Warum kritische Mineralien das Kronjuwel von Trumps Bestreben nach Grönland sind

Die Trump-Administration hat ihr großes Interesse deutlich gemacht, Grönland zu erwerben, um ihre Lieferkette für kritische Mineralien massiv zu stärken. Doch wie realistisch ist dieses Ziel?

Warum kritische Mineralien das Kronjuwel von Trumps Bestreben nach Grönland sind

Artikel-Highlights:

  • Seitdem der Präsident Anfang 2025 begann, über die Annexion zu sprechen, variieren die Rechtfertigungen der Trump-Regierung für die Übernahme Grönlands. Im Kern geht es meist darum, die Verteidigungsinfrastruktur in der Region auszubauen und Zugang zu den umfangreichen Vorkommen seltener Erden in Grönland zu sichern. 
  • Im theoretischen Fall, dass die USA unter einer Trump-Regierung die Souveränität über Grönland übernehmen, könnten viele nationale regulatorische Anforderungen innerhalb weniger Tage massiv gelockert werden. Diese Deregulierung würde die größte Hürde beseitigen, die den Abbau kritischer Mineralien in Grönland bislang verhindert. 
  • Selbst wenn Grönland Teil der Gleichung wird, bleibt noch erheblicher Aufholbedarf, wenn die USA die Verarbeitung und Veredelung von REE (Seltene Erden) und kritischen Mineralien unabhängig von China etablieren wollen. 

Seit seiner ersten Amtszeit zeigt Präsident Donald Trump ein anhaltendes Interesse an einer US-Kontrolle über Grönland – trotz internationaler Verurteilung und einer klaren Ablehnung seiner geografischen Ambitionen durch führende Politiker weltweit. Dennoch hat Trump im Dezember 2025 und Januar 2026 mehrere eskalierende Maßnahmen ergriffen, die einen deutlichen Übergang von reiner Rhetorik zu konkretem Handeln markieren. 

Im Dezember 2025 ernannte Trump den Gouverneur von Louisiana, Jeff Landry, zum „Sondergesandten für Grönland“ mit dem Ziel, einen möglichen Souveränitätstransfer auszuhandeln. Im Januar 2026 griff Trump dann zu aggressiver Rhetorik gegenüber Dänemark und kündigte zugleich einen „Security Tariff“ von 10 % auf mehrere europäische Staaten für deren Aktivitäten in grönländischen Gewässern an (die Sicherheitsabgabe wurde letztlich jedoch nicht umgesetzt). Trotz dieses unübersichtlichen Aktionismus bleibt offensichtlich, dass der Erwerb Grönlands 2026 eine echte politische Priorität für die Trump-Regierung darstellt – und man ist bereit, dafür beträchtliches politisches Kapital einzusetzen.

Warum will Trump Grönland?

Seitdem der Präsident Anfang 2025 mit der Annexion liebäugelt, variieren die Begründungen der Trump-Regierung für die Übernahme Grönlands. Im Mittelpunkt stehen aber durchgehend der geplante Ausbau der Verteidigungsinfrastruktur in der Region sowie der Zugang zu den bedeutenden Vorkommen seltener Erden und kritischer Mineralien in Grönland. Letzteres zahlt in ein zentrales politisches Ziel der Trump-Regierung ein: kritische Mineralien für die US-Wirtschaft und die nationale Sicherheit zu sichern. Die Administration hat dafür bereits hunderte Milliarden Dollar in verschiedene Projekte investiert; die Übernahme Grönlands als US-Territorium würde die Chancen zur Erreichung dieses Ziels weiter verbessern. 

Selbst wenn die USA die größte Insel der Welt erwerben würden, lohnt sich eine Bewertung dessen, was sie damit tatsächlich gewinnen – und der Realität, wie herausfordernd die Weiterverarbeitung und Raffination dieser begehrten Mineralien wirklich ist.

Wie ist der Stand des Abbaus kritischer Mineralien in Grönland heute?

Grönland ist reich an kritischen Mineralien – so, wie sie sowohl von den US- als auch von den EU-Behörden definiert werden. Die Region verfügt über große Lagerstätten seltener Erden (von denen viele ebenfalls als kritische Mineralien gelten), die weltweit bedeutende Konzentrationen erreichen. Der Zugang zu diesen hohen Konzentrationen wertvoller Ressourcen könnte die US-Rohstoffproduktion außerhalb Chinas massiv steigern und weltweit einen erheblichen Teil des chinesischen Bergbaus ersetzen. Trotz dieses enormen Potenzials gibt es jedoch zahlreiche Herausforderungen bei der Erschließung. 

