Grundsätzlich gilt: Kosten und Häufigkeit von Störungen stehen in direktem Verhältnis zur Größe und Komplexität einer Lieferkette. Anders ausgedrückt: Branchen mit größeren, mehrdimensionalen Lieferantennetzwerken sind anfälliger für Unterbrechungen, die die Fertigungskontinuität gefährden und zu messbaren Umsatzeinbußen führen.
Nur wenige Lieferketten – wenn überhaupt – sind so komplex wie jene der Automobilindustrie. Laut McKinsey hat ein durchschnittlicher Automobilhersteller etwa 250 direkte Lieferanten und rund 18.000 Lieferanten über alle Fertigungsstufen hinweg. Zum Vergleich: In der Luft- und Raumfahrtbranche liegt der Durchschnitt bei etwa 200 Tier-1-Lieferanten und 12.000 Lieferanten insgesamt. Bei Technologiekonzernen sind es 125 bzw. 7.000. Selbst im Vergleich zu anderen hochentwickelten Industrien nehmen die Automobilhersteller eine Sonderrolle ein: Sie setzen auf tiefgreifende, hochspezialisierte Lieferketten, die sich über Standorte, Länder und ganze Kontinente erstrecken. Infolgedessen müssen sich Automobilhersteller mit außergewöhnlich häufigen Störungen ihrer globalen Lieferketten auseinandersetzen.
Der Blick auf das aktuelle Jahr zeigt dies deutlich: Im Jahr 2025 wurde die Automobilindustrie durch eine Kombination aus hohen Zöllen und strikten Exportbeschränkungen für Seltene Erden (REEs) und zugehörige Magnete – essenzielle Materialien vieler automobiler BOMs (Stücklisten) – stark beeinträchtigt. Diese geopolitischen Entwicklungen haben weltweit zu zahllosen Zwischenfällen entlang der Lieferketten geführt, darunter Werksschließungen, Produktionsstopps und erhebliche finanzielle Sorgen.
Aus Sicht des Lieferkettenrisikomanagements (SCRM) genügt es jedoch nicht, die Schlagzeilen und potenziellen Risiken für Ihre Fertigungsnetzwerke zu kennen. Um tatsächlich wirksame Risikomanagementmaßnahmen umzusetzen und langfristige Resilienz in der Lieferkette zu stärken, müssen Unternehmen auch die unauffälligeren, weniger beachteten Bedrohungen verstehen – und erkennen können, woher diese stammen.
Zu diesem Zweck hat Z2Data eine Analyse eigener Daten durchgeführt und dabei Unterbrechungen in Lieferketten identifiziert, die deutlich weiter reichen als die derzeit viel diskutierten Handelshemmnisse. Insbesondere zeigte sich, dass Störungen an einzelnen Fertigungsstandorten – darunter Brände, Produktionsstopps und Arbeitskämpfe – Sub-Tier-Lieferanten signifikant häufiger betreffen als Tier-1-Lieferanten oder Originalgerätehersteller (OEMs). Obwohl diese Vorfälle oft schwer zu lokalisieren sind, da sie tief in den Sub-Tiers auftreten und nie als Aufhänger für Berichterstattung dienen, können sie die Produktionskontinuität eines Unternehmens erheblich beeinträchtigen.
Auch wenn die Erkenntnisse nicht revolutionär sind, liefern sie dennoch wertvolle Einblicke für SCRM-Verantwortliche, um Risiken gezielter zu adressieren, Kosten zu kontrollieren und Notfallpläne zu etablieren.
Auswirkungen dieser Analyse für Originalgerätehersteller (OEMs)
Bevor wir die Daten betrachten, lohnt es sich, zu klären, weshalb das Erfassen und Auswerten dieser Informationen für OEMs und andere Unternehmen von Vorteil ist. Statische Daten, die Strategie und Entscheidungsprozesse nicht beeinflussen, bleiben bloßes Rauschen. Unser Ziel ist, dass Unternehmen erkennen, wie sie auf die nachfolgenden Informationen gezielt reagieren können.
