Artikel-Highlights:
- Ob es um Beschaffungsrisiken, Lieferanten-Greedflation oder den Trend zum Onshoring infolge steigender Zölle geht – die Vielfalt und Anzahl der Herausforderungen für Hersteller nimmt weiter zu.
- Die aktuelle Handels- und Zolllandschaft macht Einquellenbeschaffung riskanter denn je, da die Kosten für einen bestimmten Lieferanten oder ein bestimmtes Herstellungsland so wenig vorhersehbar sind wie nie zuvor. Unternehmen, die sich auf eine einzige Quelle für Materialien, Bauteile und Baugruppen verlassen, setzen sich plötzlichen Änderungen von Zollsätzen und anderen Handelsbarrieren aus.
- Einige Unternehmen berichten, dass manche ihrer Lieferanten Preissteigerungen mit Inflation begründen – selbst wenn wenig darauf hindeutet, dass Zölle sie beeinträchtigen.
- Teile der Fertigung wurden bereits in die USA zurückverlagert, und in den vergangenen Monaten haben mehrere große Technologiekonzerne Investitionspläne für US-Fertigung angekündigt.
- Unternehmen, die sich die Daten, Einblicke und Echtzeit-Updates sichern wollen, die für ein proaktives Risikomanagement entscheidend sind, sollten nach Lieferkettenrisikomanagement (Supply Chain Risk Management, SCRM) Software suchen.
Nach der COVID-19-Pandemie konnte man Supply-Chain-Führungskräften und Beschaffungsverantwortlichen nachsehen, dass sie für einen Moment von etwas Stabilität träumten. Unternehmen hatten gerade eine Jahrhundertpandemie überstanden, eine vielschichtige Krise, die Fabriken lahmlegte, weitreichende Engpässe verursachte und weltweite Lieferketten ins Chaos stürzte.
Wenn es eine Phase der Ruhe und Vorhersehbarkeit gab, war sie extrem kurz. Die letzten zwei Jahre haben gezeigt, dass die 2020er-Jahre von dynamischen, unvorhersehbaren Ereignissen geprägt sein werden, die Lieferketten gefährden und Beschaffungsteams dauerhaft fordern.
Ob neue Risiken in der Beschaffung, Greedflation-Risiken oder die Perspektive des Onshoring – die Herausforderungen für Hersteller werden immer vielfältiger. In diesem Artikel haben wir die fünf wichtigsten Risiken zusammengefasst, die aus unserer Sicht 2026 für die meisten Hersteller entscheidend sein werden.
1. Das steigende Risiko bei Einquellenfertigung
Schon immer war Einquellenbeschaffung (Single Sourcing) eine riskante Methode im Lieferkettenmanagement – heute ist sie gefährlicher denn je. Im heutigen, ständig wandelnden Handelsumfeld sind Zölle und Handelsbarrieren zwischen den USA und anderen Ländern kaum länger als ein paar Wochen im Voraus einzuplanen. So können beispielsweise heute moderate Importabgaben auf Länder wie Thailand oder Malaysia bis zum Herbst deutlich steigen und die Beschaffungskosten für dortige Lieferanten massiv erhöhen.
Warum ist Einquellenbeschaffung heute riskanter als jemals zuvor?
Mit weiteren Handelsabkommen in Aussicht und mehreren verbleibenden Jahren der aktuellen US-Regierung steht fest: Diese Instabilität wird 2026 eher noch zunehmen. Daraus resultiert eine enorme Unsicherheit – die Kosten rund um einen bestimmten Lieferanten oder ein Herstellungsland sind so wenig vorhersehbar wie nie. Wer seine Materialien, Bauteile und Baugruppen aus nur einer Quelle bezieht, macht sich hochgradig verwundbar gegenüber plötzlichen Änderungen von Zollsätzen und anderen Handelsbarrieren. Zudem führen Störungen oder Engpässe in der Lieferkette unmittelbar zu Flaschenhälsen und Abhängigkeiten von einem einzigen Hersteller.
In den USA ansässige OEMs (Original Equipment Manufacturers) müssen reaktionsfähig genug bleiben, um schnell zu anderen Lieferanten zu wechseln oder Bestellungen auf verschiedene Hersteller zu verteilen, falls plötzliche Änderungen im internationalen Handelsumfeld eintreten. Viele Unternehmen haben Schwachstellen, etwa weil bestimmte Bauelemente weniger Alternativen bieten oder weil ihr Lieferkettenrisikomanagement (SCRM) nicht ausreichend ausgebaut ist.
