Wie die Nexperia-Krise den Halbleitermarkt prägt: Ein Z2Data-Bericht

Analyse der Nexperia-Krise und ihrer Auswirkungen auf Halbleiter-Lieferketten, Bestände und Strategien für Alternativbauteile.

Wie die Nexperia-Krise den Halbleitermarkt prägt: Ein Z2Data-Bericht

Der Eigentümerstreit um Nexperia zählt zu den auffälligsten und akutesten Lieferkettenereignissen der letzten Zeit. Die Geschichte ist jedoch noch nicht zu Ende, und die bisherigen Entwicklungen offenbaren neue Schwachstellen für Lieferketten, die von Nexperia-Bauteilen oder deren Alternativbauteilen abhängig sind. In unserer Originalanalyse untersuchen wir den Streit selbst, die dabei offengelegten Schwachstellen in Nexperias Lieferkette und die potenziellen Auswirkungen auf Hersteller, die Komponenten des Chipherstellers nutzen.

Überblick

Der Auslöser war die Ankündigung der US-amerikanischen Behörde Department of Commerce, die Ende September die neue Bureau of Industry and Security „Affiliates Rule“ bekanntgab. Diese Ankündigung führte zu Sanktionen gegen den niederländischen Halbleiterhersteller Nexperia, nachdem dieser 2018 von Wingtech Technology übernommen wurde. (Wingtech wurde im Dezember 2024 in die BIS Entity List aufgenommen.) In der Folge versuchte die niederländische Regierung, den Besitz des Unternehmens zu übernehmen. Nur wenige Tage später reagierte China – wo ein erheblicher Anteil der Halbleiterfertigung von Nexperia stattfindet – und verhängte Exportkontrollen über die chinesischen Nexperia-Standorte sowie deren Subunternehmer. 

Zeitleiste der Nexperia-Chipkrise

  • 29. September: Das U.S. Department of Commerce erlässt eine neue Regelung, die den Geltungsbereich der Entity List des Bureau of Industry and Security (BIS) erweitert. Laut BIS-Website unterliegt jede Organisation, die zu mindestens 50 Prozent einem Unternehmen auf der Entity List gehört, denselben Restriktionen. Aufgrund der Übernahme durch Wingtech Technology im Jahr 2019 fällt Nexperia ab sofort unter die Restriktionen der Entity List. 
  • 30. September: Die niederländische Regierung versucht, mittels Berufung auf das Verfügbarkeitsgesetz die Kontrolle über Nexperia zu übernehmen. Nach Angaben der niederländischen Regierung erfolgte diese Maßnahme angesichts „jüngster und akuter Signale“, die „eine Bedrohung der Kontinuität und Sicherung von entscheidendem technologischem Wissen und Fähigkeiten auf niederländischem und europäischem Boden“ darstellten. 
  • 4. Oktober: Das chinesische Handelsministerium erlässt Exportkontrollen für das chinesische Nexperia-Werk und die Subunternehmer. Der Export von in China gefertigten Komponenten und Baugruppen ins Ausland wird untersagt. 
  • 19. Oktober: Ein von Nexperias chinesischem Management verfasster und von Medien enthüllter Brief stellt klar, dass Nexperia ein „chinesisches Unternehmen mit Wurzeln in China“ sei und daher vorrangig chinesische Vorschriften zu berücksichtigen habe. Weiterhin werden Mitarbeitende aufgefordert, „äußere Einmischungen zu ignorieren“. 
  • 22. Oktober: Volkswagen informiert seine Mitarbeitenden über potenzielle Produktionsstopps aufgrund der durch die Nexperia-Konflikte verursachten Lieferkettenprobleme. Die deutsche Zeitung Bild berichtet, Arbeitsunterbrechungen seien bereits ab Mittwoch, dem 29. Oktober, geplant. 
  • 23. Oktober: Die Japanese Automobile Manufacturers Association (JAMA) meldet, dass Nexperia kürzlich japanische Autozulieferer darüber informiert habe, möglicherweise Chip-Lieferungen nicht erfüllen zu können. JAMA hebt hervor, dass die betreffenden Halbleiter essenziell für elektronische Steuergeräte sind, und mangelnde Lieferung Auswirkungen auf Mitglieder wie Toyota, Honda und Nissan haben könnte. 
  • 30. Oktober: USA und China erzielen ein Handelsabkommen: Die Trump-Regierung setzt die BIS Affiliates Rule für ein Jahr aus, und China stimmt zu, den Betrieb der chinesischen Nexperia-Standorte zur Sicherstellung der Versorgung mit kritischen Legacy-Chips wieder aufzunehmen.
  • 7. November: Europäische Automobilhersteller bestätigen die Wiederaufnahme der Nexperia-Chip-Lieferungen. 
  • 19. November: Die niederländische Regierung stellt ihre Intervention bei Nexperia als Zeichen des guten Willens vorläufig ein. China nennt dies einen „ersten Schritt in die richtige Richtung“, betont aber, dass damit noch nicht alle Forderungen erfüllt seien.