Priorisierungshierarchie für Risiken in Automobil-Lieferketten festlegen
Globale Lieferketten sind zahlreichen Risiken ausgesetzt – von Naturkatastrophen über Standortvorfälle und geopolitische Ereignisse bis hin zu logistischen Problemen, Cyberangriffen und weiteren Störungen. Um diese Ereignisse durchgängig zu beobachten, überwacht Z2Data täglich und stündlich über 120 verschiedene Risikotypen. Dieses Spektrum stellt Hersteller vor eine Herausforderung: Soll das Risikomanagement für sämtliche Störungen greifen und sind alle Risiken gleich zu behandeln?
Die hier präsentierten Daten unterstützen Unternehmen dabei, die Vielzahl der Bedrohungen innerhalb ihrer Lieferkette gezielt zu priorisieren, indem sie auch Risiken beleuchten, die üblicherweise nicht im Fokus stehen. Unternehmen, die sich mit dieser Datenlage befassen, gewinnen ein besseres Verständnis dafür, wie Standortvorfälle Sub-Tier-Lieferanten beeinträchtigen. Das erleichtert weitere Untersuchungen und gezielte Korrekturmaßnahmen.
Risiko-Management-Strategien entsprechend entwickeln
Sobald OEMs über diese Informationen verfügen, können sie ihre Risikomanagement-Strategien gezielt ausweiten und optimieren. Es gibt verschiedene Maßnahmen, mit denen Unternehmen auf die Daten zu Störungen in der Automobil-Lieferkette reagieren können.
- Alternative Lieferanten auf Basis der Anzahl und Art der Vorfälle, die einem bestimmten Sub-Tier-Lieferanten zugerechnet werden, etablieren.
- Standortvorfalldaten zur Optimierung von Multi-Sourcing-Strategien nutzen, z. B. Zusammenarbeit mit Lieferanten, die mehrere Fertigungsstandorte nutzen.
- Strategien entwickeln, um arbeitsbezogene Störungen in Fertigungs-Sub-Tiers zu mindern.
- Sicherheitsstandards bei Sub-Tier-Lieferanten prüfen und gegebenenfalls strengere Anforderungen zur Vermeidung von Bränden, Explosionen und weiteren Vorfällen auf Standortebene einführen.
Grundlage für weitergehende Risikoanalysen
Womöglich am wichtigsten: Die Störungsdaten bieten eine solide Basis für weiterführende Prüfungen innerhalb der Lieferkette. Die Lieferkette jedes Automobilherstellers ist individuell, aber die von Z2Data ausgewerteten Daten können Muster, Trends und wiederkehrende Vorfälle aufzeigen, die die Erfahrungen von Beschaffungs- und Risikomanagementexperten vor Ort bestätigen. Ziel ist, dass die hier präsentierten Erkenntnisse zu tiefergehenden, unternehmensspezifischen Untersuchungen der eigenen Lieferkette anregen.
Beispielsweise könnten die von Z2Data erfassten Daten zu Arbeitskämpfen in Sub-Tier-Lieferanten OEMs dazu bewegen, dieses Thema in der eigenen Lieferkette genauer zu analysieren. Dies könnte perspektivisch dazu führen, Sub-Tiers von bestimmten Herstellern oder Ländern, in denen es wiederholt und kostenintensiv zu Arbeitskonflikten kommt, stärker zu diversifizieren. Dies ist nur ein Beispiel von vielen; Unternehmen sollten diese Daten stets als Einstieg in eine weitergehende, intensive Überprüfung ihrer eigenen Lieferketten-Schwachstellen verstehen.
Fundierte, belastbare Daten bilden das Fundament für wirksames Lieferkettenrisikomanagement. Die hier dargestellten Perspektiven und Erkenntnisse zu Störungen in Lieferketten sind ein wichtiger Baustein für ein umfassendes statistisches Gesamtbild.
Z2Data-Methodik zur Analyse von Störungen in der Automobil-Lieferkette
Für die in diesem Beitrag dargestellten Daten haben wir zunächst die fünf häufigsten Störungsarten in der Automobil-Lieferkette für das Jahr 2024 sowie die ersten fünf Monate 2025 identifiziert. Anschließend wurden die Zahlen auf drei Lieferkettenkategorien verteilt: OEMs, Tier-1-Lieferanten und Sub-Tier-Hersteller. Zudem haben wir die Kategorie Standortvorfälle weiter aufgeschlüsselt und analysiert, wie verschiedene Unterarten von Standortvorfällen die einzelnen Tier-Ebenen beeinflussen.
