Es ist kein Geheimnis, dass Indien große Pläne verfolgt. Als bevölkerungsreichstes Land der Welt mit der am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaft will sich diese aufstrebende Wirtschaftsmacht in den kommenden Jahren als ein führendes Zentrum für die Halbleiterfertigung etablieren.
Hier ein kurzer Überblick über die bisherigen Entwicklungen:
Kurzer Zeitstrahl: Indiens Bemühungen um mehr Halbleiterinvestitionen
Ende 2021 genehmigte das indische Bundeskabinett das Program for Development of Semiconductors and Display Manufacturing Ecosystem in Indien, auch bekannt als Semicon India Program. Dieses Programm investiert rund 10 Milliarden US-Dollar in den Aufbau der Halbleiterfertigung, insbesondere in die Chip- und Displayproduktion. Das Ziel: Indien zu einem der führenden Standorte für Elektronikentwicklung und -fertigung weltweit zu machen. Dies war Indiens erster bedeutender Schritt, um in einen von Taiwan und China dominierten Markt einzusteigen.
Anfang 2022 kündigte die indische Regierung an, ihre Kostenbeteiligung an neuen Halbleiterfabriken von 30 Prozent auf 50 Prozent zu erhöhen. Zudem wurde die Obergrenze für die maximal zulässige Investitionssumme aufgehoben und die Regierung sagte zu, 50 Prozent der Investitionskosten für neue Packaging-Fabriken zu übernehmen. Bis Februar gingen laut Regierung Anträge von fünf Unternehmen ein, die von diesen neuen Anreizen profitieren möchten.
2023 teilte die Regierung mit, eine „zweite Runde“ von Bewerbungen für Unternehmen zu eröffnen, die Halbleiterchips in Indien fertigen möchten.
Diese Initiativen sind einige der einschneidenden Maßnahmen, mit denen Indien seine Position in der globalen Technologielandschaft sichern will.
Micron: Indiens erste Halbleiterfabrik in Gujarat
Wenige Stunden nach der Einladung, Indiens Kampagne zur Halbleiterdominanz beizutreten, kündigte der US-Chiphersteller Micron Pläne zum Bau einer neuen Assembly- und Testfabrik in Gujarat an. Die Investition in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar (davon 825 Millionen von Micron, der Rest vom indischen Bund und der Landesregierung) soll innerhalb von 18 Monaten nach der Ankündigung im Juni abgeschlossen sein, also bis Dezember 2024.
Gujarat ist der westlichste Bundesstaat Indiens, mit über 1.400 Kilometern Küstenlinie und einer Bevölkerung von 60,4 Millionen (Stand 2011). Die Region ist überdurchschnittlich industrialisiert und weist eine niedrige Arbeitslosenquote auf – ideale Voraussetzungen für Microns Technologie-Investment. Gujarat ist zudem Indiens größtes Fertigungszentrum und hat diesen Titel 2021 vom Nachbarstaat Maharashtra übernommen.
Die neue Anlage wird sich auf Montage und Test von DRAM- und NAND-Produkten konzentrieren, um sowohl die Nachfrage auf dem heimischen als auch auf dem internationalen Markt zu bedienen.
Micron ist gemessen am Umsatz der fünftgrößte Halbleiterhersteller der Welt und betrieb Ende 2023 weltweit 13 FABs. Diese FABs fertigen Prozess-Technologieknoten von 30nm und kleiner und werden häufig in Produkten wie Automobilen, Unterhaltungselektronik, Servern und Computern eingesetzt.
Weitere Akteure im indischen Halbleitermarkt
Indiens Initiativen im Halbleiterbereich nehmen deutlich Fahrt auf – aber ein Selbstläufer ist es dennoch nicht.
Im letzten Jahr beantragten ISMC und Vedanta Ltd. Fördermittel aus dem Semicon Programm. ISMC plante eine Investition von 3 Milliarden US-Dollar im südindischen Bundesstaat Karnataka, Vedanta 19,5 Milliarden (in Partnerschaft mit Foxconn). Seit den ursprünglichen Ankündigungen stockt der Fortschritt aus verschiedenen Gründen: Der israelische ISMC-Partner Tower befindet sich derzeit in der Übernahme durch Intel. Vedanta und Foxconn kämpfen mit Verzögerungen, da sie STMicroelectronics in das Vorhaben einbinden möchten.
Trotz dieser Rückschläge schreiten andere Pläne weiter voran. Indiens Minister für Elektronik und Informationstechnologie, Ashwini Vaishnaw, kündigte an, dass bald drei neue Halbleiter-FABs entstehen werden.
Diese Nachricht folgte auf die Eröffnung von AMDs größtem weltweiten Designzentrum in Bengaluru, der größten Stadt Karnatakas. Die Investition über 400 Millionen US-Dollar wird Forschung, Entwicklung und Ingenieursdienstleistungen in Indien bündeln – mit Fokus auf nächste Generationen von CPUs, GPUs und SOCs.
Laut The Times of India „plant der hochmoderne Campus, in den kommenden Jahren rund 3.000 Ingenieure zu beschäftigen, die an Entwicklung und Design von Halbleitertechnologien einschließlich 3D-Stacking, künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und mehr arbeiten.“
Indien steht in der Halbleiterfertigung erst am Anfang
Die indische Halbleiterindustrie befindet sich noch in der Anfangsphase, doch der Appetit auf mehr ist bereits deutlich zu spüren. Ob und wie es mit den Investitionen von ISMC und Vedanta weitergeht, bleibt abzuwarten. Für den Moment jedoch schaut ganz Indien beispielhaft auf Micron, um zu sehen, was echter Erfolg für den Standort Indien bedeuten könnte.