Elektronische Bauteile erreichen Produktlebensende (EOL) immer häufiger ohne Product Change Notifications

Eine detaillierte Analyse elektronischer Bauteile, die 2025 abgekündigt wurden, und wie fehlende PCNs erhebliche Risiken für Lieferkettenteams verursachen.

Elektronische Bauteile erreichen Produktlebensende (EOL) immer häufiger ohne Product Change Notifications

Artikel-Highlights:

  • Im Jahr 2025 wurden über 620.000 elektronische Bauteile von Herstellern abgekündigt. Zum Vergleich: Diese Zahl stellt einen Anstieg von 150.000 Bauteilen – also fast ein Drittel – gegenüber den EOL-Zahlen (Produktlebensende) von vor nur zwei Jahren dar. 
  • Leider zeigte unsere Analyse der EOL-Ereignisse 2025 und der dazugehörigen Product Change Notifications (PCNs; Produktänderungsmitteilungen) der Hersteller eine überraschende Lücke: Bei der Mehrheit der über 600.000 im Jahr 2025 abgekündigten elektronischen Bauelemente erfolgte keine PCN-Benachrichtigung durch den Hersteller.
  • Das Fehlen von PCNs zu vielen der 2025 abgekündigten elektronischen Bauteile bringt zahlreiche operative Risiken für Entwicklungsteams mit sich. Die möglichen Folgen reichen in nahezu jedem Risikofall von Produktionsstopps bis zu weiteren Unterbrechungen der Fertigungskontinuität.

Jedes Jahr werden Hunderttausende elektronische Bauteile obsolet. Die Bauteil-Obsoleszenz war besonders in der COVID-19-Pandemie ausgeprägt: 2021 erreichten fast 530.000 Teile das Produktlebensende, im Folgejahr stieg die Zahl auf über 750.000. Nach der Pandemie verlangsamte sich der Trend etwas – 2023 wurden rund 470.000 Teile abgekündigt. 

Die aktuellen Zahlen für 2025 verdeutlichen erneut, wie dynamisch und unvorhersehbar die Elektronik-Lieferkette weiterhin ist. Gerade als es so aussah, als würden die EOL-Zahlen für einige Jahre stagnieren, kam es erneut zu einem drastischen Wechsel.

Bauteil-Obsoleszenz-Ereignisse 2025

Die Zahl der 2025 obsolet gewordenen elektronischen Bauteile zeigt, wie schnell sich die Elektronikindustrie weiterentwickelt. Produktlebenszyklen werden kürzer, weil Halbleiterhersteller neue Technologien einführen, ältere Bauteile abkündigen und Anforderungen neuer Kunden und Branchen in immer schnellerem Tempo adressieren müssen.

2025 wurden über 620.000 elektronische Bauelemente von Herstellern abgekündigt. Das entspricht einem Anstieg von 150.000 Teilen – also fast einem Drittel – gegenüber den EOL-Zahlen von vor zwei Jahren. Auch wenn damit nicht die extremen Spitzenwerte der COVID-Ära erreicht wurden – 2022 wurden drei Viertel einer Million Teile abgekündigt –, bleibt das eine sehr hohe Zahl. 

Jedes abgekündigte Bauteil birgt ein potenzielles Risiko für Unterbrechungen irgendwo im globalen Elektronik-Ökosystem. Ob OEM im Bereich Unterhaltungselektronik, Automobilzulieferer oder Halbleiterhersteller – EOL-Ereignisse treffen Unternehmen branchenübergreifend. 

Bauteil-Obsoleszenz: Das PCN-Problem

Über 600.000 elektronische Bauelemente abzukündigen ist das eine. OEMs und andere Unternehmen kennen die Gefahr durch Obsoleszenz und bauen entsprechende Risikomanagement-Frameworks auf. Was Unternehmen aber deutlich weniger einplanen können: wenn Lieferanten Bauteile ohne jegliche Vorabinformation abkündigen. 

Wie unsere Analyse der EOL-Ereignisse 2025 und zugehörigen Product Change Notifications (PCNs) ergab, besteht eine erschreckend große Lücke: Bei der Mehrheit der über 600.000 im Jahr 2025 obsolet gewordenen elektronischen Bauteile erfolgte keine PCN-Benachrichtigung durch den Hersteller.

Das Fehlen dieser Vorabinformation ist ein massiver Blindspot für Entwicklungs-, Beschaffungs- und Fertigungsteams, die auf diese Kommunikation angewiesen sind, um rechtzeitig reagieren und auf die EOL-Komponente mit entsprechender Planung antworten zu können. 

