Artikel-Highlights:
- Dual Sourcing ist eine Lieferkettenstrategie, bei der ein Unternehmen das gleiche Bauteil, Material oder Produkt von mindestens zwei qualifizierten Lieferanten bezieht, anstatt sich auf eine einzige Quelle zu verlassen. Im Bereich Halbleiter und elektronische Bauteile bedeutet Dual Sourcing in der Regel die Qualifizierung mehrerer Hersteller oder Distributoren, die in der Lage sind, vergleichbare Speicherchips zu liefern, die für denselben Zweck in Produktformulierungen und Stücklisten (BOMs, Bill of Materials) verwendet werden können.
- Für Unternehmen, die sich im aktuellen Speicherchip-Lieferengpass bewegen, ist Dual Sourcing eine klare Strategie, um Druck und Verwundbarkeit zu reduzieren. Wenn ein Lieferant bestimmte Kunden kontingentiert, sich die Lieferzeiten verlängern oder Preise für bestimmte Produkte plötzlich steigen, können Unternehmen mit Dual Sourcing von einer unschätzbaren Flexibilität profitieren.
- Unternehmen, die in ihrer gesamten Lieferkette auf Dual Sourcing setzen, stärken ihre Resilienz, fördern eine höhere Agilität bei Störungen und schaffen die Basis für die langfristige Produktionskontinuität.
Die globale Halbleiter-Lieferkette durchlebt derzeit einen weiteren Chip-Lieferengpass. Bis 2026 sehen sich Hersteller aus Branchen wie Technologie, Automobil sowie Luft- und Raumfahrt mit steigenden Preisen für DRAM und NAND, längeren Lieferzeiten und einer allgemeinen Unsicherheit bezüglich der Verfügbarkeit von Speicherchip-Produkten konfrontiert.
Mittlerweile ist ein Haupttreiber klar identifiziert: KI-Unternehmen, Rechenzentren und weitere Infrastrukturen für künstliche Intelligenz sichern sich gezielt Halbleiter, treiben die Preise nach oben und zwingen Speicherhersteller zu schwierigen Entscheidungen hinsichtlich der Produktionsvolumina und -typen. Zusätzlich schränkt die starke Nachfrage nach High Bandwidth Memory (HBM) von KI-Firmen, Hyperscalern und Cloud-Anbietern die für herkömmliche Speicherprodukte verfügbare Produktionskapazität ein. Hersteller können so das Angebot kaum noch an die explodierende Nachfrage nach DRAM- und NAND-Speichern anpassen.
Hersteller stehen vor schwierigen Fragen
Die drei führenden Speicherchiphersteller—Samsung, SK hynix und Micron—haben alle signalisiert, dass die Engpässe durch die KI-Nachfrage mindestens bis weit ins Jahr 2027 anhalten könnten. Diese andauernden Beschränkungen stellen Unternehmen außerhalb des KI-Sektors vor erhebliche Beschaffungsprobleme. Automobilhersteller, Konsumelektronikmarken und Unternehmen für Medizintechnik stehen erneut vor den Fragen, die sie längst überwunden glaubten: Werden kritische Speicherbauteile in drei, sechs oder zwölf Monaten noch verfügbar sein? Wie viel Lagerbestand sollten wir vorab sichern? Was geschieht, wenn ein Hauptlieferant plötzlich Kunden kontingentiert?
Für viele Organisationen offenbart der aktuelle Speicherchip-Lieferengpass erneut die Anfälligkeit des globalen Halbleiter-Ökosystems. Gleichzeitig zeigt diese Herausforderung der Lieferkette die Bedeutung klarer, wirksamer Strategien zur Beschaffungsabsicherung. Eine der wichtigsten und nachhaltigsten Maßnahmen ist Dual Sourcing. Unternehmen, die Dual Sourcing effektiv einsetzen, navigieren den Speicherchip-Lieferengpass mit mehr Flexibilität und Resilienz und minimieren das Risiko von Störungen, Ausfallzeiten und Produktionsstopps.
Einfach ausgedrückt: Mitten in einem aktiven Speicherchip-Lieferengpass kann ein qualifizierter Zweitlieferant darüber entscheiden, ob eine Produktion stabil weiterlief oder das Unternehmen mit kostenintensiven Verzögerungen konfrontiert wird.
Einfach ausgedrückt: Mitten in einem aktiven Speicherchip-Lieferengpass kann ein qualifizierter Zweitlieferant darüber entscheiden, ob eine Produktion stabil weiterlief oder das Unternehmen mit kostenintensiven Verzögerungen konfrontiert wird.
Was ist Dual Sourcing?
