Artikel-Highlights:
- Ein Zoll-Exposure-Index bietet Unternehmen eine strukturierte, nachvollziehbare Methode, um zwischen den Bereichen ihrer Lieferkette zu unterscheiden, die von Zöllen kaum betroffen sind, und jenen, die erhebliche Importkosten auslösen könnten.
- Ein Zoll-Exposure-Index bewertet Bedrohungsstufen nicht ausschließlich anhand von Zolltarifen – weitere Schlüsselfaktoren sind die Kritikalität des Bauteils, der gesamte Jahresumsatz, die Austauschbarkeit und/oder Verfügbarkeit von Alternativbauteilen sowie der Tarifanstieg von 2024 auf 2025.
- Nach der Entwicklung eines Zoll-Exposure-Index können Organisationen gezielt die Bauteile identifizieren, bei denen der größte Handlungsbedarf besteht, und entsprechende Risikomanagementmaßnahmen einleiten.
Zölle sind 2025 für Unternehmen mit globaler Fertigung zu einem zentralen Thema geworden.
Von sektoralen Zöllen auf Stahl und Aluminium bis hin zu reziproken Zöllen, die auf Dutzende Länder weltweit erhoben – und dann vorübergehend ausgesetzt – wurden, ändern sich die US-amerikanischen Zollbestimmungen aktuell in rasantem Tempo – im Durchschnitt alle 19 Tage.
Um auf dieses neue US-Zollregime zu reagieren, entwickeln amerikanische Unternehmen Strategien, um sich in globalen Lieferketten zu bewegen, die durch diese neuen protektionistischen Zusatzkosten beeinträchtigt sind. Organisationen testen Foreign Trade Zones (FTZs), „Tariff Engineering“ und weitere Ad-hoc-Methoden zur Abschwächung der Auswirkungen neuer Abgaben. Tatsächlich erfordern solche Strategien jedoch Zeit, Ressourcen und Expertise – etwas, das viele Unternehmen nicht in ihrer gesamten Lieferkette umsetzen können. Bevor Maßnahmen ergriffen werden, sollten Unternehmen die Einrichtung eines Zoll-Exposure-Index erwägen – ein Tool, um Schwachstellen gegenüber Zöllen zu bewerten und jene Bauteile mit dem höchsten Risiko zusätzlicher Abgaben zu identifizieren.
Ein Zoll-Exposure-Index bietet Unternehmen eine strukturierte, nachvollziehbare Möglichkeit, um zwischen den Bereichen ihrer Lieferkette zu unterscheiden, die von Zöllen kaum betroffen sind, und jenen, die erhebliche Importkosten auslösen könnten.
Was ist ein Zoll-Exposure-Index?
Ein Zoll-Exposure-Index ist ein Instrument zur Messung des relativen Risikos, das von verschiedenen Bauteilen aufgrund ihrer Zolltarife ausgeht. Um den Begriff zu verstehen, hilft es, zunächst zu wissen, was ein Risikoindex ist: Ein Risikoindex ist eine Tabelle – oft als Matrix gestaltet – die die relative Gefährdung durch unterschiedliche Risikoarten bewertet. Risikomatrizen kombinieren typischerweise Wahrscheinlichkeit und Schwere, um Unternehmen ein Bild vom Bedrohungsgrad verschiedener Ereignisse wie Naturkatastrophen, Cyberangriffen, geopolitischen Konflikten und anderen Störungen der Lieferkette zu vermitteln.
Ein Zoll-Exposure-Index funktioniert ähnlich. Durch die Zusammenführung mehrerer Kriterien erhalten Organisationen ein konkretes Bild davon, welche Bauteile und Bereiche der Lieferkette aus Zollperspektive die größten Risiken bergen. Es ist wichtig zu beachten, dass sich ein Zoll-Exposure-Index zur Risikobewertung nicht allein auf Zolltarife stützt. Weitere zentrale Faktoren sind die Kritikalität des Bauteils, das jährliche Einkaufsvolumen, Austauschbarkeit/Verfügbarkeit von Alternativbauteilen sowie der Tarifanstieg von 2024 auf 2025.
Schritt Eins: Erfassen der Zoll-Exposure-Daten
Der erste Schritt beim Aufbau und der Nutzung eines Zoll-Exposure-Index ist das Sammeln aller erforderlichen Daten. Um Risiken und die Bedrohung durch Zoll-Exposure zu bewerten, müssen Unternehmen alle relevanten Bauteile identifizieren und zentrale Datensätze dazu zusammentragen.
- Vollständige MPN-Liste: OEMs (Original Equipment Manufacturer) und andere Unternehmen sollten mit einer vollständigen Liste aller verwendeten Manufacturing Part Numbers (MPNs) beginnen, die in ihren Produkten eingesetzt werden.