Diese Schwachstellen sind heute allerdings weitaus riskanter als in der Vergangenheit, denn das amerikanische Zollregime bringt eine unbeherrschbare neue Variable ins Spiel. Die Argumente für Multisourcing oder sogenanntes „Splitting“ waren nie überzeugender.
Die Argumente für Multisourcing – auch als „Splitting“ bezeichnet – waren nie überzeugender.
2. Der Anstieg der Greedflation in globalen Lieferketten
Was ist Greedflation und woher kommt sie?
Greedflation beschreibt die Praxis, während der Pandemie Preiserhöhungen mit vermeintlicher Inflation zu begründen, tatsächlich jedoch die Gewinne zu steigern. Untersuchungen unmittelbar nach dem Ausbruch der Pandemie zeigten, dass die Gewinne vieler der weltweit größten Unternehmen deutlich schneller wuchsen als die Inflation selbst. Eine vielzitierte Studie belegt: Zwischen 2019 und 2022 stiegen die Gewinne großer Unternehmen aus den USA, Großbritannien, Europa und Brasilien im Durchschnitt um beachtliche 30 %.
Auch viele akademische Analysen der letzten Jahre bestätigen: Die außer Kontrolle geratene Inflation der Jahre 2021 und 2022 war zumindest teilweise darauf zurückzuführen, dass Unternehmen ihre Gewinne unter dem Deckmantel eines singulären Ereignisses maximieren wollten.
Kommt Greedflation 2026 zurück?
Inzwischen zeigen sich 2025 erneut Anzeichen für dieses Phänomen – Zölle dienen dabei einigen Lieferanten und Herstellern als neue Rechtfertigung für Preiserhöhungen. Obwohl konkrete Untersuchungen noch ausstehen, berichten Unternehmen vermehrt, dass einige Lieferanten Preiserhöhungen mit Inflation begründen, obwohl kaum ein Einfluss von Zöllen nachweisbar ist.
Der Supply Chain Risk Management Index der Lehigh University bestätigt diese Befürchtungen. In der Ausgabe zum dritten Quartal 2025 wird ein Supply-Chain-Profi zitiert: „Anbieter versuchen, Kosten künstlich zu erhöhen – die Zölle sind ein Albtraum.“ Die Rückkehr der Greedflation ist bislang zwar eher vereinzelt zu beobachten. Sollte das Zollregime der Trump-Regierung jedoch dauerhaft bleiben, könnte sich das rasch ändern. Für 2026 bleibt dieses Phänomen ganz genau im Auge zu behalten.
3. Der Trend zum Onshoring der Produktion in die USA
Mit der Ankündigung der Trump-Regierung, weitreichende Zölle auf Handelspartner weltweit einzuführen, wurde als Ziel formuliert, die Produktion in die USA zurückzuholen. Die Überlegung: Müssen Unternehmen 15 %, 20 % oder gar 30 % Aufschlag für die Einfuhr von Teilen und Materialien zahlen, rückt die Inlandsbeschaffung stärker in den Fokus.
Zwar ist die Reaktion schrittweise, aber immer mehr Unternehmen geben Onshoring- (auch als Reshoring bekannt) Initiativen bekannt. Einige Firmen haben Teile ihrer Produktion bereits in die USA verlagert, und große Tech-Konzerne kündigen Investitionen in die US-Fertigung an.
Welche Unternehmen haben Produktion in den USA angekündigt?
Unternehmen, die 2025 ihre US-Produktionspläne bekanntgaben:
- Taiwan Semiconductor Manufacturing Company
- Eli Lilly
- GE Aerospace
- Apple
- Nvidia
- Johnson & Johnson
Auch wenn manche dieser Ankündigungen auf Einzelfälle oder spezifische Unternehmenssituationen zurückzuführen sind, deuten sie klar auf einen breiteren Wandel der Lieferketten ab 2026 hin. Die Weichen für einen nachhaltigen Onshoring-Trend werden also bereits gestellt.
4. Unvorhersehbare Zolländerungen & Wandel bei Handelsverhandlungen
Die ersten Monate der neuen US-Zollpolitik zeigen: Nichts ist festgeschrieben, alles ist verhandelbar. Länder mit heute hohen Zöllen müssen lediglich mit der Trump-Regierung verhandeln und sich US-Forderungen offen zeigen, um bessere Konditionen zu erzielen. Angesichts der Dynamik der jüngsten Handelsabkommen könnten Präsident Trump und seine Chefverhandler – darunter Handelsminister Howard Lutnick und US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer – wahrscheinlich noch 2026 an weiteren Deals arbeiten.
