Artikel-Highlights:
- Aus Sicht der Lieferkette ist die bislang bedeutendste Auswirkung des Konflikts die Situation in der Straße von Hormus. Diese kritische Seehandelsroute verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer und ist nicht nur für Öl und Gas, sondern auch für viele andere wichtige Produkte und Rohstoffe ein unverzichtbarer Transportweg.
- Steigende Energiepreise infolge der Blockade der Straße von Hormus erhöhen die Produktionskosten in der Halbleiterfertigung – einem Sektor, der mit nahezu allen Bereichen von Unterhaltungselektronik bis Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigung verbunden ist. Besonders asiatische Länder, in denen die meisten Halbleiter hergestellt werden, sind stark auf Energieimporte aus dem Nahen Osten angewiesen.
- Auch die Aluminiumherstellung im Nahen Osten hat in den vergangenen Jahrzehnten massiv an Bedeutung gewonnen und macht mittlerweile über 8 % der weltweiten Produktion aus. US-Elektronikhersteller sind in hohem Maße auf diese Aluminiumimporte angewiesen – allein Staaten aus dem Nahen Osten werden 2025 fast 20 % der gesamten US-Aluminiumversorgung stellen.
- Nicht zuletzt ist der Nahe Osten ein bedeutender globaler Schwefellieferant. Schwefel ist notwendig zur Herstellung von Schwefelsäure, einer industriellen Mineralsäure, die essenziell für Verfahren in der Metallurgie, chemischen Synthese und Halbleiterfertigung ist – etwa als Reinigungsmittel in der Wafer-Herstellung.
In den frühen Morgenstunden des Samstags, 28. Februar, starteten die USA und Israel einen hochkoordinierten Luftangriff auf den Iran. Beide Staaten verfolgten das Ziel eines Regimewechsels im Land mit 93 Millionen Einwohnern. Am Samstagnachmittag gab US-Präsident Trump bekannt, dass Irans oberster Führer Ali Khamenei bei den Angriffen getötet worden sei. Nach dem Führungsverlust reagierte Iran umgehend mit einer Gegenoffensive und feuerte eine Salve von Raketen auf Ziele in Tel Aviv und Haifa sowie auf US-Militärbasen in mehreren Golfstaaten.
Seit dem Erstangriff hat sich der Konflikt deutlich ausgeweitet. Während die USA und Israel weiter iranische Regierungsgebäude, Atomanlagen und Schlüssel-Infrastruktur attackieren, greift Iran inzwischen nicht nur Israel, sondern auch Katar, Kuwait, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) mit Raketen an. Laut PBS sind mittlerweile mindestens 14 weitere Länder im Nahen Osten und darüber hinaus vom Konflikt betroffen.
Aktuelle Auswirkungen auf die Lieferkette
Da der Konflikt gerade einmal eine Woche alt ist und täglich neue Staaten in seinen Strudel hineingezogen werden, bleibt es schwierig vorherzusagen, wie lange der Krieg zwischen den USA, Israel und Iran andauern und welche langfristigen Folgen er haben wird.
Aus Perspektive der Lieferkette ist die wichtigste Auswirkung bislang die Lage in der Straße von Hormus. Diese entscheidende maritime Handelsroute verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem Arabischen Meer und ist nicht nur für den Öl- und Gastransport, sondern auch für viele andere wichtige Rohstoffe und Produkte von zentraler Bedeutung. Nach den ersten US-israelischen Angriffen hat Iran, das geographisch über der Meerenge liegt, die Kontrolle übernommen. Am Montag, 2. März, drohte die Iranische Revolutionsgarde explizit dem Schiffsverkehr, was den gesamten Handel de facto zum Erliegen brachte.
Weltweite Industrien und die Transportschiffe reagierten prompt auf Irans Drohungen: Bereits zwei Tage später sank der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus auf nahezu Null; Satellitenaufnahmen zeigen Öl-Tanker, die sich im Persischen Golf und Golf von Oman drängen. Nach Angaben des Joint Maritime Information Center sank die Zahl der täglichen Schiffsbewegungen durch die Straße von Hormus von durchschnittlich 138 vor dem Konflikt auf nur noch zwei Schiffe am Donnerstag, den 5. März.