Was Unternehmen aber deutlich weniger einplanen können: wenn Lieferanten Bauteile ohne jegliche Vorabinformation abkündigen. 
2025 abgekündigte MPNs mit und ohne PCN
Posten# Bauteile%
In 2025 obsolet gewordene MPNs insgesamt621.909100%
Obsolet gewordene MPNs ohne PCN des Herstellers323.28652%
Obsolet gewordene MPNs mit PCN des Herstellers298.62348%
  • Gesamtzahl der in 2025 obsolet gewordenen Bauteile: 621.909
  • Abgekündigte Bauteile mit Product Change Notification des Herstellers: 298.623

  • Abgekündigte Bauteile ohne Product Change Notification: 323.286

Mit anderen Worten: Über die Hälfte – genau 52 % – aller EOL-Ereignisse 2025 wurden nicht durch einen PCN des Herstellers kommuniziert. 

Für Unternehmen mit langfristigen Produktdesigns ist dieses wiederkehrende Kommunikationsdefizit in der Lieferkette ein schwerwiegendes Problem. Der PCN dient als Frühwarnsystem und gibt Unternehmen Zeit, sich auf eine Abkündigung vorzubereiten. Ohne diese Information erfahren Entwickler und Hersteller oft erst von der Obsoleszenz, wenn die Bestände bereits vom Markt verschwinden. Zu diesem Zeitpunkt steht das Unternehmen bereits vor einer drohenden Krise, statt einen strategisch geplanten, kontrollierten Übergang steuern zu können.

Warum fehlende Product Change Notifications gravierende Probleme für Ingenieure erzeugen

Das Fehlen von PCNs zu vielen der 2025 abgekündigten elektronischen Bauteile bringt erhebliche operative Risiken für Entwicklungsteams. In nahezu jedem genannten Fall drohen Produktionsstillstände oder Unterbrechungen der Fertigungskontinuität.

Plötzliche Designunterbrechungen

Entwickler entwerfen Produkte meist mit Komponenten, die sie über viele Jahre verfügbar erwarten. Wenn elektronische Bauelemente jedoch ohne jede Vorwarnung – weil keine PCN erfolgte – verschwinden, werden Designs schlagartig untragbar.

Wenn beispielsweise ein zentrales IC, ein Kondensator oder ein Mikrocontroller plötzlich von der Abkündigung betroffen ist, müssen Beschaffungsteams umgehend versuchen, geeignete Alternativen zu finden. Ist das – wie bei unerwarteter Obsoleszenz oft – nicht möglich, bleibt mitunter nur die komplette Neukonstruktion ganzer Subsysteme.

Sogar augenscheinlich kleine Unterschiede – etwa bei Spannungstoleranzen, Pinbelegungen oder Gehäusegrößen – erfordern zahlreiche zusätzliche Entwicklungsschritte, die mit einer PCN-Vorwarnung nicht angefallen wären. 

  • PCB-Redesigns

  • Firmware-Updates

  • Thermische Neubewertung

  • Kompatibilitätstests

Solche Neuentwicklungen können sich über Monate ziehen und Release-Termine für Produkte oder Wartungsprogramme erheblich verzögern.

Last-Time-Buy-Chancen gehen verloren

Werden Lebenszyklusänderungen gemäß etablierter Praxis kommuniziert, enthält der PCN üblicherweise ein Last-Time-Buy-(LTB)-Fenster. Dieses LTB verschafft Beschaffungsprofis die Möglichkeit, noch Vorräte vor Produktionsende aufzustocken. Ein Last-Time-Buy kann entscheidend sein, um kritische Pufferzeiten zu schaffen und Produktionsunterbrechungen aufgrund fehlender Komponenten zu vermeiden. 

Werden Bauteile hingegen ohne PCN abgekündigt, entfällt diese strategische Beschaffungsmöglichkeit oft komplett. Unternehmen müssen dann auf Restbestände im Sekundärmarkt ausweichen, statt direkt bei autorisierten Lieferanten zu bestellen.

Das bringt weitere Komplikationen: höhere Preise, das Risiko von Fälschungen und zusätzliche Hürden bei Verifikation und Qualifikation. Kurz: Fehlt die PCN-Vorwarnung, sind Beschaffungsteams bei der Planung wirkungsvoller Beschaffungsstrategien stark benachteiligt.

Herausforderungen bei Compliance und Zertifizierung

Unerwartete Obsoleszenz stellt auch neue regulatorische und Zertifizierungsprobleme dar. Viele Produkte müssen vor Markteinführung strenge Compliance-Standards erfüllen. Elektronische Bauteile unterliegen komplexen Umweltregulationen, etwa der Beschränkung gefährlicher Stoffe (RoHS), der Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH) und neuen PFAS-Vorgaben ab 2026. 

Diese regulatorischen Anforderungen machen Auswechslungen abgekündigter Bauteile ohne Vorwarnung besonders schwierig. Neue potenzielle Alternativbauteile erfordern meist mehrere Prozessschritte:

  • Neues Qualifikationstesting

  • Regulatorische Rezertifizierung

  • Sicherheitsvalidierung

  • Leistungsüberprüfung

Gerade in Branchen wie Luft- und Raumfahrt oder Medizintechnik – mit besonders hohen Sicherheits- und Zuverlässigkeitsanforderungen – können diese Prozesse Wochen bis Monate dauern. 

