Es ist kein Geheimnis: Wir befinden uns mitten in einem weltweiten Engpass bei fortschrittlichen elektronischen Bauteilen – insbesondere Halbleitern. CEOs aus der Technologiebranche sprechen offen über dieses Thema, und politische Führungskräfte verkünden neue Maßnahmen, um eine neue Welle der Halbleiterproduktion voranzutreiben.
Arizona steht dabei im Mittelpunkt.
Die Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) hat angekündigt, eine 5-nm-Fabrik in Phoenix, Arizona zu bauen, die bis 2024 in Betrieb gehen soll. Die Ziele von TSMC in Arizona sind ehrgeizig: Das Halbleiter-Schwergewicht plant, Arizona in ein industrielles Zentrum für die Siliziumproduktion zu verwandeln.
Die Fab wird voraussichtlich bis zu 20.000 Chips pro Monat produzieren und mehr als 1.600 Arbeitsplätze am Standort schaffen. Auch im Umfeld der Fabrik werden tausende weitere Arbeitsplätze in relevanten Branchen prognostiziert. TSMC investiert rund 20 Milliarden US-Dollar in den Bau des Werks.
TSMC erwägt zudem, fünf weitere Werke in Arizona zu eröffnen. Die Entscheidungsträger von TSMC führen derzeit Gespräche über die Pläne für das nächste Werk. Gerüchten zufolge ist man sich noch nicht sicher, ob die neue Fabrik sich auf die Produktion fortschrittlicher 3-nm-Chips konzentrieren oder weiterhin 5-nm-Chips fertigen soll.
Sollte TSMC sich für 3-nm-Technologie entscheiden, steigen die Kosten erheblich: Eine Fabrik zur Fertigung dieser modernen und effizienteren Chips könnte das Unternehmen bis zu 25 Milliarden US-Dollar kosten. Darüber hinaus plant das Unternehmen, das Phoenix-Gelände weiter auszubauen und in den nächsten 10 bis 15 Jahren mit der Fertigung von Chips der nächsten Generation mit 2-nm beginnen.
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TSMC ist nicht das einzige Unternehmen mit Fokus auf Arizona
Eine Intel-Fab im Wert von 10 Milliarden US-Dollar hat in Arizona mit der Produktion von 300-mm-Wafern und 7/10-nm-Knoten begonnen. Intel‘s Fab 42 nahm 2011 den Betrieb auf. Ursprünglich sollte die Anlage 14-nm-Chips produzieren und ab 2013 in Betrieb gehen. Der Rückgang der PC-Verkäufe im Jahr 2014 führte jedoch dazu, dass Intel die Fab stilllegte und die Fertigung der 14-nm-Chips an andere Werke in Oregon verlagerte.
2017 kündigte Intel die Wiederaufnahme des Standorts in Chandler, Arizona, mit einer Investition von 7 Milliarden US-Dollar an. Es ist dann die dritte Fab von Intel in Arizona. Fab 12 wurde 1996 eröffnet und fertigt 22-nm-Chips. Die zweite Fab folgte 2007 mit der Produktion von 22-nm- und 14-nm-Chips.
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Doch für Intel ist drei nicht die magische Zahl.
Der Technologiekonzern plant zwei weitere Fab-Standorte in Arizona, womit die Gesamtzahl auf fünf steigt. Die beiden neuen Werke sollen bis 2024 fertiggestellt werden, Intel investiert rund 20 Milliarden US-Dollar in den Aufbau und Anlauf der Standorte. Ziel ist es, als bedeutender Foundry-Kapazitätsanbieter für die USA und Europa aufzutreten.
Die beiden neuen Intel-Fabs werden voraussichtlich mehr als 3.000 dauerhafte Hightech- und Hochlohn-Arbeitsplätze sowie über 3.000 Bauarbeitsplätze schaffen. Zusätzlich entstehen bis zu 15.000 lokale Arbeitsplätze im Umfeld der neuen Standorte. Der Bundesstaat Arizona und die Biden-Regierung haben angekündigt, solche Investitionen im Inland gezielt zu unterstützen.
Nicht zu vergessen: NXP
NXP eröffnete im dritten Quartal 2020 sein neuestes Werk in Arizona. Das Werk produziert 150-mm-Gallium-Nitrid und gilt als „die fortschrittlichste Fab für 5G-RF-Leistungsverstärker in den USA“.
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Mit dem Engagement in Arizona etabliert sich NXP als Knotenpunkt zur Unterstützung des Ausbaus von 5G-Basisstationen und zur Weiterentwicklung der Infrastruktur für Schlüsselindustrien. Die Fab soll bis Ende 2021 voll ausgelastet sein und strebt durch verkleinerte Abmessungen von Gehäusen, Radios, Gewicht und Kosten deutliche Einsparungen für Kunden an.
Warum Arizona?
Liegt es an der Hitze? Dem trockenen Klima? Den Kasinos?
Oder hat es doch etwas Magisches, technische Durchbrüche in der Wüste zu erzielen? Sie erinnern sich an Los Alamos und Projekt Y?
Spaß beiseite: Die Tech-Branche fokussiert Arizona aus fünf entscheidenden Gründen:
- Verfügbare Flächen
- Infrastruktur
- Fachkräfte
- Keine Naturkatastrophen
- Steuerliche Vorteile
Arizonas Aufstieg als „Silicon Desert“ ist kein neues Phänomen. Die Historie spricht für sich.
Bereits in den 1950ern wurde der Grand Canyon State mit dem Markteintritt von Motorola zum Zentrum für Halbleiter-Design und -Fertigung. Seither treiben Universitäten, Versorger und Entscheidungsträger vor Ort gezielt die Weiterentwicklung von Know-how, Talenten und Infrastruktur für die Halbleiterindustrie voran.
Zusätzlich profitieren Unternehmen wie Intel von vorteilhaften lokalen Steueranreizen, die sie am Standort halten.
Arizona zählt laut Rang 12 der am wenigsten riskanten US-Bundesstaaten hinsichtlich schwerer Naturkatastrophen. Ein geringeres Risiko für Katastrophen gibt Unternehmen wie TSMC, die Milliarden-Investitionen in neue Standorte tätigen, mehr Planungssicherheit sowie Schutz vor Ereignissen wie Wirbelstürmen oder Waldbränden.
Und vielleicht können wir alle ein wenig beruhigter schlafen, wenn diese neuen Fab-Standorte helfen, den aktuellen Engpass bei elektronischen Bauteilen zu überwinden.
Süße Träume.