Durch diese Entwicklung und weitere, damit verbundene Faktoren sind bereits erste globale Branchen mit neuen Herausforderungen und Störungen konfrontiert.
Rohstoffe & Materialien im Fokus der Störung
Der Iran-Konflikt hat bereits diverse Lieferketten weltweit beeinträchtigt und eine Vielzahl von Rohstoffen und Materialien betroffen, die Schlüsselindustrien – von der Automobil- bis zur Halbleiterfertigung – versorgen. Nachfolgend beleuchten wir vier besonders wichtige Bereiche, die aktuell am stärksten betroffen sind.
Energie
Im vergangenen Jahr wurden täglich rund 13 Millionen Barrel Rohöl durch die Straße von Hormus transportiert – das entspricht fast einem Drittel des weltweiten seegestützten Rohöls. Die Störungen in der Meerenge sowie die Eskalation im Nahen Osten beeinträchtigen die globalen Energiemärkte erheblich und treiben die Preise für Rohöl und Erdgas nach oben. Am Montag, 9. März, lag der Brent-Ölpreis bei etwa 100 US-Dollar pro Barrel – ein Anstieg um 38 % gegenüber dem Schlusspreis vom 27. Februar, dem Tag vor Beginn der US-israelischen Angriffe.
Diese Preissteigerungen wirken weit über den Ölmarkt hinaus: Praktisch alle Industriezweige weltweit sind auf Öl und Gas angewiesen, etwa Transport, Automobil, Chemie und Landwirtschaft. Besonders Automobilhersteller sind auf Rohöl als Ausgangsmaterial für Synthesekautschuk und Kunststoffteile angewiesen; ein anhaltender Preisanstieg durch die Blockade könnte die Materialkosten der Fahrzeughersteller um bis zu 25 % erhöhen.
Auch Chipfertiger bleiben von diesen Auswirkungen nicht verschont. Anhaltende Energiepreiserhöhungen treiben die Produktionskosten für die Halbleiterfertigung – ein Sektor, der sämtliche Bereiche von Unterhaltungselektronik bis Verteidigung und Luftfahrt abdeckt. Länder in Asien, wo derzeit die meisten Halbleiter produziert werden, sind stark auf Energieimporte aus dem Nahen Osten angewiesen. Bleiben die Energiepreise auf hohem Niveau oder steigen im Konfliktverlauf weiter, muss ein bereits aufgrund des Mangels an Speicherschips belasteter Halbleitermarkt eine weitere, zusätzliche Kostenvariabel verkraften.
Zentrale Energie- und petrochemische Hersteller mit Aktivitäten in der Region sind SABIC (Saudi Arabia Basic Industries Corp) und der deutsche Chemiekonzern Henkel.
Helium
Helium hat eine Schlüsselbedeutung für verschiedene große Industrien wie Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Medizintechnik (insbesondere für M.R.I.-Geräte) sowie die Halbleiterfertigung. Besonders in der Chipproduktion wird Helium zum Kühlen und Spülen eingesetzt. Katar ist einer der größten Heliumproduzenten weltweit und deckt rund ein Drittel der globalen Versorgung ab. Bis Freitag, 6. März, stiegen die Spotpreise für Helium um etwa 40 % gegenüber der Woche zuvor; erste Berichte gehen davon aus, dass der Konflikt ein Drittel der globalen Heliumversorgung gefährden könnte.
Aluminium
Ein weiteres zentrales Material, das durch den Iran-Konflikt beeinträchtigt wird, ist Aluminium. Aluminium ist in sämtlichen Fertigungsbereichen unverzichtbar – von der Automobil- und Luftfahrtindustrie bis zu Elektronik und Industrieanwendungen. In der Chipproduktion ist Aluminium insbesondere bei Kühlkörpern, Elektrolytkondensatoren und bestimmten Gehäusearten im Einsatz.
