Hintergrund zu REACH und Aktualisierungen im Jahr 2022

Eine Auffrischung zu REACH und den in 2020 und 2021 verbotenen Stoffen. Außerdem ein Ausblick auf mögliche REACH-Überarbeitungen für 2022.

Hintergrund zu REACH und Aktualisierungen im Jahr 2022

Hintergrund zu REACH

REACH wurde von der Europäischen Union (EU) ins Leben gerufen und regelt die Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe. Ziel von REACH ist es, die potenziellen Risiken chemischer Stoffe für die menschliche Gesundheit und die Umwelt zu begrenzen. Die Durchsetzung von REACH obliegt der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA). Die ECHA übernimmt die technischen, administrativen und wissenschaftlichen Aufgaben im Zusammenhang mit REACH.

Restricted Reach Chemicals

Auswirkungen von REACH auf die Elektronikbranche

Tausende für elektronische Bauelemente genutzte Chemikalien unterliegen den REACH-Richtlinien. Auch Endprodukte, Stoffgemische und Lösungen werden unter den REACH-Vorgaben geprüft. REACH identifiziert besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC – Substances of Very High Concern), die als besonders gefährlich gelten und daher besonders streng reguliert sind. Für SVHCs ist die Zulassung schwierig, vor allem wenn sichere Alternativen existieren.

Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und prüfen Sie die Kandidatenliste der SVHCs auf der offiziellen ECHA-Website. Es ist möglich, dass ein in Ihren Produkten eingesetzter Stoff gegen REACH verstößt. Dies kann zu Störungen in Ihrer Lieferkette führen.

Oft ist jedoch nicht klar ersichtlich, welche Chemikalien in den eigenen Produkten enthalten sind. In diesem Fall müssen Informationen zu den eingesetzten Stoffen eingeholt werden. Bitten Sie Ihre Lieferanten um vollständige Offenlegung aller Stoffdaten, um sicherzustellen, dass Sie keine Komponenten erhalten, die nicht REACH-konform sind.

Ist die vollständige Offenlegung nicht möglich, fordern Sie zumindest eine SVHC-Nichtverwendungsbestätigung an. Lieferanten sind verpflichtet, Sie zu informieren, wenn der SVHC-Gehalt 0,1 % überschreitet. In der Praxis bleibt Ihr Unternehmen jedoch gefährdet, solange es sich bei solchen Mitteilungen rein auf die Lieferanten verlässt.

Zwingend erforderliche Dokumentationen sind unerlässlich, denn Unternehmen müssen angemeldete Dossiers bei der ECHA einreichen. Diese Dossiers zeigen der ECHA an, dass die von Ihnen produzierten oder vertriebenen elektronischen Bauteile die REACH-Grenzwerte nicht überschreiten.

Erweiterung der REACH-Regulierung 2020 & 2021

Die Datenanforderungen wurden 2020 durch mehrere neue REACH-Vorgaben ausgeweitet. Seitdem müssen Unternehmen deutlich mehr Informationen über Nanomaterialien offenlegen.

Nanomaterialien sind laut ECHA „chemische Stoffe oder Materialien mit Partikelgrößen zwischen 1 bis 100 Nanometern in mindestens einer Dimension“. Elektronikunternehmen mit Produkten, die Nanomaterialien enthalten, sind von den neuen REACH-Regeln betroffen. Beispielsweise enthalten zahlreiche Batterien auf dem europäischen Markt Nanomaterialien, die nun bei der ECHA registriert und bewertet werden müssen.

Im Jahr 2021 stehen aktuell 219 Stoffe auf der SVHC-Kandidatenliste. Die in 2021 zu REACH hinzugefügten Stoffe werden häufig in der Kunststoffherstellung, als Lösungsmittel oder Flammschutzmittel eingesetzt.

