So identifizieren Sie PFAS in Ihrer Lieferkette

Vielleicht haben Sie eine Vorstellung davon, wo sich PFAS in Ihrer Lieferkette befinden. Aber wie identifizieren Sie diese und was sollten Sie anschließend tun?

So identifizieren Sie PFAS in Ihrer Lieferkette

Warum müssen Sie wissen, wo PFAS in Ihren Produkten enthalten sind?

Die Identifizierung von PFAS in Ihren Produkten ist unerlässlich, da die weltweiten Vorschriften zu diesen Stoffen stetig zunehmen. Das Wissen darüber, welche Produkte PFAS enthalten, hilft Ihnen, gesetzliche Vorgaben einzuhalten und rechtliche sowie finanzielle Folgen zu vermeiden. 

Mit dem wachsenden Bewusstsein der Verbraucher für PFAS werden Endkunden und Investoren vermehrt auf PFAS-freie Alternativen setzen, die für Mensch und Umwelt sicherer sind. Diese Nachfrage nach PFAS-freien Produkten treibt Veränderungen in der Branche voran. Wenn Sie PFAS-freie Produkte entwickeln, sichern Sie die Relevanz und den Marktzugang Ihrer Produkte.

In welchen Produkten ist der PFAS-Gehalt besonders hoch?

PFAS kommen aufgrund ihrer einzigartigen Eigenschaften in einer Vielzahl von Konsum- und Industrieprodukten vor. Typischerweise enthalten Produkte wie antihaftbeschichtetes Kochgeschirr (z. B. Teflon-beschichtete Töpfe und Pfannen) sowie wasserabweisende oder schmutzresistente Textilien (u. a. Outdoor-Bekleidung, Regenjacken, Polstermöbel) PFAS. Auch fettresistente Lebensmittelverpackungen, langanhaltende Kosmetika und Körperpflegeprodukte sind häufig betroffen. 

Auch wenn diese Kategorien medial besonders präsent sind, ist es wichtig zu wissen, dass PFAS ebenfalls in anderen Bereichen eingesetzt werden, darunter:

  • Farben, Beschichtungen und Dichtmittel, für beständige, wetterfeste Eigenschaften
  • Elektronik und Medizingeräte, um Isolation, Sterilität und Beständigkeit gegen Zersetzung sicherzustellen
  • Leiterplatten, deren Komponenten zum Schutz vor Staub und Feuchtigkeit mit PFAS beschichtet werden
  • Lautsprechermembranen in Audiosystemen, die PFAS-behandelt sind, um Klangdurchlässigkeit bei gleichzeitigem Schutz vor Staub und Feuchtigkeit zu gewährleisten
  • Elektronische Displays, die schützende PFAS-haltige Beschichtungen enthalten können
  • Luft- und Raumfahrt sowie Automobilindustrie, wo PFAS-haltige Kabel und Leitungen benötigt werden, um hohe Temperaturen und Korrosion standzuhalten 

Wie bestimmen Sie, ob PFAS in Ihrem Produkt enthalten sind?

Um den Einsatz von PFAS in Ihrem Produkt zu ermitteln, müssen Sie deren Anwendungszwecke – wie oben erläutert – kennen. Wenn Sie verstehen, warum PFAS Materialien zugesetzt werden, können Sie besser erkennen, welche Eigenschaften in Ihren eigenen Produkten benötigt werden. Die Analyse Ihrer Stücklisten (BOMs) sowie technischer Zeichnungen kann aufzeigen, wo Bauteile wasser-, chemikalien- oder hitzebeständig sein müssen. Bauteile im Kontakt mit Elektrizität, die Isolierstoffe benötigen, werden oft flammhemmend ausgestattet. Empfindliche Geräte, die durch Feuchtigkeit gestört werden können, benötigen gegebenenfalls wasserabweisende Beschichtungen oder Membranen. Durch die Identifikation dieser Schlüsselfunktionen können Sie lokalisieren, welche Komponenten hiervon betroffen sein können.

Müssen Sie Ihre Lieferanten kontaktieren, um diese Informationen zu erhalten? 

Wenn Sie das betreffende Bauteil nicht selbst fertigen, werden Sie meist auf Auskünfte aus Ihrer Lieferkette angewiesen sein. Es ist entscheidend, den großen Umfang heute bekannter PFAS zu berücksichtigen und Ihre Anfragen an Lieferanten klar und präzise zu formulieren. Da solche Anforderungen für alle Beteiligten neu sind, sollten Sie Lieferanten eine angemessene Bearbeitungszeit einräumen. Das Hinzuziehen eines Compliance- oder Materialexperten kann Ihnen helfen, Anfragen verständlich und zielgerichtet zu stellen. In vielen Fällen werden Sie verschiedene Dokumente von Lieferanten anfordern müssen, um die Informationen auszuwerten. Falls keine Daten vorliegen, bleibt als Option – wenn auch aufwendig und kostenintensiv – eine chemische Analyse. 

