Arms neue Preisstrategie und deren Auswirkungen

Im Vorfeld des Börsengangs (IPO) in New York in diesem Jahr ändert Arm seine Preisgestaltung und führt ein neues Kundenlizenzmodell ein, um die Umsätze zu steigern.

Arms neue Preisstrategie und deren Auswirkungen

Im Vorfeld des geplanten Börsengangs (IPO) in New York in diesem Jahr ändert Arm seine Preisstruktur und führt ein neues Kundenlizenzmodell ein, um die Umsätze zu steigern. 

Arm ist ein in Großbritannien ansässiges Halbleiter- und Softwaredesign-Unternehmen. Das Hauptgeschäft liegt im Design von ARM-Prozessoren (CPUs), daneben entwickelt Arm weitere Halbleiterentwicklungs-Tools und bietet Systeme sowie Plattformen an. 

Seit 2016 befindet sich Arm im Besitz der japanischen SoftBank Group, die im Finanzbericht für das erste Quartal 2023 das zunehmende Interesse an Arm-Technologien im gesamten Computing-Ökosystem hervorhob. Die Technologie von Arm findet sich in Milliarden von Mikrocontrollern, nahezu allen Smartphones, Tablets, Spielkonsolen sowie in der Automobilindustrie wieder. 

Arms Technologie ist ein unverzichtbarer Bestandteil des Alltags für über 70 % der Weltbevölkerung. Darüber hinaus treiben Arm-basierte Chips mehr als ein Drittel aller Prozessoren weltweit an — bis September 2022 wurden bereits über 250 Milliarden solcher Halbleiter ausgeliefert, davon allein 8 Milliarden im dritten Quartal 2022.

Im Finanzbericht gab SoftBank bekannt, dass im Jahr 2022 86 % der Umsätze auf nur 20 Schlüsselkunden entfielen. Diese starke Umsatzkonzentration stellt ein erhebliches Risiko für das Unternehmen dar und veranlasste Arm zu einer Überprüfung der eigenen Umsatzmodelle.

Arm informierte kürzlich mehrere seiner größten Kunden über einen Wechsel im Geschäftsmodell und in der Umsatzstrategie — mit Auswirkungen auf zahlreiche Hersteller. Unternehmen wie Qualcomm, MediaTek, Samsung und HiSilicon lizenzieren ARM-Technologie derzeit für eine Lizenzgebühr von 1–2 % des Verkaufspreises der Chips. Künftig will Arm die Lizenzgebühr auf den Wert des Endgerätes beziehen, in das ihre Technologie eingebettet ist, also auf den durchschnittlichen Einzelhandelswert des jeweiligen Geräts. Das Unternehmen würde dadurch pro verkauftem Design ein Vielfaches mehr verdienen, da der durchschnittliche Preis von Endprodukten wie Smartphones oder Tablets deutlich über dem eines Chips liegt.

In der Branche stößt diese Änderung auf Widerstand. Gerätebasierte Preisgestaltung ist im Telekommunikationsmarkt zwar weit verbreitet und wird von vielen Unternehmen für deren Patente genutzt, dennoch stellt Arms Wechsel der Preisstruktur und des Vertriebsmodells eine Herausforderung für den Markt dar. 

Das neu gegründete „solutions engineering“-Team des Unternehmens wurde beauftragt, einen Halbleiter zu entwickeln, der Arms Technologie demonstriert. Dieser Ansatz ähnelt Googles Methode, eigene Hardwareprodukte zu entwickeln, um das Potenzial von Android und ChromeOS aufzuzeigen und anderen Unternehmen zu helfen, ihre Geräte zu verbessern.

Das kürzlich abgeschlossene Abkommen zwischen Arm und Intel, bei dem Intel zu einem der Haupthersteller von Arm wird, wirft zudem Fragen zu Arms langfristiger Strategie auf, bestimmten Kunden Fertigungsdienstleistungen direkt anzubieten. Dieser Schritt könnte die Marktdynamik stark verändern und Arm eine direkte Kontrolle über die Lieferkette verschaffen.

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