Warum China weiterhin Ihr größtes langfristiges Lieferkettenrisiko ist

Obwohl China Unternehmen, die aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt beschaffen, weiterhin attraktive Vorteile bietet, entwickeln sich die Risiken des Landes auf einige besorgniserregende Weise weiter.

Warum China weiterhin Ihr größtes langfristiges Lieferkettenrisiko ist

Artikel-Highlights:

  • Der Umfang von Chinas Fertigungsinfrastruktur treibt viele der Vorteile voran und schafft ein enormes Ökosystem, von dem einzelne Lieferanten profitieren.
  • Im Verlauf von zwei Jahrzehnten als „Werkbank der Welt“ hat sich China zu einer einzigartigen Landschaft für hochentwickelte Lieferkettencluster in verschiedenen Branchen entwickelt. Ob Elektronikfertigungs-Cluster in Shenzhen, Dongguan, Shanghai, Suzhou und Wuxi oder Textilcluster in Guangdong und Fujian – chinesische Lieferanten nutzen die geographische Nähe, um hocheffiziente Produktionsprozesse über mehrere Fertigungsstufen hinweg aufzubauen.
  • Trotz dieser klaren Fertigungsvorteile werden Unternehmen zunehmend vorsichtiger beim Bezug aus China. Denn das Land weist mittlerweile, so schwer es auch vorstellbar erscheint, wohl ebenso viele Lieferkettennachteile auf.

Nach dem Besuch des US-Präsidenten Donald Trump in China im Mai 2026 wurden zahlreiche potenzielle Änderungen im Handelsverhältnis zwischen den USA und China angekündigt. Die Details dieser neuen diplomatischen Entwicklungen sind noch nicht vollständig kommuniziert oder formalisiert, sie betreffen aber scheinbar alles von Zugang zu Seltenen Erden über Exportkontrollen für KI bis hin zur Deeskalation von Zöllen.

Aber keine der Entwicklungen im Zusammenhang mit Präsident Trumps jüngstem diplomatischem Besuch in China hat den Status des Landes als bedeutende Bedrohung für globale Lieferketten substanziell verändert. Und da die geopolitischen Risiken, die von China ausgehen, sich inzwischen über die USA hinaus ausweiten und Fertigungszentren in Europa und Südostasien beeinflussen, lohnt sich eine Bestandsaufnahme des Status quo. Trotz der zahlreichen Lieferkettenrisiken bleibt China ein wichtiger Fertigungshub für Unternehmen weltweit. Werfen wir einen Blick darauf, wie sich Chinas Risikoprofil in den letzten Jahren entwickelt hat.

China behält auch 2026 den Fertigungsvorsprung

China ist – je nach Messmethode – die größte oder zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Unstrittig ist dabei die Rolle Chinas als globales Fertigungspowerhouse. Neben den bekannten Kostenvorteilen, dem sogenannten „China-Preis“, dem ausländische Lieferanten kaum etwas entgegensetzen können, sind chinesische Hersteller für ihr hohes Tempo und gleichbleibende Ausbringung bekannt. Die gewaltige Fertigungsinfrastruktur Chinas befeuert viele seiner Vorteile und schuf ein Ökosystem, von dem alle Lieferanten profitieren. Nachfolgend stellen wir einige der wichtigsten Vorzüge vor, die China weiterhin als Fertigungsdrehscheibe für OEMs (Original Equipment Manufacturer) weltweit liefert.

Fertigungsgeschwindigkeit

Sowohl durch die Größe des eigenen Inlandsmarkts als auch durch jahrzehntelanges Wachstum zur Unterstützung der Weltwirtschaft haben sich chinesische Hersteller in der Optimierung von Produktionslinien hervorgetan. Viele Unternehmen profitieren von schnelleren Feedbackschleifen, rascheren Produktiteration und effizienteren Produkteinführungszyklen, die durch Lieferanten in China ermöglicht werden.

Auch die in den vergangenen Jahren erreichten Skaleneffekte tragen zur Geschwindigkeit der Fertigung bei, wie im Folgenden noch detaillierter beschrieben wird. Ein Beispiel für das unglaubliche Tempo ist die Elektrofahrzeug- (EV) Industrie: Unternehmen wie Xiaomi fertigen ein EV in nur 76 Sekunden – eine Effizienz, die weltweit ihresgleichen sucht.

Doch chinesische Hersteller sind auch bei komplexen Projekten schneller, die Design, Entwicklung und Erfindergeist verlangen: Autobauer in China bringen neue Modelle teils binnen 18 Monaten auf den Markt – verglichen mit Entwicklungszyklen von drei bis fünf Jahren bei etablierten Herstellern anderer Länder.

