schnellen Erkennung und Ausmerzung von Non-Compliance in der Lieferkette bereitstellen.

Zukünftige Schwachstellen erkennen

Z2Data geht einen Schritt weiter als traditionelle Software für Handelscompliance und bietet ein leistungsstarkes Prognosetool für Sanktionsrisiken. Auf Basis zuverlässiger Quellen – darunter Kongressdokumente, NGO-Untersuchungen und Medienberichte – verfolgt Z2Data 28 wichtige Sanktionslisten aus 16 Ländern (darunter USA, Kanada, UK, Japan, China) und erstellt eine Sanctions Watchlist, die diejenigen Unternehmen identifiziert, die in Zukunft am wahrscheinlichsten von Sanktionen betroffen sein könnten. 

Nutzende können diese Prognosen mit ihren eigenen BOM-Daten integrieren, um zu erkennen, wie potenzielle Sanktionen ihre Lieferanten, Lieferkette und Fertigungsprozesse beeinflussen würden. Im Zeitverlauf helfen die Ergebnisse der Z2Data Sanctions Watchlist Firmen, sicherere Lieferantennetzwerke aufzubauen – ein entscheidender Beitrag zu mehr Resilienz in der Lieferkette. 

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