Produktionsunterbrechungen

Letztlich droht das Worst-Case-Szenario, das alle Entwickler, Beschaffungs- und OEM-Teams unbedingt vermeiden wollen: ein Produktionsstopp. Wenn Last-Time-Buy, Alternativbauteil, alternative Lieferanten und andere Maßnahmen im Obsoleszenzmanagement scheitern, sehen sich Unternehmen gezwungen, die Fertigung ganz oder teilweise zu unterbrechen. Kurz gesagt: Bauteile, die ohne PCN abgekündigt werden, erhöhen das Risiko eines solchen Ausfalls erheblich. Produktionsausfälle dieser Art können für Hersteller schnell Hunderttausende oder sogar Millionen Euro an verlorenem Output bedeuten.

Wenn Last-Time-Buy, Alternativbauteil, alternative Lieferanten und andere Maßnahmen im Obsoleszenzmanagement scheitern, sehen sich Unternehmen gezwungen, Produktion zu stoppen oder einzuschränken.

Product Change Notifications, die JEDEC-Standards vernachlässigen

Branchenstandards, entwickelt vom Joint Electron Device Engineering Council (JEDEC), sollen sämtliche der genannten Risiken minimieren. Diese Standards regeln, wie Hersteller Lebenszyklusänderungen – vor allem Abkündigungen – kommunizieren sollen.

Zwei der wichtigsten Leitlinien sind der JEDEC-Standard 46 (Product Change Notifications) und der JEDEC-Standard 48 (Product Discontinuance Notifications). Diese Frameworks empfehlen Herstellern insbesondere, rechtzeitig und eindeutig vor einer Abkündigung zu informieren sowie weitere Best-Practices für die Kommunikation von Produktveränderungen zu beachten. 

Wenn Unternehmen diese Standards befolgen, können Entwicklungsabteilungen sich rechtzeitig vorbereiten und Notfall-Redesigns vermeiden, während Beschaffungs- und Sourcing-Teams in ihrer Lieferkette rechtzeitig Alternativbauteile absichern können. Leider werden diese Standards jedoch oft nicht eingehalten. Unsere Daten belegen: 2025 erfüllte nur etwas mehr als ein Viertel aller PCNs die JEDEC-Anforderungen. Das heißt umgekehrt, dass nahezu 75 % der von uns analysierten Manufacturer Part Numbers (MPNs) nicht standardkonform waren. 

Obsoleszenz-PCNs 2025 nach JEDEC-Konformität
Posten# Bauteile%
PCNs 2025 nicht JEDEC-konform4.97673%
PCNs 2025 JEDEC-konform1.83627%
Gesamtsumme (alle Obsoleszenz-PCNs 2025)6.812

EOL-Risiken mit professioneller Expertise steuern

Angesichts der weiter zunehmenden Bauteil-Obsoleszenz können Unternehmen künftig davon ausgehen, dass jedes Jahr 600.000 oder sogar 700.000 Teile von Herstellern abgekündigt werden. 

Um die damit verbundenen Risiken zu minimieren – und im Bewusstsein, dass OEMs häufig nicht auf eine Product Change Notification zählen können – braucht es ein starkes Lieferkettenrisikomanagement. Die SCRM-Plattform Z2Data bietet führendes Obsoleszenzmanagement für Unternehmen, die von diesen Herausforderungen der Elektronik-Lieferkette betroffen sind. 

  • Lifecycle Forecasting: Z2Data liefert für jedes Bauteil in der Datenbank Lebenszyklusprognosen. Diese nutzen einen hochentwickelten Algorithmus, der zentrale Faktoren wie Marktnachfrage, Anzahl der Fertigungsstandorte, Technologieroadmaps und Teilaktivitäten einfließen lässt, um eine valide Prognose bis zum EOL für elektronische Komponenten zu erstellen. 
  • Crosses: Bauteile mit verfügbaren Crosses verursachen bei Abkündigung deutlich weniger Disruptionen. Jedes Bauteil in der Z2Data-Datenbank ist mit einer Crosses-Übersicht versehen, die Anwendern eine Liste potenzieller Referenzbauteile anzeigt. Diese Alternativen werden nach Matching-Tiefe – Form, Fit, Funktion – in drei Tier-Stufen eingeteilt.
  • PCN Management: Für Bauteile, bei denen Product Change Notifications zur Abkündigung vorliegen, stellt Z2Data ein umfassendes PCN-Workflow-Tool bereit. Damit lassen sich PCNs nach Dringlichkeit klassifizieren und priorisieren. Das Workflow-Management ermöglicht es Unternehmen, Tasks an mehrere Teams (Beschaffung, Entwicklung, Compliance) zuzuweisen und so ein abteilungsübergreifendes Obsoleszenzmanagement umzusetzen.

Mehr zu Z2Data und wie es Unternehmen beim Management von PCNs und der effektiven Abmilderung unvorhergesehener Obsoleszenz-Ereignisse unterstützt, erfahren Sie oder vereinbaren Sie eine kostenlose Testphase mit einem unserer Produktexperten.