Lieferkettencluster

China hat sich im Lauf von zwei Jahrzehnten als „Werkbank der Welt“ zum Standort hochentwickelter Lieferkettencluster in verschiedenen Branchen gewandelt. Ob Elektronikfertigung in Shenzhen, Dongguan, Shanghai, Suzhou und Wuxi oder Textilproduktion in Guangdong und Fujian – chinesische Lieferanten profitieren von räumlicher Nähe, um hocheffiziente Prozesse über mehrere Fertigungsstufen hinweg zu ermöglichen.

Ist eine Lieferkette weltweit verteilt, warten Lieferanten oft Wochen auf Materialien von Sub-Tier-Herstellern und Rohstoffgewinnungsfirmen. In Chinas Clustern hingegen können Unternehmen Materialien von benachbarten Sub-Tier-Lieferanten integrieren und fertige Produkte innerhalb weniger Tage herstellen. Auch das Prototyping geht dank dieser Cluster deutlich schneller, sodass neue Entwürfe rascher umgesetzt werden.

Diese Fertigungscluster sparen Kunden ganze Tage oder sogar Wochen Produktionszeit ein, reduzieren Lieferzeiten und beschleunigen die Zustellung an Lager und Handel.

Diese Fertigungscluster sparen Kunden ganze Tage oder sogar Wochen Produktionszeit ein, reduzieren Lieferzeiten und beschleunigen die Zustellung an Lager und Handel.

Skaleneffekte

Chinesische Lieferanten profitieren auch von Skaleneffekten gegenüber ihren globalen Wettbewerbern. Da bereits für den riesigen Binnenmarkt große Mengen produziert werden, verfügen viele Unternehmen über die Infrastruktur und das Know-how, hohe Stückzahlen effizient und qualitätsgesichert zu fertigen – und das zu niedrigeren Kosten.

Zum Beispiel exportierten chinesische Unternehmen im ersten Quartal 2025 rund 71 Millionen Smartphones, während US-Unternehmen im gesamten Jahr auf nur 120 Millionen kamen. Chinas Hersteller, Cluster und Produktionsökosysteme fertigen Mengen, wie sie kaum ein anderes Land in vergleichbarer Zuverlässigkeit erreicht.

Ein weiteres Beispiel für das Fertigungsvolumen findet sich in der Bierbranche: Die chinesischen Marken Snow Beer und Tsingtao Beer stehen weltweit nach Stückzahl an der Spitze – obwohl sie fast ausschließlich für den heimischen Markt produziert werden. Ob Auto, Smartphone oder Bierfass: Chinas Skaleneffekte verschaffen OEMs Geschwindigkeit, Effizienz und Kostenvorteile, die anderswo schwer zu finden sind.

Doch die Risiken bei der Beschaffung aus China wachsen

Trotz dieser klaren Fertigungsvorteile werden Unternehmen zunehmend vorsichtiger beim Bezug aus China. Denn das Land weist mittlerweile, so schwer es vorstellbar erscheint, wohl ebenso viele Nachteile für die Lieferkette auf. Das Risikoprofil Chinas hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren stark gewandelt. Sprach- und Kulturbarrieren sind weitgehend überwunden. Themen wie ausländische Investitionen, schlechte Logistik oder hohe Einfuhrzölle nach China wurden ebenfalls in großen Teilen gelöst oder deutlich verbessert.

Während diese traditionellen Risiken heute seltener zu Störungen führen, sind neue Bedrohungen aufgetaucht – teils noch komplexer und gefährlicher als die bisherigen. Das rechtfertigt große Vorsicht bei jeder Überlegung, chinesische Lieferanten und Standorte in die eigene Lieferkette einzubinden.

Unvorhersehbare Geopolitik

Auch wenn sie nicht für alle Länder gleichermaßen gelten, kann die schnelllebige, oft unvorhersehbare geopolitische Lage Chinas bedeuten, dass sich die Realitäten bei der Beschaffung quasi über Nacht ändern. Die geopolitischen Risiken Chinas äußern sich heute in hohen Zöllen, Exportkontrollen, Lieferkettenunterbrechungen und Reputationsrisiken.

Weit über das oft zitierte Verhältnis zwischen China und den USA hinaus bestehen auch zahlreiche Spannungen mit kleineren Ländern – die ihrerseits zu Lieferkettenstörungen führen können. Ein Beispiel: Der anhaltende territoriale Konflikt Chinas mit den Philippinen könnte, falls er eskaliert, den Handel zwischen beiden Ländern beeinträchtigen. Angesichts der engen Lieferkettenverflechtungen hätte dies Auswirkungen auf weltweite Produktionsnetzwerke – mit Folgewirkungen für Unternehmen, die von beiden Ländern Lieferungen beziehen.

Diese geopolitischen Risiken lassen sich durch bewährte Multisourcing-Strategien sowie klar definierte Verträge zur Verantwortungsregelung im Krisenfall abfedern. Letztlich muss jedoch jedes Unternehmen selbst einschätzen, wie hoch das durch chinesische Lieferanten eingebrachte geopolitische Risiko für die eigene Lieferkette ist – unabhängig von Branche und beschafften Waren.

