Dieser Artikel ist Teil eins einer zweiteiligen Serie, die Chinas Exportkontrollen für Mineralien und deren potenzielle zukünftige Auswirkungen auf die Lieferkette untersucht.
Artikel-Highlights:
- Die chinesischen Exportkontrollen sind eine Gegenmaßnahme auf das strenge US-Exportkontrollregime, das Chinas Zugang zu den fortschrittlichsten Chips, Halbleiterfertigungsanlagen und Software sowie anderen „Dual-Use“-Gütern eingeschränkt hat.
- Die Exportbeschränkungen für Mineralien und zugehörige Verarbeitungsausrüstung zeigen, dass China ein zunehmend kompetentes Exportkontrollprogramm entwickelt, das darauf abzielt, nicht nur den Fluss der von China produzierten Mineralien in die USA einzuschränken, sondern auch seinem wichtigsten geopolitischen Rivalen den Zugang zu Ausrüstung zu verwehren, die für den Aufbau einer alternativen Lieferkette erforderlich ist.
- Es ist für andere Länder äußerst herausfordernd, Chinas Produktion von Mineralien zu ersetzen, da die Anlagen, Branchen-Standards und kommerzielle Skalierbarkeit der Verarbeitung in anderen Ländern nicht das Niveau erreichen, das derzeit in China besteht.
Ein Blick auf Chinas jüngste Maßnahmen gegen kritische Mineralien
In den vergangenen sechs Monaten hat China zahlreiche Runden von Handelsbeschränkungen für den Export mehrerer Mineralien angekündigt, die in der Elektronikindustrie weit verbreitet sind. Alle diese Mineralien sind von der United States Geological Survey (USGS) als „kritisch“ eingestuft. Insbesondere zwei Ankündigungen Ende 2024 und Anfang 2025 haben zahlreiche Industriezweige beunruhigt, sodass Unternehmen nun ihre Lieferketten analysieren und bewerten – und die Rolle dieser eingeschränkten Mineralien darin verstehen wollen.
Am 3. Dezember 2024 hat das chinesische Handelsministerium (MOFCOM) Exportbeschränkungen für sogenannte „Dual-Use“-Güter in die Vereinigten Staaten verkündet. Diese Kontrollen betrafen insbesondere Gallium, Germanium, Antimon und weitere „Superhart“-Materialien. Obwohl für „Superhart“-Materialien keine weiteren Definitionen bekanntgegeben wurden, wurden für die genannten drei Mineralien Endverbleibskontrollen eingeführt, um deren tatsächliche Endnutzung, insbesondere in den USA, zu prüfen.
Zwei Monate später, am 4. Februar 2025, hat China eine weniger beachtete Ankündigung veröffentlicht, wonach für fünf weitere Mineralien und abgeleitete Produkte (Wolfram, Tellur, Bismut, Indium und Molybdän) künftig Exportlizenzen vorgeschrieben sind. Diese Regelung betrifft zwar nicht direkt Exporte in die USA, doch könnten zusätzliche Beschränkungen für diese Mineralien Anlass zur Sorge geben.
Das Hauptziel der neuen chinesischen Beschränkungen besteht offensichtlich darin, Materialien mit potenziellem militärischen Endverwendung zu kontrollieren. Die Exportkontrollen sind jedoch auch eine direkte Antwort auf das strikte US-Exportkontrollregime, das Chinas Zugang zu den fortschrittlichsten Chips, Ausrüstung zur Halbleiterherstellung, Software und anderen „Dual-Use“-Waren mit militärischer Relevanz einschränkt.
Das eskalierende Muster der chinesischen Exportkontrollen für kritische Mineralien
Auch wenn Chinas jüngste Exportbeschränkungen auf den ersten Blick plötzlich wirken oder als reine Reaktion auf aktuelle US-Maßnahmen erscheinen, sind sie tatsächlich Teil eines größeren Musters der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh). Ab 2020, als China ein Exportkontrollregime eingeführt hat, wurden die Restriktionen schrittweise ausgeweitet, bis 2023 die Handelsbarrieren deutlich verschärft wurden. Insbesondere bei der Exportkontrolle von Mineralien zeigt sich eine konsistente Vorgehensweise: Zunächst wird die Ausfuhr ausgewählter Mineralien in bestimmte Länder lizenzpflichtig; im zweiten Schritt folgt das vollständige Exportverbot bestimmter Rohstoffe, wie im Fall von Gallium, Germanium und Antimon, für die ab 2023 Exportlizenzen verpflichtend waren. Ein Jahr später hat die chinesische Regierung den Export dieser Mineralien in die USA und an US-Unternehmen vollständig untersagt.
Auch wenn Chinas jüngste Beschränkungen plötzlich erscheinen oder nur als Reaktion auf neueste US-Sanktionen wirken, sind sie tatsächlich Teil eines größeren Musters der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh).
Neben den Exportverboten für kritische und seltene Mineralien hat China außerdem Maßnahmen zur Einschränkung des Exports von Fertigungsanlagen ergriffen, die zur Verarbeitung dieser Rohstoffe nötig sind. So hat China kürzlich angekündigt, die Produktionstechnologie für Gallium und andere Kathodenmaterialien zu verbieten. Zudem gelten für verschiedene eingeschränkte Mineralien mittlerweile auch Beschränkungen für zugehörige Verarbeitungseinrichtungen.
