Vier Erkenntnisse aus dem Webinar „Obsoleszenztrends 2024“ von Z2Data

Die aktuell wichtigsten Trends zur Obsoleszenz elektronischer Bauteile

Vier Erkenntnisse aus dem Webinar „Obsoleszenztrends 2024“ von Z2Data

Zentrale Erkenntnisse:

  • 36 % der befragten Branchenexperten sehen technologische Innovation als wichtigsten Treiber der Bauteilobsoleszenz.
  • Marktnachfrage, technologische Innovation und Lieferkettenunterbrechungen sind die entscheidenden Faktoren für Obsoleszenz.
  • Die Obsoleszenzrate sank im Jahr 2023 gegenüber dem Vorjahr um 37 %.
  • Bei etwas weniger als einem Drittel aller im Jahr 2023 gemeldeten Produktlebensenden (EOL) gab es keine PCN (Product Change Notification).
Obsolescence trends webinar

Von Widerständen über Kondensatoren bis hin zu Mikrocontrollern – jedes Jahr werden Hunderttausende elektronischer Bauteile obsolet. Während sich die Obsoleszenz bestimmter Materialien auf viele Branchen auswirkt, sind die Folgen für die Elektronik besonders gravierend. Die Gründe hierfür sind vielfältig: von geringer Nachfrage bis zum rasanten Tempo technologischer Innovationen – Branchenprofis haben hierzu oft eigene Theorien und Erfahrungen. Doch was sind die wirklichen Treiber der Obsoleszenz in einer Welt nach der Pandemie?

Z2Data hat eine Studie durchgeführt, um die Herausforderungen der Bauteilobsoleszenz, die Unternehmen jetzt und in naher Zukunft betreffen, zu beleuchten. Hier sind vier zentrale Erkenntnisse aus der Untersuchung, die Unternehmen helfen, Veränderungen in der Elektronikindustrie besser zu verstehen und ihr Obsoleszenzmanagement gezielter zu planen. 

1. Wahrnehmungen zur Obsoleszenz in Fertigung und Lieferkette: Eine Branchenumfrage

Im März 2024 befragte Z2Data rund 9.000 Fachleute aus Fertigung und Lieferkettenmanagement zum Thema Obsoleszenz. Ziel der Umfrage war es, besser zu verstehen, wie die Auswirkungen von Obsoleszenz erlebt werden und welche Faktoren als die wichtigsten Treiber eingeschätzt werden.

Branchenumfrage: Was ist die größte Herausforderung Ihres Teams beim Management von Obsoleszenzrisiken?

Über 31 % der Befragten nennen die Sicherstellung von Kompatibilität und Performance mit Alternativbauteilen als größte Hürde. 26 % nennen die genaue Prognose von Obsoleszenztrends als wiederkehrende Schwierigkeit. Weitere Herausforderungen: Die Identifikation von Alternativbauteilen (18 %), die Sicherung des Budgets für das Obsoleszenzmanagement (8 %) und das Ausbleiben von EOL-Benachrichtigungen (5 %).

Im Rahmen der Umfrage wurde auch ermittelt, welche Faktoren aus Sicht der Befragten am meisten zur Bauteilobsoleszenz beitragen.

Branchenumfrage: Welcher Faktor trägt Ihrer Ansicht nach 2024 am stärksten zu Obsoleszenzrisiken bei?

Über 36 % der Teilnehmenden nennen technologische Innovationen, die die Lebenszyklen von Bauteilen überholen, als Hauptrisiko für das Produktlebensende (EOL). An zweiter Stelle stehen Lieferkettenunterbrechungen (26 %). Es folgen nachlassende Marktnachfrage (21 %) und Änderungen von Industriestandards (13 %).

Vergleicht man die Einschätzungen mit den realen Daten, liegen die Branchenprofis nicht weit daneben. Sie identifizierten korrekt die drei Hauptgründe für Bauteilobsoleszenz, setzten sie aber in der falschen Reihenfolge. Z2Data zufolge ist die niedrige Marktnachfrage – die in der Umfrage auf Platz drei lag – tatsächlich der Hauptgrund für Obsoleszenz: 78 % aller EOL-Fälle sind auf rückläufige Nachfrage infolge veränderter Präferenzen und technischer Innovationen zurückzuführen. Technologiewandel, der von den meisten als Hauptursache angesehen wird, führt nur bei 15 % der Fälle zum Produktlebensende (EOL). (Die große Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Statistik resultiert vermutlich daraus, dass technologische Änderungen oft die schwerwiegendsten geschäftlichen Folgen haben.) Lieferkettenunterbrechungen sind mit 7 % für einen vergleichsweise kleinen Anteil der Obsoleszenz verantwortlich.