Dual Sourcing ist eine Lieferkettenstrategie, bei der ein Unternehmen das gleiche Bauteil, Material oder Produkt von mindestens zwei qualifizierten Lieferanten bezieht, anstatt sich auf eine einzige Quelle zu verlassen. Im Bereich Halbleiter und elektronische Bauteile bedeutet Dual Sourcing typischerweise, mehrere Hersteller oder Distributoren zu qualifizieren, die vergleichbare Speicherchips liefern können, welche in Produktformulierungen und Stücklisten (BOMs) dieselbe Funktion erfüllen.
Diese Strategie verringert die Abhängigkeit von einer einzigen Bezugsquelle und schafft größere Flexibilität und Auswahlmöglichkeiten, wenn es zu Lieferkettenstörungen kommt. Wie TechTarget erklärt: „Materialengpässe, Rückrufaktionen, wetterbedingte Ernteausfälle, Naturkatastrophen und politische Unruhen sind nur einige der potenziellen Lieferkettenrisiken, die Unternehmen zur Einführung von Dual Sourcing bewegen.“ Speziell im Halbleiterbereich bedeutet dies: Bei gravierenden Lieferengpässen drohen Unternehmen Verzögerungen, Kontingentierungen und Preisspitzen. Dual Sourcing reduziert diese Risiken, indem es das Angebot diversifiziert, die Verfügbarkeit gleichmäßiger gestaltet und die Lieferkette resistenter gegen ungeplante Unterbrechungen macht.
Warum Lieferketten erneut unter Chip-Engpässen leiden
Obwohl sich der Halbleitermarkt robuster zeigt als während der pandemiebedingten Knappheiten 2021 und 2022, gerät der Speichersektor jetzt durch eine Vielzahl von Marktfaktoren massiv unter Druck.
Der stärkste Treiber dieses neuen Superzyklus ist KI. Server für künstliche Intelligenz benötigen enorme Mengen an HBM, das zu einem der heißesten Sektoren der Halbleiterbranche avanciert ist. Um die starke Nachfrage nach innovativem Speicher zu bedienen und die daraus resultierenden Umsatzchancen zu nutzen, verlagern Speicherhersteller ihre Produktion zunehmend auf margenstarke Produkte wie HBM. Das Problem: Die Produktionskapazitäten sind begrenzt – und die Nachfrage nach klassischen Speicherchips ist keineswegs gesunken.
Da Lieferanten die HBM-Produktion weiter fokussieren, werden andere Speicherprodukte wie DRAM und NAND am gesamten Markt knapper. Es entsteht eine Angebots-Nachfrage-Schere, in der OEMs und viele weitere Unternehmen um begrenzte Speicherprodukte konkurrieren. Die limitierte Verfügbarkeit zieht nachgelagerte Effekte nach sich, darunter auch die Priorisierung sogenannter „strategischer Partner“ – Großabnehmer mit Langzeitverträgen.
Wie Dual Sourcing das Halbleiterrisiko mindert
Für Unternehmen, die sich im aktuellen Speicherchip-Engpass befinden, ist Dual Sourcing eine klare und praktikable Strategie, um Druck und Verwundbarkeit zu reduzieren.
Wenn ein Lieferant bestimmte Kunden in die Kontingentierung verschiebt, sich Lieferzeiten verlängern oder die Preise für spezifische Produkte plötzlich steigen, können Unternehmen mit Dual Sourcing von wertvoller Flexibilität profitieren. Ein zweiter Bezugsweg garantiert zwar nicht zwingend günstigere Preise oder kürzere Lieferzeiten, verschafft dem OEM aber die Möglichkeit, Preise, Verfügbarkeit und weitere Faktoren transparent zu vergleichen, bevor eine finale Beschaffungsentscheidung fällt.
Verbesserte Kontinuität der Lieferkette
Der unmittelbarste Vorteil von Dual Sourcing ist die Stärkung der Produktionskontinuität. Kommt es bei einem bestimmten Lieferanten zu Produktionsproblemen, logistischen Verzögerungen oder geopolitischen Störungen, können Unternehmen zumindest einen Teil des Bedarfs auf einen anderen qualifizierten Lieferanten umschichten. Im Kontext des Speicherchip-Lieferengpasses kann Dual Sourcing helfen, Produktionsstopps zu vermeiden, die ohne Zweitlieferanten unvermeidbar wären.
Viele Unternehmen erkannten während der pandemiebedingten Engpässe, wie kritisch Dual Sourcing für eine stabile Lieferkette ist. In den Jahren 2021 und 2022 standen Unternehmen mit Single Sourcing oft vollkommen ohne Lieferanten für essenzielle Chips da. Beschaffungsteams mussten in dieser Krise improvisieren und in Echtzeit nach alternativen Herstellern und Lagerbeständen suchen.