Vorübergehende Entspannung durch Handelsdeal und Entspannung

Angesichts einer drohenden Lieferkettenkrise erzielten US-Präsident Trump und Chinas Präsident Xi Jinping Ende Oktober ein entscheidendes Handelsabkommen. Die Vereinbarung beinhaltete, dass die USA die BIS Affiliates Rule für ein Jahr aussetzen und China Ausnahmen für Nexperia-Chips im zivilen Bereich – darunter Automotive – zulassen. Seither wurden Nexperia-Chips wieder an europäische Automobilhersteller geliefert, wodurch der Druck auf Hersteller, die erneut mit Engpässen rechneten, spürbar nachließ. 

Die Vereinbarung beinhaltete, dass die USA die BIS Affiliates Rule für ein Jahr aussetzen und China Ausnahmen für Nexperia-Chips im zivilen Bereich – darunter Automotive – zulassen.

Am 19. November gab die niederländische Regierung dann bekannt, die Intervention bei Nexperia auszusetzen. Als Grund wurden positive Schritte Chinas zur Wiederaufnahme des Exports von Chips genannt.

Warum viele Probleme für Nexperia & seine Kunden fortbestehen

Die durch das Handelsabkommen erzielte temporäre Entspannung löst nicht die anhaltenden Auswirkungen auf die Chip-Lieferkette – viele Probleme lassen sich nicht kurzfristig oder einfach beheben.

Zunächst ist da die Wirkung auf Branchenebene. Nexperia-Halbleiter, die in China gefertigt werden – wo ein Großteil der IC-Montage erfolgt – finden sich in der Unterhaltungselektronik, Luft- und Raumfahrt, Verteidigung und Medizintechnik. Der durch die Eigentumskrise und die chinesischen Exportkontrollen entstandene Flaschenhals stellt ein erhebliches Risiko für die Produktion in ganz Europa und somit die gesamte globale Lieferkette dar. 

Dann ist die Frage der Qualität. Als Reaktion auf die Exportkontrollen im Oktober stoppte Nexperia B.V. vorübergehend die Lieferung von Wafern an das Haupt-IC-Montagewerk in Dongguan, China.

Dann ist die Frage der Qualität. Als Reaktion auf die Exportkontrollen im Oktober stoppte Nexperia B.V. vorübergehend die Lieferung von Wafern an das Haupt-IC-Montagewerk in Dongguan, China.


In einem offiziellen Update vom 14. November auf der Unternehmenswebsite versicherte Nexperia den Stakeholdern, dass die chinesischen Standorte vermutlich über ausreichend Wafer verfügen, um die Chip-Exporte und die Auftragsabwicklung in den kommenden Monaten fortzusetzen. Dennoch warnte das Unternehmen: „Da es an Transparenz und Kontrolle über die Fertigungsprozesse mangelt, können wir für von der Nexperia-Fabrik in China ab 13. Oktober ausgelieferte Produkte keine Garantie hinsichtlich geistigem Eigentum, Technologie, Authentizität und Qualitätsstandard übernehmen.“

Schließlich besteht das Problem der Abhängigkeit. Der Nexperia-Eigentümerstreit hat die Abhängigkeit des Chipherstellers von den Fertigungsstätten in Dongguan und chinesischen Subunternehmern sowie die Abhängigkeit vieler Hersteller von Nexperia-Komponenten aufgedeckt. Es ergibt sich eine doppelte Herausforderung: Nexperia bleibt durch die Abhängigkeit von China langfristig verwundbar – eine schnelle Lösung ist unwahrscheinlich – und Hersteller müssen nun ihre eigene Exponierung kritisch prüfen und alternative Bezugsquellen suchen. Leider gibt es hier keinen einfachen Weg.

