Anstieg der Verzögerungen bei Unterhaltungselektronik

Technologieunternehmen weltweit sind mit Chip-Lieferengpässen und Störungen in der Lieferkette durch Covid-19 konfrontiert. Verzögerungen können Produktzeitpläne beeinträchtigen.

Anstieg der Verzögerungen bei Unterhaltungselektronik

Apple plant die Veröffentlichung der neuen MacBook Pros mit miniLED-Hintergrundbeleuchtung jetzt für Oktober oder sogar erst November, anstatt wie üblich im September. Neue Apple-Smartphones sollen weiterhin im September erscheinen, werden jedoch voraussichtlich ohne die Notebook-Modelle eingeführt.

Quellen zufolge hängen die Verzögerungen bei den MacBook Pros vermutlich mit dem anhaltenden Engpass bei elektronischen Bauteilen zusammen. Zudem erschweren pandemiebedingte Verzögerungen in Malaysia die MLCC-Versorgung von Apple zusätzlich. Der malaysische passive Bauteilhersteller Taiyo Yuden hat seine Fertigungslinien bis zum 10. September ausgesetzt. Diese Verzögerung ist deshalb relevant, weil das betroffene Werk Hauptlieferant von MLCCs (Mehrschicht-Keramikkondensatoren) für Apple ist. Auch wenn dieser Produktionsstopp die 2021-Produkteinführungen bei Apple voraussichtlich nicht beeinträchtigt, könnten sich Auswirkungen auf den Produktplan des Technologiekonzerns für 2022 ergeben.

Nicht nur Apple

Selbstverständlich ist Apple nicht das einzige Unternehmen aus der Unterhaltungselektronik, das aktuell von Chipknappheit und Störungen in der Lieferkette betroffen ist. Auch Samsung sieht sich mit Lieferkettenproblemen und möglichen Produktverzögerungen konfrontiert.

Wegen steigender Covid-Fallzahlen in Vietnam betreibt Samsung seine dortige Fabrik derzeit nur mit 30 bis 40 Prozent der Gesamtkapazität. Diese Fertigungsstätte ist auf die Produktion von TV- und Haushaltsgeräten von Samsung spezialisiert. Allerdings hat Samsung eine Strategie entwickelt: Vor-Ort-Schlaflager für die Beschäftigten in benachbarten Schulen und anderen von Samsung gesicherten Einrichtungen.

Ein Branchenvertreter, der die Schlafbedingungen kennt, warnte vor möglicher Unruhe unter den Mitarbeitenden: „Das wird die Beschäftigten unausweichlich in eine ermüdende Situation bringen, da sie fast einen weiteren Monat nicht nach Hause können.“

Die anhaltenden Produktionsverzögerungen dürften die Black-Friday-Verkäufe von Samsung beeinträchtigen – das umsatzstärkste Einkaufsereignis in den USA, das im November stattfindet.

Wir wissen, wer Schuld ist

Der Fluch der Jahre 2020 und 2021 bedroht die Technologielieferketten weiterhin. Und wir alle kennen diesen Namen: Covid-19.

Der erneute Anstieg des Virus und seiner Delta-Variante sorgt für kumulierte Lieferkettenprobleme in ganz Asien – und sogar weltweit. Asien, das knapp 42 Prozent der globalen Exporte liefert, steht vor Störungen, die sich auf das Wintergeschäft auswirken werden. Die Transportkosten befinden sich bereits auf Rekordniveau, und ein Problem in einem asiatischen Hafen kann sich nach und nach auf weitere Häfen auswirken – und sich wie ein eigenes Virus verbreiten.

China musste kürzlich einen Hafen, der der drittgrößte der Welt ist, teilweise schließen. Gleichzeitig kommt es in Südostasien aufgrund von Corona-bedingten Lockdowns und Quarantänen zu Produktionsstopps in der Elektronikindustrie und bei weiteren Gütern.

Und vergessen Sie nicht die Halbleiter. Führungskräfte von Branchengrößen wie Intel und TSMC sind sich einig, dass die Knappheit bestehen bleibt. Pat Gelsinger, CEO von Intel, rechnet mit einer Verlängerung des Engpasses bis ins Jahr 2023 – eine Einschätzung, die auch TSMC teilt. Darüber hinaus erwartet Pat Gelsinger, dass sich die Knappheit in den kommenden sechs Monaten noch verschärfen wird, bevor Besserung in Sicht ist.

Denken Sie daran: Diese Lieferkettenstörungen wirken zeitverzögert. Eine Werksschließung in Malaysia heute könnte sich erst ab Mitte nächsten Jahres auf die Lieferkette auswirken. Je mehr Sie derzeit über Verzögerung und Produktionsaussetzung lesen, desto mehr Lieferkettenstörungen können Sie künftig erwarten.