Welche Dokumente sollten Sie prüfen?

Idealerweise liefern Ihnen vollständige Materialdeklarationen (engl. Full Material Declarations, FMDs) alle relevanten Informationen zu einem Bauteil für jede Compliance-Anforderung, einschließlich PFAS. Diese FMDs weisen alle verwendeten Substanzen, CAS-Nummern und Masseprozent für regulatorische Schwellenwerte aus. So lässt sich leicht überprüfen, ob eine der in Regulierungslisten gelisteten CAS-Nummern enthalten ist. 

Sind FMDs nicht verfügbar, stellen Konformitätsbescheinigungen eine weitere anerkannte Option dar. Sie sollten jedoch darauf achten, was genau in dem Dokument erklärt wird. Idealerweise wird auf eine bestimmte Vorschrift Bezug genommen – bei PFAS, wo sich die regulatorische Lage rasch ändert und keine Regelung die gesamte Bandbreite abdeckt, sollten Sie besonders auf die verwendete Begriffsdefinition und die jeweiligen Aussagen achten. 

Materialzeichnungen, Standards oder Sicherheitsdatenblätter können zusätzliche Einblicke geben, sind aber teils veraltet. Daher empfiehlt es sich, Ihre Lieferunterlagen gut zu kennen und Ihr individuelles Risikoniveau gewissenhaft zu definieren.

Häufige PFAS-Namen und Synonyme in Produkten

PFAS bezeichnet „per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen“ (per- and polyfluoroalkyl substances). Da chemische Stoffe oft nach ihrer Struktur benannt werden, findet sich im Namen häufig „perfluor“ oder „polyfluor“. Typische Beispiele sind Perfluoroktansäure (PFOA), Perfluoroktansulfonsäure (PFOS), Perfluorhexansulfonsäure (PFHxS) und Perfluornonansäure (PFNA). 

Manchmal tragen Substanzen auch Handels- oder branchenübliche Namen wie Polytetrafluorethylen (PTFE). PTFE ist bekannt unter dem Markennamen Teflon oder als expandiertes PTFE auch als Gore-tex. PTFE ist vermutlich der am häufigsten in der Elektronik eingesetzte PFAS, und kann unter verschiedenen Bezeichnungen auftreten. 

Chemikalien werden oft auch abgekürzt, um die Handhabung zu erleichtern. Ein Beispiel ist N-Ethylperfluoroktansulfonamid (NEtFOSA), auch als Sulfuramid bekannt. Teilweise werden Dokumente vereinfacht und führen zur Vermeidung von Identifizierungsfehlern nur die eindeutigen CAS-Nummern der Substanzen auf. Ein Vergleich der CAS-Nummern mit bekannten PFAS-Listen ist der schnellste Weg zur Überprüfung – solche Listen enthalten mehr als 14.000 Stoffe.

Strategie zur Bewertung von PFAS-Risiken entwickeln

Um auf die Herausforderungen kommender PFAS-Regulierungen vorbereitet zu sein, sollten Sie dokumentieren und überwachen, wo PFAS aktuell in Ihren Produkten eingesetzt werden, indem Sie Sorgfaltspflichtkampagnen in Ihrer Lieferkette durchführen. Es empfiehlt sich, die verschiedenen Definitionen und Substanzlisten bekannter PFAS zusammenzuführen und Lieferanten gezielt zu befragen, ob diese Stoffe bei der Herstellung von Bauteilen, die Sie in Ihren Produkten verwenden, eingesetzt werden. 

Umfasst eine Materialdeklaration sämtliche enthaltene Stoffe, ist dies der beste Weg zur Identifikation von PFAS in Ihren Produkten. Wo dies lückenhaft bleibt, können Sie gezielt Bauteile untersuchen, die Eigenschaften wie Wasser- oder Hitzebeständigkeit aufweisen müssen. 

Ein Gespräch mit einem Chemiker oder Compliance-Experten für Werkstoffe kann Ihnen helfen, ein Risikoprofil zu erstellen und informierte Entscheidungen darüber zu treffen, wo PFAS zu erwarten sind. Auch chemische Analysen sind möglich, verursachen aber zusätzliche Zeit- und Kostenaufwand. 

Die sinnvollste Strategie ist die Kombination aller genannten Ansätze im Rahmen eines PFAS-Compliance-Programms. Sie können so bei neuen Regularien frühzeitig entscheiden, Komponenten auf PFAS-freie Alternativen umzustellen oder Berichts-/Kennzeichnungspflichten zu erfüllen. Damit wahren Sie Ihren Marktzugang und reduzieren das Risiko kostenintensiver Compliance-Verstöße.