Warum ein flexibles Handelsumfeld agile Unternehmen bevorzugt
Für amerikanische OEMs bedeutet das: Agilität ist entscheidend, um Resilienz in der Lieferkette zu gewährleisten. Unternehmen können es sich nicht mehr leisten, komplett auf einen Lieferanten, ein Land oder gar eine Region zu setzen – schon ein Kurswechsel im Handel kann das ganze Kosten-Nutzen-Verhältnis auf den Kopf stellen. Die Ära Trump verlangt flexible, diversifizierte, geografisch verteilte und multisourced Lieferketten.
5. Einsatz von KI im Lieferkettenrisikomanagement
Eine Diskussion der nächsten Zukunft des Lieferkettenrisikomanagements wäre unvollständig ohne die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz. Wie in vielen Bereichen halten aktuelle KI-Lösungen Einzug als Grundpfeiler der Lieferkette und des SCRM. Im Gegensatz zu anderen Branchen gibt es für KI im SCRM bereits mehrere bewährte Anwendungsszenarien, die nachweisbaren Mehrwert für Supply-Chain-Führungskräfte und ihre Teams schaffen:
- Lieferketten-Mapping
- Alternative Lieferanten und Diversifizierung der Lieferkette
- Bedarfsprognosen
- Predictive Maintenance (vorausschauende Wartung)
- Risikoerkennung
Weitere Einsatzmöglichkeiten von KI im SCRM?
Einer 2024 von Gartner durchgeführten Umfrage zufolge setzen bereits 40 % der leistungsstärksten Lieferkettenorganisationen KI für Bedarfsprognosen ein, fast ein Drittel nutzt sie für die Planung der Supply Chain. Bis 2026 dürften diese Werte weiter steigen. Entscheidend bleibt, welche weiteren KI-Anwendungen 2026 im großen Stil eingesetzt werden. Werden Unternehmen angesichts der aktuellen Unsicherheit KI verstärkt zur Diversifizierung und Multisourcing nutzen? Oder wird die Identifikation und Bewertung von Risiken mittels KI wichtiger – zum Beispiel, um Bedrohungen bei Lieferanten und Sub-Tiers frühzeitig zu erkennen?
Einer 2024 von Gartner durchgeführten Umfrage zufolge setzen bereits 40 % der leistungsstärksten Lieferkettenorganisationen KI für Bedarfsprognosen ein, fast ein Drittel nutzt sie für die Planung der Supply Chain.
Steuern Sie Ihr Unternehmen sicher durch unsichere Zeiten mit Z2Data
„Unvorhersehbar“ ist zum Synonym für Lieferketten in den 2020er-Jahren geworden. Ob Inflation, durch Konflikte ausgelöste Engpässe oder der Anstieg protektionistischer Handelspolitik – dieses Jahrzehnt wird von Umbrüchen geprägt. Vor diesem Hintergrund ist es keine steile Prognose zu sagen, dass 2026 ein weiteres turbulentes Jahr für Lieferketten wird. Unternehmen, die sich Daten, Einblicke und Echtzeit-Updates für ein proaktives Risikomanagement sichern möchten, sollten auf Lieferkettenrisikomanagement (Supply Chain Risk Management, SCRM) Software setzen.
Die SCRM-Plattform Z2Data gibt Unternehmen die Werkzeuge an die Hand, um Risiken und Unsicherheiten in der Lieferkette flexibel und entschlossen zu begegnen. Die drei Lösungsbereiche von Z2Data – Supply Chain Risk Management, Compliance and Sustainability sowie Electronic Supply Chain – unterstützen Organisationen in diesen zentralen Feldern:
- Lieferantenrisiko analysieren
- Lieferanten abbilden
- Transparenz auf Sub-Tier-Ebene gewinnen
- Compliance bewerten
- Exposition gegenüber Störungen in Echtzeit ermitteln
- Schwachstellen maximal effizient beheben
Die KI-gestützten Funktionen von Z2Data, inklusive spezifischer Zollressourcen, versetzen Unternehmen in die Lage, sämtlichen neuen Lieferkettenrisiken im Jahr 2026 wirkungsvoll zu begegnen.
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