2. Zentrale Trends bei der Obsoleszenz 2021–2024: Erkenntnisse von Z2Data

Für die Analyse der Obsoleszenztrends nutzte Z2Data seine Datenbanken, die über eine Milliarde Teile, 150.000 weltweite Lieferanten und 50.000 Fertigungsstandorte erfassen. Es wurden PCNs, Abkündigungsmitteilungen (PDN), Lifecycle-Status-Änderungen sowie größere Muster in der Branche ausgewertet, um die wichtigsten Entwicklungen in der Bauteilobsoleszenz zu identifizieren.

Im Überblick: 473.910 Bauteile wurden 2023 abgekündigt. Das ist – trotz der hohen Zahl – ein spürbarer Rückgang verglichen mit den Jahren der COVID-19-Pandemie. 2021 wurden 528.546 Bauteile obsolet; 2022 stieg die Zahl auf 756.087. Im Vergleich dazu erscheint das Niveau 2023 moderat, und die Prognosen für 2024 bewegen sich auf ähnlichem Kurs. Trotz sinkender Zahlen der abgekündigten Bauteile von Jahr zu Jahr gibt es jedoch einen weiteren entscheidenden Aspekt, der berücksichtigt werden muss.

3. Die unsichtbare Herausforderung der EOL-Benachrichtigungen in Lieferketten

Von den 473.910 Bauteilen, die das Produktlebensende (EOL) erreichten, fehlte bei 142.173 – also rund 30 % – jegliche PCN-Benachrichtigung durch den Hersteller. Dies verdeutlicht die verbreitete Kommunikationlücke zwischen Lieferanten und Kunden im Obsoleszenzfall. Die Gründe dafür reichen von strategischer Zurückhaltung bis zu fehlenden Ressourcen für zeitnahe PCN-Ausgaben. Diese Diskrepanz zeigt, wie schwierig es für Unternehmen ist, proaktiv auf EOL-Ereignisse zu reagieren und sich darauf vorzubereiten.

Unabhängig von der Gesamtzahl der Obsoleszenzen und ihrer PCNs fand Z2Data auch heraus: Die Monate März und Oktober verzeichnen traditionell die meisten EOL-Fälle.

4. Obsoleszenztrends bei passiven und Halbleiterbauteilen 2023

In einer vertieften Analyse untersuchte Z2Data Obsoleszenztrends bei passiven und Halbleiterbauteilen. Wenig überraschend führen passive Komponenten die Rangliste der Obsoleszenzfälle aufgrund ihrer schieren Anzahl klar an:

2023 – Trends: Passive Komponenten, nach Anzahl der Bauteile

Obwohl deutlich weniger Halbleiter auf dem Markt erhältlich sind und die Obsoleszenzrate geringer ist, haben EOLs dort oft gravierendere Auswirkungen auf den Produktlebenszyklus und führen zu höheren Redesign-Kosten. Die Analyse von Z2Data zu Halbleiter-Obsoleszenz für 2023 zeigt die folgenden Obsoleszenzraten nach Bauteiltyp:

2023 – Trends: Halbleiter, nach Anzahl der Bauteile

Obsoleszenz von Bauteilen souverän beherrschen 

Die Zahlen der letzten Jahre zeigen klar: Obsoleszenz gehört untrennbar zur Elektronikindustrie. Getrieben durch das hohe Innovationstempo, den Wettbewerbsdruck und die Verwundbarkeit globaler Lieferketten erreichen jährlich Hunderttausende Bauteile ihr Produktlebensende. Auch wenn im vergangenen Jahr eine Entspannung gegenüber dem EOL-Schub der Pandemiezeit spürbar war, bleibt der Bedarf für Unternehmen, sich frühzeitig auf technologische Obsoleszenz und Branchentrends vorzubereiten.

Obsolescence trends report

Mehr erfahren mit dem Obsolescence Trends in 2024 Webinar von Z2Data

Für einen tieferen Einblick in Herausforderungen und Lösungen rund um Bauteilobsoleszenz nehmen Sie Kontakt mit Z2Data auf, um den Zugang zum aktuellen Webinar zu erhalten. Das Webinar beleuchtet aktuelle EOL-Trends, analysiert Abkündigungen in MCUs, FPGAs und DRAM sowie Strategien für ein zukunftssicheres Obsoleszenzmanagement.