Im Folgenden finden Sie eine Übersicht, wie die verbotenen Stoffe schädliche Risiken bergen:

Besonders besorgniserregende Stoffe nach Gefahreneigenschaft (Gesamt: 209)

Von den 219 gefährlichen Stoffen werden knapp 67 % als karzinogen, mutagen oder reproduktionstoxisch eingestuft. Das ist für die Elektronikindustrie bedeutsam, da elektronische Komponenten und Produkte wie Batterien, LCDs, Leiterplatten etc. potenziell karzinogene Substanzen – z. B. Azofarbstoffe, Cadmium und Nickel – enthalten können.

Angesichts dieses Zusammenhangs ist es für Elektronikhersteller unerlässlich, sehr genau auf die verwendeten Chemikalien in ihren Bauteilen zu achten, um nicht in eine der unten genannten Kategorien zu fallen.

REACH-Updates für 2022

Die EU-Kommission bereitet eine Teilüberarbeitung von REACH für 2022 vor. Im Mittelpunkt dieser Überarbeitung stehen weiterhin SVHCs, Polymere, Gemische und die Vereinfachung der Beschränkungs- und Zulassungsprozesse.

Die sechs wichtigsten regulatorischen Schwerpunkte, die voraussichtlich im Rahmen der REACH-Revision 2022 umgesetzt werden, sind wie folgt:

  • Abfall, SVHC und Rückgewinnung von Stoffen
  • Kombinierte Exposition
  • Polymere/Polymere von besonderem Interesse
  • Endokrinschädliche Stoffe (EDS)
  • Chemikalien und Umweltauswirkungen
  • Dossier-Qualitätsaktualisierung und Pflege

Vermeiden Sie die 8- und 30-Prozent-Falle

Eine 2013 veröffentlichte Studie zeigte: 67 % der Unternehmen erfüllen die Chemikalienvorgaben der ECHA nicht. Von diesen 67 % scheiterten 8 % an der Einhaltung der REACH-Anforderungen – somit entsprachen 94 von 1.181 Unternehmen nicht den REACH-Vorschriften. Elektronikunternehmen sollten nicht zu dieser Minderheit zählen, denn die Nichteinhaltung kann nicht nur zu Störungen in der Lieferkette, sondern auch zu Imageschäden führen.

Dennoch glauben 30 % der Unternehmen, REACH betreffe sie nicht. Sie meinen, REACH betreffe lediglich Chemikalienhersteller. Wie oben erläutert, gilt REACH jedoch für alle Unternehmen, die mit elektrischen Geräten oder Komponenten arbeiten, die potenziell gefährliche chemische Stoffe enthalten.

Jedes Elektronikunternehmen sollte vermeiden, zu den 8 % oder 30 % zu gehören, die entweder REACH nicht einhalten oder sich fälschlicherweise als nicht betroffen einstufen. Um dies zu verhindern, befolgen Sie die REACH-Schritte:

  • Registrieren: Jedes Unternehmen, das mit Stoffmengen ab einer Tonne pro Jahr umgeht, muss sich bei der ECHA registrieren und ein technisches Dossier sowie einen Stoffsicherheitsbericht erstellen.
  • Evaluieren: Nach Einreichung der Dossiers und Berichte bewertet die ECHA potenzielle Risiken oder Gefahren.
  • Autorisieren: Unternehmen, die SVHCs einsetzen, für die keine Zulassung vorliegt, müssen Pläne für eine Substitution durch sicherere Alternativen vorlegen.
  • Chemikalien beschränken: Alle als unsicher eingestuften chemischen Stoffe können von der EU eingeschränkt werden.

Denken Sie daran:

Kommunizieren Sie kontinuierlich mit Ihren Lieferanten und Herstellern und prüfen Sie regelmäßig die Updates zu REACH. Störungen in der Lieferkette können mehrere Wochen Produktionsausfall verursachen. Die Einhaltung der REACH-Regelungen ermöglicht es Elektronikunternehmen, potenzielle Lieferkettenausfälle und Umsatzverluste zu minimieren.