Der Nahe Osten hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem wichtigen Aluminiumhersteller entwickelt und deckt heute mehr als 8 % der weltweiten Produktion des Metalls ab. Der Golf-Kooperationsrat, eine politische und wirtschaftliche Union aus Bahrain, Kuwait, Oman, Katar, Saudi-Arabien und den VAE, steigerte die Aluminiumproduktion von weniger als drei Millionen Tonnen (2010) auf über sechs Millionen Tonnen im Jahr 2025.
US-Elektronikhersteller sind stark auf diese Aluminiumimporte angewiesen; der Nahe Osten wird im Jahr 2025 fast 20 % der gesamten US-Aluminiumversorgung stellen. Durch den Konflikt haben zwei große Aluminiumproduzenten, Katar und Bahrain, die Lieferungen an globale Kunden bereits eingestellt; US-Kunden müssen nun alternative Bezugsquellen, z. B. in Asien und Australien, erschließen.
Wichtige Metallhersteller der Region, die potenziell vom Konflikt betroffen sind, sind Emirates Global Aluminum sowie Stahlunternehmen wie Khambati Metal und Al Ghurair Iron and Steel.
Der Nahe Osten hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem wichtigen Aluminiumhersteller entwickelt und deckt heute mehr als 8 % der weltweiten Produktion des Metalls ab.
Schwefel/Schwefelsäure
Nicht zuletzt ist der Nahe Osten auch einer der bedeutendsten Schwefellieferanten weltweit. Schwefel wird zur Herstellung von Schwefelsäure benötigt – einer Mineralsäure, die bei der Metallurgie, in der chemischen Synthese und
in der Halbleiterproduktion unverzichtbar ist, insbesondere als Reinigungsmittel während der Wafer-Fertigung. Halbleiterfabriken sind über den gesamten Fertigungsprozess hinweg auf hochreine Schwefelsäure angewiesen, um Verschmutzungen auszuschließen und die Oberflächen möglichst sauber und steril zu halten.
Der Nahe Osten – insbesondere der Persische Golf – ist für einen erheblichen Anteil an der weltweiten Schwefelproduktion verantwortlich. Länder wie Saudi-Arabien, die VAE und Katar produzieren gemeinsam zwischen einem Viertel und einem Drittel des globalen Schwefels. Während bislang noch keine Schwefelengpässe gemeldet werden – und das Thema weniger stark im Fokus steht als etwa der Ölmarkt – könnte ein Versorgungsstopp aus dem Nahen Osten letztlich massiv auf die weltweite Halbleiterproduktion durchschlagen.
Länder wie Saudi-Arabien, die VAE und Katar produzieren gemeinsam zwischen einem Viertel und einem Drittel des globalen Schwefels.
Navigieren neuer Lieferkettenrisiken und Volatilitätsquellen
Dieser regionale Konflikt bringt erhebliche Risiken für weltweite Lieferketten mit sich – umso wichtiger ist eine umfassende Multi-Tier-Transparenz für Unternehmen. Organisationen können Z2Data‘s Part-to-Site-Mapping- und Lieferkettenüberwachungstools nutzen, um eigene Exponierung zu erkennen und potenzielle Auswirkungen entlang der Lieferkette zu verstehen. Unternehmen können Z2Data einsetzen, um:
- Bauteile und BOMs Produktionsstandorten zuzuordnen, um Komponenten zu identifizieren, die in konfliktbetroffenen Ländern wie Israel, Iran, Libanon und Saudi-Arabien gefertigt werden
- Multi-Tier-Transparenz bezüglich Abhängigkeiten und Schwachstellen in der Lieferkette zu gewinnen
- Über 120 Risikoarten überwachen, darunter bewaffnete Konflikte, Infrastrukturschäden und Transportstörungen
- Potenzielle Auswirkungen entlang der Lieferkette modellieren – mit internen Szenario-Tools
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