- Lieferanten: Unternehmen müssen die Hersteller ermitteln, die sämtliche Bauteile liefern. Da es hierbei um die Zollauswirkungen geht, sind Sub-Tier-Hersteller bei der spezifischen Datenerhebung meist weniger relevant.
- Fertigungsstandorte und Herkunftsland (COO): Für diesen Prozess ist es entscheidend, die Fabriken und Produktionsstandorte der Bauteile sowie das jeweilige Herkunftsland (Country of Origin, COO) zu identifizieren. Viele der wichtigsten Zölle sind länderspezifisch. Die Organisation sollte daher größte Sorgfalt bei der Feststellung des COO ihrer MPNs walten lassen.
- Zolltarife: Abschließend müssen Unternehmen die anwendbaren Zolltarife für ihre Bauteile ermitteln. Da Zölle sowohl sektor- als auch länderspezifisch sind, sollte geklärt werden, wie sich beide Kategorien auf die jeweiligen Bauteile auswirken.
Es ist zu beachten, dass viele Unternehmen häufig nicht über ausreichende personelle oder technische Ressourcen verfügen, um diese Daten eigenständig vollständig zu erfassen und zu verknüpfen. Zwar mag es gelingen, alle MPNs zu sammeln und zu zentralisieren, aber die Zuordnung zu Fertigungsstandorten, COOs und Zolltarifen sowie weiteren Lieferkettenvariablen bleibt oft eine Hürde.
Unternehmen nutzen SCRM-Plattformen wie Z2Data, um alle benötigten Daten für einen wirksamen Zoll-Exposure-Index zu aggregieren. Z2Data verfügt über eigene Datenbanken, die MPNs mit Herstellern, Standorten, COOs und Zolltarifen verknüpfen können – und damit einen sonst sehr zeitintensiven Prozess deutlich vereinfachen. Durch die zentrale Datenhaltung im Risikomanagement-Tool wird die Speicherung und Analyse von Zolldaten intuitiver und effizienter als ein Arbeiten mit diversen einzelnen Dateien und Tabellen.
Z2Data verfügt über interne Datenbanken, die MPNs mit Herstellern, Standorten, COOs und Zolltarifen verknüpfen und so einen ansonsten äußerst aufwändigen Prozess deutlich vereinfachen.
Schritt Zwei: Aufbau des Zoll-Exposure-Index
Nach der Datensammlung können Organisationen mit dem Aufbau ihres Zoll-Exposure-Index beginnen. Dazu müssen Kriterien definiert werden, nach denen die Zolllast einzelner Bauteile bewertet wird. Obwohl Unternehmen eine Vielzahl von Kriterien für das Zollrisiko heranziehen können, zählen folgende Faktoren branchenweit zu den wichtigsten:
- Kritikalität der Bauteile: Unternehmen sollten Bauteile nach ihrem Stellenwert für Produktion, Betrieb und Umsatz kategorisieren. Komponenten, die in großen Mengen beschafft werden, sind meist relevanter – und bergen entsprechend höheres Risiko – als selten genutzte Bauteile.
- Anstieg der Importkosten: Auch wenn die mediale Berichterstattung es anders erscheinen lässt, wurden die aktuellen Zölle nicht erst 2025 eingeführt. Schon zuvor gab es sektor- und länderspezifische Importabgaben in den USA. Unternehmen sollten daher nicht nur den aktuellen Tarif, sondern vor allem auch den Tarifansteig von 2024 auf 2025 analysieren. Die Biden-Administration etwa erhöhte den Zollsatz für chinesische Halbleiter in zwei Schritten von 25 % auf 50 % im Januar 2025. Vor diesem Hintergrund könnte der relative Anstieg dort geringer ins Gewicht fallen als bei Importen aus anderen Ländern.
- Austauschbarkeit/Verfügbarkeit von Alternativbauteilen: Auch bei hohen Zöllen stellen Bauteile mit verfügbaren Alternativen aus anderen Ländern für Unternehmen nicht immer das größte Risiko dar. Sollten Zölle auf die Gewinne schlagen, kann auf solche Alternativbauteile ausgewichen werden. Komponenten, die schwer austauschbar sind und nur wenige Alternativen bieten, stellen dagegen eine größere Herausforderung dar und sollten auf dem Zoll-Exposure-Index entsprechend weit oben eingestuft werden.
Schritt Drei: Umsetzung von SCRM-Maßnahmen bei kritischen Bauteilen
Die bloße Sammlung der erforderlichen Daten und die Entwicklung eines Zoll-Exposure-Index führen nicht direkt zur Reduzierung der Zolllast oder zur Lösung von Beschaffungsproblemen. Vielmehr dient der Index als Klarstellungstool, um gezielt jene Bauteile zu identifizieren, bei denen SCRM-Maßnahmen (Supply Chain Risk Management) erforderlich sind. Im letzten Schritt nutzen Organisationen den Zoll-Exposure-Index, um jene Bauteile festzustellen, die entschärft werden müssen – und ergreifen daraufhin geeignete Maßnahmen.
