Was tun bei Cyberangriffen?

Cyberbedrohungen nehmen zu und richten sich gegen stark gefragte Branchen. Werden Halbleiterhersteller das nächste Ziel?

Was tun bei Cyberangriffen?

Spotlight:

  • Rückblick auf den SolarWinds-Angriff
  • Fujifilm, Microsoft und JBS alle von Ransomware betroffen
  • Wird die Halbleiterindustrie als Nächstes ins Visier genommen?

Hacker werden immer hacken. Für sie geht es nicht nur um Störung – es ist ein Spiel. Während die Netzwerksicherheit kontinuierlich verschärft wird, freuen sich Hacker über jede neue Herausforderung, die sich ihnen bietet.

Das ist vielleicht offensichtlich, aber: Hacker sind sehr klug. Noch schlimmer – Hacker sind sehr klug und sie wollen, dass jeder das weiß.

Die Personen hinter Cyberangriffen sind außerdem noch eines: sehr gelangweilt.

Wie war noch das Sprichwort? Ach ja: „Müßige Hände sind die Werkstatt des Teufels – und des Hackers.“

A live look at a very dangerous cyber hacker
Ein aktueller Blick auf einen sehr gefährlichen Hacker

Die neuesten Unternehmen, die Ziel von Cyberangriffen wurden, sind JBS und Fujifilm. JBS ist einer der größten Fleischlieferanten weltweit. Fujifilm ist ein multinationaler Konzern mit Sitz in Japan, der digitale Imaging-Produkte und High-Tech-Medizintechnik herstellt.

Der krasse Unterschied zwischen den Produkten dieser Unternehmen macht eines deutlich: Cyberangriffe interessieren sich nicht dafür, was ein Unternehmen produziert. Fleisch, Technologie, Automotive, Verteidigung, usw.

Es ist ihnen egal. Sie wollen einfach Lieferketten stören und ihre technische Raffinesse demonstrieren.

Auch Microsoft ist weiterhin von Cyberangriffen betroffen. Diese Angriffe werden Nobelium zugeschrieben, einer kriminellen Cybergruppe, die vermutlich hinter den früheren SolarWinds-Angriffen stand.

Rückblick auf SolarWinds

Der SolarWinds-Angriff wurde im Dezember 2020 als fortschrittlicher und komplexer Cybersecurity-Vorfall öffentlich gemacht. Die Lieferkette des Unternehmens wurde infiltriert, und das Produkt wurde kompromittiert. Jeder Kunde, der das Produkt herunterlud, holte sich damit sogenannte „Trojanische Pferde“ ins Netzwerk.

Organisationen ohne eigene Cybersecurity-Kompetenz wurde geraten, ihre Netzwerke vollständig von der SolarWinds-Anwendung zu trennen. Das zeigt: Unternehmen ohne Verteidigung gegen Cyberangriffe sind mehr oder weniger handlungsunfähig, bis jemand extern das Problem behebt.

Unternehmen mit Cybersecurity-Teams konnten hingegen System-Audits durchführen und ihre Netzwerke auf Malware überprüfen. Sie hatten zumindest die Chance, SolarWinds-Anwendungen weiterhin zu nutzen, weil sie in der Lage waren, Cyber-Bedrohungen zu bekämpfen.

Das verdeutlicht die Bedeutung des Begriffs „Cyber-Hygiene“.

Cyber-Hygiene beschreibt im Wesentlichen, wie gut ein Unternehmen potenzielle Cyber-Bedrohungen reduziert. Das Center for Internet Security definiert als Mindeststandard für Cyber-Hygiene folgende Maßnahmen:

  • Asset-Inventarisierung
  • Patching- und Schwachstellenmanagement
  • Multi-Faktor-Authentifizierung
  • Nutzung von Accounts mit minimalen Berechtigungen
  • System-Härtung

Unternehmen, die diese Cybersecurity-Maßnahmen ergreifen, sind auf dem richtigen Weg.

Auch Microsoft ist nicht sicher

Selbst Unternehmen, die genug Budget für fortschrittlichste Cybersicherheit haben – wie Microsoft – sind potenziellen Angriffen nicht völlig entkommen.

Die geschäftlichen E-Mail-Server des Technologiekonzerns wurden durch eine koordinierte Phishing-Kampagne angegriffen, von der über 3.000 Einzelkonten und mehr als 150 Organisationen betroffen waren.

Ziel der Phishing-Attacken: Datendiebstahl und allgemeine Störung sowie Chaos in Unternehmen und Lieferketten.

Die Lehre daraus: Jeder ist für Cybersecurity-Risiken anfällig.

Fragen Sie JBS und Fujifilm

Warum sollten ein globaler Fleischlieferant und ein Technologiekonzern attackiert werden? Diese Frage beantwortet am besten der Threat Researcher John Hultquist vom Cybersecurity-Unternehmen FireEye:

„Lieferketten, Logistik und Transport, die unsere Gesellschaft am Laufen halten, sind besonders gefährdet durch Ransomware. Angriffe auf Engpässe können überproportionale Auswirkungen haben und zu schnellen Lösegeldzahlungen führen.“

Erneuter Beweis: Hacker wollen gezielt globale Lieferketten stören – besonders in Branchen mit hoher Nachfrage. Und was ist aktuell eine der gefragtesten Branchen?

Achtung vor Angriffen auf Halbleiter- und fortschrittliche Computerbauteil-Hersteller

Steigende Kundennachfrage, erhöhte Anforderungen an Automotive-Computing, pandemiebedingte Werksschließungen – all das hat zur aktuellen Chip-Knappheit beigetragen. Das Letzte, was die Branche jetzt braucht, ist ein Cybersecurity-Vorfall.

Nicht zu vergessen: Schon Ende 2020 kam es zu einem Vorfall, bei dem Tower Semiconductor Hunderttausende Dollar zahlen musste, um Ransomware aus dem System zu entfernen. Dadurch kam es zu Störungen in der Lieferkette, weil Tower Teile seiner Produktion vorübergehend einstellen musste. Ein weiterer Angriff auf die Halbleiter- und fortschrittliche Komponenten-Lieferkette könnte 2021 gravierende Folgen haben.

Wäre jetzt 2019, wäre ich vielleicht noch optimistisch.

Erinnern Sie sich an 2019? Damals sah es ungefähr so aus:

These days, it's not all sunshine and roses
Heutzutage ist nicht alles Sonnenschein und Rosen

Der Pessimismus von 2020 überträgt sich auf 2021 – als wäre Murphys Gesetz jetzt Standard: Wenn etwas Schlechtes passieren kann, dann fühlt es sich fast so an, als würde es auch passieren.