Der Zugang zu diesen hohen Konzentrationen wertvoller Ressourcen könnte die US-Rohstoffproduktion außerhalb Chinas massiv steigern und weltweit einen erheblichen Teil des chinesischen Bergbaus ersetzen.

Das Uranhindernis 

Parallel zu vielen Mineralvorkommen in Grönland finden sich erhebliche Uranmengen, deren Abbau Grönland 2021 verboten hat. Mit dem Parlamentsgesetz Nr. 20 vom 1. Dezember 2021 untersagte die Region die Förderung jeglicher Stoffe mit einem Urangehalt unter 100 ppm. Das schließt den Abbau in zahlreichen Lagerstätten im ganzen Land aus – darunter das Kvanefjeld-Vorkommen in Südgrönland, das oft als eine der größten unerschlossenen REE-Lagerstätten weltweit genannt wird. Dort wird ein Urangehalt von etwa 226 ppm geschätzt. Viele weitere grönländische Standorte mit bedeutenden kritischen Mineralien und REE-Vorkommen enthalten ebenfalls Uran über dem Wert von 100 ppm – ein bedeutendes Hindernis, das jede Förderung lähmen kann. Während manche Standorte heute Material unterhalb dieser Schwelle fördern, können viele der größten unerschlossenen Lagerstätten aufgrund dieses Gesetzes nicht erschlossen werden.

Das Genehmigungsverfahren in Grönland

Das Verfahren zur Erteilung von Abbaulizenzen bietet im Vergleich mit anderen Ländern Vor- und Nachteile. Da es zentralisiert ist, werden sämtliche Erschließungsbewilligungen von Grönland zentral gesteuert. Keine grönländische Provinz kann also eigene Uran- oder Sorgfaltspflichtenprozesse etablieren, um Bergbau zu fördern – im starken Gegensatz zu vielen US-Bundesstaaten, die eigene Gesetze zur Förderung und Verarbeitung von Rohstoffen erlassen können.

Obwohl in Grönland weiterhin verschiedene Mineralien abgebaut werden, erschweren das harte Klima, unwegsames Gelände und logistische Herausforderungen beim Transport von Ausrüstung das Vorhaben erheblich. Dennoch gibt es keinen Mangel an Unternehmen, die versuchen, das Potenzial der grönländischen Ressourcen in Angriff zu nehmen.

In Grönland gefundene kritische Mineralien
AntimonCeriumKobaltKupfer
DysprosiumEuropiumFluorit / FlussspatGallium
GermaniumGraphitHafniumLanthanoide
BleiLithiumMolybdänNeodym
NickelNiobPhosphor / PhosphatPlatingruppenmetalle
PraseodymStrontiumTantalTerbium
ZinnTitanWolframVanadium
YttriumZink

Warum der Zugang zu grönländischen Mineralien nicht ausreicht

Wie im vorherigen Abschnitt erläutert, ist der Abbau kritischer Mineralien in Grönland zweifellos mit Herausforderungen verbunden, bietet aber zahlreiche Chancen. In einem theoretischen Szenario, in dem die USA unter einer Trump-Regierung die Souveränität über Grönland ausüben, könnten viele regulatorische Anforderungen innerhalb weniger Tage erheblich gelockert werden. Dadurch würde die dringendste Hürde für die Förderung kritischer Mineralien beseitigt. In diesem Fall könnten Unternehmen massiv einströmen, um die riesigen Rohstoffvorkommen zu erschließen. Die nächste Herausforderung wäre, was mit den gewonnenen Erzen geschieht, sobald sie gefördert wurden.

Es ist allgemein bekannt, dass China die Verarbeitung von REE dominiert und die Aufbereitung dieser Mineralien oft zu hohen Umweltschäden und giftigem Abfall führt. Zwar betreiben die USA eigene REE-Produktionsstätten, diese müssten aber stark ausgebaut werden, um das in Grönland gewonnene Material auch verarbeiten zu können. Der Aufbau solcher Anlagen dauert jedoch oft Monate oder Jahre; zudem ist ein Großteil der dafür nötigen Ausrüstung hochspezialisiert. Darüber hinaus ist China heute weltweit führend in der Ausbildung spezialisierter Ingenieure sowie in der Herstellung der komplexen Anlagen für die Verarbeitung und Raffinierung kritischer Mineralien. Diese Faktoren erschweren es einer US-Regierung zusätzlich, ohne chinesische Unterstützung kurzfristig moderne neue Verarbeitungsanlagen zu errichten.