Zusammengenommen zeigen die Exportkontrollen für Mineralien und Verarbeitungsausrüstung, dass China ein fortschrittlicheres Exportkontrollprogramm aufbaut. Dieses soll nicht nur den Abfluss von Mineralien in die USA verhindern, sondern auch erschweren, dass der wichtigste geopolitische Gegner sich alternative Lieferketten aufbaut. Da die USA weitere Exportkontrollen gegen China anwenden, dürfte diese Strategie, Amerika von kritischen Mineralien und Verarbeitungsanlagen abzuschneiden, weiter fortgesetzt werden.
Informelle vs. formelle Exportkontrollen
Eine Herausforderung bei der Identifizierung chinesischer Exportkontrollen ist deren oftmals informeller Charakter. (Im Gegensatz dazu sind in den USA Exportkontrollen für alle Beteiligten meist transparent.) So wurden zum Beispiel bereits 2023 für Gallium Exportlizenzen vorgeschrieben, ein offizielles Exportverbot für die USA und US-Unternehmen erfolgte jedoch erst im Dezember 2024. Dennoch hat der Marktaggregator Fastmarkets berichtet, dass bereits ab August 2023 kein Material mehr direkt in die USA exportiert wurde, seit die Lizenzanforderungen bekannt gemacht wurden. Dies lässt darauf schließen, dass das Verbot faktisch bereits ab August 2023 durchgesetzt wurde – und nicht erst Ende 2024. Diese Unterscheidung zwischen einem rechtskräftigen Verbot und einem in der Praxis wirkungsgleichen, aber nicht gesetzlich festgelegten Verbot, ist entscheidend für die Analyse der Auswirkungen auf die Lieferkette. Die Möglichkeit der Regierung, solche „Schattenverbote“ zu verhängen, bedeutet, dass Rohstoff-Lieferketten über Nacht betroffen sein können – auch wenn es keine offiziell neue Regelung gibt. Dies verdeutlicht letztlich, wie wichtig das Erfahrungswissen von Marktteilnehmern vor Ort ist – mitunter sogar wichtiger als die eigentlichen rechtlichen Bestimmungen.
Auswirkungen der chinesischen Exportrestriktionen für kritische Mineralien
Trotz der Exportkontrollen, die zahlreiche laut USGS als „kritisch“ eingestufte Mineralien betreffen, sind bisher nur wenige öffentlich bekannte Fälle von Unternehmen aufgetreten, die durch diese Beschränkungen negativ beeinflusst wurden. In einem der wenigen bekannten Fälle erklärte Henkel AG Force Majeure und war dadurch in seiner Teileversorgung beeinträchtigt – jedoch nur bei zwei Produkten. Insgesamt scheint es, dass Unternehmen alternative Bezugsquellen für Mineralien gefunden, andere Maßnahmen zur Risikominderung getroffen oder ihre Beschaffungsprobleme schlicht nicht öffentlich gemacht haben.
Dennoch gibt es nach wie vor zahlreiche Variablen, die beachtet werden sollten.
- Erstens: Die am stärksten betroffenen Branchen könnten bereits Vorräte angelegt haben, sodass sich die Auswirkungen auf die Lieferkette in die Zukunft verschieben.
- Zweitens: Beschränkungen auf Verarbeitungstechnologien aus China könnten geplante Projekte zum Aufbau neuer Lieferketten für diese Mineralien behindern.
- Drittens: Aufgrund der konkreten Umsetzungsbeispiele – wie das De-facto-Verbot von Gallium – sind Marktteilnehmer, die die eingesetzten Mineralien in ihren Bauteilen nicht kennen, erheblichen Risiken ausgesetzt, falls China über Nacht bestimmte kritische Mineralien beschränkt.
Die Herausforderung, alternative Bezugsquellen für kritische Mineralien zu sichern
Laut Daten des USGS 2025 Mineral Commodity Summaries ist China weltweit der größte Produzent der acht Mineralien, auf deren Export kürzlich Handelsbeschränkungen verhängt wurden:
- Gallium
- Germanium
- Antimon
- Wolfram
- Tellur
- Bismut
- Indium
- Molybdän
Laut Daten des USGS 2025 Mineral Commodity Summaries ist China weltweit der größte Produzent der acht Mineralien, auf deren Export kürzlich Handelsbeschränkungen verhängt wurden.
Im Fall von Gallium werden 90 % der weltweiten Primärproduktion in China erzeugt. Auch generell werden andere Länder erhebliche Schwierigkeiten haben, die chinesischen Kapazitäten für all diese Mineralien zu ersetzen. Zwar wäre es theoretisch möglich, das zur Herstellung dieser Rohstoffe benötigte Erz außerhalb Chinas zu beschaffen, doch sind weder die Verarbeitungsausrüstung noch das Branchen-Know-how oder die kommerzielle Skalierung außerhalb Chinas ausreichend vorhanden.
In den USA existieren zum Beispiel Umweltauflagen im Zusammenhang mit der Verarbeitung der derzeit in China veredelten Mineralien. Zudem befinden sich viele der in den USA vorhandenen Vorkommen der von China beschränkten Mineralien in Nationalparks oder Gebieten mit hohem Genehmigungsbedarf für Abbau und Extraktion. Aufgrund dieser Hürden ist es wenig realistisch, dass neue Akteure rasch eine Lieferkette für ein von China eingeschränktes Mineral etablieren können. Unternehmen, die auf diese kritischen Materialien angewiesen sind, müssen daher ihre Lieferketten genau kennen und sich rechtzeitig mit alternativen Designs, Bauteilen und Lieferanten auf zusätzliche Exportkontrollen vorbereiten.
Teil Zwei dieser vertiefenden Analyse der chinesischen Exportkontrollen und ihrer Auswirkungen auf die künftige Rohstoff-Lieferkette erscheint am Montag, den 31. März.