Die EU-Batterieverordnung: Was Kunden ihre Lieferanten fragen müssen

Die Sorgfaltspflichten der neuen EU-Batterieverordnung treten ab 2025 schrittweise in Kraft. Ist Ihr Unternehmen bereit für die kommenden Compliance-Pflichten?

Die EU-Batterieverordnung: Was Kunden ihre Lieferanten fragen müssen

Im Jahr 2023 führte die Europäische Union (EU) die EU-Batterieverordnung (Verordnung (EU) 2023/1542) ein, einen umfassenden Rahmen zur grundlegenden Neugestaltung der Batterieindustrie und zur Ablösung der bisherigen Richtlinie von 2006. Die Verordnung schreibt strenge Nachhaltigkeitskriterien sowie Transparenzanforderungen vor und unterstützt das übergeordnete Ziel der EU, eine zirkulärere Wirtschaft zu fördern. Die Vielzahl an Verpflichtungen dieser Verordnung wird erhebliche Auswirkungen auf Hersteller, Lieferanten und Endanwender haben. Für Unternehmen, die Batterien oder batteriebetriebene Produkte beschaffen, ist das Verständnis der Verordnung sowie die enge Einbindung der Lieferanten entscheidend für Compliance und Wettbewerbsfähigkeit am Markt.

Die Verordnung deckt den gesamten Lebenszyklus von Batterien ab und legt den Fokus auf Nachhaltigkeit und Verantwortlichkeit. Unternehmen sind verpflichtet, in ihren Batterielieferketten Sorgfaltspflichten durchzuführen, um Umwelt- und Menschenrechtsrisiken zu adressieren. Darüber hinaus werden ambitionierte Recyclingziele festgelegt, die Hersteller dazu verpflichten, einen Mindestanteil an Recyclingmaterialien zu verwenden. Batteriehersteller müssen zudem den CO₂-Fußabdruck ihrer Produkte offenlegen — ein Maß an Transparenz, das Verbraucherinnen und Verbrauchern fundierte Entscheidungen ermöglicht. Zusätzlich ist für Batterien ein digitaler Produktpass vorgeschrieben, der detaillierte Informationen zu Materialien, Herstellungsprozessen und zum Management am Produktlebensende enthält. Abschließend regelt die Verordnung klare Kennzeichnungsanforderungen, um Verbraucher mit wichtigen Informationen wie Batteriezusammensetzung, Kapazität und korrekter Entsorgung zu versorgen. 

Obwohl die Termine zur Erfüllung der Anforderungen gestaffelt sind, werden Kundinnen und Kunden zeitnah nach Strategien fragen, mit denen die kommenden Fristen überwacht und eingehalten werden.

Compliance-Herausforderungen für Unternehmen

Die Erreichung der Compliance mit der EU-Batterieverordnung erfordert die Bewältigung mehrerer zentraler Herausforderungen. Die Beschaffung präziser Daten zu Materialbeschaffung, CO₂-Fußabdrücken und Recyclingprozessen ist häufig komplex und zeitaufwendig. Die Sicherstellung, dass alle Lieferanten die Anforderungen der Verordnung erfüllen, kann erhebliche Verhandlungs- und Überwachungsmaßnahmen notwendig machen. Die Entwicklung sowie Pflege digitaler Produktpässe erfordert Investitionen in Technologie und Systemintegration. Das Erreichen von Recyclingquoten kann Partnerschaften mit spezialisierten Einrichtungen oder Aus- und Aufrüstung bestehender Infrastrukturen erforderlich machen. Schließlich ist die Schulung interner Teams sowie der Lieferanten über Anforderungen und Best Practices der Verordnung für eine reibungslose Umsetzung unerlässlich.