In den Jahren 2021 und 2022 standen Unternehmen mit Single Sourcing oft vollkommen ohne Lieferanten für essenzielle Chips da.
Schnellere Reaktionszeit während der Kontingentierung
Eine der größten Herausforderungen während eines Halbleiter-Engpasses ist das Timing. Wird die Versorgung mit Schlüsselbauteilen knapp, versuchen Unternehmen oft im Eiltempo alternative Lieferanten zu qualifizieren – ein Prozess, der schnell zum Engpass wird. Engineering-Reviews, Validierungstests, Firmware-Prüfungen und Produktfreigaben können Wochen dauern – Zeit, die Unternehmen im Ernstfall nicht haben, wenn sie dringend alternative Bezugsquellen benötigen, um ihre Produktion fortzusetzen.
Unternehmen mit vorhandener Dual Sourcing-Strategie können hingegen deutlich schneller auf Kontingentierungen reagieren. Sie greifen zügig auf bereits evaluierte und freigegebene Zweitlieferanten zurück.
Geringere Abhängigkeit von Lieferantenpriorisierung
In angespannten Märkten konzentrieren Lieferanten mit hoher Nachfrage und geringem Angebot ihre Kapazitäten häufig auf die größten und profitabelsten Kunden. OEMs ohne alternative Beschaffungswege haben dann wenig Einfluss und kaum Handlungsoptionen, wenn sie plötzlich nicht mehr priorisiert werden.
Dual Sourcing ist auch hier eine effektive Risikomanagement-Maßnahme. Sie versetzt Unternehmen in die Lage, schnell zu reagieren, wenn ein Lieferant einen anderen Kunden mit höherem Volumen bevorzugt.
Stärkere Resilienz auf lange Sicht
In der Vergangenheit setzten viele Hersteller auf schlanke, Just-in-Time-Bestände und maximale Kostenoptimierung. Die Vielzahl an Lieferkettenstörungen seit 2020 hat die Schwächen dieser Strategie offengelegt. Unternehmen legen heute mehr Wert auf Resilienz, Agilität und Kontinuitätsplanung.
Dual Sourcing ist eine der wirkungsvollsten Methoden, diese modernen Ansätze zur Beschaffung umzusetzen. Unternehmen, die durchgehend auf Dual Sourcing setzen, stärken ihre Resilienz, handeln in Krisen agiler und schaffen eine stabile Grundlage für den langfristigen Produktionsbetrieb.
Mit der SCRM-Plattform Z2Data Dual Sourcing in die Beschaffung integrieren
Wie die letzten fünf Jahre eindrucksvoll zeigten, sind weltweite Halbleiterengpässe längst keine Jahrhundertereignisse mehr. Die enorme globale Nachfrage nach Chips kann das Angebot in verschiedenen Szenarien – etwa Naturkatastrophen, geopolitische Risiken oder das Entstehen neuer Kundensegmente wie KI – schnell übersteigen.
Unternehmen, die aktuelle und künftige Engpässe proaktiv meistern möchten, profitieren enorm von dem elektronischen Lieferketten-Tool Z2Data. Z2Data bietet eine der größten, umfassendsten Datenbanken für elektronische Bauteile weltweit – mit über einer Milliarde Komponenten und mehr als 1.000 Warengruppen. Die Z2Data-Datenbank bietet umfassende Bauteilprofile inklusive:
- Parametrischer Eigenschaften
- Fertigungsinformationen
- Qualifikationen
- Compliance-Status zu wichtigen Vorschriften
- Lebenszyklusstatus
- Lebenszyklusprognosen basierend auf dem proprietären Algorithmus von Z2Data
- Verfügbare Crosses
Als wichtiges Tool für Unternehmen, die Dual Sourcing implementieren wollen, verfügt die elektronische Lieferkettenlösung von Z2Data über umfassende Crosses-Funktionen. Für jede Komponente in der Z2Data-Datenbank gibt es einen Crosses-Tab, der eine umfassende Liste verfügbarer Alternativbauteile anzeigt. Diese Alternativen werden anhand von Form-, Fit- und Funktionskriterien in drei Stufen – A, B und C – kategorisiert. Nutzer können darüber hinaus auf jede Alternative klicken und erhalten einen intuitiven, direkten Vergleich, der alle geringfügigen, mittleren und wesentlichen Unterschiede übersichtlich hervorhebt. So stehen Unternehmen alle Informationen zur Verfügung, um fundierte Dual Sourcing-Entscheidungen zu treffen.
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