5 zentrale Vorschriften, die 2024 die Rahmenbedingungen für Hersteller verändert haben

Ein Jahr bedeutender Umweltvorschriften – von PFAS-Verboten bis zu verschärften REACH-Updates – zwang Hersteller zur Anpassung. Entdecken Sie die fünf wichtigsten Veränderungen und Strategien für 2025.

5 zentrale Vorschriften, die 2024 die Rahmenbedingungen für Hersteller verändert haben

Mit dem Ende des Jahres 2024 ziehen Hersteller Bilanz über ein Jahr, das von weitreichenden Regulierungsvorgaben geprägt war – mit dem Ziel, schädliche chemische Substanzen in Produkten vieler Branchen einzuschränken. Von laufenden Änderungen bei PFAS-Vorschlägen über neue Grenzwerte für gefährliche Materialien bis hin zu überraschenden regulatorischen Updates: Weltweit haben Regulierungsbehörden den Schutz von Gesundheit und Umwelt priorisiert und gezielt schädliche Chemikalien adressiert. 

Wir blicken zurück auf die fünf einflussreichsten regulatorischen Veränderungen im Jahr 2024 – Updates, Überarbeitungen und Erweiterungen, die maßgeblich beeinflusst haben, wie Hersteller chemische Stoffe in ihren Produkten formulieren, produzieren und managen.

1. Globales Vorgehen gegen PFAS-„Ewigkeitschemikalien“

Eine der wichtigsten Entwicklungen 2024 war das verstärkte weltweite Vorgehen gegen per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS, umgangssprachlich „Ewigkeitschemikalien“). Angesichts wachsender Nachweise für die Persistenz von PFAS in der Umwelt und deren Zusammenhang mit ernsthaften Gesundheitsrisiken haben Behörden in den USA, der EU und Asien fortlaufend Vorschläge diskutiert, um den Einsatz von PFAS in Produktionsprozessen zu verbieten oder einzuschränken.

Die US-Umweltschutzbehörde (EPA) legte strenge Grenzwerte für PFAS in Wasser und Abfallströmen fest und verschob das angekündigte PFAS-Meldeevent. Gleichzeitig beschloss die EU umfassende Einschränkungen unter REACH Restricted und verpflichtete zur schrittweisen Eliminierung von PFAS in Textilien, Lebensmittelverpackungen, Elektronik und Industrieprodukten. Eine Entscheidung über ein generelles Verbot oder umfassende Restriktionen dieser „Ewigkeitschemikalien“ wurde jedoch erneut verschoben. Für Hersteller bedeutet dies Neuproduktformulierungen, die Suche nach alternativen Materialien und intensive Compliance-Prüfungen der Lieferkette, um regulatorische Änderungen proaktiv zu adressieren. 

Die Entfernung von PFAS aus der Lieferkette erweist sich jedoch als hochkomplex. Für viele PFAS sind noch keine geeigneten Alternativbauteile verfügbar. Wo solche Alternativen gefunden wurden, verursachten notwendige Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen für die Validierung der Neuprodukte erhebliche Kosten. Hinzu kommen Transparenzprobleme in der Lieferkette: Manche Lieferanten wissen weder, was ein PFAS ist, noch, ob es in den von ihnen gelieferten Produkten enthalten ist. Dies führte zu grundlegenden Neubewertungen von Supply-Chain-Partnern sowie zu Vertrags- und Partnerschaftsanpassungen. Darüber hinaus illustrieren diese Probleme den generellen Missstand branchenfremder und unrealistischer Zeitpläne seitens der Regulierungsbehörden, etwa beim kurzfristigen Start der PFAS-Meldeperiode in Kanada.

2. Wichtige Updates für REACH-Regulierung

Die EU-Chemikalienverordnung REACH (Registration, Evaluation, Authorisation, and Restriction of Chemicals) wurde 2024 umfassend überarbeitet: Die Liste der beschränkten Stoffe wurde erweitert und strengere Konformitätsanforderungen an Hersteller gestellt. Während Hersteller bisher an zwei jährliche Updates gewöhnt waren, veröffentlichte die ECHA mit einer seltenen, dritten Aktualisierung neue SVHC (Substances of Very High Concern)-Einträge.

Dieses überraschende Update verkürzte zudem die Umsetzungsfristen, sodass Hersteller rasch Produkte umformulieren und sicherere Alternativen identifizieren mussten. Die ungeplante Aktualisierung unterstreicht, dass in Zukunft mit häufigeren Änderungen zu rechnen ist und eine kontinuierliche Information über den aktuellen Regulierungsstand zur Anpassung der Compliance-Strategien essenziell wird.

3. EU-Batterieverordnung: Fokus auf nachhaltige und sichere Batterien

Mit Inkrafttreten der EU-Batterieverordnung 2023 wurde ein entscheidender Schritt zur Minimierung der Umweltbelastung durch Batterien und zur Einschränkung gefährlicher Stoffe in der Produktion eingeleitet. Die Verordnung setzte strikte Grenzwerte für Schwermetalle wie Cadmium, Blei und Quecksilber bei der Batterieherstellung und definierte Anforderungen an Materialrückgewinnung, Recycling und Transparenz.

Für Hersteller von Batterien im EU-Markt gelten seit 2024 verbindliche Fristen zur Offenlegung chemischer Inhaltsstoffe, Lebenszyklusemissionen und Recyclingquoten. Die Verordnung förderte den Einsatz von saubereren, sichereren Materialien, um Umweltauswirkungen zu reduzieren und den Arbeitsschutz in der Produktion zu verbessern. Batterielieferanten sind gefordert, Innovationen voranzutreiben und Prinzipien der Kreislaufwirtschaft umzusetzen: Nachhaltige Beschaffung, längere Lebenszyklen und Produktlebensende-Management (End-of-Life) rücken in den Fokus.