Rohstoffrisiken

Seit den letzten Phasen der COVID-19-Pandemie hat China seinen Umgang mit kritischen Mineralien und Seltenerdmetallen (Rare Earth Elements, REE) grundlegend geändert.

Exportkontrollen, zunächst für Antimon, Gallium und Germanium eingeführt, wurden mittlerweile auf nahezu alle Seltenerdmetalle und verbundene Produkte ausgeweitet. Zwar wurden besonders drastische Beschränkungen infolge eines Handelsabkommens mit den USA ausgesetzt – die Gefahr für zahlreiche Lieferketten bleibt jedoch. Seit 2024 berichten immer mehr Unternehmen von Störungen durch chinesische Exportrestriktionen.

Anders als bei der Fertigung gibt es bisher kaum Alternativen für Firmen, die kritische Mineralien und Seltenerdmetalle aus China beziehen: Das Land kontrolliert bis zu 99 % der Förderung und/oder Weiterverarbeitung bestimmter Rohstoffe. Zur Risikoreduzierung prüfen einige Unternehmen, wie neue Alternativprodukte entwickelt werden können, die ohne diese Materialien auskommen. Das ist jedoch ein langer, aufwändiger Prozess, der ausgiebige Tests und Umgestaltungen erfordert. Bis auf Weiteres sind unzählige Unternehmen gezwungen, die Abhängigkeit ihrer Lieferketten von China beim Rohstoffbezug hinzunehmen und damit die erhöhte Verwundbarkeit im Fall geopolitisch motivierter Exportkontrollen zu akzeptieren.

Zur Risikoreduzierung prüfen einige Unternehmen, wie neue Alternativprodukte entwickelt werden können, die ohne diese Rohstoffe auskommen. Das ist jedoch ein langer, aufwändiger Weg, der umfangreiche Tests und Neuentwicklungen erfordert.

Kostenanstieg

China war lange als günstiger Fertigungsstandort bekannt – doch die Herstellungskosten sind in den letzten zwanzig Jahren kontinuierlich gestiegen. Deshalb haben viele Unternehmen aus Branchen wie Bekleidung, Schuhen, Spielzeug und Möbel ihre Produktion in günstigere Länder verlagert.

Auch müssen chinesische Hersteller die gestiegenen Rohstoffpreise zwangsweise an internationale Kunden weitergeben. Gleichzeitig haben sich die Lohnkosten innerhalb von 25 Jahren verdreifacht. Für zahlreiche margenschwache, arbeitsintensive Branchen liegen die Fertigungskosten in Nachbarländern inzwischen manchmal bei der Hälfte des chinesischen Niveaus. Diese Kostenschere bleibt ein zentraler Wettbewerbsfaktor – und motiviert auch chinesische Unternehmen dazu, eigene Produktionsstandorte im Ausland aufzubauen.

Unterm Strich ist China als Produktionsland längst nicht mehr so günstig wie in den Zeiten aufstrebender Globalisierung der 1990er und frühen 2000er Jahre.

Mit dem SCRM-Tool von Z2Data: Alle chinesischen Lieferanten im Detail analysieren

Für Unternehmen, die Risiken bei der Fertigung oder Materialbeschaffung in China bewerten wollen, ist die Überwachung des gesamten Lieferanten-Risikoprofils entscheidend. Die Supply Chain Risk Management (Lieferkettenrisikomanagement, SCRM) Plattform von Z2Data liefert ein Tool mit praxisnahen Erkenntnissen für Hersteller im gesamten Produktionsnetzwerk. Ob zur Identifikation potenziell risikobehafteter Sub-Tier-Lieferanten tief in der Lieferkette, Überwachung von Lieferanten hinsichtlich finanzieller Auffälligkeiten oder Benachrichtigungen bei Echtzeitereignissen, die wichtige Fertigungsstandorte betreffen: Z2Data bietet eine 360-Grad-Sicht auf sämtliche Bedrohungen für Ihre Lieferkette.

Das Lieferantenrisiko-Tool von Z2Data enthält einen geopolitischen Risiko-Score, der bewertet, wie exponiert ein Unternehmen gegenüber chinesischen Fertigungsstandorten und Lieferanten ist. Dieser Datenpunkt lässt sich mit weiteren Z2Data-Intelligenzmodulen und Ihren eigenen Lieferantendaten – etwa zu Termintreue, Qualität oder anderen Kennzahlen – zu einem individuellen Risiko-Score verknüpfen. Das Management von Lieferanten ist aufwändig und lässt wenig Raum für strategische Risikoanalysen. Mit den aus Datenbanken und Fachwissen abgeleiteten Analysen von Z2Data können Unternehmen sich auf die größten Risiken konzentrieren – in dem Wissen, dass Z2Data sie bei kritischen Vorfällen zuverlässig informiert.

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