Apples CFO Luca Maestri prognostizierte kürzlich für dieses Quartal einen Umsatzrückgang von 3 bis 4 Milliarden US-Dollar aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit von Halbleitern und fortschrittlichen Chips. Damit reiht sich auch Tim Cook in die Liste der Führungskräfte der Technologiebranche ein, die sich jüngst besorgt über die drohenden Engpässe äußerten.
Und Herr Cook könnte weiteren Grund zur Besorgnis haben: Eine Lithium-Störung steht bevor.
Während die Automobilindustrie weiter tief in die Elektromobilität (EVs) einsteigt und die Nachfrage im Konsumentenbereich weiter steigt, könnte das zur Stromversorgung verwendete Lithium ab 2027 knapp werden – mit steigenden Preisen deutlich über dem marktüblichen Niveau.
Das Problem beginnt bei den verfügbaren Lithiumgewinnungsmethoden.
Die weltweite Lithiumförderkapazität wird voraussichtlich nicht mit der Nachfrage Schritt halten, sofern neue Investitionen die Abbauprozesse nicht beschleunigen. Ohne zusätzliche Kapazitäten für die Lithiumgewinnung könnten Versorgungslücken den Lithiumpreis bis Ende 2029 verdreifachen.
Erschwerend kommt hinzu, dass die heutige Förderung den aktuellen Bedarf deckt – was zu Nachlässigkeit in der Lieferkette führt. Doch das explosive Wachstum der Nachfrage nach EVs bringt die Branche auf Kurs für eine Lithium-Lieferkettenstörung bis 2027. Das Defizit könnte zu Verzögerungen bei der Herstellung von Millionen von Elektrofahrzeugen und potenziell auch Unterhaltungselektronik führen.
Selbst wenn neue Förderkapazitäten geschaffen werden, schätzt Rystad Energy, dass es bis zu 7 Jahre dauern kann, um neue Lithium-Abbauanlagen zu entwickeln, zu bauen und zu finanzieren.
Angesichts der derzeitigen Lithium-Förderkapazität und des Bedarfs durch EVs könnte das Defizit in der Versorgung zu Produktionsverzögerungen von fast 3,3 Millionen EVs führen. Ohne zusätzliche Kapazitäten könnte diese Zahl 2028 auf 9 Millionen und 2030 auf nahezu 20 Millionen verzögerte Fahrzeuge steigen.
Lassen Sie uns den aktuellen Stand der Automobilindustrie live betrachten:
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Das künftige Defizit bei Lithiumangebot und -nachfrage betrifft nicht nur EVs.
Auch die Schifffahrts-, Luftfahrtbranche und Netzspeicherlösungen werden die negativen Auswirkungen knapper Lithiumvorräte zu spüren bekommen.
Beim Thema Lithium erinnert man sich an eine klassische Frage aus der Volkswirtschaftslehre: Was ist der Unterschied zwischen Knappheit und Seltenheit?
Lithium ist nicht selten. Es kommt sowohl im Boden als auch im Meer in großen Mengen vor. Bislang ist es nicht einmal knapp. Ein Rohstoff wird erst dann knapp, wenn das Angebot die Nachfrage nicht mehr deckt. Wann wird Lithium also tatsächlich knapp? Werfen wir einen Blick darauf –
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Der Markt verwendet „LCE“ (Lithiumkarbonat-Äquivalent) als Maßeinheit für die Lithiumproduktion. Die Produktion beträgt aktuell etwa 520.000 Tonnen, während die weltweite Nachfrage im Jahr 2021 auf rund 300.000 Tonnen geschätzt wurde.
Die Nachfrage wird jedoch deutlich und rasch steigen.
Bis 2025 dürfte die LCE-Nachfrage knapp über 1 Million Tonnen erreichen, wobei die Förderkapazität mit 1,3 Millionen Tonnen eine Unterdeckung gerade noch vermeidet.
Wie in der obigen Grafik dargestellt, wird für das Jahr 2026 ein Wendepunkt („Crossover“) erwartet: Die Nachfrage nach Lithiumbatterien wird dann die verfügbaren Abbaukapazitäten übertreffen.
Ohne neue Förderkapazitäten wird für 2028 ein Defizit von 820.000 Tonnen zwischen Nachfrage und Abbau erwartet. Bis 2030 könnte das Defizit auf 2 Millionen Tonnen steigen. Das wäre jedoch das pessimistischste Szenario – oder?
Nach Einschätzung der EU und der USA trifft dies zu. Regierungen weltweit sind sich der drohenden Lithium-Störungen bereits bewusst, und die aktuellen Engpässe bei Halbleitern und Chips führen zu verstärkter Aufmerksamkeit für bevorstehende Lieferkettenstörungen. Laufende Projekte in Nordamerika und Europa testen derzeit neue Prozesse der „direkten Lithiumextraktion“. Dabei kommen verschiedene Chemikalien und Strom zum Einsatz, um Lithium aus seinen Trägermaterialien zu lösen, wodurch die Abhängigkeit von den bisher in Südamerika eingesetzten, auf Sole basierenden Extraktionsverfahren verringert werden könnte.
Darüber hinaus könnten verstärkte Recyclingaktivitäten älterer Lithiumvorräte die Kapazität künftig zusätzlich erhöhen. 2021 wurden lediglich 5 % der Lithium-Batteriepacks tatsächlich recycelt. Die restlichen 95 % landen auf Deponien oder an anderen, unbekannten Orten.
Und was, wenn ich Ihnen sage, dass Meerwasser eine Lithium-Lieferkettenstörung verhindern könnte?
Schätzungsweise 180 Milliarden Tonnen Lithium lagern in den Ozeanen dieser Welt. Das Problem dabei: Es ist extrem stark verdünnt und macht nur 0,2 Teilchen pro Million aus.
Dennoch lassen sich Forschende davon nicht abhalten. Eine Vielzahl von Filtertechniken wurde entwickelt, um Lithium aus Meerwasser zu gewinnen. Allerdings sind diese Methoden bislang weder wirtschaftlich noch effizient: Zu viel Lithium geht verloren.
Fortschritte wurden durch selektive Elektroden-Filterverfahren erzielt, doch diese Ansätze reichen in Bezug auf Effizienz und Wirtschaftlichkeit noch nicht an die Gewinnung an Land heran. Dennoch könnte dieser Weg dabei helfen, Lithium aus Altbatterien rückzugewinnen. Immerhin liegt die Recyclingrate aktuell nur bei 5 %. Jeglicher Prozess, der diese Zahl steigern kann, ist ein Gewinn.