Für Branchen wie Automobilindustrie, Elektronik oder Energiespeicherung, die auf Batterien angewiesen sind, wurde die Einhaltung der EU-Batterieverordnung 2024 zur obersten Priorität. Unternehmen mit schneller Anpassungsfähigkeit sicherten sich einen Wettbewerbsvorteil auf dem wachsenden Markt für nachhaltige Energiesysteme.

4. TSCA Section 6(h): Beschränkungen für PBT-Chemikalien

Die US-amerikanische TSCA (Toxic Substances Control Act) Section 6(h)-Beschränkungen für persistente, bioakkumulierbare und toxische Chemikalien (PBT) standen 2024 besonders im Fokus, da die finale Umsetzungsfrist näher rückte und die Durchsetzung branchenübergreifend ausgeweitet wurde. Zu den betroffenen PBT-Chemikalien zählen unter anderem Decabromdiphenylether (decaBDE) und Phenol Isopropylated Phosphate (PIP 3:1), die wegen Toxizität, Umweltpersistenz und Bioakkumulation erhebliche Risiken für Gesundheit und Umwelt darstellen.

Die Vorschriften verpflichteten Hersteller, diese Chemikalien in Produkten, Bauteilen und Lieferketten entweder vollständig zu eliminieren oder auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Besonders stark betroffen waren die Sektoren Elektronik, Automobil und Konsumgüter, in denen PBT-Chemikalien traditionell zur Flammschutzmittelung, für Flexibilität und Leistungsoptimierung eingesetzt wurden. Für Hersteller entstanden Herausforderungen bei der Identifikation von Alternativbauteilen, Neuproduktformulierungen und der Sicherstellung von Transparenz in den Lieferketten hinsichtlich einer wenig bekannten Regulierung. Zusätzliche Verwirrung entstand durch einen Vorschlag zur Änderung der TSCA Section 6(h)-Regel, der Geltungsbereich und Umsetzungsfristen beeinflusst hätte; dieser Vorschlag wurde jedoch erst nach der Deadline am 31. Oktober finalisiert, was viele Unternehmen angesichts fehlender Struktur, Guidance und Expertenwissen frustrierte.

5. Globale Regelungen zu CO2-Emissionen: Strengere Grenzwerte und Berichtspflichten

2024 verschärften Regierungen weltweit die Vorgaben für CO2- und Treibhausgasemissionen (Greenhouse Gases, GHG), was den Druck auf Hersteller erhöhte, die eigene Emissionsbilanz deutlich zu reduzieren. Die EU erweiterte den Geltungsbereich des Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM), bezog zusätzliche Sektoren in das CO2-Bepreisungssystem ein und verlangte eine detaillierte Berichterstattung zu den in importierten Produkten enthaltenen Emissionen. Die USA verschärften parallel ihre GHG-Reduktionsziele im Rahmen der Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen.

Hersteller mussten daraufhin sauberere Produktionstechnologien einführen, energieeffiziente Prozesse umsetzen und auf erneuerbare Energien umstellen. Regulatorische Rahmenbedingungen verlangten zudem Transparenz in den Lieferketten mit Offenlegung der Emissionen gemäß Scope 1, Scope 2 und vielerorts auch Scope 3. 

Insbesondere für Branchen mit hohen Emissionen – Chemie, Zement, Automobil – war die Beschleunigung der Dekarbonisierung unvermeidbar. Unternehmen, die frühzeitig in kohlenstoffarme Technologien und nachhaltige Fertigung investierten, konnten nicht nur Vorgaben einhalten, sondern etablierten sich als Vorreiter beim Übergang in eine Netto-Null-Ökonomie.

Ausblick auf 2025

Die regulatorische Entwicklung im Jahr 2024 zeigte deutlich den globalen Trend zur weiteren Einschränkung gefährlicher Chemikalien in der Industrie. Regierungen und Behörden stellten Gesundheit, Umweltschutz und Produktsicherheit in den Mittelpunkt und forderten Innovation und die Nutzung konformer, sichererer Alternativbauteile.

Mit Blick auf 2025 empfiehlt sich für Unternehmen eine Reihe von Strategien, um neue Umweltvorgaben zu meistern: Wachsende Transparenz und Zusammenarbeit in der Lieferkette sind zentral, damit Risiken frühzeitig erkannt und Compliance bei Stoffbeschränkungen eingehalten werden kann. Investitionen in grüne Chemie und sichere Alternativen sichern nicht nur die Konformität, sondern auch die Produktperformance und Innovationsfähigkeit. Digitale Tools für das Compliance-Management – von Chemikalienmanagement bis Emissionsreporting – helfen, Prozesse effizienter zu gestalten und Fehler zu vermeiden. Vollständige Lebenszyklusanalysen (Life Cycle Assessments, LCAs) zeigen Reduktionspotenziale in jeder Phase der Produktion. Schließlich stellt gezielte und kontinuierliche Mitarbeiterschulung sicher, dass sämtliche Teams informiert und proaktiv auf neue regulatorische Anforderungen reagieren.

Durch Umsetzung dieser Strategien meistern Hersteller nicht nur regulatorische Herausforderungen, sondern fördern Innovation, steigern das Vertrauen in die Marke und gewinnen Wettbewerbsvorteile in einem zunehmend nachhaltigkeitsorientierten Marktumfeld.