Top fünf Störungen in der Automobil-Lieferkette
Die Analyse von Z2Data hat ergeben: Naturkatastrophen verursachen im Jahr 2024 und den ersten fünf Monaten 2025 die mit Abstand meisten Störungen in der Automobil-Lieferkette – über 12.000 Ereignisse wurden in den drei Fertigungskategorien insgesamt registriert. Es folgen Transport & Logistik mit mehr als 7.000 Ereignissen und Stromausfälle, die fast 2.000 Hersteller betroffen haben.
Standortvorfälle bei Sub-Tier-Lieferanten
Aus der Datenanalyse lassen sich diverse Erkenntnisse ableiten. Besonders auffällig ist jedoch die Häufung von Standortvorfällen bei Sub-Tier-Lieferanten. Zwar gehören Standortvorfälle (anders als Naturkatastrophen, Transport/Logistik und Stromausfälle) nicht zu den drei Hauptkategorien der Störungen – für Sub-Tier-Hersteller haben sie aber überproportionale Auswirkungen.
Unter den 1.245 dokumentierten Standortvorfällen im Zeitraum 2024 plus die ersten fünf Monate 2025 entfielen fast zwei Drittel – über 64 % – auf Fertigungsstätten von Sub-Tier-Lieferanten.
Vorfälle wie Werksschließungen, Produktionsstopps sowie Brände und Explosionen treten bei diesen Herstellern auffällig häufig auf, insbesondere im Vergleich zu Tier-1- und OEM-Ebene. Die Daten deuten auf ein abweichendes Risikoprofil dieser Hersteller hin – ein wichtiger Hinweis für OEMs bei der Entwicklung und Umsetzung von Risikomanagementmaßnahmen.
Die Ursachen dafür, dass Sub-Tier-Hersteller anfälliger für Standortstörungen sind, sind vielfältig. So könnten Sicherheitsstandards bei diesen Lieferanten niedriger sein, mit mehr Bränden, Explosionen und anderen gefährlichen Vorfällen als Folge. Auch mangelhafte Arbeitsbedingungen – und ein geringerer Fokus auf ESG-Standards – führen möglicherweise zu größerer Unzufriedenheit und häufigeren Arbeitskämpfen.
Schließlich sind Sub-Tier-Lieferanten oft von wenigen Herstellern wirtschaftlich abhängig. Bereits die Änderung eines einzelnen Bauteils oder Anpassungen in der Lieferkette können einen Produktionsstopp erzeugen. Das unterstreicht die Fragilität des Geschäftsmodells von Sub-Tier-Unternehmen, die oft auf einige wenige, größere und wirtschaftlich stabilere Hersteller angewiesen sind.
Event-Monitoring für Lieferketten mit Z2Data reduziert kostenintensive Risiken
OEMs und ihre Lieferanten wissen: Nach einer Lieferkettenstörung bedeutet jeder Zeitverlust bares Geld. Je länger es dauert, einen Vorfall zu analysieren, Auswirkungen in der Lieferkette zu bewerten und Gegenmaßnahmen zu ergreifen, desto größer werden die Verluste. Glücklicherweise können Automobilhersteller heute auf moderne Event-Monitoring-Funktionen in Lösungen für Lieferkettenrisikomanagement (SCRM) zurückgreifen.
Die Z2Data SCRM-Plattform bietet globales Event Monitoring für über 120 Risikotypen, darunter:
- Naturkatastrophen
- Standortvorfälle
- Geopolitische Entwicklungen
- Cyberangriffe
- Zölle
- ESG-Ereignisse
- Lieferengpässe
Um maximale Transparenz bezüglich dieser Störungen zu gewährleisten, nutzt Z2Data ein umfangreiches Alarmsystem, das auf Tausende lokale, nationale und internationale Quellen in über 20 Sprachen zugreift. In Kombination mit weiteren SCRM-Funktionen der Plattform erfahren Nutzer schnell von Störungen und können sofort den Einfluss auf die eigene Lieferkette auf Länder-, Lieferanten- und Fertigungsstandort-Ebene bewerten.
Mehr zu Z2Data und wie die Event-Monitoring-Funktionen Sie bei strategischen Reaktionen auf Lieferkettenstörungen unterstützen, erfahren Sie in einer kostenlosen Demo mit einem unserer Produktexperten.