Der Index fungiert als Instrument zur Transparenz und Identifikation jener Bauteile, für die Interventionen durch Supply Chain Risk Management (SCRM) angezeigt sind.
Unternehmen können diverse Maßnahmen ergreifen, um Zollkosten für bestimmte Bauteile zu senken und finanzielle Verluste durch das aktuelle Handelsumfeld zu kompensieren.
- Rebalancieren von Multisourcing: Viele Unternehmen verfolgen das Prinzip des Multisourcing – auch als „Splitting“ bezeichnet –, bei dem sie mehrere im Wesentlichen austauschbare Bauteile von verschiedenen Lieferanten beschaffen. Damit wird die Resilienz der Lieferkette gestärkt und Flexibilität bei Störungen einzelner Komponenten oder Hersteller gewährleistet. Um Zollkosten zu senken, können Mulitsourcing-Unternehmen ein „Rebalancing“ der Bauteile vornehmen und das Einkaufsvolumen beim teuren Bauteil reduzieren, während sie gleichzeitig andere, weniger belastete Komponenten verstärkt bestellen.
- Zusammenarbeit mit Lieferanten: Die Kontaktaufnahme mit Lieferanten und die Erarbeitung gemeinsamer Lösungen zur Entschärfung von Handelsabgaben erfordern Zeit und Strategie. Unternehmen können diese Gespräche jedoch nicht mit sämtlichen Partnern führen – vielmehr sollten jene Lieferanten und Bauteile gezielt adressiert werden, bei denen eine partnerschaftliche Lösung den größten wirtschaftlichen Nutzen verspricht. Der Zoll-Exposure-Index hilft, diese optimalen Kandidaten systematisch auszuwählen.
- Tariff Engineering: Wie bereits an anderer Stelle erläutert, fallen unter diesen Ansatz gezielte Produktanpassungen – darunter Anpassung der HTS-Klassifizierung sowie des Herkunftslands (COO) –, um einen günstigeren Zolltarif zu erzielen. Wie die anderen Maßnahmen ist jedoch auch Tariff Engineering keine kurzfristige Option und sollte Unternehmen ausschließlich für kritische Bauteile mit hohem Einkaufsvolumen und/oder hohem Tarifaufwand in Erwägung ziehen.
- Beschaffung aus Ländern mit niedrigerem Zolltarif: Als einschneidende Alternative bleibt Unternehmen, die stark von Zöllen auf ein spezifisches Bauteil und dessen Hersteller betroffen sind, die Modifikation ihrer Lieferkette. Der Austausch eines chinesischen Lieferanten gegen einen Hersteller aus Malaysia oder den Philippinen – wo die Zölle des aktuellen US-Regimes mit 24 % bzw. 17 % vergleichsweise moderat sind – könnte beispielsweise die Importkosten deutlich senken. Zu bedenken ist jedoch, dass das derzeitige stark protektionistische Handelsumfeld nicht dauerhaft garantiert ist. Handelsabkommen, wechselnde internationale Beziehungen und der Wechsel der US-Administration können rasch eine neue Ausgangslage schaffen. Größere Anpassungen wie eine Neuausrichtung der Lieferkette sollten immer mit dem Risiko vergänglicher Rahmenbedingungen abgewogen werden.
Ein wirksamer Zoll-Exposure-Index braucht saubere, zentrale Daten
Unternehmen der Elektronik-, Halbleiter-, Automobil- und Luft- und Raumfahrtindustrie arbeiten mit Hunderten Direktlieferanten und Zehntausenden Bauteilen. Wegen dieser Komplexität und des Umfangs ist es nicht realistisch, für alle MPNs im Produktportfolio Strategien zur Zollreduktion zu prüfen. Stattdessen ist gezieltes Risikomanagement gefragt, das den höchsten Mehrwert für das Geschäft erschließt – ein Ziel, dem der Zoll-Exposure-Index direkt dient.
Allerdings sind Zoll-Exposure-Indizes nur so gut wie die eingepflegten Daten. Unternehmen, die ihre Bauteile sauber kategorisieren und Risiken treffsicher bewerten möchten, sollten unbedingt auf die Daten, Analysen und das Kontextwissen einer SCRM-Plattform wie Z2Data setzen. Z2Data nutzt eine proprietäre Datenbank mit über einer Milliarde elektronischer Bauteile – die umfassendste und qualitativ hochwertigste der Branche. Ergänzend wird mit BOM-Mapping und geografischen Daten nachvollzogen, welche Hersteller, Standorte und Herkunftsländer mit einzelnen Komponenten verknüpft sind. Anwender erhalten damit alle erforderlichen Informationen, um das Zollrisiko ihrer elektronischen Bauteile präzise zu bewerten.
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