Der Nexperia-Eigentümerstreit hat die Abhängigkeit des Chipherstellers von den Fertigungsstätten in Dongguan und chinesischen Subunternehmern sowie die Abhängigkeit vieler Hersteller von Nexperia-Komponenten aufgedeckt.

Letztendlich ergibt sich aus der Nexperia-Krise nicht nur eine einzige Konsequenz – es sind viele – und alle tragen zum Gesamtbild der Unsicherheit in der Halbleiter-Lieferkette bei. Selbst wenn politische, regulatorische und eigentumsbezogene Probleme rund um Nexperia gelöst würden, könnten diese Dynamiken bestehen bleiben.

Hersteller, die diese Herausforderungen und ihre veränderte Ausgangslage nicht verstehen oder ernst nehmen, könnten künftig deutliche Wettbewerbsnachteile erleiden.

Wie verletzlich ist Ihr Unternehmen wirklich?

Um Herstellern einen besseren Überblick über aktuelle Risiken rund um Nexperia zu geben, haben wir vier neue Schwachstellen identifiziert, die aus der Krise hervorgehen:

  • Nexperias Verwundbarkeit durch die an China gebundene Fertigung
  • Schwindender Zugang zu Nexperia-Bauteilen bei autorisierten Kanälen
  • Veränderungen bei der Verfügbarkeit alternativer Bauteil-Lieferanten
  • Neue Trends bei unabhängigen Distributoren 

Um die vollständige Analyse zu erhalten, laden Sie hier unseren umfassenden Bericht herunter.

Nexperia Crisis eBook

Nexperias Abhängigkeit von der chinesischen Fertigung

Nexperia-Chips sind ein integraler Bestandteil der globalen Automobil-Lieferkette. Wenig bekannt ist jedoch, welche Chips tatsächlich in China gefertigt und/oder montiert werden – und somit am stärksten vom Eigentümerstreit betroffen sind.

Eine Analyse der Datenbank von Z2Data hat die zehn Nexperia-Kommoditätskategorien mit den größten Auswirkungen identifiziert – vor allem durch deren Abhängigkeit von den Standorten in China. Diese Konzentration erhöht das operative und geopolitische Risiko rund um die aktuelle Situation des Unternehmens und macht bestimmte Produktfamilien besonders anfällig. Die folgende Kategorisierung basiert sowohl auf der Gesamtanzahl der in China gefertigten Nexperia-MPNs als auch auf dem Prozentsatz jeder Warenart, der dort produziert wird.

Nexperia-Kommoditäten-Typen mit höchster China-Abhängigkeit
Kommodität# Bauteile IC-Montage in ChinaProzentsatz der Kommodität in China montiert
Zener-Dioden4.42889%
Logikgatter & Inverter86353%
GP-BJTs1.54375%
Puffer & Leitungstreiber57357%
MOSFETs80454%
Gleichrichter90658%
Transiente Überspannungsschutzgeräte66935%
Analoge Schaltern/Multiplexer22470%
Schalter, Multiplexer und Decoder26978%
Digitale BJTs48651%

Die Tabelle zeigt: Nexperia ist für die IC-Montage stark auf das Werk in Dongguan und ein Netzwerk chinesischer Subunternehmer angewiesen. Über drei Viertel der Zener-Dioden, GP-BJTs sowie Schalter, Multiplexer und Decoder werden in China montiert. Auch erhebliche Mengen an MOSFETs, Gleichrichtern sowie Logikgattern und Invertern werden dort gefertigt oder montiert. Dies hat gravierende Konsequenzen gerade für die Automobilindustrie, die auf Nexperias Zener-Dioden, BJTs und MOSFETs stark angewiesen ist. 

Um alle Analysen zur Nexperia-Bauteilverfügbarkeit, zum Markt alternativer Lieferanten und zu weiteren Trends der Eigentumskrise einzusehen, laden Sie den vollständigen Bericht herunter. 

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