Fragen an Lieferanten – Compliance-Erhebung

Zur Erhebung der für die Compliance notwendigen Informationen sollten Unternehmen gezielt Fragen an ihre Lieferanten richten. Im Hinblick auf die Transparenz innerhalb der Lieferkette sollten Unternehmen klären, ob ihre Lieferanten detaillierte Dokumentationen zu den verwendeten Materialien — einschließlich Herkunftsorten und Beschaffungsmethoden — liefern können. So ist gewährleistet, dass die Materialien den Schwerpunkten der EU-Batterieverordnung hinsichtlich ethischer und nachhaltiger Beschaffungspraktiken entsprechen. 

Darüber hinaus sollte nach Maßnahmen zur Minimierung von Umwelt- und Menschenrechtsrisiken gefragt werden, da diese für die Einhaltung der Compliance sowie für Corporate Responsibility zentral sind. Weiterhin sollten Unternehmen überprüfen, ob Lieferanten die Kennzeichnungsanforderungen der Verordnung erfüllen, um Verbraucher mit wesentlichen Angaben zu Zusammensetzung, Kapazität und sachgerechter Entsorgung zu versorgen.

Im Hinblick auf CO₂-Fußabdruck und Nachhaltigkeit ist es für Unternehmen wichtig zu erfahren, wie Lieferanten den CO₂-Fußabdruck ihrer Batterien berechnen und ob in der Produktion erneuerbare Energien oder andere emissionsarme Verfahren eingesetzt werden. Diese Informationen sind essenziell zur Erfüllung der Offenlegungspflicht und der Nachhaltigkeitsanforderungen der Verordnung.

Bezüglich des Gehalts an Recyclingmaterial sollten Unternehmen verifizieren, ob die Batterien die EU-Vorgaben zum Recyclingmaterialanteil erfüllen und entsprechende Zertifikate oder Nachweise einfordern. Dieser Schritt ist für die Compliance mit den Recyclingzielen der Verordnung unverzichtbar.

Beim digitalen Produktpass müssen Unternehmen feststellen, ob die Batterien ihrer Lieferanten mit einem digitalen Pass versehen sind und welche konkreten Informationen darin enthalten sind. Ebenfalls sollten sie nachfragen, wie die Aktualität und Genauigkeit der Daten sichergestellt wird. Diese Aspekte sind für die Erfüllung der Transparenz- und Rückverfolgbarkeitsanforderungen entscheidend.

Im Kontext des End-of-Life-Managements sollten Unternehmen sich nach den Systemen erkundigen, die Lieferanten zur Sammlung und zum Recycling von Batterien einsetzen. Ebenso sollten sie nachfragen, wie die Lieferanten die EU-Standards zur Recyclingerfolgsquote einhalten. Diese Fragen unterstützen die Entwicklung einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft — ein Kernelement der Verordnung und Initiative des European Green Deals. 

Vorbereitung auf die Zusammenarbeit mit Lieferanten

Bevor Sie Lieferanten ansprechen, sollte Ihr Unternehmen ein umfassendes Verständnis der EU-Batterieverordnung besitzen und interne Compliance-Expertinnen und -Experten mit allen für Branche und Produkte relevanten Anforderungen bestens vertraut sein. Auf dieser Grundlage können Unternehmen potenzielle Lücken in bestehenden Beschaffungs- und Recyclingprozessen erkennen. Nach dieser Analyse lassen sich klare Erwartungen definieren und Compliance-Ziele effektiv an Lieferanten und Hersteller kommunizieren. 

Der Weg in die Zukunft

Die EU-Batterieverordnung 2023 wird die weltweite Batteriebranche nachhaltig verändern – mit Fokus auf Nachhaltigkeit, Verantwortlichkeit und Innovation. Wer seine Lieferanten frühzeitig mit den richtigen Fragen und Strategien einbindet, kann die anstehenden Compliance-Herausforderungen effizient und wirksam meistern. Dieser Ansatz stärkt die Resilienz gegenüber regulatorischen Risiken und entspricht den wachsenden Erwartungen von Kundinnen, Kunden und Stakeholdern an verantwortungsbewusstes, nachhaltiges Wirtschaften.