Preiserhöhungen und Lieferengpässe: Produktionsunsicherheit für elektronische Bauteile im Jahr 2021

Die Elektronikindustrie rechnet aufgrund von Lieferengpässen und Unsicherheiten mit steigenden Preisen und längeren Lieferzeiten für elektronische Bauteile.

Preiserhöhungen und Lieferengpässe: Produktionsunsicherheit für elektronische Bauteile im Jahr 2021

Spotlight:

  • Preise für elektronische Bauteile steigen seit November 2020 kontinuierlich
  • Produktionsunsicherheit aus dem Jahr 2020 setzt sich ins neue Jahr fort
  • Branchenspezialisten erwarten für 2021 Lieferengpässe – aktuellstes Beispiel: Halbleiter

Steigende Preise für elektronische Bauteile

Drei Haupttreiber für steigende Bauteilpreise im Jahr 2021 sind:

  • Covid-19
  • Steigende Preise für Kupfer und andere Produktionsmetalle
  • Mögliche Engpässe bei Halbleitern, Mehrschicht-Keramikkondensatoren, Leistungs-MOSFETs und weiteren Komponenten

TrendForce – ein Marktforschungsinstitut – erwartet Preiserhöhungen um 20 % für Controller-Chips von Solid-State-Drives (SSDs). Diese Preissteigerung resultiert aus der unzureichenden Deckung der SSD-Marktnachfrage und dem Engpass im Foundry-Markt.

Auch bei DRAM werden steigende Preise erwartet – für das erste Quartal 2021 wird ein Anstieg um 5 % prognostiziert. Zudem haben sich die Preise für PMIC zu Jahresbeginn um 20 % erhöht.

Steigende Preise für Kupfer und andere Metalle führen ebenfalls zu höheren Preisen bei elektromechanischen Geräten und passiven Bauteilen.

Insgesamt wird für Speicher- und System-Chips für 2021 der größte Preisanstieg erwartet.

Am 1. Juni 2021 kündigte STMicroelectronics eine Preiserhöhung an – bedingt durch den anhaltenden Halbleiterengpass. In einem Schreiben an die Kunden teilte das Unternehmen mit, dass viele Materiallieferanten die Nachfrage nicht decken können, was zu strengeren kommerziellen Bedingungen und Preisanpassungen führt, um notwendige Materialien zu sichern. Die Preise werden für alle Produkte von STMicroelectronics erhöht.

Die Preise für NOR-Flash werden ebenfalls im dritten Quartal 2021 stark steigen. Prognosen zufolge könnte es aufgrund der angespannten Versorgung mit Speicherchips zu Preiserhöhungen von bis zu 30 % kommen. Im dritten Quartal wird das Angebot an NOR-Flash-Produkten etwa 10 % unter der Nachfrage liegen. Zusätzlich zu den erwarteten 30 % Preisanstieg im dritten Quartal, haben die Preise im zweiten Quartal laut DigiTimes Asia bereits einen Anstieg um 50–60 % erfahren.

Die Verknappung und die Preiserhöhungen bei NOR-Flash-Bauteilen lassen sich auf folgende Faktoren zurückführen:

  • Nachfrage nach Next-Gen-Smartphones mit AMOLED-Displays
  • Großbestellungen für True-Wireless-Stereo-Kopfhörer und -Headsets
  • Bedarf an 5G-Basisstationen
  • Vielfältige verwandte Geräteanwendungen

Produktionsunsicherheit hält 2021 an

Die Pandemie bleibt das zentrale Thema für Lieferkettenmanager und Beschaffungsexperten. In den USA und zahlreichen weiteren Ländern wurden trotz fortschreitender Impfungen Rekordwerte bei den Fallzahlen verzeichnet.

Der aktuelle Anstieg der Fallzahlen sorgt weiter für die Befürchtung unter Branchenexperten, dass COVID weiterhin Auswirkungen auf die Lieferketten haben wird. Die Auswirkungen von COVID im Jahr 2021 sind schwer vorherzusehen, da sich die Pandemielage ständig ändert. Zwei Möglichkeiten, wie Unternehmen den Störeinflüssen begegnen können, sind die Erhöhung der Transparenz in der Lieferkette und eine verbesserte Kommunikation.

Die Pandemie hat zudem noch einen weiteren unvorhergesehenen Effekt auf die Lieferketten: Da die Verbraucher mehr Zeit zu Hause verbrachten, stieg die Nachfrage nach Elektronikprodukten – von Smartphones und Laptops bis hin zu TVs und Gaming-Systemen. Diese erhöhte Nachfrage nach Consumer Electronics hat die Automobilhersteller in der Prioritätenliste zurückgesetzt.

Viele Automobilhersteller sahen sich gezwungen, ihre Fertigungskapazitäten zu reduzieren.

Bauteil-Engpässe erwartet

Die gestiegene Nachfrage nach Unterhaltungselektronik führte zu einem unerwarteten Nachfrageanstieg in der Produktion, dem große Foundries und Chipfertiger nicht entsprechen konnten. Diese Engpässe betrafen nicht nur Autos, sondern auch Unterhaltungselektronik wie PlayStation und Xbox.

Die Halbleiter-Lieferkette war im Dezember zusätzlich durch die Aufnahme eines großen chinesischen Halbleiterherstellers auf die US-Blacklist belastet.

Die Halbleiterversorgung lässt sich nicht einfach aufstocken: Es dauert viele Jahre und hohe Investitionen, um Produktionsstätten zu errichten. Chip-Hersteller bevorzugen eine konservative Strategie bei der Silizium-Fertigung, da das finanzielle Risiko enorm ist.

Nicht nur die Automobilindustrie wird 2021 vom Halbleiter-Engpass betroffen sein. Da Consumer-Electronics-Projekte weiter die Aufmerksamkeit von Siliziumfabriken auf sich ziehen, sind weitere Engpässe in anderen Branchen zu erwarten.