Spotlight:
- Lieferengpass ausgelöst durch steigende Chip-Nachfrage in zahlreichen Branchen
- Woher stammen die meisten Halbleiter der Welt?
- Der Blick richtet sich nach Taiwan
- Der Engpass könnte sich bis 2022 verlängern
Update, 12. Februar: Laut The Hill wird US-Präsident Biden eine Executive Order unterzeichnen, in der Halbleiter „eine der zentralen Motivationen“ sind. Zusätzlich sieht die Order eine „umfassende Überprüfung der Lieferketten für kritische Güter“ vor. Dieser Schritt folgt auf einen Brief der Semiconductor Industry Association – einem Verband führender Chiphersteller wie Intel, IBM und Qualcomm – an Biden, in dem gefordert wurde, Forschung und Fertigung von Halbleitern zu stärken.
Zuerst war die Automobilindustrie betroffen. General Motors musste drei nordamerikanische Fabriken schließen, und ein Werk in Südkorea arbeitet nur noch mit halber Kapazität.
Auch andere Automobilhersteller – wie Volkswagen, Toyota, Subaru, Ford und Nissan – mussten ihre Produktion drosseln aufgrund des Halbleiter-Engpasses.
Doch die Auswirkungen des Engpasses weiten sich weiter aus.
Der weltgrößte Smartphone-Chip-Hersteller Qualcomm warnte nun: Die Nachfrage kann kaum noch bedient werden. Der neue CEO Cristiano Amon wies auf die Verbreitung des Engpasses hin: „Der Mangel in der Halbleiterindustrie betrifft alle Bereiche.“
Auch Apple Inc. (ein Qualcomm-Kunde) bestätigt die Ausweitung des Engpasses von Automotive zu Unterhaltungselektronik: Der Konzern erklärte, dass iPhone 12-Verkäufe durch unzureichende Verfügbarkeit von Komponenten limitiert wurden.
Dass sich der Engpass auch auf Unterhaltungselektronik erstreckt, überrascht kaum.
Seit Beginn von COVID-19 kämpfen Halbleiterhersteller mit dem sprunghaften Nachfrageschub für sämtliche IoT-Geräte (Internet der Dinge). Neue Smartphones, Laptops, Desktops, Spielkonsolen, Fernseher, Entertainment-Systeme und mehr werden seit pandemiebedingten Veränderungen im Alltag verstärkt nachgefragt.
Quarantänen, soziale Einschränkungen und vermehrtes Arbeiten im Homeoffice führen dazu, dass Menschen heute 90 % ihrer Zeit zuhause verbringen.
Menschen sind gelangweilt.
Und was tun gelangweilte Menschen? Sie kaufen Elektronik zur Unterhaltung für sich und ihre Familien.
Der Verbrauchermarkt wirkt als Katalysator – doch die eigentliche Ursache des Engpasses liegt im Herzen jedes Elektronikunternehmens: der Lieferkette. Qualcomm und andere Chiphersteller sind auf eine kleine Zahl asiatischer Fertigungsstätten für ihre Halbleiter angewiesen.
Halbleiter-Lieferanten
Mit Supply Chain Watch von Z2Data lässt sich nachvollziehen, wo die größte Konzentration an Halbleiter-Lieferanten und -Herstellern angesiedelt ist.

Die Informationen erschöpfen sich jedoch nicht in Punkten auf einer Landkarte. Jedes Symbol steht für einen Halbleiter-Lieferanten oder -Hersteller, dessen Daten per einfachem Klick zugänglich sind.
Eine stärkere Transparenz und Flexibilität in der Lieferkette kann Unternehmen helfen, die mit der Deckung der Halbleiter-Nachfrage kämpfen. Ein Unternehmen kann das Tool nutzen, um zusätzliche Lieferantenstandorte für Halbleiter zu finden. Ein anderes verfolgt einen vorsichtigeren Ansatz und prüft mit dem Tool, ob die aktuellen Lieferantenstandorte zusätzliche Risiken bergen (z. B. Naturkatastrophen oder geopolitische Ereignisse), die die ohnehin knappen Halbleiter weiter einschränken könnten.
Taiwans Maßnahmen gegen den Halbleiter-Engpass
Nordwestlich des Philippinischen Meeres liegt ein Land voller markierter Symbole. Geografie-Interessierte erkennen: Es handelt sich um Taiwan – eine Halbleiter-Industrienation, auf die die globale Elektronikwirtschaft (z. B. Qualcomm) baut.
Taiwan hat sich zuletzt mit hochrangigen US-Beamten über seine Produktionskapazitäten ausgetauscht. Die US-Offiziellen dankten Taiwan für die Bemühungen zur Lösung der Chip-Engpässe.
Die Regierung Taiwans hat zudem ihre Chip-Hersteller – darunter Taiwan Semiconductor Manufacturing Co (TSMC), den weltweit größten Auftragsfertiger – aufgefordert, ihre Produktion zu erhöhen und so zur Verbesserung der Versorgungslage beizutragen.
Wann endet der Elektronik-Engpass?
Halbleiterhersteller benötigen bis zu sechs bis neun Monate, um ihre Produktion anzupassen – der Engpass dürfte sich damit bis Ende 2021 hinziehen.
Andererseits erwarten Branchenexperten wie Vivek Arya, Halbleiteranalyst bei BofA Securities, dass sich die Engpässe bei Wafern und Substraten im zweiten Halbjahr 2021 „nur teilweise entspannen“, während sich die Knappheit bei führender Technologie (z. B. Computing-, 5G-Chips) bis 2022 ausweiten könnte.
Michael Hogan, Senior Vice President bei GlobalFoundries, hält einen genauen Zeitrahmen für schwer bestimmbar: Es kann 20 bis 25 Wochen dauern, bis neue Chip-Bestellungen aufgegeben, produziert und im Endprodukt integriert sind.
Mit andauerndem Engpass ergreifen Unternehmen zusätzliche Maßnahmen, um zukünftigen Versorgungsproblemen vorzubeugen. Neben dem Einsatz detaillierter Lieferkettendaten zur besseren Transparenz der Lieferanten fließen Investitionen in neue Fertigungskapazitäten für Halbleiterhersteller.
Während sich die Halbleitersituation weiter zuspitzt, bleibt offen, wann sich die Lage tatsächlich entspannt.