Es ist das eine, Rohstoffe in einem Land mit reichen natürlichen Ressourcen zu fördern. Es ist jedoch eine ganz andere Herausforderung, alle diese Materialien effizient und wirtschaftlich so zu verarbeiten und zu veredeln, dass sie dem intensiven globalen Wettbewerb langfristig standhalten.

Auch die Kostenfrage ist ein Problem. Durch enorme Skaleneffekte bei der Rohstoffverarbeitung haben chinesische Unternehmen einen Vorsprung, dem weltweit niemand das Wasser reichen kann. In Verbindung mit weniger restriktiven Umweltauflagen ist der „China-Preis“ für Unternehmen außerhalb Chinas schwer zu unterbieten. Auch wenn der US-Vizepräsident JD Vance kürzlich Preisuntergrenzen für kritische Mineralien vorgeschlagen hat, die in einer Allianz von Staaten angewendet werden sollen, ist aus politischer Sicht noch ein langer Weg zu gehen. 

Letztlich bleibt enorm viel zu tun, wenn die USA eine eigenständige Verarbeitung und Raffinierung von REE und kritischen Mineralien unabhängig von China aufbauen wollen – selbst wenn Grönland Teil der Lösung ist. Denn es ist das eine, Mineralien zu fördern. Wirklich schwierig ist es aber, die gesamte Wertschöpfungskette effizient und wettbewerbsfähig in den Griff zu bekommen.

Nationale Maßnahmen bringen kurzfristig keine neuen Bezugsquellen für kritische Mineralien 

Viele Unternehmen erkennen nicht das volle Ausmaß ihrer Abhängigkeit von kritischen Mineralien und REE in ihrer Lieferkette. Dadurch sind sie weiterhin dem Risiko plötzlicher Lieferkettenunterbrechungen durch chinesische Exportbeschränkungen ausgesetzt. Zwar unternehmen die US- und EU-Regierungen konkrete Schritte, um die Versorgungssicherheit kritischer Mineralien auszubauen, aber lokale Hersteller, die ihre REE-Risiken nicht kennen, sind weiterhin gefährdet, von Bauteil-Engpässen direkt betroffen zu sein. 

Darüber hinaus werden heimische Alternativen zu den aktuell aus China bezogenen kritischen Mineralien und REE Zeit brauchen – voraussichtlich mindestens 5-10 Jahre. Ein großer Anteil der in den USA geförderten Mineralien wird anfangs für Verteidigungs- oder andere hoch priorisierte Regierungszwecke vorgesehen sein, bedingt durch Investitionen verschiedener Bundesbehörden in heimische Minen und Verarbeitungsanlagen. Für Unternehmen bedeutet das: Selbst wenn die lokale Produktion (inklusive Förderung und Verarbeitung) anläuft, wird der freie Marktzugang zu kritischen Mineralien und REE zunächst begrenzt bleiben. 

Wie SCRM-Tools Unternehmen helfen, Risiken im Bereich kritischer Mineralien zu minimieren

Für Unternehmen mit hoher Abhängigkeit von REE oder kritischen Mineralien ist der erste Schritt die Identifikation, welche Komponenten welche Mineralien enthalten. Das gelingt durch Sammlung der Full Material Disclosures (FMD – vollständige Materialdeklaration) jedes Bauteils. Softwares wie Z2Data können die Sammlung und Analyse von FMDs erheblich beschleunigen, da Millionen von FMDs vom ersten Tag der Nutzung an verfügbar sind. 

Nach der Analyse, welche Bauteile kritische Mineralien oder REE enthalten, geht es darum, zu verstehen, welche dieser Mineralien besonders anfällig für chinesische Exportbeschränkungen sind. Hier helfen Z2Data‘s Minerals Database und ihre Insights, mit denen Anwender schnell identifizieren, welche Mineralien das größte Risiko für die Produktionssicherheit darstellen. Im letzten Schritt können Kunden mit einem Lieferkettenrisikomanagement (SCRM)-Tool nach Alternativbauteilen mit niedrigerem Risiko-Score suchen. Z2Data bietet hier eine Datenbank mit über einer Milliarde Bauteilen, inklusive einer Liste geprüfter Alternativbauteile, differenziert nach drei Match-Tiers. 

Bei kritischen Mineralien können plötzliche Schwankungen in der Lieferkette – ob durch geopolitische Ereignisse, Rohstoffengpässe oder andere Faktoren – die gesamte Lieferkette gefährden. Lassen Sie Ihr Unternehmen nicht von neuen Exportrestriktionen aus China oder den wachsenden REE-Engpässen überraschen. 

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